Der grüne Leguan von Carlo Lucarelli

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Almost Blue, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei DuMont.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Bologna, 1990 - 2009.
Folge 2 der Grazie-Negra-Serie.

  • Turin: Einaudi, 1997 unter dem Titel Almost Blue. 206 Seiten.
  • Köln: DuMont, 1999. ISBN: 3-7701-4471-6. 206 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. ISBN: 3-442-54150-6. 191 Seiten.

'Der grüne Leguan' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der 25-jährige Simone ist von Geburt an blind. Mit seinen elektronischen Geräten geht er auf die Jagd nach den Tönen und Stimmen der Stadt Bologna. Simone lotet die Stille aus. Jeder Klang hat für ihn eine Farbe: »Ein bildschönes Mädchen hätte blaues Haar«. Ein Serienmörder im studentischen Milieu von Bologna wird Leguan genannt, denn er schlüpft in die Haut seiner Opfer. »Der grüne Leguan«: Grazia, die junge Fahnderin, macht Jagd auf ihn – mit Hilfe von Simone.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein «sinnlicher» Psychothriller« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In Bologna werden mehrere Menschen ermordet, doch von einem Serienmörder will der Polizeipräsident nichts wissen. Nicht auszudenken wie die Bevölkerung in Panik ausbrechen könnte. Erst als sich die neu gegründete Abteilung für die Aufklärung von Gewaltverbrechen aus Rom, die auf Ermittlungen gegen Serienmörder spezialisiert ist, einschaltet, führen die Ermittlungen in die entscheidende Richtung. Zu offensichtlich ist für Inspektor Grazia Negro der Modus Operandi. Alle Opfer waren Studenten der heimischen Universität, alle Opfer wurden nackt aufgefunden.

Kurz nachdem Negro die Ermittlungen übernimmt geschieht ein weiterer Mord. Dieses Mal hinterlässt der Täter sogar eine vermeintlich eindeutige Spur, einen Fingerabdruck, welcher Alessio Crotti zugeordnet werden kann. Nur dumm, dass Crotti bereits vor einigen Jahren starb.

»Unser Mann hat noch einen Studenten ermordet. Nur dass er es im Körper von Maurizio Assirelli getan hat, der schon bei dem Mord davor umkam, und mit den Fingerabdrücken von Alessio Crotti, der ‚89 in der Klappsmühle gestorben ist. Außerdem hat dieses aus zwei Toten zusammengesetzte Wesen fast eine Woche lang mit jemanden gechattet, und zwar neben der verwesenden Leiche von Paolo Miserocchi, genannt Misero, einem Studenten und Drogendealer. Eigentlich glaube ich ja nicht an Gespenster, aber wie’s aussieht, hast du mich in eine unbekannte Stadt geschickt, damit ich einen Zombie suche.«

Simone Martini ist seit seiner Geburt blind und sitzt in seiner kleinen Mansardenwohnung, die er nie verlässt. Mit etlichen technischen Geräten (Scannern) ausgestattet, lauscht er dem CB-Funk oder Chats und macht so Jagd auf die »Stimmen der Stadt«. So meint er auch eines Tages die Stimme des gesuchten Serienmörders erkannt zu haben. Gemeinsam macht sich das ungewöhnliche Duo Negro / Martini auf die Jagd …

Interessanter Erzählstil aus drei Perspektiven

Der grüne Leguan wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Da ist zunächst der gesuchte Serienmörder, von den Ermittlern bald »Leguan« genannt, sowie der blinde Simone und die Ermittlerin Grazia. Während der Leguan und Simone als Ich-Erzähler auftreten, wird über Grazia in der dritten Person geschrieben. Alle Figuren sind »sinnlich« veranlagt, so hört der Leguan ständig Geräusche in seinem Kopf; Glocken, Satansglocken, die ihn in die Hölle rufen und um dieser Gefahr zu entgehen mordet er immer weiter und nimmt die Identität seiner Opfer an.

»Ich höre sie, die Glocken der Hölle. Immer, jeden Tag und jede Nacht, immer höre ich die Glocken der Hölle, sie läuten zum Begräbnis, und sie läuten für mich.«

Simone spürt hingegen über sein höchst sensibles Gehör Stimmen, welche er als Farben wahrnimmt. Das Ganze erinnert entfernt an Das Parfum und bietet eine grandiose Bildsprache, die einen in die Gedankenwelt Simones gekonnt einführt. Zu guter Letzt wird Grazia von Sinneseindrücken geprägt, die sich allerdings aus einer Mischung ihrer weiblichen Körperlichkeit und Intuition ergeben.

»Ich suche die Stimme.«
»Bist du sicher, dass du dich noch an sie erinnerst?«
»Ja.«
»Entschuldige. Ich wollte damit nicht sagen …aber, hör zu, sei nicht beleidigt, ich frage aus reiner Neugier: Wie war diese Stimme?«
»Grün.«

Zu erwähnen sei noch, dass Grazia bei ihren Ermittlungen nicht gerade begeistert unterstützt wird. Aufgrund ihres jungen Alters, ihrer Unerfahrenheit und vor allem der Tatsache, dass sie eine Frau ist, muss sie sich gegenüber ihren Kollegen behaupten, die ihr mit machohaften Ansprachen (»Kleines«) und Verhaltensmustern auf den Nerv gehen. Außerdem ist zu beachten, dass der Roman in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre spielt, was beispielsweise im Hinblick auf die genutzte Technik (ja, es gibt hier noch Disketten) von Bedeutung ist. Und ja, eine Studentenwohnung kostet hier satte 2.800.000 …Lire.

Wer einen im engen Wortsinn »sinnlichen« Thriller lesen möchte – es bandelt sich sogar eine kleine Romanze an – und sich von dem anfangs gewöhnungsbedürftigen Erzählstil nicht abschrecken lässt, könnte hier eine angenehme Überraschung erleben. Zumal das Buch »rockt«, wie die Überschriften seiner drei Kapitel »Almost Blue«, »Reptile« und »Hell’s Bells« (gemeint sind die gleichnamigen Lieder von Chet Baker, Nine Inch Nails und AC/DC) bereits andeuten.

Jörg Kijanski, Juli 2015

Ihre Meinung zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan«

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Sophies_Welt zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 14.03.2010
Ich habe das Buch lesen müssen für meinen italienisch Kurs. Ausgewählt hab ich es nur weil es ein Krimi war, doch dann habe ich begonnen zu lesen und habe das Buch von der ersten Seite an geliebt. Es ist außergewönlich spannend geschrieben, man wird zu Beginn sehr in die Irre geführt. Man beginnt sich zu fragen, wie denn ein Blinder töten kann. (mehr verrate ich nicht)
Alles in allem, ein sehr spannendes Buch, dass ich jedem nur weiterempfehlen kann!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
shdffjjge zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 04.01.2007
ich finde es gut mal die welt aus der sicht eiens blinden zu erleben aber es könnte durchaus besser beschrieben werden und vor allem sollten manche wörter beschrieben werden.
Anja S. zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 29.12.2004
Das hier ist ein solide gemachter Krimi, allerdings kein Meisterwerk. Dennoch eine recht originelle Idee, handwerklich gut geschrieben und recht spannend. also: man muss dieses Buch nicht unbedingt gelesen haben, kann aber seine Zeit deutlich schlechter verbringen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 15.08.2004
Außergewöhnliche Ausgangssituation für einen Kriminalroman. Die Polizei versucht mit Hilfe eines Blinden einen brutalen Serienkiller zu identifizieren. Die durchaus originelle Story verliert durch die sprunghafte und wirre Erzählweise zunehmend an Spannung. Zudem ich kann den Serienkillerquatsch nicht mehr ertragen. Immer mehr Autoren scheinen zu glauben, dass sich mit der Anzahl der Opfer und der Brutalität des Mörders auch die Spannung des Plots heben läßt. Mit Nichten!
Alexandra zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 06.08.2004
ich habe Lucarelli als Maturaspezielgebiet und kann ihn nur weiter empfelen. Sowohl die originale in Italienisch als auch die Übersetzungen.
sarah zu »Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan« 25.03.2004
ich finde es richtig spannend und man versteht was daruber es macht spaß das zu lessen ich kan nur sagen das ihr es auch mal durch list. Das ist meine meinung zu disem dema
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