Die schwarze Insel von Carlo Lucarelli

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel L´isola dell insula caduto, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Piper.

  • Turin: Einaudi, 1999 unter dem Titel L´isola dell insula caduto. 224 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Monika Lustig. ISBN: 3-492-04505-7. 269 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2005. Übersetzt von Monika Lustig. ISBN: 3-492-24303-7. 268 Seiten.

'Die schwarze Insel' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Eine geheimnisvolle Insel vor der Küste Italiens, es ist das Jahr 1925. Jung und unerfahren ist der Commissario, als er das Eiland betritt. Noch ahnt er nicht, dass er gerade deshalb hierher geschickt wurde …Glänzend schwarz fließen Himmel und Meer ineinander, als der junge Commissario und seine Frau die Insel betreten. Es ist 1925, Mussolini hat soeben die Macht übernommen. Und auch hier, auf diesem unheilvollen Felsen des Nebels und der Schatten, scheint ein Schwarzhemd alle Fäden in der Hand zu halten: Mazzarino, der Leutnant der Miliz, der sein undurchschaubares Spiel mit dem unerfahrenen Mann zu spielen beginnt. Doch während der Commissario sich und seine Frau noch vor den diabolischen Kräften der Insel zu bewahren sucht, stirbt einer von Mazzarinos Getreuen. Wer würde es wagen, einen solchen Mord zu begehen? Bevor der Commissario seine Ermittlungen aufnehmen kann, geschieht der zweite Mord: Diesmal ist das Opfer Zecchino, der Informant des Commissario …Fünf Tage bläst der klebrige Wind des Scirocco über die schwarze Insel, fünf Tage, in denen der Commissario ihr Geheimnis zu lüften versucht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Blatt wendet sich« 75°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Selten habe ich ein Buch gelesen, dem ich fast bis zum Ende nichts abgewinnen konnte und das ich dann doch gar nicht so schlecht fand. Wie geht das? Umgekehrt scheint es logischer zu sein: Eine gute Geschichte wird von einem rasch zusammengestrickten oder unlogischen Ende verdorben. Carlo Lucarelli aber reißt die Story mit dem Ende raus. Der Mann ist einfallsreich!

Doch beginnen wir am Anfang: Wir schreiben das Jahr 1925. Mussolini ist an der Macht und jeder, der nicht für das Regime ist, ist dagegen. Ein junger Kommissar, sein Name scheint unwichtig zu sein, wurde auf eine Insel versetzt, die eine Strafkolonie beherbergt. Schon seit zwei Jahren ist er dort, obwohl er seiner Frau Hana bei der Ankunft versprach, dass der Aufenthalt bestimmt nicht lange dauern würde. Hana ist psychisch instabil, sitzt im abgedunkelten Haus und lässt das Grammophon tagein tagaus das gleiche Lied spielen. Der Tagesablauf des Commissario wird durch eine erschreckende Nachricht gestört: Einer der Gefolgsleute des Leiters der Miliz wird tot aufgefunden. Der ortsansässige Arzt hält sich gar nicht mit langen Untersuchungen auf und attestiert einen Unfall als Ursache. Doch Valenza, Insasse der Strafkolonie, in seinem früheren Leben Angestellter am Lehrstuhl für Pathologische Anatomie an der Universität von Neapel, macht den Polizeibeamten auf einige Ungereimtheiten aufmerksam, die gegen die Unfalltheorie sprechen. Vorsichtshalber lässt er den Toten in ein Kühlhaus bringen.

Dann erhält er überraschend ein Telegramm: Er soll sich für eine Versetzung an einen neuen Standort bereithalten. Endlich! Aber es kommt zu einem weiten Todesfall. Zecchino, sein Informant, kommt ebenfalls auf mysteriöse Weise ums Leben. Und der Commissario fühlt sich hin und her gerissen von seinem Pflichtbewusstsein, die Todesfälle zu untersuchen und der nahenden Abfahrt, die er so stark herbeigesehnt hat.

Der Stoff ist nicht einfach

Was recht banal klingt, ist keine Geschichte, die man leicht nebenher lesen kann. Schon der Einstieg fällt sehr schwer. Die Schreibweise von Carlo Lucarelli erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, was einerseits an der Sprache bzw. dem Satzbau liegen kann, andererseits aber auch an den vielen Andeutungen – alles ist sehr mysteriös. Dies drückt sich meines Erachtens schon darin aus, dass wir den Namen des Kommissar gar nicht erfahren.

Merkwürdige Personen reichern die Geschichte an, so dass man sich nur über Sinn und Unsinn wundern kann, z.B. ein Mann, der von den Einheimischen als Engländer bezeichnet wird, obwohl er vielleicht doch Italiener ist und der jeden Tag ein Telegramm mit demselben Inhalt verschickt: »Kehr zurück«. Richtige Ermittlungen sucht man ebenso verzweifelt wie den Sinn. Obwohl mir das alles nicht gefallen will, packt mich die Atmosphäre während des Lesens immer mehr. Es scheint fast so, als nehme einen der düstere Ort mehr und mehr gefangen.

Die Hamburger Morgenpost urteilt: »Das dämonische Finale alleine lohnt schon die Lektüre«. Da muss ich dieser Zeitung recht geben, auch wenn die Lobeshymnen, die auf den Buchrücken oft abgedruckt werden, meistens an den Haaren herbeigezogen sind: Das Ende hat was. Und der Rest des Buches ist erträglich, da das Buch erfreulich kurz ist – 268 Seiten sind schnell gelesen. Meine negative Einstellung ist jedenfalls verflogen.

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Darix zu »Carlo Lucarelli: Die schwarze Insel« 22.07.2013
Carlo Lucarelli hat mit der "Schwarzen Insel" einen eher "mystischen", geheimnisvollen und rätselhaften Kriminalroman verfasst. Der Schreibstil des Autors ist hervorzuheben.
Wie bei seinen Commissario De Luca Krimis, sind die italienischen Faschisten maßgeblich beteiligt. Jedoch sind die Commissario De Luca Krimis von einer anderen Qualität als die Schwarze Insel. Die Geschichte der Insel beginnt schleppend in einer düsteren Atmosphäre. Die Insel als in sich geschlossenen Kreis ist als Kunstgriff ja interessant, hier wirkt sie sich eher lähmend aus.
Ob ein gelungens Finale einen knapp 300 Seiten Krimi herausreisen kann, sei dahin gestellt. Daher eine eher durchschnittliche Wertung.
Abrazzo zu »Carlo Lucarelli: Die schwarze Insel« 09.09.2009
Schöne Sprache. Trotzdem war sie mir teilweise zu facettenreich.
Vielleicht hatte ich diesen Eindruck auch deshalb, weil ich zuvor einige Kriminalromane gelesen habe die nach dem Motto "Labere nicht so rum. Komm zur Sache!" schnell und direkt geschrieben waren.
Die geheimnisvoll düstere Atmosphäre des Romans hat mich zum Weiterlesen animiert.
Zum Schluss nimmt die Geschichte Tempo auf. Gut so. Die Auflösung ist gelungen.
Lesenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Johanna zu »Carlo Lucarelli: Die schwarze Insel« 12.05.2007
"Alles anders"
Eine geniale Geschichte und noch genialere Sprache treffen sich. Ein absolut untypisches Krimi-Exemplar.
Wer denkt, ein "Krimi-Knacker" zu sein, sollte sich an diesem versuchen.
Misteriös, teuflisch!!

wer kann: unbedingt auf italienisch lesen
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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