Der rote Mandarin von Christopher West

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Death of a red mandarin, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: China / Hongkong, 1990 - 2009.
Folge 3 der Kommissar-Wang-Serie.

  • London: HarperCollins, 1997 unter dem Titel Death of a red mandarin. 191 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2003. Übersetzt von Frank Wolf. ISBN: 3-7466-1976-9. 223 Seiten.

'Der rote Mandarin' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

1997: In Hongkong wurde ein hoher Beamter der Volksrepublik China auf grausame Weise ermordet. So kurz vor der Übergabe der britischen Kronkolonie an China ist der Fall von besonderer politischer Brisanz. Was Kommissar Wang, der aus Peking zu Hilfe geholt wurde, über den Ermordeten und seine vermutlichen Feinde herausfindet, paßt den chinesischen Funktionären allerdings so gar nicht ins Konzept. Sie würden den Mord gern den Briten anhängen. Sie machen Wang das Leben schwer und verbieten ihm schließlich sogar, weiter zu ermitteln. Doch der gibt nicht auf.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nettes, leicht lesbares Buch, das einem aber bestimmt nicht den Schlaf rauben wird« 72°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

15 Jahre ist er nun her, der Pekinger Frühling, als das chinesische Volk für mehr Mitbestimmung sowie Meinungs- und Pressefreiheit gekämpft hat und am 4. Juni 1989 am Tiananmen verlor. Noch nicht ganz so lange liegt die Rückkehr Hongkongs zur Volksrepublik China zurück und Christopher West zeichnet ein Bild dieser Stadt, die sich auf diesen bedeutenden Tag vorbereitet, mit allen Ängsten und Sorgen der Bewohner im Hinblick auf die Zukunft. Heute wissen wir, dass die fetten Jahre dort vorbei sind – Hongkong, unter den Briten Asiens größte Geldmaschine, hat an Bedeutung verloren und viele Firmen sind ins boomende Shanghai abgewandert. Aber davon wissen die Protagonisten aus Der rote Mandarin noch nichts, nur die Geschehnisse am Tiananmen sind allgegenwärtig.

Als die Leiche eines Spitzenfunktionärs in Hongkong mit Handschellen gefesselt im Wasser gefunden wird, wird Kommissar Wang zusammen mit seinem Vorgesetzten von Peking nach Hongkong gerufen, um in diesem brisanten Fall zu ermitteln. Während Wang am anderen Ende der Stadt ein Quartier zugewiesen wird, residiert sein Chef im Gästehaus für hohe Funktionäre. Die Abgesandten der Volksrepublik China in Hongkong gehen von einer Verschwörung der Briten aus. Mit dem Tod Zhang Feis und den schmutzigen Gerüchten um seine Person sollen die Chinesen angeblich gedemütigt werden. Die Ermittlungen geraten zur Farce, Wangs Chef hinterfragt nichts und konzentriert sich auf die Abendessen im Gästehaus und als Wang die Ermittlungen vorantreiben will, wird er gebremst. Als er sich dann noch mit den Triaden einlässt und mit den Briten kooperiert, wird ihm der Fall entzogen, doch das hält ihn nicht auf …

Gekonnt bettet Christopher West den Blick auf das Leben der Bevölkerung in diesem Land in die Handlung des Krimis ein. Kommissar Wang ist ein Zeitgenosse mit Prinzipien, der sich mit seinem Leben zwar arrangiert hat, sich aber auch mit seinen Mitteln für die Gerechtigkeit einsetzt. Im vorliegenden Band wird dies noch etwas deutlicher als bei Der Meister vom goldenen Berg, da er sich dort mehr oder weniger auch für die Belange seiner Familie engagierte. Er ist hartnäckig und lässt es auch nicht zu, dass die Wahrheit zurechtgebogen wird.

Am Unterhaltungswert ist nichts auszusetzen, auch wenn der Autor an Details spart. So bleibt viel Raum für die eigene Vorstellungskraft. Wie Wang am Ende auf die Lösung kommt, das hätte ich mir allerdings schon ein bisschen plausibler gewünscht. Insgesamt ist die Story knapp angelegt und taugt keinesfalls für mehr als die vorliegenden 220 Seiten. Der rote Mandarin ist ein nettes, leicht lesbares Buch für nebenher, das einem aber bestimmt nicht den Schlaf rauben wird.

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tedesca zu »Christopher West: Der rote Mandarin« 22.02.2011
Der dritte Teil der Kommissar-Wang-Reihe führt uns wieder nach Hongkong, das kurz vor seiner Rückgabe an die Volksrepublik China steht. Ein hohes Tier wird ermordet aufgefunden, peinliche Details werden bekannt, und das REgime fürchtet um seinen guten Ruf. Da kann nur mehr Kommissar Wang helfen, der gemeinsam mit seiner klugen Frau Rosina das Unterste nach oben kehrt und letztendlich eine grausame Wahrheit ans Licht bringt.

Die Figur Wang gefällt mir immer besser. Getrieben von seinem eigenen Gewissen, aber auch den lieberalen Ansichten seiner Ehefrau, gerät er immer öffter in diesen Zwiespalt zwischen Pflicht und besseres Wissen. Ein Mensch, der bemüht ist, dem Regime zu dienen, der aber im richtigen Moment sein Hirn nicht abschalten kann und will, und der immer wieder auf sein Herz hört. Ein sehr sympathischer Charakter.

Die Geschichte selbst ist spannend und schon allein aufgrund der Location interessant, vor allem, wenn man selbst schon auf Wangs Spuren gewandelt ist. Was am Schluss aufgedeckt wird ist einfach nur schrecklich und kaum zu glauben, entspricht aber leider der Wahrheit. Es geht um die Waisenhäuser in der VR China, in der weggelegte Babies, hauptsächlich erstgeborene Mädchen und behinderte Kinder, nicht einmal notdürftig versorgt werden. Ich hab mal im "Stern" Bilder gesehen, die ein Reporter heimlich geschossen hat, und die hatte ich jetzt wieder so deutlich vor Augen, dass mir fast wieder die Tränen gekommen sind. Unglaublich, dass wir Geschäfte mit einem Land betreiben, in dem derartige Dinge legal möglich sind!

Alles in allem ist "Der rote Mandarin" ein spannender Krimi mit Tiefgang, den ich nicht nur Fans der Serie empfehlen würde, sondern allen Leuten, die sich für China und seine Menschen begeistern können.
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