Stunde null in Phnom Penh von Christopher G. Moore

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Cut out, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Kambodscha / Phnom Penh, 1990 - 2009.
Folge 3 der Vincent-Calvino-Serie.

  • Bangkok: White Lotus, 1994 unter dem Titel Cut out. 320 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2003. Übersetzt von Peter Friedrich. ISBN: 3293202608. 320 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2011. Übersetzt von Peter Friedrich. 319 Seiten.

'Stunde null in Phnom Penh' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Phnom Penh hält die UNTAC nach dem Bürgerkrieg einen labilen Frieden aufrecht. Waffenhandel, Schmuggel und Raubüberfälle sind an der Tagesordnung, überall ist Korruption, ein Menschenleben ist nichts wert. Jede Nacht hört man Schüsse an illegalen Checkpoints. Hier soll Vincent Calvino einen Mann namens Hatch ausfindig machen, den Geschäftspartner eines Ganoven in Bangkok. Doch Calvino ist nicht der einzige, der Hatch sucht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mehr als ein höllisch gut unterhaltender Krimi« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Krimi-Couch-Volltreffer Mai 2003

»Vertrau nie einem Mann, der deine Frau besteigt, während du beim Kacken bist«, ist eines von Vincent Calvinos Gesetzen, mit denen er versucht, seinen Alltag als Privatdetektiv in Bangkok zu meistern. Ein anderes lautet: »Im Kleinen ergibt alles einen Sinn, im Großen nichts.«

Wie wenig Sinn Calvinos drittes Abenteuer macht, wird dem jüdisch-italienischen Ex-Anwalt schon im ersten Kapitel klar, als ihm der dubiose Vietnam-Veteran Patten 5000 Dollar anbietet, nur um einen gewissen Michael Hatch in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh aufzufinden und ihm einen Scheck zu überreichen. Wie groß die Sache, in die er dabei gerät, jedoch zu werden droht, ahnt Calvino nicht und schliddert so in ein mörderisches Intrigenspiel, in dem er nur eine ganz kleine Nummer ist, wo andere die Fäden ziehen und wo sogar sein Freund Colonel Pratt Geheimnisse vor ihm hat.

Wegen Waffenschmuggels nach Phnom Penh

Unverhofft kommt oft und so begleitet Pratt Calvino nach Phnom Penh, angeblich, um den Waffenschmuggel von Kambodscha nach Thailand zu unterbinden. Doch kaum in Phnom Penh angekommen, wird Calvino klar, dass ihm eine größere Rolle zukommt, als nur den Postboten zu spielen. Auch die thailändische Polizei hat ein Interesse am untergetauchten Michael Hatch, unterstützt werden die beiden Kumpel aus Bangkok dann noch von den internationalen UNTAC-Truppen und ohne die wäre die Schießerei in der ersten Nacht auf fremden Terrain weitaus unglimpflicher ausgegangen.

Je mehr Calvino erfährt, desto weniger versteht er. Und Pratt kann und will ihm nicht mehr sagen, als unbedingt nötig. Als Calvino die Zusammenhänge durchsteigt, steckt er schon mittendrin und kann Freund und Feind kaum noch unterschieden. Ausgerechnet der wichtigste Zeuge, der Klarheit in diese trübe Suppe aus Waffenschmuggel, illegalem Juwelenhandel, interstaatliche Streitigkeiten und Korruption bringen kann, ist weggesperrt: ins berüchtigte T-3-Gefängnis in Phnom Penh …

Moores politischstes, couragiertestes und vielleicht sogar wichtigstes Werk

Stunde null in Phnom Penh ist von den bisher drei auf deutsch erschienenen Calvino-Romanen Christopher G. Moores politischstes, couragiertestes und vielleicht sogar wichtigstes Werk. Dass er ein brillanter Erzähler und meisterhafter Figurenerfinder ist, hat er in Haus der Geister und Nana Plaza bereits gezeigt, in Stunde null in Phnom Penh erfüllt er die dadurch hochgesteckten Erwartungen mühelos. Noch liebevoller zeichnet er seine Charaktere wie den glücklosen Vietnam-Veteranen Patten oder den im Grunde gar nicht so schlechten, dennoch betrügerischen Juwelenhändler »Fat Stuart« L´Blanc. Noch fesselnder, packender und ergreifender ist der Plot, die düstere Schilderung von Phnom Penh, gegen die Bangkok wie ein bunter Ort der Lebenslust wirkt. Noch tiefgründiger schildert Moore die Beziehung des amerikanischen Privatdetektivs mit dem thailändischen Polizisten, die verschiedenen Denkweisen und die dadurch kontrastierenden Handlungen.

Überhaupt ist Moore mit Stunde null in Phnom Penh ein sehr emotionaler Roman gelungen. Die Freundschaft zwischen Calvino und Pratt wird auf eine harte Probe gestellt, fast väterlich kümmert sich der Detektiv um die vom Leben gezeichnete vietnamesische Prostituierte Thu und richtig verlieben darf er sich auch – wenngleich Moore den Ausgang der kleinen Romance mit Dr. Veronica Le Bon offenlässt.

Khun Vinee hat ein Ass im Ärmel

Doch Stunde null in Phnom Penh ist mehr als ein höllisch gut unterhaltender Krimi. Der Autor greift mit der Lage 1993 in Kambodscha ein brisantes wie brandaktuelles Thema auf – und er hat eine Message, die er an seine Leser weitergeben möchte. Dass er dabei – insbesondere im Kapitel vom T-3 Gefängnis – seine Figuren etwas viel philosophieren lässt und somit auch als Autor ins Politisieren gerät, will man ihm gerne verzeihen. Denn seine Schilderungen, in denen er auch den Vietnam-Krieg, die USA als Weltpolizist und die Rolle der ehemaligen Kolonialherren-Staaten wie Frankreich anschneidet, lassen sich auch formidabel auf die derzeitige weltpolitische Lage übertragen: SFOR und KFOR auf dem Balkan, ISAF in Afghanistan, Briten und US-Amerikaner im Irak.

Auch wenn am Schluss Calvino und Pratt dieses hochexplosive Land im Umbruch scheinbar wenig erfolgreich verlassen – der Schein trügt, denn »Khun Vinee« hat noch ein Ass im Ärmel. Und so ist eine Phrase, klingt sie auch noch so abgedroschen, im Sinne der Wörter kaum passender als bei diesem Buch: Ende gut, alles gut!

Das meinen andere:

»´Stunde null in Phnom Penh´ ist ein prallvolles, höchst abenteuerliches, extrem fesselndes und weitgehend illusionsloses Sittenbild aus dem Kambodscha des Übergangs von Völkermord und Bürgerkrieg zu Marktwirtschaft und demokratischer Normalität.« (Ulrich Noller, Westdeutscher Rundfunk)

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bweber59 zu »Christopher G. Moore: Stunde null in Phnom Penh« 27.01.2015
Wie viele der besten Kriminalromane ist Stunde Null in Pnomh Penh weit mehr als ein simpler Krimi. Der eigentliche Auftrag, der Vincent Calvino, Moores Seriendetektiv, nach Kambodscha geführt hat, tritt rasch in den Hintergrund, während er seine Ermittlungen in einem Land ohne Vergangenheit aufnimmt, einer entwurzelten Nation. Kambodscha steht unter Kontrolle der UNO, die gerade freie Wahlen vorbereitet, aber herrscht immer noch Anarchie, und nackte Gewalt regiert, während die Freibeuter des Krieges ihren Profit suchen. Ein Dschungel, in dem Calvino mehr als einmal den richtigen Weg und sein Leben zu verlieren droht.
Die 'Killing Fields' sind uns allen noch gut in Erinnerung. Aber was ist aus den Überlebenden geworden? Moore zeichnet ein beklemmendes Bild der Realität und man fragt sich unwillkürlich, ob es gleichzeitig eine Vision ist von der Zukunft, die Afghanistan und dem Irak bevorsteht.
Oder wie es in einem anderen Calvino-Roman heißt: Die Welt steckt voller kranker Menschen, und die alltägliche Gewalt erinnert uns pausenlos daran, wie unberechenbar ihre Krankheit ist.
Krimischnulli zu »Christopher G. Moore: Stunde null in Phnom Penh« 08.08.2012
Der Autor faselt/moralisiert ein bißchen zu viel rum und wiederholt sich dabei öfter.
Ich mußte beim Lesen häufig überlegen, wer was gesagt hatte bzw. wer darauf antwortete - entweder schlecht geschrieben oder schlecht übersetzt.
Der Schluß mit der gefundenen Diamantenkette ist im Verhältnis zu den vorher 300 gelesenen Seiten eine ziemliche Zumutung.
Ich hab das Gefühl, daß der Autor den Roman nur noch irgendwie beenden wollte.
Ich geb dem Roman höchstens 50 Grad.
Alex zu »Christopher G. Moore: Stunde null in Phnom Penh« 30.08.2009
Im ersten Krimi mit Vincent Calvino wurde ja bei Schießereien und Kämpfen mit den Bangkoker Drogenbossen die halbe thailändische Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt.

Doch in "Stunde Null in Phnom Penh" merkt man dem Autor an, dass er an Erfahrung gewonnen hat und realistischer geworden ist. Es gibt weniger Tote, insgesamt weniger Figuren und dementsprechend auch eine bessere Story als im ersten Teil der Reihe.

Der Autor verschafft dem lesenden Publikum Einblicke in die schwierige Situation in Kambodscha (die sich zwar in den letzten 20 Jahren mit Sicherheit verbessert hat, aber gerade durch die aktuelle Wirtschaftskrise möglicherweise wieder schlimmer geworden ist).

Die Enthüllung des großen Mastermind Kim birgt weniger Stoff zum Nachdenken, als die Motive der anderen Gangster. Einzig und allein das "Ass im Ärmel" von Vincent Calvino konnte mich im Hinblick auf den so lange treu gefahrenen Realismus in diesem Buch nicht überzeugen, denn damit widerspricht sich der Autor indirekt selbst (da er zuvor die Happy Ends in amerikanischen Krimifilmen kritisiert).

Zum Schluss noch ein Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist:
"Ein Priester sagte mir mal, wenn es nicht auch das Böse gäbe, dann bräuchten wir keinen Gott. Aber als ich das T-3-Gefängnis betrat, sah ich ein, dass es hier genug Böses gibt um jeden Glauben an Gott auszulöschen!"
Anja S. zu »Christopher G. Moore: Stunde null in Phnom Penh« 10.07.2006
Solide gemachter Krimi, der gut die Probleme im Kambodscha nach den Roten Khmern beschreibt. Recht spannend und gut zu lesen, aber kein Meisterwerk. 90 Grad sind zu viel, wuerde so 80 Grad geben.
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