Ganz die Deine von Claudia Piñeiro

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Tuya, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Unionsverlag.

  • Buenos Aires: Colihue, 2005 unter dem Titel Tuya. 192 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2008. Übersetzt von Peter Kultzen. ISBN: 978-3293003804. 192 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2009. Übersetzt von Peter Kultzen. ISBN: 978-3293204584. 189 Seiten.

'Ganz die Deine' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Jede Frau wird unweigerlich irgendwann von ihrem Mann betrogen, davon ist Inés, perfekte Ehefrau und Mutter, überzeugt. Deshalb ist sie auch nicht überrascht, als sie in der Aktentasche ihres Mannes Ernesto ein Zettelchen findet mit einem Herz aus Lippenstift, unterschrieben mit »Ganz die Deine«. Ab jetzt untersteht Ernesto ihrer strengen Kontrolle. Als sie Ernesto an einem regnerischen Winterabend heimlich folgt, wird sie Zeugin eines heftigen Streits zwischen ihm und einer Frau. Die Frau stürzt, Ernesto versenkt sie im nahegelegenen See: Endlich ist die Geliebte aus dem Weg geräumt. Inés verhilft ihrem Mann zu einem Alibi, denn schließlich verbindet Hass genauso sehr wie Liebe. Doch der undankbare Ernesto denkt gar nicht daran, seine außerehelichen Aktivitäten aufzugeben. Nun beginnt Inés einen Rachefeldzug, von dem es kein Zurück mehr gibt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein kleiner Knüller« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Ines ist ganz die treusorgende Ehefrau: Ihr Mann Ernesto hat eine Affäre, aber das ist zunächst kein Problem für sie. In seiner Aktentasche fand sie einen Zettel, auf den mit Lippenstift ein Herz gemalt ist, unterschrieben mit »Die Deine«. Aber schließlich antwortet er auf ihre Aussage »Ich liebe Dich« mit »Ich Dich auch« – mehr kann man ja nicht verlangen. Dass eine Ehe nach einigen Jahren nicht mehr so leidenschaftlich ist und man sich nicht mehr küsst, ist ja normal. Aber das Verhältnis zu der Deinen sollte sich keinesfalls vertiefen. Also folgt sie ihm eines Abends, als er vorgibt, in der Firma dringend ein EDV-Problem lösen zu müssen, und sieht, wie er sich an einem See im Stadtpark mit seiner Sekretärin Alicia trifft. Die beiden scheinen sich zu streiten und als er sie von sich stößt, fällt sie und schlägt mit dem Kopf gegen einen umgestürzten Baumstamm.

Ines fährt wieder nach Hause, fest entschlossen, ihren Mann auch weiterhin zu unterstützen und ihn vor einer eventuellen Mordanklage zu bewahren. Sie wartet darauf, dass Ernesto ihr das Unglück gesteht, damit sie ihm ihre Komplizenschaft offenbaren kann. Aber bis dahin gilt es, die Zeit zu nutzen. An Alicias Arbeitsplatz findet sie die Schlüssel zu ihrer Wohnung. Bewaffnet mit Gummihandschuhen macht sie sich auf den Weg dorthin, um weiteres Belastungsmaterial, was auf eine Verbindung Alicias mit Ernesto hindeuten könnte, zu entfernen. Alicias Leiche, von Ernesto in den See des Parks geworfen, bleibt verschwunden. Alles wunderbar, oder? Aber das Blatt wendet sich …

Ganz die Deine ist ein sehr passender deutscher Titel für Claudia Piñeiros Erstlingswerk, das bereits im Jahre 2003 in Argentinien erschienen ist und für den Premio Planeto, den höchstdotierten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt, nominiert war. »Die Deine« zieht sich wie ein roter Faden durch das nur 184 Seiten kurze Buch, denn Ines nennt die Geliebte ihres Mannes fortwährend bei diesem Namen, während sie denn Leser quasi an ihren Selbstgesprächen teilhaben lässt. Ihre Entscheidung, warum sie ihren Ehemann trotz dieses Vertrauensbruches auch in einer solchen Situation unterstützt, kann man zwar nur schwer nachvollziehen, aber es ist äußerst amüsant, ihre Aktivitäten zu verfolgen.

Nebenbei wirft die Autorin scharfzüngig einen Blick hinter die Fassade einer Ehe. Die beiden Partner sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht bemerken, was in ihrer Familie noch vor sich geht, was einem wahrlich zu denken gibt.

In prägnanten Worten und einem gut lesbaren Stil führt sie durchs Geschehen – kein Wort ist überflüssig -, wozu sicherlich auch die Übersetzung ihren Teil beiträgt. Mit ihrem schwarzen Humor spickt die Autorin zudem ihre Erzählung, so dass neben der Krimihandlung für gute Unterhaltung gesorgt ist. Und auch die Spannung kommt nicht zu kurz, soviel sei verraten. Es ist erstaunlich, wie sie dies alles auf so wenigen Seiten komprimiert unterbringt.

Claudia Piñeiros Krimi ist süffisant, scharfzüngig, einfallsreich und schwarz wie der Einband des Buches selbst. Er wurde zu recht für einen Preis nominiert. Der Unionsverlag hat hier ein besonderes Kleinod ausgewählt und dem deutschen Krimimarkt zur Verfügung gestellt. Ganz die Deine seien ganz viele Leser gegönnt.

Sabine Reiss, März 2008

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Schrodo zu »Claudia Piñeiro: Ganz die Deine« 28.09.2009
Jede Frau wird unweigerlich irgendwann von ihrem Mann betrogen, davon ist Ines, Ehefrau und Mutter, überzeugt. Deshalb ist sie auch nicht überrascht, als sie bei ihrem Ernesto ein Zettelchen findet mit einem Herz aus Lippenstift, unterschrieben mit "Ganz die Deine". Ab jetzt kontrolliert sie ihn wo sie nur kann.
Als sie ihm wieder einmal heimlich folgt, beobachtet sie einen Streit zwischen ihm und einer Frau. Die Frau stürzt und bricht sich das Genick. Ernesto versenkt die Leiche in einem See. Nun ist Ruhe denkt Ines und gibt ihrem Gatten ein Alibi. Aber Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt!
Claudia Pineiro erzählt die Geschichte aus der Sicht der betrogenen Ehefrau und lässt uns an ihren Selbstgesprächen und Überlegungen teilhaben.
Warum sie ihren Alten nicht einfach in den Wind schießt?? …wer versteht schon die Frauen!!
Auf jeden Fall ist es außerordentlich amüsant ihren Gedanken und Taten zu folgen. An einigen Stellen musste ich sogar schallend lachen und mich fragen, was für ein Schaf diese Ines doch ist.
Spannend ist diese kleine Geschichte ganz bestimmt nicht, aber man kann einfach nicht aufhören weiter zu lesen. Da man unbedingt das Ende der Story erfahren möchte. 187 Seiten stark ist dieses Büchlein, genau richtig für einen chilligen Nachmittag auf der Couch…wenn man keine Geliebte hat, oder nicht mit der Ehefrau die Schwiegermutter besuchen möchte. *grins*
Tom2005 zu »Claudia Piñeiro: Ganz die Deine« 11.03.2008
"Ganz die Deine" ist - leider - nicht mehr als eine kleine Fingerübung: ein dünnes Bändchen, das man problemlos am Sonntagnachmittag zu Ende liest. Allerdings, das muss der Autorin zugestanden werden, mit größtem Vergnügen. Die Parallelhandlung ist wunderbar angelegt - nur eben nicht tragfähig für ein "richtiges" Buch.
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