Männer mit Erfahrung von Castle Freeman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Go With Me, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Nagel & Kimche.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Vermont, 2010 - heute.

  • New Hampshire: Steerforth Press, 2008 unter dem Titel Go With Me. 176 Seiten.
  • München: Nagel & Kimche, 2016. Übersetzt von Dirk van Gunsteren. ISBN: 978-3-312-00687-8. 176 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Parlando, 2016. Gesprochen von Christian Brückner. ISBN: 3941004786. 4 CDs.

'Männer mit Erfahrung' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Lillian, die in einem kleinen Nest in Vermont lebt, fühlt sich von einem undurchsichtigen Typen namens Blackway verfolgt. Eines Morgens liegt ihre Katze tot vor der Tür. Ermordet von Blackway, davon ist sie überzeugt. Der Sheriff kann nichts für sie tun, daher sucht sie Hilfe bei einem Club kauziger alter Männer. Beeindruckt von ihrem Mut, stellen diese ihr den betagten Lester und den hünenhaften, etwas beschränkten Nate als Schutz zur Seite. Lillian traut den beiden nichts zu, aber sie lassen sich nicht abwimmeln und so verfolgen sie Blackway schließlich gemeinsam.

Das meint Krimi-Couch.de: »Skurriler Provinz-Thriller« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Lillian fühlt sich von dem für seine Gewalttätigkeit bekannten Blackway bedroht. Dass er es war, der ihrer Katze die Kehle durchgeschnitten hat, steht für Lillian außer Frage. Sie wendet sich an Sheriff Wingate, doch mangels Beweisen kann er nichts für die junge Frau tun. Er empfiehlt ihr stattdessen, sich bei der Dead River Stuhlfabrik, die heute nur noch als kleines Sägewerk dient, nach Scotty Cavanaugh zu erkundigen, der ihr womöglich helfen kann. Stattdessen trifft sie auf eine Runde alter kauziger Männer, die über die Welt philosophieren und ihre Bierchen trinken. Whizzer, der Boss des Sägewerkes, stellt ihr Lester und Nate the Great zur Verfügung, die ihr Problem lösen sollen. Lillian glaubt an einen Scherz, denn Lester ist alt und humpelt, Nate dagegen ein ebenso kräftiger wie geistig eingeschränkter junger Mann. Dennoch machen sich die drei auf die Suche nach Blackway, denn Nate hat vor niemandem Angst und der alte Lester hat so seine Tricks auf Lager. Ihre Suche führt das Trio letztlich in ein großes Waldgelände, die gefürchteten Lost Towns …

»Im Augenblick ist das da oben Wildnis.«
»Wo ein Mann frei sein kann«, sagte Coop.
»Das denkt Blackway ebenfalls«, sagte Whizzer.
»Keine Frauen«, sagte D.B.
»Keine Kinder«, sagte Coop.
»Kein Verkehr«, sagte D.B.
»Kein Telefon«, sagte Coop.
»Keine Polizei«, sagte Whizzer.
»Keine Polizei?«, sagte Conrad. »Und was ist mit Wingate?«
»Was soll mit ihm sein?«, sagte Coop.
»Wingate ist der Sheriff«, sagte Whizzer. »Der Sheriff ist für seinen Bezirk zuständig. Und die Towns sind nicht in seinem Bezirk.«

Bereits 2008 erschien »Go With Me« und ist nun auf Deutsch erschienen. Ein Novum für Castle Freeman, dessen übrige Romane bislang nicht übersetzt wurden. Es mag damit zusammen hängen, dass der knapp 170 Seiten dünne Roman im letzten Jahr mit Julia Stiles (Lillian), Anthony Hopkins (Lester) und Ray Liotta (Blackway) verfilmt wurde.

Die Geschichte spielt in einem kleinen Kaff namens Dead River in Vermont und ein Fall für die Coen-Brüder als Regisseure gewesen wäre. Eine attraktive Frau mit langen Haaren umgeben von Hinterwäldlern. Entsprechend knapp, kurz und nicht selten »dämlich« sind die Äußerungen der wortkargen und einfachen Männer, die sich alltäglich an der kleine Sägemühle treffen, um bei dem einen oder anderen Bierchen über die Welt zu schwadronieren (sofern sie diese denn verstehen). Hier dienen ihre Aussprachen dazu, das aktuelle – und zurückliegende – Geschehen zu beschreiben.

»Und Wingate hat Blackway rausgeschmissen?«, sagte Whizzer.
»Jetzt ist er wieder Zivilist.«
»Kein Streifenwagen mehr«, sagte Coop.
»Keine Uniform«, sagte D.B.
»Keine Kanone«, sagte Coop.
»Keine Beweise, die er beschlagnahmen und selbst verbrauchen oder an seine Freunde verkaufen kann«, sagte Whizzer.
»Und das alles wegen dieser Frau«, sagte D.B.
»Sie hat ihm in die Suppe gespuckt«, sagte Coop.
»Blackway ist stinksauer«, sagte Whizzer.

Skurril und gewöhnungsbedürftig ist dies alles auf jeden Fall und so ist dringend zu empfehlen, vor dem Kauf (sehr stolze 18,90 Euro) mal die ersten Seiten Probe zu lesen, denn gefühlte 80 bis 90 Prozent des Romans bestehen aus schrägen, teils aberwitzigen Dialogen. Die Handlung selbst ist dagegen recht dünn geraten und so ist das Verhältnis zwischen Lesevergnügen und Buchpreis nicht ausgewogen. Auch der Spannungsbogen hält leider nicht bis zum Schluss. Wer aber ein Faible für sehr ausgefallene Sujets oder die hier beispielhaft zitierten Dialoge (so geht es in einem durch) hat kann dennoch zugreifen.

»Du weißt ja, wie es heutzutage ist: Du bist entweder Gehirnchirurg oder Sozialhilfeempfänger.«
»Tatsächlich?«, sagte Whizzer. »Und wer von den beiden bist du?«

Jörg Kijanski, Mai 2016

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Dold Michael zu »Castle Freeman: Männer mit Erfahrung« 01.06.2016
Habe eben die erfahrenen Männer und die touphe Lillian kennengelernt. Ein kleines meisterhaftes Stück (nein, kein Krimi der herkömmlichen Art) Literatur auf nicht einmal 120 Seiten. Anstatt einer Inhaltsangabe nur soviel: Das ganze spielt ähnlich wie der Westernklassiker von Fred Zinnemann "12 Uhr Mittag" in Echtzeit innerhalb eines Tages. Wo andere Autoren ihre Werke unnötig aufblasen, bleibt Freeman erfrischend reduziert und liefert zum Teil fast schon dadaistische Dialoge. Knapp und auf den Punkt gebracht: lesen! Ich gebe 90 Punkte.
Ottokar II zu »Castle Freeman: Männer mit Erfahrung« 08.05.2016
Eine junge Frau ist in einer unangenehmen Situation, der um Hilfe gebetene Sheriff scheint dabei keine grosse Hilfe zu sein.
Doch eine Gruppe älterer Herren im Stile von Waldorf & Statler (Muppets) kümmert sich um die Frau.
Die kargen Dialoge machen das Buch aus, ebenfalls der Handlungsstrang.
Eigentlich kein Krimi, trotzdem sehr lesenswert.
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