Der Menschenmacher von Cody McFadyen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel The innocent bone, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Bastei Lübbe.

  • --: ?, 2011 unter dem Titel The innocent bone. 480 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2011. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 978-3-7857-2407-1. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Bastei Lübbe, 2011. Gesprochen von Hannes Jaenicke. ISBN: 978-3-7857-4448-2. 6 CDs.

'Der Menschenmacher' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze

David lebt gemeinsam mit zwei anderen Kindern bei einem Mann, den sie ihren Vater nennen. Der Mann hält sie gefangen und stellt ihnen unmögliche Prüfungen, an denen sie wachsen sollen ═ »evolvieren«, wie er sagt. Wenn sie versagen, wird Vater sehr böse. Oft benutzt er einen Gürtel, manchmal eine Zigarette. Den Kinder bleibt keine Wahl: Wenn sie überleben wollen, müssen sie Vater töten. Zwanzig Jahre später. David ist ein erfolgreicher Autor. Doch noch immer träumt er jede Nacht von dem schrecklichen Mord, den sie begangen haben. Eines Tages erhält er einen Brief mit einem einzigen Wort: Evolviere.Vater ist vielleicht doch nicht tot. Die Vergangenheit kehrt zurück. Und mit ihr das Grauen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht Fisch, nicht Fleisch« 52°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Cody McFadyen kann man getrost zu den Shooting Stars in der aktuellen Thriller-Szene zählen. Alle vier Romane seiner Smoky-Barrett-Reihe tummelten sich besonders im letzten Jahr unter den Top-Ten verschiedenster Bestseller-Listen. Die Begeisterung über McFadyens (Über-) Heldin Smoky Barrett schlug gerade bei jüngeren Lesern so hohe Wellen, wie sie sonst höchstens Popidolen entgegen gebracht wird. Ein bisschen von ihrem Glamour-Glanz fällt auch auf den Autor zurück, der gerne mal als »genialster« oder »brillantester« Autor abgefeiert wird. Es ist kein Geheimnis, dass viele andere Leser und Kritiker diese Einschätzung nicht teilen.

Als im vergangenen Spätherbst für Februar 2011 ein »neuer Cody McFadyen« angekündigt wurde, begann das große Rätselraten in der Fangemeinde, ob in Der Menschenmacher »Everybody´s Darling« nun mitspielt oder nicht. Die Informationen waren erst spärlich, da The Innocent Bone, so der amerikanische Titel, noch nicht in den USA erschienen war und noch immer nicht erschienen ist, so dass man sich schon fragen kann, welche Gründe das haben mag.

Nun, Cody McFadyen gönnt seiner beliebten Protagonistin eine Babypause und setzt sie nicht eines schmachvollen Auftritts aus, wie das Kollegin Gerritsen mit ihrer Heldin Jane Rizzoli machte. Wie sieht nun das McFadyen-Universum ohne Smoky Barrett aus?

Der Menschenmacher ist ein in sich abgeschlossener Roman, der ganz ohne Ermittlungen im eigentlichen Sinn auskommt. Die Gegenwartsgeschichte ist eine Schnitzeljagd bzw. ein Wettkampf um Leben und Tod, den die drei Hauptfiguren aufgezwungen bekommen. In ausführlichen Rückblenden wird die Vorgeschichte der drei aufgerollt. Allison, Charlie und David waren Waisenkinder aus ärmlichen Verhältnissen, als sie von Streifenpolizist Bob Gray adoptiert wurden, und damit begann für sie eine Zeit unglaublicher physischer und psychischer Misshandlungen, die sie nur mit einem mutigen Schnitt beenden konnten.

Die Eingangsszene des Romans gehört zu den beliebtesten in der Thrillerbranche: Zwei maskierte Männer entführen eine junge bildhübsche Frau aus ihrem Schlafzimmer. Ein Satz im Sinne von: »Noch ein Wort, und ich schneid dir eine Titte ab und stopf sie dir ins Maul« sagt unmissverständlich, wo der Hammer hängt. Der Prolog bleibt erstmal ein Amuse-Gueule für den Thrillerfan, denn McFadyen geht daraufhin weit zurück in der Zeit und erzählt von Davids glücklichen, unbeschwerten Kindertagen. Ein rührseliges Episödchen nach dem Motto:

Wir waren arm, ach so arm, dass wir das Lametta für den Weihnachtsbaum aus Zeitungspapier schnippeln mussten.

Vielleicht hat der Autor nur Pech, dass gerade dieses Beispiel in Deutschland als Witz kursiert. In seiner Biographie schreibt er, dass er diese weihnachtliche Begebenheit selbst erlebt habe. Wie dem auch sei, dieses kleine Stück »heile Welt« bleibt der einzige Lichtpunkt in dem nun folgenden Szenario aus sich immer weiter fortsetzender Gewalt.

Aus den misshandelten Kindern sind Erwachsene geworden, die die Ereignisse von damals unterschiedlich verarbeitet haben. David hat als Krimiautor reüssiert und später dann die gemeinnützige Stiftung »Innocence Foundation« ins Leben gerufen, eine Institution, die sich präventiv und nachsorgend um bedrohte oder misshandelte Kinder kümmert. Der Haken an der Sache ist, dass David insgeheim die Aufgabenstellung der Stiftung über einen legitimen Rahmen hinaus erweitert hat. Charlie, Davids Bruder im Schmerz, hat als ehemaliger Angehöriger einer US-Spezialtruppe die Aufgabe übernommen, Pädophile, Pornographen, Zuhälter und ihre Zuarbeiter zu liquidieren. Dass es dabei auch zu Kollateralschäden kommt, nimmt er billigend in Kauf. Sein unverarbeiteter Hass, der von den Misshandlungen durch den Adoptivvater herrührt, lässt ihn zur brutalen Killermaschine mutieren.

Allison, die Dritte im Bunde, hatte es auf die legale Seite des Gesetzes verschlagen. Als Angehörige des FBI jagte sie hartnäckig Serienmörder, bis sie von den geheimen Machenschaften ihrer Brüder erfuhr. Ihr Gewissenskonflikt, einerseits Polizeibeamtin zu sein und andererseits von den Taten ihrer Brüder zu wissen, ließ sie den Polizeidienst quittieren.

Eines Tages bekommen alle drei jeweils ein Päckchen zugestellt, dessen Inhalt sie veranlasst, sich wieder zu treffen, und zwar an dem Ort, an dem alles begann.

Cody McFadyen hat sich eines ernsten Themas angenommen, des Kindesmissbrauchs. Sein Roman beginnt mit der Widmung: »Für alle mutterlosen Kinder« und endet u.a. mit dem Satz:

Er träumte … von einer Welt, in der alle Kinder in Sicherheit waren und alle Mütter am Leben.

Auch der amerikanische Titel The Innocent Bone, metaphorisch übersetzt der Unschuldsknochen, weist in Richtung der Opfer – ein imaginärer Knochen, der die physische und psychische Unversehrtheit eines Kindes schützen soll.

Überraschenderweise stehen dann die Opfer bei McFadyen gar nicht im Vordergrund. Er konzentriert sich mehr auf den/die Täter, sucht nach deren Motiven und versucht deren offensichtlichen Sadismus mit einem philosophischen oder religiösen Mäntelchen zu verbrämen. Ausführlichst bemüht er Friedrich Nietzsche und dessen Thesen zum »Übermenschen«, um Bob Grays grausamen Erziehungsmethoden einen Hintergrund zu verschaffen. Nur greift McFadyen sich die Aspekte aus Nietzsches Theorie heraus, die in sein Konzept passen; andere übersieht er geflissentlich. Wenn nicht andere plakative Gründe bei der deutschen Titelgebung eine Rolle gespielt haben, geht der Titel Der Menschenmacher auf eine falsche Interpretation von Nietzsches »Übermensch«-Thesen zurück, zumal hier kein Macher, sondern ein Zerstörer am Werke ist. Auch die später ins Spiel kommenden religiösen Fundamentalisten sind keine verwirrten Glaubenskrieger, sondern einfach nur psychisch kranke Menschen.

Der ganze Aufwand, den McFadyen hier treibt, um seinem Roman einen intellektuellen Anstrich zu geben, führt sich selbst ad absurdum und wäre verzichtbar gewesen. Er transferiert die verübten Gräueltaten ins Abstrakte, so dass der Leser keine empathische Verbindung zu den Opfern entwickeln kann. Dass das Thema Kindesmissbrauch keines monströsen Hilfskronstrukts bedarf, zeigt Jack Ketchum in seinem Meisterwerk Evil.

Wenn es Cody McFadyens Ansinnen war, eine Verbindung zwischen seinen trashigen Thrillern und einem anspruchsvolleren gesellschaftskritischen Roman herzustellen, kann man es nur als misslungen bewerten.

Was macht ein jugendlicher Thrillerfan, der beim Namen Cody McFadyen auf knallharte Action setzt, wenn er sich mit philosophischen Traktaten, Zitaten von Bertrand Russell und einem ellenlangen Brief an Ernest Hemingway konfrontiert sieht? Er ärgert sich, wie es schon in vielen Kommentaren anklingt.

Ein »anderer« McFayden, wie es auch zu lesen ist, findet vielleicht ein neues Publikum, Doch das muss sich dann mit McFadyens expliziten Gewaltdarstellungen auseinandersetzen, obwohl der Autor sich im Vergleich zu seinen früheren Werken merklich zurückhält, doch ohne Ekelszenen – besonders im bluttriefenden Finale – geht es nicht.

Wer wie McFadyen zwischen zwei Polen pendelt, erreicht nicht zwangsläufig die Mitte, höchstens das Mittelmaß. Ein »Stand-Alone« außerhalb einer erfolgreichen Reihe birgt sowohl Risiko als auch Chance. Die Gefahr, das Stammpublikum zu vergrätzen, ist groß. Serien-Liebhaber möchten Kontinuität in Machart, Thematik und Personal, auch wenn nur ein Aufguss eines Aufgusses dabei herauskommt. Neuerungen stehen sie wenig offen gegenüber.

Um eine neue Leserschaft zu erschließen, bedarf es aber eines radikalen Schnitts mit der Vergangenheit und den hat Cody McFadyen nicht gewagt. Die eigenen Konventionen müssen aufgebrochen werden, sonst kann man es gleich sein lassen.

Jürgen Priester, März 2011

Ihre Meinung zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher«

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Marco Evans zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 29.03.2018
Ich habe das Buch vor 2-3 Jahren gelesen und muss leider sagen, dass Herr Priester offensichtlich zu banal ist.
Wie bei vielen wertvollen Autoren trifft mich das Buch unheimlich und entfesselte in mir den unnachgiebigen Drang es in kürzester Zeit zu Ende zu lesen (Zeit ist kostbar, auch meine, denn ich habe fünf Kinder und arbeite gerne).
Es packte mich total und beim Lesen hatte ich permanente Angst durch zu sein.
Und das ist für mich der Moment, wenn man beim Lesen riechen kann wie es in den im Buch beschriebenen Situationen riecht, wo mir als Leser klar wird: das ist richtig gut und so muss es sein!

Also.tolles Buch, guter Autor, Alles schön

Vg
Meni77 zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 12.03.2018
Ein sehr durchwachsener Thriller, den Anfang fand ich gar nicht so schlecht, mich konnte die Story dann aber nicht ganz packen! Der Plot war einfach nicht stimmig, zu sehr an den Haaren herbei gezogen! Ein guter Thriller sollte einfach zumindest annähernd realistisch, aber bei diesem Werk fehlte mir dies einfach. Ich finde ihn gar nicht einmal zu brutal, es stimmte einfach nicht, genauso wie das Ende! Die Smokey Reihe hat leider auch ganz viel an Qualität verloren, vielleicht liegt es auch daran, dass der Autor schwer erkrankt war.
Abe zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 25.10.2016
Rangiert für mich unter Bücher die die Welt nicht braucht.
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Jossele zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 11.11.2015
Dies war mein erster Roman von Cody McFadyen und es wird auch der letzte sein. Ich konnte dem Buch absolut nichts abgewinnen. Die Story ist in sich völlig unglaubwürdig, ein logisches Desaster, kein Teilchen passt zu anderen. Am Ende werden immer mehr Figuren aus der Familie von Bob Gray aus dem Hut gezaubert, die irgendwie noch involviert sind, manche nur ein paar Sätze lang. Ich habe den Eindruck, dass es dem Autor hauptsächlich darum ging, Zwischenspiele für seine unglaublichen Gewaltschilderungen zu finden. Wer auf eine Aneinanderreihung von Gewaltszenen steht, der ist richtig, alle anderen: lieber Finger weg. 1°
Maria zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 06.09.2015
Ein tolles Buch, bei dem es dem Leser schwerfällt, es aus der Hand zu legen. Ich war von der Handlung gefesselt und könnte das Buch jederzeit weiterempfehlen. Trotzdem habe ich mich manchmal gefragt: Wie krank sind wir Menschen eigentlich, um so etwas zu schreiben oder zu lesen!?
An die Adresse einiger Kritiker: Wer so ein Buch als unglaubwürdig bezeichnet, sollte als Lesestoff Sachbücher aussuchen.
Nisi zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 19.08.2015
Blutig ... meiner Ansicht nach manchmal zu blutig ... vermutlich damit der Leser bei seinem langatmigen, eintönigem und umgangssprachlichen Schreibstil nicht einschläft! Der Schluss war nur noch einfach "hingewischt" und man merkte der Autor hatte keine Lust mehr ... aufs Schreiben oder auf seine Charaktere. Hab mich jedoch nicht unbedingt geärgert ... hab das Buch geliehen und wusste ja schon das seine Thriller, für meinen Geschmack zu klischeebelastet, übertrieben und oftmals langatmig sind. ( Hab jedoch nur das erste aus der Smoky-Reihe gelesen und das ständig weggelegt und mir ein besseres genommen)
Sorry an alle Fans!
SanDeRaw zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 18.04.2015
Ich Liebe seine Werke, dieses ebenfalls. Es hat mich nicht gestört das die geliebte Smoky dieses mal nicht dabei war. Trotzdem hoffe ich das dies kein Dauerzustand ist, denn ich empfinde eine hohe Sympathie für alle Charaktere, sogar für James.
Auch wenn ich alle Bücher gelesen habe, stört es mich nicht im geringsten das Cody immer wieder die Geschichte von Smoky wiederholt, denn so haben Leser die Möglichkeit quer einzusteigen ohne sich an eine bestimmte Reihenfolge zu halten :-)
Ich mag seinen Schreibstil unheimlich, seine Bücher fesseln mich jedes mal ♥

ich hoffe, das 'Die Stille vor dem Tod' bald rauskommt. Wenn dieser Tag kommt, bin ich eine der ersten, die sich dieses Buch besorgt... sofort! :D
Moro Liana zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 25.03.2014
Wie meine Vorgänger sagten, mir gefällt die Smokey Barrett Serie viel besser. Die war spannend von der ersten bis letzte Seite. Der Menschenmacher war einfach zu langatmig, aber trotzdem musste ich es bis zum Schluss Lesen.
trotzdem gespannt auf sein nächstes Buch. Ich hoffe dass es wieder ein Smokey Barret thriller wird. Sie fehlt mir schon :-)
toni zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 13.12.2013
brilliant ..
der mann ist einfach nur genial..ich liebe seine werke..könnte die bücher manchmal fressen..der todekünstler hab ich vier mal gelesen und das böse in uns drei mal..aber der menschenmacher topt alles..stephen king kann einpacken ;) die bücher stehen bei mir in einer beleuchteten vitrine :)
sonja veronika zu »Cody McFadyen: Der Menschenmacher« 26.11.2013
Es ist genial geschrieben.
Das Herz pocht.
Die gier es zu lesen, nicht aus der Hand legen zu wollen.
Es ähnelt meiner Kindheit. Nur das ich bei meinen eigenen Eltern "aufwuchs".
Es gibt welche die können schreiben, ohne sich oft in Ihren Buchreihen stets zu wiederholen,immer was neues Atemberaubendes schaffen,
und welche die es eben nicht können und somit das Buch in die länge ziehen um zum schluss enttäuscht zu sein. Zu den letzten punkt gehört Cody Mcfadyen nicht. Danke für deine geschriebenen Werke.

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