Carl Hiaasen

Carl Hiaasen wurde 1953 in Florida geboren, ging hier zu Schule, studierte (bis 1974) Journalistik und ging anschließend zum »Miami Herald«. Bei dieser Zeitung ist er noch heute angestellt und schreibt Kolumnen und Berichte, in denen er jene Sünden anprangert, mit denen wir auch in seinen Romanen immer wieder konfrontiert werden. Zu schaffen macht Hiaasen besonders der unentwirrbare Filz aus Politik, Wirtschaft und Verbrechen, der Florida in Sachen Korruption und Umweltzerstörung einen traurigen Spitzenplatz in den USA garantiert.

Da Hiaasen die Erfahrung machen musste, dass seine wütenden Attacken im täglichen Mediengewitter mehr oder weniger untergingen, begann er ab 1981 Romane zu schreiben, die in spannender Thrillerform und scheinbar fiktiv die genannten Missstände auch jenem Publikum nahe zu bringen, die gemeinhin nur den Sportteil einer Zeitung zur Kenntnis nehmen.

Hiaasen schrieb seine ersten drei Romane mit dem Journalisten-Kollegen William D. Montalbano, bevor er sich mit Tourist Season (dt. Miami Terror) 1986 quasi selbstständig machte. Schon früh begann er damit, die bittere Medizin, die er verabreichen wollte, zu versüßen, indem er dazu überging, immer groteskere Plots für seine ohnehin actionbetonten Geschichten zu entwerfen. Ironie und Sarkasmus, die jederzeit in blanken Zynismus umschlagen können, demaskieren die Welt, wie Hiaasen sie in Florida vorfindt, als Tollhaus.

Die Rechnung ging auf: Weil Hiaasen sein Talent, wirklich krude Geschichten mit knochentrockenem und dadurch um so wirksamerem Witz zu entwerfen, rasch zur Perfektion entwickelte, fand er sein Publikum. Den Ritterschlag als echter Bestseller-Autor erhielt Hiaasen, als Mitte der 90er Jahre Hollywood auf ihn aufmerksam wurde. Zwar entwickelte sich »Striptease« nicht zuletzt dank seiner Hauptdarstellerin, der unsäglichen Demi (no) Moore, zu einem üblen Kassengift, aber immerhin konnte Hiaasen (übrigens auch hierzulande) einen Popularitätsschub verzeichnen.

Auf jeden Fall vollendete Striptease (dt. zunächst als Nachtclub und erst in der Folge des Kinofilms unter dem Originaltitel erschienen), der Roman, was sein Autor vier Jahre zuvor mit Unter die Haut begonnen und mit Native Tongue (1991, dt. Große Tiere) fortgesetzt hatte. Spannung, Witz und pädagogischer Ansatz befinden sich in einem perfekten Gleichgewicht, das Hiaasen später in dieser Reinheit nicht mehr erreichen konnte. Schon in Stormy Weather (1995, dt. Stürmische Zeiten) glitt die Satire sichtlich in Klamauk und Übertreibung ab und ließ die bange Frage aufkommen, ob die »Hiaasen-Formel« sich allmählich totzulaufen begann. Spätestens Sick Puppy (2001, dt. Krumme Hunde) gab darauf eine Anwort: nein. (mdoc)

Krimis von Carl Hiaasen:

  • Black Lizard-Reihe (mit William D. Montalbano):
    • (1981) Powder Burn
    • (1982) Trap Line
    • (1984) Der Tod in China
      A Death in China

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