Hardcore Angel von Christa Faust

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Money Shot, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Rotbuch.

  • New York: Hard Case Crime, 2008 unter dem Titel Money Shot. 250 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2008. Übersetzt von Almuth Heuner. Hard Case Crime Bd. 4. ISBN: 978-3867890489. 250 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2009. Gesprochen von Vera Teltz. ISBN: 3866107315. 4 CDs.

'Hardcore Angel' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Gina Moretti, auf der Bühne nur als Angel Dare bekannt, dreht ihren ersten Sexfilm als 20-Jährige. Von da an geht es für das »Porno-Aschenputtel« steil bergauf. Zehn Jahre später verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Jetzt leitet sie eine erstklassige Modelagentur, die großes Geld abwirft. Dann erhält sie von einem alten Kumpel das Angebot für einen letzten, lukrativen Film trotz unheilvoller Vorahnungen nimmt sie an. Was sie jedoch noch nicht ahnt, bei diesem Dreh geht es nicht nur um viel nackte Haut, sondern auch um einen Koffer voller Geld. Die toughe Angel geht dem dreckigen Spiel auf den Grund. Ein beispielloser Kampf ums nackte Überleben nimmt seinen Anfang …

Das meint Krimi-Couch.de: »Angel Dare teilt teuflisch aus« 70°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Gina Moretti führt eine kleine aber erfolgreiche Agentur für Porno-Models im Großraum Los Angeles. Bekannter ist sie unter ihrem »Künstlernamen« Angel Dare, denn auch sie hat im Filmgeschäft angefangen. Ganz ausgestiegen ist sie noch nicht; gern springt sie beispielsweise für Darstellerinnen ein, die am Set ihres alten Freundes und Mentors Sam Hammer durch Abwesenheit glänzen.

Dieses Mal erwartet Angel am angegebenen Drehort indes kein geiler Hengst, sondern eine Gruppe brutaler Gangster offensichtlich osteuropäischer Herkunft. Sie haben Hammers Frau gekidnappt und ihn damit gezwungen, Angel in die Falle zu locken, weil sie diese »befragen« möchten: Früher am Tag ist eine Rumänin, die sich Lia nannte, in Angels Agentur erschienen, wo sie sich nach einer Freundin erkundigte. Kurz darauf verschafften sich zwei Männer, die nach Lia suchten, gewaltsam Einlass. Die hatte sich durch das Toilettenfenster davongemacht, ließ aber einen Aktenkoffer zurück. Den wollen die Gangster haben, denn er enthielt viel Geld. Als Angel selbst unter der Folter nicht sagen kann, wo der Koffer geblieben ist, wird sie in den Kofferraum eines Wagens geworfen, mehrfach angeschossen und für tot liegengelassen.

Aber Angel überlebt – und will Rache. Allerdings haben die Gangster Sam Hammer erschossen und dabei ihren Revolver benutzt, sodass die Polizei sie als Mörderin sucht. Angel muss flüchten. Als Freund in der Not erweist sich Lalo Malloy, der sporadisch als Sicherheitsmann für die Agentur arbeitet. Gemeinsam setzt sich das ungleiche Duo auf die Fährte der Verbrecher, was erschreckend einfach ist, weil diese weiterhin eine breite Blutspur hinterlassen …

Eine Lektion in Pulp

Einst wurden sie auf billiges, holziges Papier gedruckt und ebenso eifrig verdammt wie gelesen: Die Krimis der Pulp-Ära hatten (viele Ausnahmen bestätigen die Regel) eher vorgeblich mit den Verbrechen in der realen Welt zu tun. Viel lieber spielten sie mit dem Genre und luden es mit politisch unkorrekten Emotionen auf. Sex & Crime: Dieses berühmte Motto kündet vom Primat der Unterhaltung, während die Literatur Pause hat.

Natürlich ist das sehr vereinfacht ausgedrückt; mancher Pulp-Titel gilt inzwischen als Klassiker, und die die Differenzierung zwischen »Unterhaltung« und »Literatur« ist längst in Frage gestellt. Doch die meisten Pulp-Krimis waren in der Tat Verbrauchsware, die möglichst billig produziert wurde, ohne dass die Autoren sich Gedanken über ihren Nachruhm machten.

Die Zeiten haben sich geändert. »Alter« Pulp wird wie ein Schatz behandelt, und »neuer« wird gezielt geschrieben. Das Rezept ist bekannt, und es gibt nach wie vor ein Publikum für spannende, anspruchslose Geschichten. Heute muss man sich nicht mehr schämen, mit einem Pulp-Thriller ertappt zu werden. Die Hard-Case-Crime-Reihe wird von der Kritik und vor allem vom Publikum gelobt, und die grellen Titelbilder sind mit viel Liebe zum Detail im alten Stil gestaltet.

Tempo, Tempo – und lieber nicht nachgedacht!

Im 21. Jahrhundert sind die Grenzen sowohl für »Crime« als auch für »Sex« deutlich weiter geworden. Ein Roman im Milieu des US-Pornofilms ist deshalb keine Sensation mehr. Diese Kulisse garantiert dennoch eine gewisse Aufmerksamkeit, die durch die Werbung selbstverständlich angeheizt wird. Auf diese Weise lässt sich auch heute ein ansonsten eher mittelmäßiger Krimi wie Hardcore Angel besser verkaufen.

Der Plot bleibt zunächst Nebensache, wenn uns Angel Dare ausgiebig ihre unmoralische Welt schildert. Dies mag US-amerikanische Leser sündig erschauern lassen – dazu unten mehr -, doch eine Handlung ersetzt es nicht. Als die einsetzt, wird rasch klar, auf welch dünner Wolkendecke sich der Hardcore Angel bewegt. Auch ohne große Aufmerksamkeit lässt sich dem Geschehen folgen. Es wird getäuscht, verfolgt, geschossen und gekillt, wobei die Reihenfolge manchmal wechselt. Das Tempo ist hoch, wobei Autorin Faust mit dem Timing gewisse Schwierigkeiten hat. Vor allem im Mittelteil stoppt sie viel zu oft ab und lässt leidlich gelungener Action ausgiebige Angel-Dare-Nabelschauen und pseudo-philosophische Erörterungen über das (Un-) Wesen der modernen Welt folgen.

Erst wenn es auf das Finale zugeht, bleibt Faust auf dem Gaspedal. Endlich gibt es die eine oder andere Überraschung. Endlich wird Hardcore Angel, dieser seinem Milieu zum Trotz ungemein politisch korrekte Frauenpower-Krimi, tatsächlich zum Pulp. Endlich hält Angel nicht mehr die andere Wange hin oder – noch schlimmer – weiterhin Vorträge, von denen diejenigen zur Verteidigung des »sauberen« Pornos (z. B. S. 85/86) besonders gestelzt und geradezu didaktisch sind. Jetzt wird die Rechnung beglichen, jetzt ergeht es mancher für sakrosankt gehaltenen Figur ernsthaft an den Kragen, jetzt beißen die Bösen malerisch hässlich ins Gras (wobei Faust gern theatralisch und dadurch unfreiwillig komisch wird).

Das Ende ist zwar nicht happy aber wieder schaurig brav. Angel tut »das Richtige« und befreit (oder besser: erlöst) die armen, von vertierten Ostblock-Strolchen (»In seinen ausdruckslosen grauen Augen stand die Erinnerung an schreckliche Kriegsverbrechen.« – S. 245) ins Land geschmuggelten Nachwuchs-Huren.

Braves Porno-Mädchen mit einer Mission

Die Eskapaden einer Russenmafia, wie sie in dieser brutalen Dämlichkeit – oder dämlichen Brutalität – wohl nur Angels Pulp-Hollywood existiert, bedürfen unbedingt eines aufmunternden Beiwerks. Fragt sich nur, ob Angel Dare und ihre berufsgeilen Freunde dafür die richtigen Kandidaten sind. Auf den ersten Blick schockiert oder begeistert der unverstellte Blick auf die kalifornische Porno-Szene; hier kommt es auf des Lesers Einstellung an. Diverse Besuche an bumsfidelen Drehorten und ähnlichen Lotterstätten sorgen für Handlungssequenzen, in denen Autorin Faust deutliche Worte findet. Dass Porno selten Spaß, sondern knallhartes, nüchternes Geschäft ist, wird ebenfalls deutlich.

Leider ist Angel Dare, die uns als Ich-Erzählerin durch dieses Milieu führt, ein wenig zu abgeklärt. Sie ist längst wieder Gina Moretti und war es wohl stets, d. h. eben nicht eine starke, nach eigenem Kodex lebende, selbst über ihr Schicksal bestimmende Frau, sondern ein gutes, amerikanisches Mädchen, das unkonventionell höchstens in ihrer freigeistigen Einstellung zum Sex ist – und auch die unterliegt streng definierten, »vernünftigen« Grundsätzen. Wenn Angel uns die düsteren Aspekte des Porno-Business vorstellt – Autorin Faust vergisst keinen, und man ahnt ihren erhobenen Zeigefinger, wenn sie darüber schreibt -, sind es stets andere Pechvögel, die es getroffen hat. Eigentlich ist Angels Künstlername »Dare« ein Euphemismus; »Teflon Angel« wäre die weitaus bessere Alternative, denn letztlich ist Gina Moretti rein wie Schnee dem dreckigen Pornoversum entkommen.

Sie wird dann ordentlich durch die Mangel gedreht, während sie erst vor der Mafia flieht und sich selbst auf die Jagd begibt. Das geht verständlicherweise mit einigen Wesensveränderungen einher, die indes aufgesetzt wirken. Angel Dare besitzt nicht einmal als Pulp-Figur echte Tiefe. Ihre taffe Art wird behauptet, nur selten entwickelt sie sich aus dem, was Angel erlebt bzw. erduldet. Wirklich überzeugend wirkt sie nie, wenn sie schließlich als Selbstjustiz übender Racheengel über die Finsterlinge kommt. Eine (Frauen-) Figur mit interessanten Ecken und Kanten vermag Faust nicht aus Angel Dare zu formen.

Wer seine Krimilektüre lieber glatt und stromlinienförmig wünscht und die Schrecknisse dieser Welt lieber durch den Mainstream-Filter gegossen genießt, wird Hardcore Angel wohl (in mehrfacher Hinsicht) auf- und erregend finden. Zumindest auf diesem Level ist dieser Roman – und damit kommen wir einerseits zum Schluss und knüpfen andererseits an die Einleitung zu diesem Text an – in der Tat Pulp: spannender, freizügiger Lesestoff, der sorgfältig ausklammert, was verstören oder an Tabus rühren könnte. Dafür gibt es einen Markt (»Featured on the cover of «Penthouse» magazine!«, lockt die Werbung auf der US-Version der »Hard Case Crime«-Website über Hardcore Angel), und Christa Faust ist eine Autorin, die seine Regeln beherrscht.

Michael Drewniok, November 2008

Ihre Meinung zu »Christa Faust: Hardcore Angel«

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Rudi Lehnert zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 13.07.2010
Als Jugendlicher habe ich gerne Kommissar X und Fledermaus gelesen, aber auch Shakespeare und Sartre. Beides kann wunderbar nebeneinander existieren! Und das ist bei mir auch bis heute so geblieben. Wer will oder kann bei 40 Grad im Schatten Hölderlin oder Camus lesen? Aber ein Hörbuch geht immer. Drum habe ich Hardcore Angel auch gerade meinen Lesern empfohlen:http://blogorama.eisbrecher.net/2010/07/13/hardcore-angel-krimi-horbuch/
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Bazong zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 26.03.2010
Das Cover ist ein echter Blickfang, klar das man da mal genauer hin sehen muss. Die Aufmachung gibt sich, wohl mit Absicht den Look eines Groschenromanes. Wenn da nicht dieses Vollpreis Label (Argon Hörbuch) wäre ... Ein Label was wohl eher für Frauenromane und rührselige Komödien bekannt ist. Naja ... Eine Powerfrau als Hauptdarsteller hat es in dem Roman ja auch.

Aber der Roman gibt sofort Vollgas und hält das Tempo bis zum Ende durch. Spitze! Einsame Klasse! Und dann auch noch sehr gut gelesen. Ganz klare 100°.
tassieteufel zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 18.10.2009
Angel Dare, Ex-Pornostar, hat sich rechtzeitig aus dem Geschäft zurückgezogen und leitet nun eine Agentur für Pornodarstellerinnen, doch ab und zu springt sie schon mal ein, wenn Not am
Mann ist und als sie ihr alter Freund Sam bittet, kurzfristig zu einem Drehort zu kommen, sagt sie nicht nein. Doch was Angel dort erwartet, hat wenig mit einem Film zu tun. Vielmehr wird sie von einer Bande osteuropäischer Mafiosis überfallen und übel zugerichtet, das sie mit dem
Leben davon kommt, hat sie nur einem Zufall zu verdanken. Offensichtlich hängt alles mit einem rumänischen Mädchen zusammen, das bei Angel im Büro war und sich nach einem der Models erkundigt hat, doch Angel weiß nicht viel über das Mädchen und so wird Sam erschossen und
der Mord Angel in die Schuhe geschoben, die kann jedoch im letzten Moment untertauchen und gemeinsam mit Lalo Malloy, den sie gelegntlich als Bodygard angagiert hat, macht sie sich auf die Jagd nach den Kerlen, die ihr so übel mitgespielt haben.
Die Geschichte ist flüssig und in rasantem Stil geschrieben, was Chistina Faust über die Porno Szene schreibt, kommt glaubhaft rüber, (nicht das ich Ahnung von dem Thema hätte), aber der Autorin nimmt man das ohne weiteres ab. Die Story entbehrt allerdings einer gewissen Logik, wenn man darüber hinwegsieht, kann man durchaus seinen Spaß an Angels Rachefeldzug
haben, wer allerdings auf ausgefeilte Plots steht, sollte die Finger von dem Buch lassen.
Die doch sehr ernste Thematik Menschenhandel und Zwangsprostitution wird nur leicht angerissen, was sicher bei einem Pulproman auch gar nicht anderes gewollt ist, trotzdem hätte ich mir zu dem Thema doch etwas mehr gewünscht und für mich war Angel an sich doch zu sehr
der Typ "Saubermann", so wie der Rest der Pornoszene beschrieben wurde, war mir Angel als Person einfach zu unglaubwürdig, während um sie herum alle in der Szene auf die eine oder andere Art gebeutel wurden, schien an ihr alles spurlos vorrüber gegangen zu sein.

Fazit: wie in der Achterbahn, reinsetzen und die rasante Fahrt genießen! wenn man die Story nicht groß hinterfragt, bietet das Buch rasante und kurweilige Unterhaltung, man merkt daß die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Mir hats auf jeden Fall Spaß gemacht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sonny zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 04.05.2009
Ist schon ein paar Tage her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Normalerweise schreib ich meine Kommentare recht zeitnah und frei Schnauze (aber mit Rechtschreibprüfung:-D) Bei diesem Buch hatte ich Schwierigkeiten damit. Rein objektiv ist es ein brutaler, sexistischer Reißer, der mit minimaler Story aufwartet. Also zu Recht Bestandteil der HCC-Reihe.
Jetzt kommt das große ABER: Das Buch ist kurz genug um keine Längen aufkommen zu lassen. Der Stil ist flüssig. Die Protagonisten sind austauschbar und eher blass, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tut.
Ich denke, im Nachhinein hat es mich beeindruckt, dass hier mal kein „Studierter“ (Journalismus, Psychologie, etc.) am Werke war, sondern eine Frau aus einer Branche, mit der die wenigsten von uns Kontakt haben. Für mich waren die Umstandsbeschreibungen durchaus glaubwürdig. Immer mit dem Hintergedanken, dass die Frau weiß, wovon sie schreibt.
Fazit: Leuten, die bei dem berühmten F***Wort rot werden, und solchen, die nach tiefgründiger Unterhaltung suchen, rate ich ab. Allen Anderen kann ich nur raten: Eintauchen und genießen.
Krimi-Tina zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 28.03.2009
Das Buch rockt. Ganz ohne Zweifel. Heftig, blutig und düster. Und das alles in dem sehr eigenen Umfeld der Porno- und Strip-Industrie
Nichts für Zartbesaitete weder in Sachen Crime noch in Sachen Sex.
Der Story mangelt allerdings es heftig an Plausibilität. Warum jemand versuchen sollte einer Person die er ermorden will, zusätzlich einen Mord ( und anderes) anzuhängen, leuchtet nicht wirklich ein( kein Spoiler, das passiert gleich am Anfang). Aber das stört nicht, die rasante Action macht das wieder wett. Hirn ausschalten und eintauchen. Wem Laymon zu pubertär und zu repetitiv ist, der versuche sich mal an diesem Buch. Wer Laymon mag, sowieso. 92°
achim zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 13.02.2009
Christa Faust, eine Autorin, die mir bisher gänzlich unbekannt war, deren Roman ich wahrscheinlich auch nie gelesen, geschweige denn gekauft hätte, wäre er nicht bei Rotbuch in der Hardcase Crime Reihe erschienen, wusste mich zu überzeugen.
Woher sollte ich Christa Faust auch kennen, ist sie doch neben ihrer Schriftstellerei eine Bondage-Liebhaberin, ein Model für Fetischmagazine und Akteurin in einer Peepshow auf dem Times Square. Nebenbei verdiente sie noch ihre Brötchen als Domina.
Mit solchen Leuten hat man normalerweise nichts zu tun (oder doch?).

Nun hat sie Einzug gehalten im Pulp-Universum und erfreut uns mit einer doch sehr erfrischenden Geschichte. Dass Christa Faust weiß worüber sie schreibt, glaube ich ihr sofort, nicht zuletzt durch ihre Vita. Der Roman spielt im Pornogeschäft, die Hauptperson ist der bekannte Porno-Star Angel Dare. Angel Dare erzählt in der Ich-Person ihre Geschichte, wie sie aufs Kreuz (Hi hi) gelegt wird und sich ähnlich Charles Bronson in "Ein Mann sieht Rot" durch das Unterweltmilieu ballert. Die Geschichte ist rasant geschrieben, Füllsel sind keine erkennbar und der Leser hat kaum Zeit zum Luftholen. Am "Set" ist ganz schön was los. Die Namen der teilnehmenden Personen hat man kaum gelesen, schon liegen sie mit der Nase im eigenen Blut tot am Boden. Wenn der Roman auch einige logische Mängel aufweist, konstruierte Zufälle wie immer an der Tagesordnung sind, so muss man sich doch immer wieder vergegenwärtigen, dass wir hier einen Pulproman vor uns liegen haben, und der ist für sein Genre sehr unterhaltsam.

Mir hat er Spaß bereitet und ich vergebe 85°.
Schrodo zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 26.12.2008
Dem Ex Porno Model Angel Dare wird angeboten einen Film mit dem angesagtesten Hengst der Szene zu drehen. Ja welche Frau kann da schon nein sagen! *lach* Hätte sie es mal getan, denn ehe sie sich versieht findet sie sich verprügelt und gefesselt in einem Kofferraum wieder. Das macht Angel mächtig wütend und sie begibt sich zusammen mit ihren Bodyguard auf Rachetour. „Leichen pflastern ihren Weg“ könnte das Buch jetzt auch heißen. Nein, nein, so schlimm ist das Ganze nicht. Es kann auch von etwas zarter besaiteten Menschen gelesen werden.
Frau Faust hat das prima hingekriegt, ohne allzu brutale oder blutrünstige Szenen einzufügen. Ihr Schreibstil ist leicht zu lesen und das Buch hat schöne kurze Kapitel. Ein unglaublich spannender Thriller ist das nicht, dazu pflügt die Story zu rasant durch das Buch. Das Ende kommt plötzlich und ist in keinster Weise alltäglich. Ein Buch nicht nur für Hardboiled Fans!
Bartensen zu »Christa Faust: Hardcore Angel« 11.11.2008
Angel Dare ist eine ehemalige Pornodarstellerin die sich zur Ruhe gesetzt hat und eine erfolgreiche Agentur eröffnet hat. Ein letztes Mal soll sie vor der Kamera stehen und landet stattdessen gefesselt im Kofferraum einer skrupellosen Bande, für die Angel Dares Leben nichts Wert ist. Angel Dare kommt davon und startet einen Rachefeldzug der es in sich hat.
Hardcore Angel ist ein rasant und kurzweilig geschriebener Hardboiled-Pulp Roman der im schmuddelig verkommenen Pornomillieu spielt. Prickelnde Erotik sucht man hier vergebens, der Verfall hinter der scheinbar glitzernden Fassade ist allgegenwärtig. Die Sprache ist hart und vulgär und hetzt den Leser scheinbar pausenlos von einer Szene zur nächsten.Christa Faust spart weder an ethisch und moralischer Unkorrektheit noch an zügelloser Brutalität, die dem Buch allerdings das gewisse Etwas verleihen.
Wenn es ein Manko gibt, ist es die fehlende Tiefe der Charaktere, meist sind die stereotypen Gestalten (deutlich und klischeehaft als die Bösen zu erkennen) schneller Tod als sie aufgetaucht sind und auch Angel Dare ist zu 2/3 des Romans eigentlich nur eine zur Passivität verdammte Mitläuferin, die erst zum Ende des Romans Initiative ergreift.
Dennoch oder gerade deshalb macht es Spaß das Buch zu lesen. Daumen hoch.
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