Alte Schule von Charles Hodges

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Knight, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Heyne Encore.
Ort & Zeit der Handlung: England, 2010 - heute.
Folge 1 der Tom-Knight-Serie.

  • -: -, 2015 unter dem Titel Knight. 368 Seiten.
  • München: Heyne Encore, 2016. Übersetzt von Andrea Kunstmann. ISBN: 978-3-453-27076-3. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: RandomHouse Audio, 2016. Gesprochen von Charles Brauer. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3837136310. 368 CDs.

'Alte Schule' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

»Angenehm. Mein Name ist Tom Knight. Wohnhaft in Eastbourne, England. Nicht Richtung Kontinent, sondern Richtung inkontinent, wie meine Freunde sagen. Keine Sorge, das kann ich ab. Ich bin in den besten Jahren, knapp über 60. Oder jenseits der Siebzig. Das ist Einstellungssache. Ich liebe gutes Essen, gute Weine und nette Frauen. Erst gestern habe ich jemanden kennengelernt. Fran. Eine tolle Frau. Ich mache aber auch noch andere Dinge. Durchaus heikle Jobs. Ich kenne mich aus mit zwielichtigen Subjekten mein Stock dient nicht nur zum Spazieren. Ich wünsche mir, eine schöne Frau retten zu können. Eine wie Fran. Und vielleicht wird das schon bald der Fall sein, wer weiß?«

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein rüstiger Senior auf Mördersuche« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Tom Knight ist frisch verliebt und hofft auf eine berauschende Nacht mit Fran, die er über eine Kontaktanzeige kennenlernte. Fran ist 53 Jahre alt und arbeitet in einem Altenheim, ihr gesuchter Partner sollte nicht älter wie sechzig sein und so endet der vermeintlich romantische Abend sehr abrupt als Fran zufällig das wahre Alter von Knight erfährt. Nördlich der siebzig und damit in etwa so alt wie die von Fran betreuten pflegebedürftigen Seniorinnen. Knight hat es also ordentlich vermasselt und eine Wiedergutmachung scheint ausgeschlossen. Als jedoch kurz darauf in einer Nacht gleich drei Bewohnerinnen des Seniorenheimes tot in ihren Zimmern aufgefunden werden und in Frans Handtasche eine Spritze entdeckt wird, ist für den ebenso faulen wie korrupten Detective Constable Steve Bullock der Fall bereits geklärt.

»So gegen elf bin ich raufgegangen, um meine Runde zu drehen, und da habe ich unten die Dielen knarzen hören. Ich hab mir da nichts dabei gedacht, aber es muss der Moment gewesen sein, als der Mörder ins Büro geschlichen ist. Als ich dann eingeschlafen war, ist er zurückgekehrt, hat sich meine Autoschlüssel geholt und das Heroin unter den Vordersitz gelegt. Und den ganzen Rest …getan.«

Knight hingegen sieht seine Chance gekommen, Fran zur Hilfe zu eilen und sie damit womöglich zurückzugewinnen. Während Fran im Gefängnis sitzt, versucht Knight mit Hilfe seines Freundes Mervyn Watson, einem Ex-Infanteristen der inzwischen meist illegalen Geschäften nachgeht, den Fall zu klären. Da es kaum Anhaltspunkte gibt, beschließt Knight vorübergehend Gast in Frans Altenheim zu werden, wo er recht bald auf eine viel versprechende Spur trifft. Diese bringt jedoch nicht nur Knight in größte Gefahr …

Klassisch konzipierter Plot mit humorvollen Untertönen

Der Debütroman von Charles Hodges, der unter anderem für das britische Fernsehen als Drehbuchautor arbeitet, ist ein klassisch aufgebauter Whodunnit, der weitgehend ohne High-Tech auskommt. Entsprechend dem rüstigen Protagonisten, der bereits 73 Jahre alt ist, richtet sich der Roman eher an ein älteres Publikum, wenngleich einige humorvolle Ereignisse einschließlich unfreiwilliger Slapstick-Einlagen auch jüngere Leser ansprechen. Knight war in seiner aktiven Berufszeit Armeeoffizier beim militärischen Abschirmdienst und arbeitet gelegentlich als Privatdetektiv. So ist es für ihn eine Ehrensache, »seiner« Fran zur Hilfe zu eilen. Selbstredend nicht ohne Hintergedanken. Alles also kein Problem, wäre da nicht vor allem sein schmerzendes Knie, welches ihm ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung macht. Da helfen selbst Schmerzmittel und tägliche Joints nicht, welche Mervyn stets zur Hand hat.

»Okay, um das mal zusammenzufassen: Erst stiehlst du ein paar Krücken und verletzt einen Polizeibeamten, dann unterschlägst du Beweise für einen mutmaßlichen Mord, und zur Krönung beeinflusst du einen Zeugen. Sollte ich sonst noch was wissen?«

In traditioneller Manier werden Angehörige und vermeintliche Zeugen abgeklappert, doch selbst kleinste Spuren verlaufen immer wieder im Sand. Dazu gibt es immer wieder Ärger mit DC Bullock, der es nicht nur auf Knight abgesehen hat, sondern auch auf seine attraktive Kollegin Bev, die Knight heimlich zuarbeitet. Letztlich führen Knights Ermittlungen nicht nur in ein Altenheim mit teils senilen Seniorinnen, sondern auch in die örtliche Drogenszene am untersten Rand der Gesellschaft. Nicht selten bringen sich Knight und Mervyn in Gefahr, so dass Knights Gehstock wertvolle Dienste leistet.

»In Dover geht’s Richtung Kontinent, in Eastbourne Richtung inkontinent.«

Wer die Krimi-Reihe Agent Null-Null-Siebzig von Marlies Ferber mag oder den ebenfalls weitgehend in einem Seniorenheim spielenden Roman Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch? von Minna Lindgren mit Freude gelesen hat, der wird hier ebenfalls auf seine Kosten kommen.

Jörg Kijanski, November 2016

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walli007 zu »Charles Hodges: Alte Schule« 04.12.2016
Graubart

Mit seinen 73 Jahren gehört Tom Knight überhaupt noch nicht zum alten Eisen. Er steht noch voll im Leben und arbeitet als Privatdetektiv. Nur an der Frauenfront ist es in letzter Zeit eher ruhig. Nun, das soll geändert werden. Voller Enthusiasmus beantwortet Tom die Anzeige von Fran, die einen Mann im Alter von bis zu 59 Jahren suchte. Um ins Profil zu passen, schummelte Tom bei der Altersangabe geringfügig über zehn Jahre weg. Natürlich fliegt der Schwindel beim ersten Treffen sofort auf und Fran will nichts mehr von Tom wissen. Dann jedoch werden in dem Altersheim, in dem Fran arbeitet, drei alte Damen ermordet. Fran gerät unter Verdacht und Tom Knight zeigt vollen Einsatz, um ihre Unschuld zu beweisen.

Das Alter schützt vor Torheit nicht und das ist auch gut so, könnte man sagen. Mit Tom Knight ist dem Autor Charles Hodges ein Charakter gelungen, der die Leser für sich einnimmt. Wie Tom den Unannehmlichkeiten des Alters oder des Alterns trotzt, hat schon was für sich. Zum Glück ist ja nicht alles vorbei, wenn der übliche Broterwerb aus Altersgründen beendet wird. Natürlich muss man sich lange vorher überleben, was man machen möchte. Vor dem Fernsehgerät sitzen und warten, dass die Zeit vergeht, ist sicher nicht der richtige Ansatz. Da kann man sich bei Tom Knight gleich ein paar Tips abholen. Um seine Rente aufzubessern, übernimmt er hin und wieder mal einen Fall. Die Sache mit Fran hat selbstverständlich einen anderen Hintergrund. Nach dem gescheiterten Date, will Knight nichts mehr als den Fall aufzuklären, schließlich könnte die Hoffnung bestehen, dass Fran ihre Meinung ändert.

Im Laufe der Ermittlungen weiß Tom Knight wieder und wieder zu überzeugen, auch wenn immer mehr seiner Knochen auf die Versehrtenliste kommen. Die geschundenen Gelenke werden in den Dienst gezwungen, doch der Geist ist wach. Hartnäckig und mit außerordentlichen Fähigkeiten als Maskenbildner macht sich Tom auf die Suche nach dem wahren Täter. Wahrhaft gerne folgt man den Ausführungen von Charles Brauer, der Tom Knight und seiner Geschichte Leben einhaucht und ihr eine wunderbar angenehme Stimme verleiht. Sollte dies tatsächlich nicht der letzte Fall für Tom Knight sein, sollte man sicher auch weiterhin nach den Namen des Privatdetektivs und seines Schöpfers Ausschau halten.
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