Karkloof Blue von Charlotte Otter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei ariadne.
Folge 2 der Kriminalreporterin-Magdalena-Cloete-Serie.

  • Hamburg: ariadne, 2015. 288 Seiten.

'Karkloof Blue' ist erschienen als

In Kürze:

KwaZulu-Natal, Südafrika heute. Journalistin Maggie Cloete ist in der Welt herumgekommen. Ein Job als stellvertretende Nachrichtenredakteurin der Tageszeitung Gazette bringt sie zurück in ihre Heimatstadt Pietermaritzburg, wo sie prompt zwischen die Fronten widerstreitender Interessen gerät: Der Papierkonzern Sentinel versteht sich gut aufs Greenwashing und stellt sich als Wohltäter der Region dar. Daran ändern auch die Proteste einer Truppe von Umweltschützern nichts, zu denen Maggies Bruder gehört. Die Konzernleitung will nämlich den Sektor Karkloof 7 roden, ein unberührtes Waldstück und Refugium selten gewordener heimischer Arten. Eigentlich war es Stammesland, doch mit den ursprünglichen Eigentümern hat man sich längst arrangiert. Überhaupt verfügt Sentinel über exzellente Beziehungen. Maggie argwöhnt, dass der Tod des Ökologen David Bloom nicht einfach der Selbstmord eines frustrierten Idealisten war, der eine bedrohte Schmetterlingsart retten wollte. Aber ihre Vorgesetzte pfeift sie energisch zurück: Sie will in der Gazette keine schlechte PR für Sentinel sehen. Dann machen die Forstarbeiter im Sektor Karkloof 7 einen grausigen Fund. Maggie mobilisiert ihre Recherchekünste und bekommt den Zipfel einer Vorgeschichte zu fasssen, die zurückreicht in die Zeit von Segregation und staatlich protegiertem Mord. Haben hier neue Seilschaften unbekümmert das blutige Erbe der alten angetreten? Aber auf Maggie Cloete wartet noch die vielleicht bitterste Überraschung ihres Lebens … 'Karkloof Blue’ ist ein atemloser, brisanter Politkrimi. Realitätsnah, glaubwürdig und geschmeidig erzählt Charlotte Otter eine brandaktuelle Story aus Südafrika: herb in den Konsequenzen, von ungeheuer lebendigen Figuren getragen, packend bis zum Showdown.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der schöne Schmetterling auf dem Buchcover trügt« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Enthüllungsjournalistin Maggie Cloete ist zurück in Pietermaritzburg. Nicht ganz freiwillig hat sie hier eine Stelle als Nachrichtenleiterin bei der örtlichen »Gazette« angenommen. Einen Schreibtischjob fernab des journalistischen Treibens auf der Straße. Doch nach fast zwanzig Jahren ist ihr Bruder Christo wieder aktiver Teil ihres Lebens; zuvor war er in einer psychiatrischen Klinik. Christo schließt sich einer Gruppe von radikalen Umweltaktivisten an, die gegen den Papierkonzern Sentinel kämpfen, der ein uraltes Waldstück namens Karkloof Sektor 7 abholzen will, um hier das für ihre Arbeit so wichtige Kiefernholz zur Papiergewinnung anzupflanzen. Doch die Monokultur wäre zugleich der Tod für viele Tierarten, darunter ein vom Aussterben bedrohter Schmetterling.

Bevor die Rodungsarbeiten beginnen sorgt zunächst ein vermeintlicher Selbstmord für kurzes Aufsehen. Am Grunde des Howick Falls, einem beliebten Ausflugsziel für Touristen, wurde die Leiche von Dave Bloom gefunden. Für die Polizei ein klarer Fall, doch warum sollte sich der lebensfrohe Familienvater und Mitarbeiter von Sentinel in einem Wasserfall zu Tode stürzen? Der Vorfall gerät schnell in Vergessenheit, denn die Arbeiten von Sentinel beginnen. Allerdings nur kurz, denn kaum haben die Bagger ihre Arbeit aufgenommen wird diese schon wieder eingestellt. Ein altes Massengrab kommt zu Tage und weckt dunkelste Erinnerungen an die Schrecken der Apartheid …

Auch der zweite Fall von Maggie Cloete überzeugt

Nach Balthasars Vermächtnis ist Karkloof Blue (wer mit dem Namen nichts anfangen kann, findet dessen Erklärung auf dem Buchcover) bereits der zweite Thriller der südafrikanischen Autorin, die inzwischen in Deutschland lebt. Bereits nach ihrem glänzenden Debüt wurde sie von mehreren Kritikern in einem Atemzug mit Deon Meyer und Roger Smith genannt. Vielleicht etwas voreilig in diesem frühen Schaffensstadium, doch Karkloof Blue bestätigt, dass hier eine große Autorin am Werk ist. Krimiautoren, die über Südafrika schreiben, gibt es mehrere, weibliche »Konkurrenz« ist hingegen kaum vorhanden. Immerhin wäre noch die großartige Malla Nunn zu erwähnen!

Zurück zu Karkloof Blue. Es ist ein bezeichnendes Bild, das ausgerechnet mit der Entdeckung des Massengrabes die Erinnerungen an die Apartheid wieder voll durchschlagen. So schlägt die Autorin gekonnt den erzählerischen Bogen von der Gegenwart in die Zeit der frühen 1990er Jahre und des damaligen Bürgerkrieges. Wer mit Kürzeln wie ANC, IFP oder NIS nichts mehr anzufangen kann, findet ein hilfreiches Glossar am Ende des Buches ebenso wie zahlreiche Hinweise auf weiterführende Internetseiten. Der Bürgerkrieg in Südafrika mag rund 25 Jahre her sein, seine Auswirkungen sind immer noch greifbar. Gewalt ist im Alltag nach wie vor ein beherrschendes Thema, genauso wie die Arbeit der Polizei und die grassierende Korruption. Hier kommt nun auch noch ein Industriegigant namens Sentinel hinzu, der für seine Ziele offenbar über Leichen geht. Greenwashing, der Versuch sich ein Öko-Mäntelchen überzustreifen um damit die Öffentlichkeit zu blenden, ist ein oft verwendetes Mittel der Unternehmens-PR. Was dies zur Folge haben kann zeigt der vorliegende Roman. Alte Naturwälder und -flächen werden vernichtet und durch Monokulturen ersetzt, die den bisherigen Tieren und Pflanzen den Lebensraum nehmen. Da muss natürlich mächtig Einfluss genommen werden auf die Lokalmedien, damit diese nicht allzu kritisch berichten. Mehr als einmal wird Maggie aufgefordert, keine Artikel über die Waldrodungsarbeiten zu veröffentlichen und schon gar nicht auf der Titelseite. Die Einblicke, die der Leser in den Alltag eines Journalisten beziehungsweise in die Arbeit einer Redaktion erhält, sind informativ und anschaulich.

Eine Fortsetzung der Serie muss sein!

Der Schreibstil ist flüssig, wenngleich mit einem wütendem Erzählstil. Ja, man merkt, dass Charlotte Otter, mit der Situation im Land mehr als unzufrieden ist und dieser Frust muss raus. Im Stile eines hard-boiled geht es munter zur Sache, wobei nicht nur die Bösen sterben. Ganz im Gegenteil. Harte Kost mit vielen Informationen über den Zustand eines Landes, der doch allzu vertraut erscheint und einen düsteren Ausblick auf das gibt, was den derzeit im Bürgerkrieg versinkenden Ländern im Nahen Osten wohl noch bevorsteht. Dass die Schönheit der Landschaft der an der Ostküste Südafrikas gelegenen Provinz KwaZulu-Natal ab und an durchscheint ist immer ein kleiner versöhnlicher Lichtblick. Ebenso wie die Hoffnung, dass es wohl weitere Fälle mit Maggie Cloete geben wird. Alles andere erscheint kaum denkbar, wenngleich die neuen Geschichten nicht mehr in Pietermaritzburg, sondern in Durban spielen dürften!

Jörg Kijanski, Mai 2016

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