Still Missing - Kein Entkommen von Chevy Stevens

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Still Missing, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Vancouver Island, 2010 - heute.

  • New York: St. Martin’s Press, 2010 unter dem Titel Still Missing. 342 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. Übersetzt von Maria Poets. ISBN: 978-3-596-18716-4. 412 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2011. Gesprochen von Laura Maire. autorisierte Lesefassung. ISBN: 3839810752. 6 CDs.

'Still Missing - Kein Entkommen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Was würdest du tun, wenn dich jemand am helllichten Tag entführt?
Wenn du ihm vollkommen ausgeliefert bist?
Wenn es aus dieser Hölle kein Entkommen gibt?
Würdest du töten? Und wäre dann wirklich alles vorbei?

Das meint Krimi-Couch.de: »Hölle hoch drei!« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Silke Wronkowski

Chevy Stevens Debütroman Still Missing verrät eigentlich im Klappentext schon alles, was man wissen muss. Annie O’Sullivan, Immobilienmaklerin Anfang 30 aus Clayton Falls, Typ unabhängige Karrierefrau mit Haus und Hund und frisch verliebt, wird eines Tages während der Arbeit überwältigt und entführt. Ihr Entführer verschleppt sie in eine einsame Berghütte, diktiert ihr wie und vor allem was sie zu tun hat, vergewaltigt sie, schwängert sie, bestraft sie. Nach etwa einem Jahr gelingt es Annie ihren Peiniger zu töten und zu fliehen. Ende gut, alles gut. Aber ist damit wirklich alles gut? Denn an der Stelle ist das Buch noch lange nicht zu Ende.

Stevens’ Protagonistin Annie findet sich in einem Albtraum wieder. Nachdem sie »ihrem« Psychopathen bei einer Open-House-Besichtigung nur kurz den Rücken zugewandt hatte, war sie auch schon überwältigt, betäubt und verschleppt worden. Sie wacht in einer Ein-Raum-Holzhütte auf, die Schränke allesamt verschlossen, die Fensterläden ebenfalls. Ihr Entführer, ein Kontrollfreak wie aus dem Bilderbuch, stellt Regeln auf, die nach seinem Zeitplan penibelst eingehalten werden müssen. Hält Annie sich daran, wird sie »belohnt«, widersetzt sie sich, wird sie körperlich brutal bestraft. In etwa ein Jahr dauert Annies persönliche Hölle, Teil eins. Dann gelingt es ihr »Psycho«, wie sie ihn nennt, umzubringen und zu entkommen.

Wieder zurück in Clayton Falls ist Annie O’Sullivan völlig traumatisiert. Sie löst sich nur langsam von den »Regeln«, nach denen sie in Gefangenschaft leben musste, hat eine paranoide Angst vor allem und jedem, was dazu führt, dass sie – wenn überhaupt – nur im Schrank schläft. Die Welt außerhalb ihres Gefängnisses hat sich weiter gedreht. Fast all ihre Ersparnisse gingen für die Suche und die ausgesetzte Belohnung drauf, so dass Annie – psychisch ein Wrack – gar keine andere Wahl hat, als sich der sensationslüsternen Öffentlichkeit und den Reportern zu stellen. Hölle, Teil 2.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen, macht sie nun endlich eine Therapie um ihr Leben wieder zurückzugewinnen. Doch ist ihre immer noch währende Angst wirklich so unbegründet? Schließlich ist »das Monster« tot, sie hat ihn umgebracht, sich sogar davon persönlich überzeugt. Aber es gilt noch die Identität des Täters aufzuklären, dabei hilft ihr der Polizist Gary, der auch an den Ermittlungen in ihrem eigentlichen Entführungsfall beteiligt war. Und das Ergebnis dieser Suche? Eindeutig Hölle, Teil 3!

Chevy Stevens zäumt das Pferd von hinten auf, indem sie uns ausschließlich an den Therapiesitzungen der Hauptdarstellerin dieses beklemmenden Kammerspiels teilhaben lässt. In 26 Kapiteln – Entschuldigung: Sitzungen – erfährt der Leser das gesamte Ausmaß von Annies Martyriums, völlig ungeschminkt, direkt aus dem Munde des zynischen, verbitterten, traumatisierten Opfers. Denn die Perspektive, die Stevens wählt, ist die der Patientin Annie O’Sullivan, die als Ich-Erzählerin über 400 Seiten ihre eigene Geschichte monologisiert. Auf der einen Seite der ehrlichste Blick auf den »Fall«, den man als Leser haben kann, auf der anderen Seite aber auch der Blickwinkel einer labilen Frau mit posttraumatischen Zwangsstörungen, Paranoia und Depressionen. Und trotzdem kann man nicht anders, als schnell Sympathie und Verständnis für Annie aufzubringen, selbst ihre widersprüchlichen Gefühle für ihren Entführer klingen plausibel, und ihre Stärke und ihr Überlebenswille sind bewundernswert.

Stück für Stück, Sitzung für Sitzung, bauen sich parallel zwei Geschichten auf. Zum einen der Fall der Entführung, zum anderen Annies Leben »danach«, mit der Klärung der Identität des Täters und einer außergewöhnlichen, lange überhaupt nicht vorhersehbaren, Wendung zum Schluss. Man fasst leicht Fuß in Stevens Erstlingswerk, setzt mit ihrer Hilfe das Puzzle mühelos zusammen. Simpel geschrieben, stellenweise zwar sehr detailverliebt, aber trotzdem immer schockierend genug, dass man mit einer kuriosen Mischung aus Neugier und Abscheu weiter lesen muss. Und das geht durchaus auch in einem Rutsch, denn schnell wird ein einziger Punkt – abgesehen von Annies Entkommen – vorhersehbar: Chevy Stevens setzt immer noch eins drauf, wenn man gerade denkt die Psyche der Romanfigur habe doch jetzt bereits genug durchgemacht. Und trotzdem versteht es Stevens dabei nie langweilig zu werden und inhaltlich eben nicht vorhersehbar, denn der Schluss ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, mit der man lange nicht rechnen konnte.

Hut ab, Mrs. Stevens, gelungenes Debüt. Wir dürfen gespannt sein, ob ihr nächstes Werk an Schwung verliert nach diesem gut gemeisterten Eröffnungstanz, oder ob der zweite Thriller Never Knowing – Endlose Angst ebenso leichtfüßig über’s Parkett wirbeln wird.

Silke Wronkowski, April 2011

Ihre Meinung zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen«

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Lila666 zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 06.05.2012
Ich fande das Buch ist echt super, ich würde es jedem weiterempfehlen! An manchen Stellen bekam man echt Gänsehaut und zum Schluss hatte man schon Tränen in den Augen. Man fühlt echt mit. Doch das Ende störte mich schon ein wenig, weil man einfach was ganz anderes erwartet hat und dadurch ein bisschen enttäuscht wurde.
sunsun zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 08.02.2012
Ich bin leider auch sehr enttäuscht!!! Fast alle Lesefreunde fanden das Buch gut bis super und entsprechend groß war meine Vorfreude. Habe mich leider durch das ganze Buch gezwungen. Die Story an sich ist ja ganz gut .. aber meiner Meinung nach langweilig beschrieben.Vielleicht ist es auch einfach nicht mein Stil wie Chevy Stevens schreibt - Schade - Vergebe nur 25 % und empfehle es nicht weiter :-(
tom_ate zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 11.01.2012
Ich habe nicht das Buch gelesen, sondern versucht, das Hörbuch zu genießen. Nach zwei von sechs CDs habe ich aufgegeben.

Laura Maire liest die Geschichte so, als ob sie die Börsenkurse vom letzten Jahr verkündet. Nichts kommt mittels ihrer Stimme von den Demütigungen, Grausamkeiten, Vergewaltigungen und Erniedrigungen herüber, die sie als Immobilienmaklerin Annie O’Sullivan in Gefangenschaft erleiden muss.

Psychopathen scheinen "in" zu sein, aber da sich schon genügend von dieser Sorte ausleben können, muss ich mir diesen nicht auch noch anhören.

Ich kann mich den vielen positiven Äußerungen zu diesem 85°-Treffer nicht anschließen.
Mcduck zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 26.11.2011
ich fand das Buch richtig gut,ein wenig anders als die üblichen Thriller, weil es viel um die seelische Verfassung des Opfers geht. Ab der Hälfte des Buches wurde es eigentlich erst richtig spannend.Was mich so ein bissl gestört hat, dass das Ende doch offen ist. Wie ihr Leben jetzt nun wirklich weitergeht. Im Großen und Ganzen aber ein sehr gutes Buch und ich kann es bedenkenlos weiterempfehlen.
findefüchsin zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 11.11.2011
Ich finde "Still Missing - Kein Entkommen" von Chevy Stevens äußerst gelungen. Absolute Superklasse. Von Anfang an war ich in den Bann dieser Geschichte gezogen. Gut beschreibt die Autorin die Gefühle und Überlegungen der Protagonistin Annie und die daraus folgenden Handlungsweisen. Wenn man denkt, das ist schon alles an Schlimmem, was Annie ertragen muß, kommt immer noch mehr. Auch als sie wieder zu Hause ist, warten schreckliche Wahrheiten auf sie. Ein sehr spannendes Buch, bei dem ich manchmal den Atem anhalten mußte.
K.K. zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 22.08.2011
Totale Enttäuschung. Ich kann manche Rezessionen nicht nachvollziehen. Aber zum Glück sind Bücher wie Kunst, gedem gefällt etwas anderes. Ich musste mich bis Seite 70 "durchquälen", hab mich dann entschlossen das Buch zur Buchhandlung zurückzubringen. Denn da hatte ich zuvor den Augensammler von Fitzek gekauft und ihn in binnen weniger Stunden "reingeschlungen". Nach der Frage um ein "einigermaßen gleich spannendes Buch" wurde mir "Still Missing" empfholen. Wie gesagt, ich hab´s gleich wieder zurück gebracht, ich fand´s bis S. 70 total langweilig und ich hatte auch überhaupt keine Lust oder das Empfinden das Ende dieses Bucher zu erfahren. Als Ersatz wurde mit Nele Neuhaus empfohlen, von der hab ich mir jetzt alle bereits erschienen Bücher besorgt, denn die hat mir wieder super gut gefallen. Ich würde dieses Buch hier nicht weiterempfehlen.
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massil1986@hotmail.de zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 19.06.2011
Ein ausergewöhnlicher "Thriller". Ich fande das Buch gut, aber auch nichts außergewöhnliches. Teilweise fande ich es im Ersten Teil (bis Seite 250) an manchen Stellen zäh. Der Zweite Teile hingegen war wirklich spannend und interessant.

Die Charaktere werden gut beschrieben und der Leser kann sich auch gut in Annie hineinversetzten. Ich bin nicht ganz mit der Schreibstil klargekommen, was aber auch daran legen kann, dass ich davor 3 Fitzeks gelesen habe.

Trotzdem kann ich dieses Buch ohne Probleme weiterempfehlen. Ein gutes Buch für Zwischendurch.
HeJe zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 14.05.2011
Ich verstehe die miese Bewertung der Leser nicht!

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es liest sich einfach so weg. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen und sich das ganze Szenario bildlich vorstellen. Das gefiel mir besonders. Die ganze Zeit über denkt man sich, schlimmer gehts kaum, aber es geht! Die Gedankengänge von Annie waren realistisch und nachvollziehbar. Meistens. :)

Zwar finde ich, dass dieses Buch sich nicht wirklich einen Thriller schimpfen darf, und dass auch der Klappentext für den A... ist (völlig undurchsichtig und wenig ansprechend)., aber ansonsten habe ich nichts zu meckern. "Schöner" Lesestoff!

85 Grad
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koepper zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 01.05.2011
Das Opfer berichtet ihrer Therapeutin von ihren Leiden. Das ist ein interessanter Ansatz, der in der ersten Hälfte des Buches sehr gut gelingt. Eindringlich schildert die Ich Erzählerin von Entführung durch den Psycho, so nennt sie ihn. Sie stellt ihrer Gefangenschaft und ihren Qualen bedrückend dar. Zwischen diesen Schilderungen berichtet Annie von ihrem privaten Umfeld, von ihrer Familie, von ihrer besten Freundin und ihrem Liebhaber. Dies nimmt gerade den rfichtigen Raum ein, weil Annie immer wieder auf das zentrale Thema des Buches zurückkommt. Die Gefangenschaft, die Abhängigkeit von einem kranken Sadisten. Das ist spannend, wobei es sich hier nicht um einen klassischen Krimi . Der Täter ist bekannt, das Opfer ist bekannt, Ermittlungen finden nicht statt, bzw. werden nicht dargelegt. Ab Mitte des Buches, nach Annies Befreiung, verliert das Buch leider an Spannung. Dem Peiniger entkommen, plätschert die Geschichte so dahin und ich war froh als ich "Kein Entkommen" dann endlich durch hatte. Durchaus lesenswert aber kein Knaller, wegen des schwachen zweiten Teils.
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adele40 zu »Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen« 24.04.2011
Sehr bewegendes Buch.
hart,direkt und schonungslos erzählt uns Annie ihre Geschichte, was heißt uns - ihrer Therapeutin. Das schafft etwas Distanz, denn würde Annie uns gegenüber sitzen und uns in die Augen sehen, während sie uns das ganze schockierende Ausmaß ihrer Geschichte erzählen, könnten wir es wahrscheinlich nicht aushalten.
In der ersten Hälfte vom Entsetzen gepackt, musste ich nicht nur einmal das Buch aus der Hand legen - um es wenig später gleich wieder zu packen und weiterzulesen.
Eher ein Thriller für Frauen, die am ehesten verstehen können, was Annie ihrem Peiniger gegenüber empfindet, aber auch in Bezug auf das Mutter-Tochter-Verhältnis,die Gefühle zu ihrer besten Freundin und etwas,daß ich hier natürlich nicht verraten möchte.
Am Ende habe ich geweint!
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