Nachtgespenster von Carolin Römer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Conte.
Folge 4 der Fin-O’Malley-Serie.

  • St. Ingbert: Conte, 2016. 264 Seiten.

'Nachtgespenster' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Winter in Donegal und Fin O’Malley hat den Weihnachtsblues. Selbst ein Mord kann ihn nicht dazu bewegen, wieder in den Polizeidienst einzutreten. Als er erfährt, dass es sich bei dem Toten um seinen Cousin Raymond handelt, will er sich lieber ganz raushalten: Mit der nordirischen Verwandtschaft hat er schon vor Jahrzehnten gebrochen.
Erst eine neue Mitarbeiterin in Caitlins Abteilung kann schließlich seinen Ehrgeiz wecken. Ein weiteres Opfer führt die Ermittler in die Unterwelt von Derry, wo ein längst vergessenes Verbrechen an die Oberfläche schwappt. Aber dann öffnet sich die Tür in Fins Vergangenheit weiter, als ihm lieb ist, und seine Loyalität wird auf eine harte Probe gestellt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kurzweiliger Irland-Krimi« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Donegal, im Nordwesten der Republik Irland, ist der Schauplatz der Fin O’Malley-Reihe von Carolin Römer. Mit Nachtgespenster liegt nunmehr bereits der vierte Fall für den eigenwilligen Protagonisten vor. Über ein Jahr ist es bereits her, da verabschiedete sich Fin O’Malley von der Polizei, zog sich ganz in das verschlafene Dorf Foley zurück, wo er seitdem mit Kochen ein neues Hobby entdeckt hat und zuweilen im örtlichen Pub aushilft. Detective Inspector Caitlin da Silva, zu der Fin ein noch ungeklärtes Verhältnis hat, genießt gerade seine Köstlichkeiten als ein Anruf eingeht. Auf einer abgelegenen Farm in Corrach Mór wurde ein Mann geradezu hingerichtet. Ein Kopfschuss, zwei weitere Treffer im Brustbereich.

»Willst du, dass das Morden weitergeht? Wenn du auch nur ansatzweise so etwas wie ein Gewissen hast...«
»Ich hab’ ein Gewissen, Fin, und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an das denke, was damals geschehen ist. Aber ich weiß auch, dass der Tag kommen wird, an dem es aufhören wird.«
»Was wird aufhören?«
»Das Erinnern.«

Bei dem Toten handelt es sich um Raymond O’Malley aus Derry und wenngleich es viele O'Malleys gibt, so handelt es sich doch um Fins Cousin. Mit seinem Familienzweig aus Nordirland will Fin jedoch nichts zu tun haben, ein viele Jahre zurückliegender Streit entzweite die Familie und als Fins Vater entschied nach Dublin umzuziehen, da war es mit der Sympathie des nordirischen Familienstamms endgültig vorbei. Dennoch wird Fin in die Ermittlungen hineingezogen und bald stellt sich heraus, dass Raymond bis vor rund acht Jahren für Derrys Unterweltboss Tim Anderson gearbeitet hat. Gemeinsam mit drei Freunden waren sie als Fab Four, nicht zu verwechseln mit den Beatles, bekannt. Sollte hier der Schlüssel des Falles liegen? Ein weiteres Mitglied der Fab Four wurde erschossen, ein anderer starb bei einem Brandunglück. Nur von dem vierten Mann fehlt bislang jede Spur. Als Fin herausfindet wer dieser vierte Mann ist, muss er schwerwiegende Entscheidungen treffen …

Die Banshee geht um …

Banshees, Geister aus der Anderswelt, sind im irischen Volksglauben weit verbreitet. Erklingt ihr Wehklagen stirbt ein Familienangehöriger. So vermuten es auch einige »Zeugen« im vorliegenden Fall, doch die Wahrheit ist viel banaler. Diese erfährt Fin allerdings spät, fast schon zu spät.

»Und welcher Killer kündigt sein Vorhaben mit Hilfe von Geistern an?«
»Stimmt, ist vielleicht \'n bisschen altmodisch, heutzutage schickt man eher \'ne WhatsApp.«

Der Plot ist spannend und kurzweilig, erzählt nicht nur einen vertrackten Fall, sondern bietet auch Einblicke in die Landschaft sowie die Streitigkeiten zwischen Nordirland und der Republik. Doch, so viel sei verraten, die IRA und andere übliche Verdächtige, spielen in Nachtgespenster nahezu keine Rolle. Wobei so ganz ohne geht es halt auch nicht.

»Die Familie ist royalistisch bis aufs Blut. Die laufen bei sämtlichen Oranier-Märschen in der ersten Reihe und ziehen ihre bescheuerten Schärpen wahrscheinlich nicht mal aus, wenn sie ins Bett gehen.«
»Verbindungen zu UDA, UVF oder anderen Paramilitärs?«
»Kein Ahnung.«

Wie bereits erwähnt ist Nachtgespenster bereits der vierte Teil einer Serie, so dass es ein Wiedersehen mit mehreren Figuren aus den Vorgängern gibt. Auch das Privatleben von Fin, die Scheidung von seiner Frau Susan ist längst durch und seine sechzehnjährige Tochter Lily vermisst er umso mehr, schreitet voran. Allerdings anders als zu erwarten ist, was ebenfalls den Reiz dieses Romans ausmacht. Für Irland-Fans ein klarer Kauf!

Jörg Kijanski, März 2017

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Sagota zu »Carolin Römer: Nachtgespenster« 27.05.2017
"Nachtgespenster" von Carolin Römer ist bereits der 4. Fall für Fin(bar) O'Malley und erschien 2016 im Conte-Verlag (TB).

Die auf dem meiner Meinung nach sehr gelungenen Cover abgebildete Taube; hier ist es vielleicht sogar Eddie, die schnellste Brieftaube ganz Irlands, passt sehr gut zum Krimi und der Prolog beginnt in einem bis dahin sehr friedlichen Taubenschlag, den der Züchter und Taubenkenner Kavanagh betritt, gemeinsam mit seiner Enkeltochter und seinem Schwiegersohn, um die Tauben am Morgen zu füttern. Es folgt eine fürchterliche Detonation und nichts mehr in der Familie des pensionierten Lehrers ist so, wie es einmal gewesen ist.

Auch einen Cousin Fins, Raymond, hat es erwischt, den er jedoch Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatte, da der Vater von Fin mit der Familie in Nordirland schon seit Langem gebrochen hatte... Es geht auf Weihnachten zu, das Personal ist knapp und Caitlin da Silva bittet Fin, in diesem Fall mit familiären Verwicklungen zu helfen, den Fall aufzuklären. Fin sträubt sich zuerst sehr dagegen, hat er doch vor einem Jahr den Polizeidienst quittiert und seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt: So hilft er im Pub in Foley (das den Lesern der Vorgängerbände mitsamt Einwohnerschaft wohlbekannt sein dürfte) aus und verstärkt die Küchenbrigade, sehr zum Wohlwollen des Wirtes und auch Nora Nichols, die Fisherman's mag und Banshees hören kann (sie hat eine enge Beziehung zur irischen Sagenwelt ;).

Hier ist auch Diarmuid wiederzutreffen, der sich seinerzeit in Fins Tochter Lily verliebte - und dafür bekannt ist, sich in jedes System und jeden Computer problemlos einzuhacken: Kann er Fin in diesem Fall wertvolle Informationen geben bzw. ihm dazu verhelfen?

Wir lernen Anderson, den Unterweltboss kennen, der Caitlin und Fin einiges preisgibt, um seinen guten Ruf zu retten: Nach außen hin alles biedere Geschäftsleute, die im eigentlichen Sinne kriminellen Machenschaften nachgehen, denen jedoch (hier die absolute Verbindung zur Realität) nie etwas nachgewiesen werden kann. Caitlin wird unterstützt von Anna Bradley, einer begabten, attraktiven und jungen Polizistin und Fin ermittelt doch mit, da es ja um einen Cousin geht und weitere Morde zu beklagen sind. In welchem Zusammenhang stehen sie? Welche Rolle spielt hier Anderson?

Da kommt ein Bruder Fins ins Spiel, den er ebenfalls 20 Jahre nicht mehr gesehen hat und den sein Vater (zu seinem Verdruss) immer den Vorzug gab: Sean.
Abgetaucht nach Spanien, bittet er Fin, ihn über die Weihnachtsfeiertage zu besuchen und ihm zuvor etwas aus London mitzubringen. Was hat Sean zu verbergen? Wie wird das Wiedersehen ausfallen nach so langer Zeit?

So mancher Protagonist in diesem irischen Krimi, der wiederum von schönen Landschaftsbeschreibungen und dem 'Irish way of life' geprägt ist, pflegt ein Doppelleben zu führen: Wem kann Fin letztendlich trauen? Wer steckt hinter all den Morden?
Um den eigenen Bruder zu schützen, begibt sich Fin selbst in große Gefahr...

Der Kriminalroman ist leicht und flüssig zu lesen, an humorvollen Stellen fehlt es nicht; nicht zu überlesen ist jedoch auch die Tatsache, dass durch die IRA und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken viele Familien regelrecht auseinandergerissen wurden. So auch Fins Familie. Der spannende Plot ist stimmig und folgt auf einige nicht absehbare Wendungen, die die Handlung nimmt. Eine alte Schuld, Rache und Sühne spielen als Motive in die Krimihandlung stark mit ein.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Kriminalroman mit viel irischem Lokalkolorit, bekannten Protagonisten und einem Ermittler, der sich zu meinem Erstaunen hier fast schon zum 'Womanizer' entwickelt hat ;)
"Nachtgespenster" habe ich gerne gelesen und würde mich auf eine Fortsetzung sehr freuen. Für Krimibegeisterte, Cosy- und Irlandfans empfehle ich, die Reihe chronologisch zu lesen: Es lohnt sich!
Ich vergebe 4 * und 89° auf der "Krimi-Couch".
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