Gefüllte Siebenschläfer von Christoph Wagner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Haymon.
Ort & Zeit der Handlung: Italien/Kroatien, 1990 - 2009.
Folge 2 der Mario-Carozzi-Serie.

  • Innsbruck: Haymon, 2007. ISBN: 978-3-85218-542-2. 312 Seiten.

'Gefüllte Siebenschläfer' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Mario Carozzi, der lebensfrohe Archäologe, stürzt sich guter Dinge auf seinen neuen Job in einer adriatischen Inselstadt – bis ihn gefüllte Siebenschläfer, vergiftete Gewürzweine und geheimnisvolle Todesfälle in einen Strudel von Intrigen und Verbrechen ziehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leidenschaft und Herzblut« 60°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Christoph Wagner hat sich in Österreich eigentlich einen Namen als Autor von Restaurantkritiken und Büchern mit kulinarischem Hintergrund gemacht. Mit der Figur des Mario Carozzi hat er einen Charakter geschaffen, der es ihm erlaubt seine Leidenschaft für ein rundum genussvolles Leben (die sei dem Autor unterstellt) auch einer Leserschaft zu vermitteln, die sich eher für Kriminalromane erwärmen kann.

Carozzi ist eigentlich Archäologe. Ob er ein guter ist, sei mal dahingestellt. Aber als Experte für Maya und Azteken hat er Mexiko den Rücken gekehrt und sucht nach ruhigeren Aufgaben in heimischen, italienischen Gefilden. Auf der fiktiven adriatischen Insel Balaor kommt ihm die Ausschreibung eines Postens als Leiter des örtlichen Lapidariums sehr verlockend vor. Aber aus dem erhofft gemütlichen Aufenthalt wird so schnell nichts, denn bei seiner Ankunft liegt der Leiter der örtlichen Fischereigenossenschaft tot unter einer gefallenen Engelsstatue. Und damit nicht genug, der Kulturdezernent verlangt von ihm, aus der Sammlung antiker Grabsteine ein »Profit-Center« aufzubauen.

Der erste Kochbuchautor der Geschichte als Inspiration

Die Idee des Genießers, zusammen mit der Köchin der benachbarten Taverna Fortuna ein Freilichtrestaurant zu schaffen und Gericht nach Rezepten des Apicius zu servieren, klingt schon so, als ob er damit seiner Zielvorgabe nicht wirklich näher kommen kann. Doch der Druck, der auch durch den Investor Belli aufgebaut wird, der die ganze Region in ein Ferienparadies verwandeln will, lässt Carozzi nicht die Ruhe, die er sich so sehr gewünscht hätte. Dann stirbt auch noch die Leiterin des örtlichen Pflegeheimes beim ersten Apiciusabend und kurz darauf der größte finanzielle Unterstützer der Einrichtung: der Chef der örtlichen Mafia. Carozzi gerät zwischen die Fronten, ohne zu wissen, in welchem Krieg er sich eigentlich befindet.

Soweit die Handlung des Romans. Mehr als auf das große Verbrechen, das im Hintergrund geplant und begangen wird, konzentriert sich der Autor jedoch auf die äußerst süffisante Schilderung von kulinarischen Genüssen (wobei die Titelgebenden »gefüllten Siebenschläfer« eindeutig nicht zu den Highlights des Gaumenkitzels gehören) und dem ruhigen Lebensgeist an der Adriaküste. Wagner vermittelt ein Gefühl von Urlaub und Entspannung. Lebensqualität und immer wieder erstaunliche Geheimnisse der norditalienischen Küche bilden den Schwerpunkt seiner Erzählung.

Begeisterung springt nicht über

Dass da die Krimihandlung in den Hintergrund gerät, ist logische Konsequenz. Lange Zeit hat auch Carozzi eigentlich überhaupt kein Interesse an einer Aufklärung des ersten Mordes. Warum auch, er ist Archäologe und beobachtet lediglich den Dorfklatsch. Und während er zwischen gratinierten Seeigeln, Perlhuhn mit Pfefferschokolade und Scampi al Brandy schwelgt, entwickelt sich eben das Komplott weiter.

Der Autor Christoph Wagner hat sehr viel Herzblut in die Zeilen seines Romans gesteckt. Der Funke der Begeisterung vermag jedoch nicht so recht überzuspringen. Gefüllte Siebenschläfer ist ein Roman, der Stimmung machen kann auf einen entspannten Urlaub und all die schönen Seiten des Lebens. Wein, Weib und Gesang werden dabei neben dem guten und ausgefallenen Essen zu Wagners Hauptmotiven. Der eigentliche Kriminalfall bildet dabei lediglich den Rahmen, um die hohe Kunst des Genießens und die Gefahren einer immer schnelllebigeren und kommerzielleren Welt zu vermitteln.

Thomas Kürten, Dezember 2007

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