Tod in Kreuzberg von Christian v. Ditfurth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Carl´s books.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 2 der Matti-&-Dornröschen-Serie.

  • München: Carl´s books, 2012. ISBN: 978-3-570-58509-2. 352 Seiten.

'Tod in Kreuzberg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Platten-Rosi ist tot. Ihre Leiche lag auf der Admiralbrücke. Dort, wo Kreuzberg überlaufen wird von Touristen. Wo Immobilienspekulanten die Mieter verdrängen, um Luxuswohnungen für die Reichen zu bauen. Rosi war eine Freundin der Okerstraßen-WG gewesen. Von Matti, dem abgebrochenen Studenten und Taxifahrer. Von Dornröschen, hinter dessen Dauergähnen sich ein hellwacher Verstand verbirgt. Von Twiggy, der fast alles beschaffen kann und geheimnisvollen Geschäften nachgeht. Die Polizei behauptet, den Mord aufgeklärt zu haben, und erschießt den Tatverdächtigen auf der Flucht. Doch Dornröschen weiß, dass Rosi Machenschaften der Kolding AG aufgedeckt hat, jenes Immobilienhais, der den halben Gräfekiez aufgekauft hat. Rosi führte in einer Bürgerinitiative den verlorenen Kampf gegen die »Aufwertung von Wohnraum«. Sie schreckte vor militanten Aktionen nicht zurück. Die Okerstraßen-WG stößt auf einen Sumpf der Korruption. Spekulanten, Politiker und Bürokraten schieben sich die Beute zu. Als die WG dem Mörder nahekommt, schlägt er zurück. Brutal und gnadenlos.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schieber, Spekulanten und ein unbeugsames Trio« 78°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Matti, Dornröschen und Twiggy, die drei Bewohner der in der Szene bekannten Okerstraßen-WG, sind froh, dass nach den turbulenten Ereignissen des vergangenen Jahres endlich Ruhe eingekehrt ist.  Doch dann wird die Leiche ihrer Freundin Rosi, bei allen nur als Platten-Rosi bekannt, auf der Admiralbrücke gefunden. Mitten im Gräfekiez wird das angesagte Kreuzberg von Touristen überlaufen, Spekulanten drängen die alten Mieter aus ihren Wohnungen, um Luxusimmobilien daraus zu machen – und jetzt passiert genau dort ein Mord. Denn Rosi ist erschlagen worden. Das Trio aus der Okerstraße kann die Suche nach dem Mörder natürlich nicht der Polizei überlassen, und beginnt sofort damit, eigene Ermittlungen anzustellen. Nachforschungen bei der Bürgerinitiative, in der Rosi mitgearbeitet hat, führen die drei WG-Bewohner zu einer Immobilienfirma, die offenbar gerne mit harten Bandagen gearbeitet hat. Aber eine andere Spur führt auch in die Kreise von Schutzgelderpressern und Drogendealern mit internationalen Verbindungen. Die Polizei findet den mutmaßlichen Mörder, der aber bei der Festnahme erschossen wird. Und dann wird auf Matti ein Bombenanschlag verübt, bei dem eine junge Frau stirbt, in die er sich gerade verliebt hatte. Die Okerstraßen-WG beißt sich in ihren Ermittlungen fest – und muss bis zum turbulenten Finale noch einiges durchstehen.

Auch der zweite Roman von Christian von Ditfurth um das charakterstarke Trio aus der Berliner Alternativ-Szene bietet von Beginn an prächtige Unterhaltung. Zwar fehlt dem Fortsetzungsband etwas die Faszination des Auftakts, aber das wird durch reichlich Spannung gut ausgeglichen. Mich hat dabei vor allem begeistert, dass man gleich wieder in der Okerstraße mit am Küchentisch sitzt, als gehe es nach dem ersten Buch nahtlos weiter. Dabei ist seither ein Jahr vergangen, und Matti, der Ex-Student und lustlose Taxifahrer, Dornröschen, die hochintelligente und scheinbar ständig müde Journalistin sowie Twiggy, körperlich stets präsent und ein Meister der Beschaffung, sammeln sofort wieder reichlich Sympathiepunkte. Manchem Leser mag das ganze etwas zu abgehoben erscheinen, und wer sich in diese links-alternative Szene nicht hineindenken kann oder mag, wird den Roman unter Umständen nicht so genussvoll lesen können. Aber allein der eigentliche Kriminalfall bietet wieder einen guten Spannungsbogen, mit vielen abseitigen Verirrungen, reichlich authentischen Protagonisten und sprachlich ausgefeilten Dialogen.

Es ist müßig, darüber zu philosophieren, in welche Schublade man dieses Buch stecken sollte. Es ist auf jeden Fall ein spannender Kriminalroman, es hat aber auch etwas vom Polit-Thriller. Die Okerstraßen-WG stößt bei ihren Recherchen  auf einen wahren Sumpf der Korruption. Ob es wirklich noch heute so üblich ist in Berlin, dass sich schmierige Spekulanten, gierige Politiker und gedankenlose Bürokraten gegenseitig die Taschen füllen, scheint leicht überzogen. Tatsache ist allerdings, dass Christian von Ditfurth mit der so genannten Gentrifizierung ein Problem aufgegriffen hat, das nicht nur in der deutschen Hauptstadt enorme soziale Sprengkaft besitzt. In zahlreichen Großstädten überall auf der Welt gibt es solche Verdrängungsprozesse, wie sie der Autor in seinem lesenswerten Buch schildert. Finanziell stärkere, neue Mieter und Eigentümer verdrängen die gewachsene Sozialstruktur, das Viertel wird scheinbar aufgewertet, Makler und Baufirmen verdienen dabei einen Haufen Geld. Und dabei wird sicher auch mal mit unlauteren Methoden vorgegangen, auch wenn von Ditfurth hier um des dramatischen Effekts willen überzeichnet haben dürfte.

Immerhin kann man bei der unterhaltsamen Lektüre so einiges über Berlin und die dortigen Verhältnisse lernen. Geschickte Anspielungen, falsche Fährten und amüsante Nebenhandlungen machen die gut erzählte Geschichte zu einer kurzweiligen Lektüre. Die Ereignisse um die sympathisch beschriebene Okerstraßen-WG könnte ich mir sehr gut auch als Serie im Fernsehen vorstellen. Mit den richtigen Schauspielern besetzt wäre das ein feines Vergnügen. So bleibt das Buch gutes Lese-Kino mit einem gesellschaftlich relevanten Thema als Aufhänger und hohem Unterhaltungsfaktor.

Andreas Kurth, Oktober 2012

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someonesdaughter zu »Christian v. Ditfurth: Tod in Kreuzberg« 21.03.2013
Ich verstehe die 78° auch nicht. Schon lange nicht mehr so gelangweilt. Hölzern, klischeebehaftet, überzeichnet. Und 200 Seiten zu lang für die dünne Geschichte. Ein sich ständig wiederholendes 'Jetzt wissen wir, wer der Täter ist - ach nee, doch nicht'... 'Aber jetzt - ach nein, wieder nicht'. Schade.
Andreas Malich zu »Christian v. Ditfurth: Tod in Kreuzberg« 06.03.2013
mein Gott ist dieses Buch schlecht:
wild inzenierte Geschichte, zudem an den Haaren herbeigezogen, schlecht gezeichnete Charaktere, eine Sprache die so hölzern ist als das man damit den gesamten Regenwald wieder aufforsten könnte. Zudem komplett unspannend!
Mein guter Rat der Woche: bloß die Finger von diesem Machwerk lassen.
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