Tod einer Göttin von Carmen Korn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 3 der Vera-Lichte-Serie.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2005. ISBN: 3-596-16642-X. 256 Seiten.

'Tod einer Göttin' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Jana Tempel, eine ehemalige Göttin des deutschen und französischen Films in den Fünfziger Jahren, kommt nach Hamburg. Sie ist auf Spurensuche, will Fäden aus der Vergangenheit wieder aufnehmen. Und Vera Lichte soll ihr dabei helfen. Und jetzt am Ende ihres Lebens will sie Klarheit. Sie ahnt nicht, wie nah ihr Ende ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eindimensionale Charaktere – altbackener Charme« 33°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Die ehemalige »Stern«-Journalistin widmet sich in ihren Kriminalromanen häufig der dunklen Seite deutscher Geschichte. In »Tod eines Politikers« ermittelte die Hauptprotagonistin Vera Lichte im braunen Sumpf der noblen Hansestadt Hamburg. Am Alsterufer wurde die Leiche eines Politikers gefunden, ein weiterer Mann wurde vermisst. Die Spuren führten in die neofaschistische Szene und schließlich zur Aufdeckung eines handfesten Politskandals.

Carmen Korn ist ebenso Spezialistin für Familiendramen. Die Lebensgeschichte der Komponistentochter Vera Lichte spielt in den beiden Vorgängerromanen eine wichtige Rolle. Der Erstling »Tod eines Klavierspielers« erzählt die Liebesgeschichte mit dem Pianisten Jef , der am Ende stirbt. Im zweiten Roman ist Vera gerade Mutter geworden und wünscht sich sehnlichst ein ruhiges Leben. Wäre da doch nur nicht ihre fatale Neigung, immer wieder in Kriminalfälle hinein zu rutschen. In welche dunklen Geheimnisse werden Vera, ihr guter Freund Nick und der Kriminalkommissar Pit Gernhardt im nun vorliegenden dritten Krimi »Tod einer Göttin« verstrickt?

Eine rothaarige Diva flieht aus ihrem Versteck

Jana Tempel, eine »Filmgöttin« der fünfziger Jahre, verlässt ihr Domizil in der Schweiz, fährt nach Hamburg und checkt im Hotel »Vier Jahreszeiten« ein. In der Nähe ihres Hauses am Genfer See ist eine rothaarige Frau erdrosselt worden. Jana Tempel glaubt, dass sie das eigentliche Ziel des Mörders war. In Hamburg will sie Fäden aus ihrer Vergangenheit aufnehmen und Angelegenheiten, vor denen sie jahrelang davon gelaufen ist, ins Reine bringen. Schon bald muss sie feststellen, dass sich nicht alles nach Wunsch regeln lässt. Auch nicht, indem sie Vera Lichte, die Tochter ihres früheren Geliebten Gustav Lichte, für Recherchen und Botengänge einspannt.

An der Binnenalster wird ein toter Mann aufgefunden, von einer Schnapsflasche erschlagen. Zunächst sieht alles nach einem Mord an einem Obdachlosen aus. Doch in der Szene ist er kaum bekannt, ein »feiner Pinkel«, der nicht lange auf der Straße gelebt hat. Ein weiterer Ermordeter wird in einem Schrank entdeckt, jemand hat ihn mit einem Kissen erstickt. In der Tasche der Leiche befindet sich der Ausweis des erschlagenen Obdachlosen. Ist der Tote im Schrank selbst der Mörder des Opfers an der Binnenalster? Gibt es eine Verbindung zu der Schauspielerin, die sich immer nervöser, beinahe paranoid verhält und sich ständig beobachtet fühlt?

Veras seltsamer Auftrag und warum Liebe doch durch den Magen geht

Jana Tempel nimmt mit Vera Lichte Kontakt auf. Sie war einst die Geliebte ihres Vaters und bittet Vera »das Kind« nun darum, einige Personen, die sie vor langer Zeit kannte, ausfindig zu machen und ihnen einen Briefumschlag zu übergeben. Jana Tempel verrät nichts über die Art ihrer Bekanntschaft zu diesen Menschen, genauso wenig gibt sie etwas über den Inhalt dieser geheimnisvollen Briefe preis. Vera stimmt trotzdem zu, nach den Leuten zu suchen und die Briefumschläge zu übergeben. Dabei zählt sie nicht nur auf die Hilfe ihres Freundes Nick, der als Künstler und Fotograf gerade so über die Runden kommt und gern die Annehmlichkeiten des Lichte-Haushaltes in Anspruch nimmt. Auch ein Komissar der Hamburger Kripo, der über schüchterne Annäherungsversuche bei der verehrten Vera bisher nicht hinaus gekommen ist, lässt sich mit Hilfe eines guten Abendessens zur Mitarbeit bewegen.

Mit von der Partie ist außerdem Anni, Kinderfrau von Veras kleinem Sohn Nicholas und in jeder Hinsicht Ersatzmutter und moralischer Rückhalt für Vera.

Nach und nach kommen einige vereinzelte Informationen heraus, Veras »Geistertrupp« und die Morde scheinen zusammenzuhängen. Die Diva hält sich vornehm bedeckt und so ist mühselige Recherchen notwendig, um allmählich auf ein Geheimnis zu stoßen, dessen furchtbare Konsequenzen bis in die Gegenwart hinein reichen.

Die Schatten der Vergangenheit holen Jana Tempel schließlich ganz und gar ein. Ein Domino-Effekt nimmt seinen Lauf. In einer Gruppe von Opfern des Nazi-Terrors haben Menschen Furchtbares getan, in der Hoffnung, dem Grauen zu entkommen. Die Vertuschung eines dunklen Geheimnisses will nicht vollständig gelingen und fordert erneut Opfer. Wer hat den ersten Dominostein angestoßen und auf welcher Seite steht die ehemalige Filmgöttin Jana Tempel?

Eine ominöser Auftakt

Stelle Sie sich mal diese Ausgangssituation vor: Die ehemalige Geliebte ihres Vaters, die Sie absolut nicht kennen, nimmt Kontakt zu Ihnen auf und bittet Sie, Personen ausfindig zu machen und Ihnen einen Brief zu übergeben. Sie erfahren nichts über Gründe und Umstände dieser Gefälligkeit. Wer würde sich darauf einlassen? Wie naiv muss man sein, es doch zu tun? Dieser Krimi hat natürlich eine fiktive Geschichte, die allerdings für mich so schon ziemlich unglaubwürdig anfängt.

Vera wird als eine gut situierte Frau vorgestellt, die mit ihrem kleinen Sohn und ihrer »guten Seele« Anni in einer mehr als großzügig geschnittenen Wohnung lebt. Die gehörte schon ihrem Vater, dem allgegenwärtigen Komponisten Gustav Lichte. Vera und Anni halten sein Andenken in jeder Hinsicht in allen Ehren (»Eier a la Gustav«) und verwenden allzu oft seine Lieblingsrede-wendungen (»Kostowitch«). Mit Anni und Gustav als moralische Instanz im Nacken bleibt Vera gar nichts anderes übrig, als sich in die Aufklärung dubioser Kriminalfälle zu stürzen, um wenigstens dort etwas eigenständig handeln zu können.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die versnobte Diva Jana Tempel, die alle beinahe beliebig nach ihrer Pfeife tanzen lässt. Schließlich ist sie mal eine berühmte Schauspielerin gewesen (»Hat sie nicht die Anna Karenina gespielt?«). Ganz ehrlich, selten ist man so stereotypen Charakteren begegnet.

Sprachlich schreibt Carmen Korn eher kurz und prägnant, erinnert manchmal an den minimalistischen Stil von Hakan Nesser. Der schwedische Kollege weiß allerdings in seinen prägnanten Sätzen die Handlung auf den Punkt zu bringen, was Carmen Korn nicht so recht gelingen will. Die manchmal eingestreuten Redewendungen mögen vielleicht zum historischen Hintergrund passen, mir kamen sie in dem Ausmaß in einen in der Gegenwart spielenden Roman etwas übertrieben vor.

Der Hintergrund der Geschichte spielt sich leider fast ausschließlich auf den letzten 50 Seiten des Krimis ab, versöhnt aber ein bisschen. Hier stellt Carmen Korn tatsächlich unter Beweis, dass sie ein Gespür für Geschichten hat, die die dunkle deutsche Vergangenheit thematisieren und eine Kaskade menschlicher Tragödien in der Gegenwart auslösen.

Unterm Strich bleiben klischeehafte Protagonisten in einer sich sehr sporadisch entwickelnden Story, die erst ganz am Ende Substanz erhält.

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