Tödliche Kritiken von Carol O´Connell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Killing Critics, deutsche Ausgabe erstmals 1998 bei Knaus.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 3 der Mallory-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 1996 unter dem Titel Killing Critics. 308 Seiten.
  • München: Knaus, 1998. Übersetzt von Walter Ahlers & Peter E. Maier. ISBN: 3813500438. 461 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Walter Ahlers & Peter E. Maier. ISBN: 3-442-44555-8. 461 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Walter Ahlers & Peter E. Maier. ISBN: 3-442-55437-3. 461 Seiten.

'Tödliche Kritiken' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In der New Yorker Kunstszene ist ein Mord geschehen. Er erinnert in fataler Weise an ein Verbrechen, das mehr als zwölf Jahre zurückliegt und ähnlich grausame Details aufwies. Kathleen Mallory, erfolgreiche Detektivin und hochgeschätzte Computerspezialistin bei der New Yorker Polizei, glaubt, dass die Fälle zusammenhängen – aber auch, dass der damals Verurteilte, der nach einem Drogenentzug inzwischen wieder auf freiem Fuß ist und nun erneut unter Verdacht steht, nicht der wahre Täter ist. Mit ihrer Meinung steht sie jedoch alleine da, was ihre Ermittlungen in der New Yorker Kunstszene nicht gerade vereinfacht. Von ihren Vorgesetzten behindert, aber gestützt auf alte Notizen ihres verstorbenen Pflegevaters und Inspektors Louis Markowitz, ermittelt sie schließlich auf eigene Faust – und stößt auf einen höchst exquisiten Kreis von Verdächtigen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein grandioser Thriller, der alles, nur nicht alltäglich ist« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Zwölf Jahre ist es her, dass Oren Watts eines bizarren Doppelmordes beschuldigt und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde: In der New Yorker Kunstgalerie des zwielichtigen Avril Koozeman hatte er eine ausgestellte Skulptur mit echten Leichenteilen »veredelt”. Das genügte vollauf, ihn vor dem Gefängnis zu bewahren. Nun ist Watts wieder auf freien Fuß und lässt sich willig als «Künstler-Monster” vermarkten. Doch die Vergangenheit lebt auch auf andere Weise unheilvoll weiter: In der Galerie Koozeman wird erneut ein Künstler ermordet – zwar »nur” erstochen, doch immerhin am Ort des ersten Verbrechens.

Da ist es nur verständlich, dass derselbe Beamte wie einst den Fall übernimmt: Sergeant Riker von der Kommission für Sonderverbrechen des New York Police Departments. Die Schar der Verdächtigen ist groß. An erster Stelle steht selbstverständlich erneut Watts selbst. Doch der hat ein ausgezeichnetes Alibi – und wer schickte der Polizei anonym eine Nachricht des Inhalts, der angebliche Doppelmörder Watts sei unschuldig und es auch schon immer gewesen? Die New Yorker Kunstszene ist eine überschaubare Welt. Damals wie heute haben dieselben Leute hier das Sagen, und die persönlichen Verbindungen sind vielschichtig und vor allem konfliktbeladen. Kandidaten, die sich an Watts rächen könnten, gibt es daher reichlich – der bekannte Kritiker J. L. Quinn, dessen Nichte Aubrey Gilette war, die Watts zwölf Jahre zuvor anscheinend umgebracht hat; Aubreys Eltern oder der skrupellose Koozeman, dem jedes Mittel Recht ist, das Geschäft anzukurbeln, bilden nur eine kleine Auswahl: einflussreiche Leute allesamt, die stets und quasi von Berufs wegen im Rampenlicht stehen, das die Polizei hingegen lieber meidet. Lieutenant Coffey hat seinen Untergebenen Riker daher angewiesen, die Verdächtigen mit Glacéhandschuhen anzufassen.

\'Erbin’ eines ungelösten Mordfalls

Das ist es allerdings nicht, was Riker Kummer bereitet. Ihn treibt die Sorge um, Kathleen Mallory, seine junge überaus tüchtige, aber psychotische, sich den Regeln des Departments kaum verpflichtet fühlende und definitiv undiplomatische Kollegin, könne ihm in die Parade fahren. Schon vor zwölf Jahren war Mallorys Stiefvater, der verstorbene Inspector Markowitz, fest davon überzeugt gewesen, die Polizei habe mit Oren Watts einen kranken, aber unschuldigen Mann zum Sündenbock gestempelt. Deshalb macht sich Mallory wie gehabt auf eigene Faust auf die Suche nach dem wahren Mörder. Sie nutzt ihre halb legale Verbindung zur bekannten Consulting-Firma ihres genialen Freundes (und heimlichen Verehrers) Charles Butler, um sich Zugang in die Welt der New Yorker Kunst und der Upper Class zu verschaffen. Dort stößt sie in ein Schlangennest, dessen Bewohner sie durch gezielte Provokationen und unter Nutzung ihrer immensen Fähigkeiten als Computer-Hackerin noch zusätzlich aufstört. Bald beginnen die Verdächtigen einander an die Gurgel zu gehen, während Mallory still im Hintergrund lauert und wartet, wer das Drama überleben wird – es werden schließlich nicht viele Beteiligte das Schlachtfeld unverletzt oder gar lebendig verlassen …

Die Frau, die keine Gefangenen macht

Nach «Mallorys Orakel” und »Der Mann, der die Frauen belog” bildet «Tödliche Kritiken” Teil 3 der Mallory-Romane. Nachdem der Vorgängerband streckenweise etwas durchhing, kann die Autorin mit »Tödliche Kritiken” an das Niveau des Erstlings anknüpfen und diesen schließlich weit übertreffen. Dabei scheint sich zunächst das Muster des «typischen” Mallory-Abenteuers in diesem dritten Fall endgültig zu festigen; man könnte auch sagen: zu erstarren. Ein Mord geschieht in einem gesellschaftlichen Mikrokosmos, zu dem die Polizei nicht ohne weiteres Einlass erhält. Mallory schleust sich ein und ermittelt verdeckt. Dabei scheut sie nicht davor zurück, sich als Köder anzubieten – dies freilich in dem Wissen oder der festen Überzeugung, dem Täter auch in der persönlichen Konfrontation gewachsen zu sein. Bisher ist Mallorys Rechnung immer aufgegangen, aber es ist klar, dass diese Glückssträhne einmal abreißen muss. Wann dies mit welchen verheerenden Folgen geschehen wird – das ist der Punkt, der in den Mallory-Krimis zunehmend stärker in den Vordergrund tritt. Dass es schon in diesem Roman soweit ist und das erwartete Finale radikal auf den Kopf gestellt wird, ist eine große Überraschung und eine bemerkenswerte Leistung.

Dieses Mal bildet also die Welt der Kunst die Kulisse für Mallorys Kamikaze-Polizeiarbeit. Das ist im Krimi-Genre eine bewährte Folie, gelten hier doch Künstler seit jeher als lockeres, gefühlsbetontes Völkchen, von dem seltsames, den üblichen gesellschaftlichen Regeln konträres Verhalten geradezu erwartet wird und dem folglich auch alles Schlechte unterstellt werden kann. Natürlich stützt sich Carol O’Connell schwer auf die Faszination der (modernen) Kunst, die in der Regel nicht verstanden wird (oder werden soll), (erfolgreich) provoziert und nicht selten verstört. So glaube man beispielsweise nicht, dass menschliche Leichenteile erst seit der unendlichen Wanderausstellung »Körperwelten” als kalkulierter Tabubruch Eingang in die Kunst gefunden hätten!

Thriller mit comichaften Überzeichnungen

«Tödliche Kritiken” erschöpft sich aber nicht in solchen Klischees, sondern legt daneben sehr schön offen, dass die angeblich so hehre Kunst ein lukratives Geschäft ist, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. Die Figurenzeichnung ist gelungen, der Plot straff und spannend. Daneben bleibt sogar mehr Raum als sonst für allerlei skurrile Arabesken am Rande der Handlung, die diese nicht unbedingt vorantreiben, aber die eigentümliche Mischung aus beinhartem (Pseudo-) Realismus und träumerisch-dramatischer Comic-Atmosphäre (mit Mallory als Batgirl) unterstreichen, die so typisch für O’Connells Mallory-Geschichten ist. Und wie gesagt: Ein Ende wie dieses wird man nicht häufig finden!

Zwar kann es sich die Autorin auch dieses Mal nicht verkneifen, ihre Heldin zur omnipotenten Power-Frau zu stilisieren, doch im Gegensatz zu "Der Mann ...” übertreibt sie es nicht. Tatsächlich muss Mallory tüchtig Federn lassen und wird durch einige harte Schicksalsschläge zunehmend aus der Bahn geworfen. Außerdem zeichnet sich bereits ab, was der Plot des vierten Roman werden wird: Mallory beginnt, sich den Dämonen ihrer Kindheit zu stellen und den eigenen Spuren in die Vergangenheit zu folgen.

Fazit: Ein furioser Thriller, der noch einmal bestätigt, dass Carol O’Connell (deren Foto übrigens eine Schriftstellerin zeigt, die ihrer zwiespältigen Heldin bemerkenswert ähnlich sieht ...) mit ihren Mallory-Romanen zu Recht dafür gerühmt wird, für frischen Wind im modernen Kriminalroman zu sorgen.

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-rpr- zu »Carol O´Connell: Tödliche Kritiken« 16.05.2012
Zwölf Jahre sind vergangen seit dem grausamen Doppelmord in einer New Yorker Kunstgalerie als ein erneuter Mord in dieser Szene geschieht. Oren Watt, der die damaligen Morde gestanden hat, ist seit einem Jahr aus der Psychatrie entlassen.
Die einzige die Oren Watt nicht für den Täter der drei Morde hält ist Kathleen Mallory, Detective Sergeant bei der New Yorker Kriminalpolizei. Behindert von ihren Vorgesetzen ermittelt sie schließlich auf eigene Faust.

Ein wunderbarer Krimi, den Carol O´Connel geschrieben hat und den zu lesen einfach Spaß macht. Eine Kunstszene in der mehr oder weniger unbegabte Künstler, Galeristen, Kunstkritiker aber auch A-Käufer offensichtlich nur ein Interesse haben – möglichst viel Geld an B- oder C-Käufern zu verdienen. Schillernde Gestalten, die O´Connel sehr differenziert darstellt. Wenn ein Kunstkritiker nachts im Kaufhaus Bloomingdale einbricht, sich dort großzügig eindeckt, ein Campinglager auf dem Dach errichtet und von dort mittels Megaphon die New Yorker kultiviert, dann ist das einfach nur köstlich. Dass dies auch nach tagelangem Verbleib in der Höhe für die Leser nicht langweilig wird, dafür sorgt die Autorin mit immer neuen Einfällen.
Kaum jemand in der Kunstszene hat keinen Nutzen aus den drei Morden gezogen, entsprechend groß ist der Kreis der Verdächtigen. Verdächtig auch das Bemühen der Polizeiführung Kathleen Mallory die Ermittlungen zu entziehen und selbst die New Yorker Mafia wird involviert.
Ein absolut lesenswerter Krimi, der Lust auf mehr von der Autorin macht. Vor allem weil ihr mit Kathleen Mallory eine orginäre Hauptfigur gelungen ist.
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