Madame ist leider verschieden von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Mystère rue des Saint-Pères ,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1870 - 1889.
- Paris: Editions 10/18, 2003 unter dem Titel Mystère rue des Saint-Pères . 282 Seiten.
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München; Zürich: Piper, 2010.
Übersetzt von Gaby Wurster.
ISBN:
978-3866122499. 335 Seiten.
'Madame ist leider verschieden' ist erschienen als
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In Kürze:
Es ist kein gewöhnlicher Tag, als der Buchhändler Victor Legris seinen Laden in der Rue des Saints-Pères verlässt und den Weg in Richtung Eiffelturm einschlägt. In Paris findet im Jahr 1889 gerade die Weltausstellung statt, und das neu errichtete Bauwerk ist die umstrittene Sensation. Durch die Menschenmasse bahnt sich Victor einen Weg in die luftige Höhe, wo er mit seinem Kompagnon, dem Japaner Kenji Mori, verabredet ist. Denn nur wenige Auserwählte dürfen sich dort in das Goldene Buch eintragen. Darunter auch Madame Eugénie Patinot, die kurz darauf inmitten des Trubels zu Boden sinkt und ihr Leben aushaucht. Doch ist sie nur eines der Opfer in einer rätselhaften Reihe von Todesfällen, die sich immer infolge eines Bienenstichs ereignen – und immer, wenn Victor Legris gerade in der Nähe ist.
Zwei ehemalige Bouqinistinnen entwerfen die versunkene Welt der Pariser Weltausstellung neu und besitzen ein feines Gespür fürs Ambiente. Claude Izner heißen eigentlich Liliane Korbe und Laurence Lévre und haben den Ermittler Victor Legris aus der Rue des Saints-Pères kreiert, der – was liegt näher – von Zuhause aus Buchhändler ist und in bisher neun ihrer Romane dem Verbrechen hinterher jagt.
Ein Schelm, wer da an die berühmten Vorbilder Hercule Poirot oder Arsène Lupin von Maurice Leblanc denkt. Ebenso betulich, wenn auch unglücklich in Tasha verliebt, stolpert besagter Legris auf dem gerade errichteten Eiffelturm über die Leiche von Madame Eugénie Patinot, die sich in das goldene Buch eintragen wollte. Womit eine Reihe Todesfälle auf dem Gelände der Weltausstellung aufzuklären sind, die sich infolge von Bienenstichen ereignen. Claude Izner mag es, jovial vom Verbrechen zu erzählen.
Das Szenario ist durchaus bekannt. Ein Puzzle wird zusammengesetzt. Für denjenigen der sowieso frankophil ist, eine kurzweilige Unterhaltung. Und wenn Maupassant noch als Zaungast vorbei schaut, dürfen die Leser sich genüsslich zurücklehnen und von der guten alten, französischen Zeit schwärmen. Auch wenn der Staub, der sich auf manche Ausgabe in Victor Legris Buchhandlung mit den Jahren gesenkt hat, sich leider auch auf den Plot dieses Kriminalromans bemächtigt.
Die Straße, die auf Befehl Napoleons I. angelegt worden war, hatte später den Namen seines Generals Lepic bekommen. Sie war breiter als die alten, gewundenen Gassen am Hügel und hallte wider vom Rumpeln der Kutschen und Droschken, deren Pferdegespanne sich den Hang zur Butte Montmartre hinaufquälten.
Gleich fühlt man sich, als besuche man ein weiteres Mal die Welt eines Balzacs. In dem detailreichen Spiegelbild einer untergegangen Epoche – deren Erzählstränge wie bei Colette üppig bebildert werden – arbeitet das Verbrechen sich als gesellschaftliches Ereignis ab, damit die Sonderausgaben der Tageszeitungen reißenden Absatz finden. Erst durch ihr Erscheinen wird der Atemstillstand des ersten Opfers mittels eines anonymen Hinweises in Versen zum Mordfall.
Die Karikatur auf der ersten Seite wird zum Skandal. Der Herausgeber setzt sich der Ächtung der seriösen Presse aus. Das Karussell dreht sich um Victor Legris, seinen Kompagnon Kenji Mori, um Tasha K., die Karikaturistin des »Passe-partout«, um Inspektor Lecacheur. Man lauscht an Türen, spielt in fliegenden Röcken Fangen oder Seilhüpfen, Arbeiterinnen »vespern«.
Mord als Gesellschaftsspiel. Als Rätsel. Als Aufruhr des Zeitvertreibs.
Auch die weiteren Kriminalromane von Claude Izner widmen sich Paris, von deren Kunst und Literatur die beiden Autorinnen, wie sie freimütig im Anhang preisgeben, insgeheim fasziniert sind. Mit Claude Izners Augen durchwandern wir das Marais, den Père Lachaise, ermitteln am Montmartre, folgen der Postkartenidylle krimineller Verfehlungen.
Ein bebilderter, in Sätzen gefasster Besuch im 19. Jahrhundert, der einem Blättern in vergilbten Schwarzweißfotografien gleichkommt. Man erinnert sich nur allzu gerne, obwohl man unmöglich vor Ort gewesen sein kann. Pagnol und seine beschauliche Provinz sind nicht weit. Auch wenn Madame ist leider verschieden in ein städtisches Gewand gehüllt ist.
Wolfgang Franßen, Oktober 2010
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| Berliner zu »Claude Izner: Madame ist leider verschieden« | 05.02.2012 |
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