Die Macht des Mr. Miller von Charles den Tex

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel De macht van meneer Miller, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande, 1990 - 2009.

  • Breda: De Geus, 2005 unter dem Titel De macht van meneer Miller. ISBN: 9044509969. 349 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2007. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3-89425-653-1. 448 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2008. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3-89425-561-9. 448 Seiten.

'Die Macht des Mr. Miller' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein Albtraum für jeden Computerbesitzer: Stellen Sie sich vor, Sie fahren Ihren Rechner herunter und eine kriminelle Organisation hat weiterhin Zugriff auf Ihre gespeicherten Informationen. Und nicht nur auf Ihre, sondern auf die von Millionen anderer Menschen in aller Welt. Charles den Tex hat um dieses albtraumhafte Szenario einen Thriller geschrieben, der ihm den Preis für den besten niederländischen Krimi einbrachte:
Michael Bellicher arbeitet in Amsterdam für eine international operierende Beratungsfirma. Alles, wovon er jemals geträumt hat, scheint erreicht. Bis ihn das Wiedersehen mit seinem Bruder völlig aus der Bahn wirft. Zwei Tage erscheint Michael nicht an seinem Arbeitsplatz und erhält prompt die Quittung: die fristlose Kündigung. Um sich noch einmal Zugang zu seinem Büro zu verschaffen, lässt er sich über Nacht in dem Firmengebäude einschließen – eine fatale Entscheidung. Denn in dieser Nacht wird er Zeuge eines Mordes und gerät selbst unter Verdacht, er muss untertauchen. Verzweifelt setzt er alles daran, seine Unschuld zu beweisen, erbarmungslos gejagt von dem mysteriösen Mr. Miller, der alles über ihn zu wissen scheint und ihm stets einen Schritt voraus ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Macht der Information« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Hartz-Kommission, Rürup-Ausschuß. Nicht nur bei großen Reformvorhaben lassen sich Politiker gerne von Wissenschaftlern, Experten oder Unternehmensberatern die Entscheidungsfindung abnehmen. Und nicht nur in Deutschland geben Ministerien die Steuergelder aus, um sich externe Beratung ins Haus zu holen. Auftritte und Reden werden einstudiert, geübt, abgestimmt, von Ghostwritern verfasst. Und geheimste Informationen und Dokumente stauben nicht mehr in dunklen Kellern voll, sondern ruhen auf einer Vielzahl von verschiedensten Festplatten und Servern. Währenddessen kann von jedem dieser Computer auf das Internet zugegriffen werden. Aber wie sicher ist das Internet und wer kann sich über das Internet Zugang zu Informationen verschaffen, die eigentlich strengst geheim sein sollten?

Dies ist die Grundlage, auf der der Roman Die Macht des Mr. Miller des Niederländers Charles den Tex aufbaut. Das Bild, das der Autor dabei entwickelt ist beklemmend. Die Welt wird beherrscht von Informationen. Doch was, wenn es Fanatikern gelänge, Informationen zu manipulieren und so Entscheidungen der Politik unmittelbar zu steuern? Nicht möglich? Charles den Tex zeigt auf, wie das mit relativ simplen Mitteln im Zeitalter des Internets zu machen sein könnte. Ungemein gut ausgetüftelt und spannend von der ersten Seite an.

Ein kleiner Consultant in einer großen Maschinerie

Michael Bellicher ist ein Junior Consultant bei einer großen internationalen Unternehmensberatung. Er und seine Kollegen beraten in den Niederlanden diverse Ministerien. Loyalität und Offenheit gegenüber dem eigenen Unternehmen bilden dabei eine Art Ehrenkodex für ihn und alle anderen Mitarbeiter. Als Michael nach einem traumatischen Erlebnis für wenige Tage seine Arbeit vergisst, ist es daher nicht verwunderlich, dass ihm die fristlose Kündigung droht. Er sperrt sich über Nacht im Bürokomplex seiner Unternehmensberatung ein und wird dabei Zeuge, wie drei Männer die Leiche einer Frau aus dem Hause schaffen. Michael kann aus ihrer Handtasche jedoch Firmenausweis und Wohnungsschlüssel an sich nehmen.

Da in den Computersystemen seiner Firma nur er als einziger nächtlicher Anwesender verzeichnet ist, gerät er schnell ins Visier der Polizei. Michael Bellicher will selbst seine Unschuld beweisen, außerdem dass neben ihm noch andere Männer anwesend waren und hinter das Geheimnis kommen, weswegen eine Kollegin offenbar getötet wurde. In der Wohnung der toten Frau findet er eine Internetadresse, kurz bevor ihm dort von einem Schläger aufgelauert wird. Michael entkommt, begibt sich wenige Zeit später auf die Internetseite, die ihn über die Homepage seiner Firma zum ominösen »Haus von Mr. Miller« führt. Das führt die Verfolger wieder auf seine Spur. Welche Informationen findet er im Haus von Mr. Miller? Hatte der Aufruf dieser Seite für seine ermordete Kollegin tödliche Konsequenzen? Und wie können die Leute von Mr. Miller ihn immer wieder so schnell orten?

Krimipreisträger 2006 in den Niederlanden

Charles den Tex – dieser Name hört sich nicht sehr Holländisch an und kann eigentlich nur ein Pseudonym sein. Zu offensichtlich ist die Ähnlichkeit zu Charles Denton Watson, genannt »Tex«, einer der hörigen Massenmörder aus dem Manson-Clan, der 1969 die Schauspielerin Sharon Tate und ihre Freunde umbrachte. Falls es also wirklich ein Pseudonym sein sollte, eine etwas fragwürdige Namenswahl. Aber was Charles den Tex hier bietet, ist wirklich erstklassige Kriminalliteratur. Die Macht des Mr. Miller ist der erste Roman von Charles den Tex, der in einer deutschen Übersetzung erscheint. Aber den Tex ist kein Neuling unter den Krimiautoren. Schon des öfteren war er für den niederländischen Krimipreis »Gouden Strop« nominiert, mit Mr. Miller erhielt er die Trophäe bereits zum zweiten Mal. Und in der tat ist dies ein prämierungswürdiger Thriller, der mit rasanter Spannung ebenso aufwarten kann wie mit einer bedrohlich real wirkenden Handlung. Der Dortmunder Grafit-Verlag ist bereits Heimat von so manchem niederländischen Autor. Charles den Tex ist darunter eine echte Bereicherung für den Verlag mit den schwarzen Büchern.

Thomas Kürten, Mai 2007

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mg11 zu »Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller« 18.12.2013
Mich hat das Buch leider nicht wirklich überzeugt. Die Sprache war durchweg ok, die Personen blieben jedoch etwas blass. Der Spannungsbogen war mal höher, mal niedriger.
Die Idee der Story war hingegen sehr gut!
Ich bleibe etwas ratlos. Was ich mit Sicherheit aber in Frage stelle: Die Verleihung des niederländischen Krimipreises! Das Buch mag nicht schlecht sein, aber für die Auszeichnung müsste m.M. nach etwas mehr dahinter stecken.
Tom2005 zu »Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller« 20.01.2008
Ich kann nicht nachvollziehen, warum dieses Buch den niederländischen Krimi-Preis verdient hat. Okay, der Plot und mancher stilistischer Kunstgriff sind nicht schlecht, das Spannungsniveau ist durchweg hoch - aber es gibt doch handwerkliche Mängel, die den Lesespaß verderben: Aus dem Montag beispielsweise, an dem die Story auf dem Amsterdamer Flughafen beginnt, wird ein paar Seiten weiter plötzlich ein Donnerstag - was aber auch nicht sein kann, weil unser Held zwei Tage später ins Büro geht. Und dann ist wieder Mittwoch.

Aus meiner Sicht also eher durchwachsen, keine absolute Enttäuschung, aber eben auch kein "vollendeter Thriller", wie es bei der Preisverleihung geheißen haben soll.

Der Tom
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller« 13.12.2007
Der Schreibstiel gefällt mir, liest sich flüssig, super spannend.
Erfrischend, hoffentlich folgen bald neue Übersetzungen. Die Bücher sind noch sehr preiswert gebraucht zu haben. Das wird wohl nicht so bleiben
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mase zu »Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller« 26.09.2007
Klasse intelligenter „HiTech-Thriller“, sehr gut erzählt und positiv einfach geschrieben. Wiedermal ein sympathischer Protagonist, der in ein Verbrechen stolpert und plötzlich von allen Parteien gejagt wird. Seine Identität ist ihm genommen worden und er hat keine Ahnung wem er trauen kann. Aber, wie immer, lernt er sich auch mit der Zeit zu wehren. Der grosse Unterschied jedoch zu vergleichbaren Büchern ist der, dass der Leser hier das Geschehen nur aus Sicht des Gejagten erlebt und dementsprechend nie von den Fortschritten der Jäger erfährt. Bis diese zuschlagen.
Für mich eine grosse Thriller Überraschung in diesem Jahr, die mit der Hoffnung auf baldige Übersetzung weiterer Bücher von den Tex verbunden ist.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
romimax zu »Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller« 23.05.2007
Einfach nur empfehlenswert. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, nach 2 Nächten war ich durch. Sehr beklemmend, unglaublich spannend, auch wenn man von IT so wenig versteht wie ich.
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