Ich habe gesündigt von Caro Ramsay

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Absolution, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland / Glasgow, 1990 - 2009.
Folge 1 der Anderson-&-Costello-Serie.

  • London: Michael Joseph, 2007 unter dem Titel Absolution. 416 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2008. Übersetzt von Andreas Helweg. ISBN: 978-3-7645-0271-3. 416 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2010. Übersetzt von Andreas Helweg. ISBN: 978-3-442-37485-4. 415 Seiten.

'Ich habe gesündigt' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Nie hat er sie vergessen, die Frau ohne Namen, ohne Gesicht. Die Schwerverletzte, die der junge Polizist nach einem Säureanschlag im Krankenhaus bewachen sollte. Sie, der er sein Herz und seine Seele öffnete und die ihn verriet – indem sie ihr Leben beendete, um das ihres Kindes zu schützen.
Zwanzig Jahre später wird Alan McAlpine, nun renommierter Detective Chiefinspector der schottischen Polizei, auf einen Mann angesetzt, den die Presse den »Kruzifixkiller« nennt – weil er junge Frauen richtet und sorgfältig in Form des Kreuzes arrangiert. Die Rückkehr in sein altes Revier in Glasgow weckt in McAlpine die Dämonen der Erinnerung. Die Gefühle der Schuld und Obsession drohen die Übermacht über den Fall zu ergreifen und Alans Leben zu zerbrechen. Aus tödlichem Grund.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein düsteres Kleinod, ein faszinierendes Debüt« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

1984 ist ein schlechtes Jahr für den jungen Detective Constable Alan McAlpine. Seine Mutter stirbt an Krebs, sein Bruder verliert das Leben bei einer mysteriösen Rettungsaktion auf hoher See, und McAlpine begegnet seiner großen Liebe. Eigentlich sind es zwei: Helena, die Frau die er heiraten wird und Anna, die von einem Säureattentat verunstaltet, dick vermummt in einem Glasgower Krankenhaus mit dem Tod ringt. Der junge Polizeibeamte bewacht sie, kümmert sich um sie, legt ihr schließlich sein Innerstes bloß, erschafft sich eine idealisierte Ikone, eine Obsession, die ihn Zeit seines Lebens verfolgen wird; eine Liebe, die am Ende des Romans eine seltsame Erfüllung erlangt. Denn da ist Anna schon 22 Jahre tot, beging sie doch Selbstmord, um ihr neugeborenes Kind zu schützen, das in einem Erziehungsheim aufwächst und als Teenager beinahe spurlos untertaucht.

2006 ist ein noch schlechteres Jahr für DCI Alan McAlpine, muss er doch in sein altes Revier zurück, um mit seinem Team die Morde an drei Frauen aufzuklären. Seine Ehe mit der erfolgreichen Galeristin Helena läuft nicht besonders gut, und die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte wird zu einem Tanz mit dem Wahnsinn, begleitet vom Klang sich leerender Malt-Flaschen. Es gilt einen Mörder dingfest zu machen, der Frauen aufgrund ihrer moralischen Verwerflichkeit zum Tode verurteilt und grausam hinrichtet. Es gibt Spuren, Verdächtige, Hinweise genügend Möglichkeiten, einen Irrweg einzuschlagen. Während McAlpines Team recht effizient ermittelt , bewegt sich der Killer von selbst auf McAlpine zu, in dem er einen Seelenverwandten zu erkennen glaubt. Das er sich geirrt haben könnte, wird ihm erst beim Finale bewusst, das McAlpine jene Absolution zuteil werden lässt, auf die der (gelungenere) Originaltitel des Romans verweist.

Mit Ich habe gesündigt hat Caro Ramsay ein faszinierendes Debüt vorgelegt. Ein düsteres Kleinod, in dem sie Menschen zeigt, die gefangen sind zwischen verzehrenden Sehnsüchten und Lebenslügen. Seien es der labile Alan McAlpine, der langsam, aber stetig die Übersicht über sein Leben verliert. Hin- und hergerissen zwischen der starken Frau an seiner Seite und seiner imaginären Geliebten Anna, torkelt er trunken in ein tiefes Tal der Depressionen, das eine vernünftige Ermittlungsarbeit kaum mehr möglich scheint.

Glücklicherweise hat er ein fähiges Team, das trotz aller zwischenmenschlichen Defekte engagiert und arbeitswütig funktioniert. So ist Detective Inspector Anderson verschossen in McAlpines Gattin, während ihn seine eigene Frau nur noch auf dem Sofa nächtigen lässt, und die verbissene Sergeantin Costello, die Frau ohne Vornamen, hegt tiefe Gefühle für ihren Chef. Ramsay gelingt es dabei, all diese Gefühlsebenen und -verwirrungen lediglich anzudeuten, sie nicht zu reinem Selbstzweck verkommen zu lassen, wie so viele ihrer nahezu unlesbaren Kolleginnen. Ramsay nutzt das labyrinthische Spiel der Emotionen, um zu untermauern wie dicht Leidenschaft und Wahnsinn zusammenliegen. Ihre Protagonisten werden allesamt getrieben von den unterschiedlichsten, kaum fassbaren Gemütszuständen: der Killler möchte die Reinheit in die Welt zurückbringen und ausmerzen, was er als Sünde empfindet; McAlpine möchte den Dämonen seiner Vorstellung gerecht werden, seinem gestorbenen Bruder, seiner verklärten Geliebten. So ist er bereit, die Lebenden an die Toten zu verraten und hasst sich selbst dafür.

Ich habe gesündigt ist ein Buch über Verlust und Verlustängste sowie die Möglichkeit der Kompensation. Caro Ramsay hat ein ausgesprochenes Talent, ihren Figuren Leben einzuhauchen, sie in ihrer Klarsicht wie den Verirrungen glaubhaft erscheinen zu lassen. Zwar verblassen die Rationaleren der Protagonisten neben einem obsessiven Charakter wie Alan McAlpine ein wenig, aber das ändert nichts an ihrer Präsenz und Nachvollziehbarkeit. Was die Geschichte angeht, hat Ramsay eine kompakte Angelegenheit abgeliefert. Das ist zwar nicht herausragend komponiert, trägt sich aber spannend von selbst, auch wenn der Schluss ein wenig hastig daherkommt. Trotzdem ist die Handlung schlüssig, und vor allem effizient und glaubhaft entwickelt und dargelegt.

Ich habe gesündigt ist ein spannender Thriller, der durch seine hervorragende Figurenzeichnung leichte Handlungsschwächen locker wettmacht, dessen stimmungsvolle Ortsbeschreibungen mit dem dunklen Sujet ausgezeichnet harmonieren. Caro Ramsay beweist Gespür für die dunkle Seite des Verlangens, die Menschen Abgründe überwinden aber auch in sie hineinfallen lässt. Sie beweist dabei eine bemerkenswerte Konsequenz, die vielen ihrer minderbemittelten KollegInnen abgeht.

Wir dürfen gespannt aufs Zweitwerk sein und vor allem auf die Frage, ob sich Personen aus dem vorliegenden Roman darin wiederfinden lassen. Bis dahin halten wir die Fahne hoch für diese überraschende und äußerst gelungene Veröffentlichung!

Jochen König, Juni 2008

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Kom_Ombo zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 18.05.2010
Ziemlich trocken und nicht wirklich fesselnd, da man sehr schnell den Faden verliert und hochkonzentriert beim Lesen sein muss. Kommt man einmal raus, hat man Schwierigkeiten, wieder anzuknüpfen.

Das Ende war zwar überraschend, aber viele 'geheimnisvolle' Personen konnte man schon ziemlich am Anfang 'enttarnen' und dadurch verlor das Buch seinen Reiz. Auch die Geschichte des Täters war ziemlich verworren und ergab für mich sehr wenig Sinn - wie auch einiges andere - vielleicht hätte ich aber auch nur aufmerksamer lesen müssen.

Nun ja, es ist ja ihr erstes Werk und vielleicht sagt ihr mal jemand, dass sie demnächst noch etwas daran arbeiten muss, um wenigstens etwas Spannung aufzubauen ...
antoenchen123 zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 30.11.2008
Eins muß man vorweg nehmen, man muß dieses Buch mit voller Konzentration lesen ansonsten weiß man irgendwann nicht mehr, welche Rolle diese oder jene Person in der ganzen Sache spielt. Ich muß sagen, irgendwie wollte auch bei mir keine Spannung in der ganzen Geschichte aufkommen, alles ist hektisch geschrieben mit wahnsinnig vielen Charakteren, mit urkomischen Namen. Kein Buch was einem im Gedächtnis bleibt und keines was man nicht mittendrin gut weglegen kann. Habe 2 oder 3 mal mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu beenden.
mase zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 01.11.2008
Mir ging es wie dem Kollegen Schrodo. Auch ich musste mich sehr anstrengen, um Ramsay folgen zu können und musste oftmals einen Abschnitt zweimal lesen. Teilweise fand ich es sehr schlampig geschrieben

Das Positive des Buches ist die Stimmung, die mich eine Zeit lang bei der Stange hielt. Es erinnerte mich bis auf die düstere Atmosphäre an die Trilogie von Stieg Larsson. Es wird viel erzählt und beschrieben, ohne wirkliche Highlights. Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss.

Wie bereits erwähnt ist das Buch von den privaten Tragödien des Protagonisten und anderer Menschen geprägt, aber das störte mich anfangs nicht, denn es sind nachvollziehbare Schicksalsschläge, in die ich mich gut hineinversetzten konnte.

Leider konnte ich null Spannung in diesem Buch feststellen. Die dunkle Romantik der Begegnung von vor 20 Jahren und die daraus resultierenden Probleme der heutigen Ehe von McAlpine, der ständige schottische Regen, der Alkohol, die Tristesse Glasgows und die Erwartung des Fundes der nächsten Leiche waren ganz nett, aber die amateurhafte Polizeiarbeit und die privaten Probleme der Teilnehmer gingen mir irgendwann auf die Nerven, genauso wie die ständigen Abkürzungen der englischen Polizeidienstränge.

Ständig habe ich mich dabei erwischt, wie ich auf meinen SuB geschielt habe. Bei Seite 250 habe ich dann gelangweilt aufgegeben.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 21.07.2008
@cactus 11: im Prinzip eine gute Idee. bei offensichtlich schlechten oder sehr guten Übersetzungen fließt das auch schon mal mit ein. Da ich aber nur die Übersetzung gelesen habe - für beide Varianten fehlen letztlich Zeit und auch Originalexemplare -, kann ich schlecht Vergleiche ziehen. das deutsche Übersetzungen oft nicht das Gelbe vom Ei sind, muss leider häufig stillschweigend vorausgesetzt werden. Nicht umsonst kämpfen Übersetzer seit Jahren um eine bessere Entlohnung.
cactus 11 zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 21.07.2008
Ich habe es im Original gelesen und hier in der deutschen Fassung herumgeschmökert. Vielleicht wäre es eine gute Idee auch eine Bewertung der Übersetzer bzw. der Übersetzungen einzuführen?!
andreia-74 zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 09.07.2008
O.K., aber kein Volltreffer.

Die Handlung an sich ist ganz gut. Es gibt spannenderes aber ganz o.k. Mehr möchte ich hier dazu nicht schreiben, steht ja auch alles schon in der Rezension von Jochen König.

Den Schreibstiel, also wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich echt schlecht. Man kann zwar allem ganz gut folgen, aber erst wenn man sich auf den Gedankengang der Autorin eingelassen hat. Ein wenig durcheinander und zuweilen auch recht überflüssige Komentare und Unterhaltungen. Ab und an habe ich bei einem Dialog auch echt raten müssen wer jetzt was sagt.

Also, die Story ist ganz O.K. aber der Schreibstiel ist echt verbesserungs-würdig.
UtaH zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 23.06.2008
Ich fands spannend, vor allem die Frage, wie sich die beiden Handlungsstränge von 1984 und 2006 verbinden werden. Die Figuren sind glaubhaft gezeichnet, die Balance zwischen Ermittlungen und Privatem ist gut gehalten.

Was mich gestört hat, sind die Abkürzungen der Polizeidienstgrade, die entweder gar nicht oder erst Seiten später aufgelöst werden. Für Nicht-Kenner der Materie echt ärgerlich. Es wäre wenigstens eine Auflistung am Anfang oder Ende des Buches hilfreich gewesen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
broetchen501 zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 13.06.2008
'ich habe gesündigt' habe ich vor kurzem ausgelesen. ein tolles buch! besonders toll fand ich dabei, das es nicht nur um eine person geht, vielmehr sind drei personen sehr präsent. vieles schreibt die autorin nicht aus, sondern es erschließt sich im nächsten satz, was passiert ist. tolles buch, lässt sich sehr gut 'weglesen', sympatische charaktere und ein überraschendes ende! empfehlenswert! viel spaß dabei!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Caro Ramsay: Ich habe gesündigt« 06.06.2008
Frau Ramsay schreibt ein Buch und ich musste mich beim lesen furchtbar anstrengen um da alles mitzukriegen. Es ist eine Geschichte über einige (religiös angehauchte) Frauenmorde. Hauptakteur ist der Detektive Chief Inspector Alan McAlpine der durch die Mordfälle wieder mit seinem „ersten“ Fall während seiner Ausbildung konfrontiert wird. Mir kam das Buch nur leidlich spannend vor (vermutlich hab ich´s nicht kapiert). Viel mehr möchte ich darüber nicht schreiben, da ich ja nix verraten möchte. Für ein Erstlingswerk ist das ganz passabel…aber Frau Ramsay ist bestimmt noch steigerungsfähig.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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