Unter die Haut von Carl Hiaasen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1989 unter dem Titel Skin Tight, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1970 - 1989.

  • New York: Putnam, 1989 unter dem Titel Skin Tight. 319 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990. Übersetzt von Michael Kubiak. ISBN: 3-404-19089-0. 443 Seiten.
  • Baden-Baden; Zürich: Elster, 1997. Übersetzt von Michael Kubiak. ISBN: 3891512481. 424 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Michael Kubiak. ISBN: 3-442-43990-6. 509 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Michael Kubiak. ISBN: 978-3-442-46373-2. 509 Seiten.

'Unter die Haut' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Sommer, Sonne, Rentner, Schönheitschirurgen: Florida – und das im Januar. Paradies der ewigen Jugend, und ein TV-Team ist auf der Suche nach dem idealen, fernsehgemäßen Verbrechen. In dieser Fauna skuriler Charkatere kämpft ein Schönheitschirurg um seinen Erfolg – entweder mit dem Skalpell oder mit Mord. Noch rätselt der ehemalige staatliche Ermittler Mick Stranahan weswegen ihn andauernd gedungene Killer umzubringen suchen. Mit knapp vierzig ist er zwangspensioniert, weil er einen korrupten Richter erschoß. Nun lebt er in Florida in einem Haus auf Stelzen und versteht sich bestens mit seinem Haustier – einem riesigen Barrakuda.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwischen die Augen und unter die Gürtellinie« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Er ist nicht der Mann, mit dem man sich unbedingt anlegen sollte: Mike Stranahan, ehemals Soldat in Vietnam, dann Ermittler für die Staatsanwaltschaft von Dade County im US-Staat Florida. Nachdem er im Dienst und in Notwehr drei Menschen und zuletzt einen korrupten Richter erschossen hat, beschloss die Behörde, ihn lieber mit einer guten Pension nach Hause zu schicken. Gerade vierzig Jahre alt geworden, bewohnt Stranahan seitdem im »Stelzendorf« an der Biscayne Bay und damit direkt am Wasser ein altes Haus auf hohen Pfählen und lebt nach seiner fünften Scheidung recht vergnügt in den Tag hinein.

Da lebt die Vergangenheit ausgerechnet in der Gestalt von 'Dr.' Rudy Graveline wieder auf. Der ebenso geldgierige wie unfähige Schönheitschirurg hat bereits eine blutige Spur durch einige Bundesstaaten gezogen. Im Norden ist ihm der Boden zu heiß geworden, aber in Florida ist er endlich auf jenes Umfeld aus Bestechlichkeit, Dummheit und Eitelkeit gestoßen, das es ihm ermöglichte, nicht nur sein unheilvolles medizinisches Werk fortzusetzen, sondern sogar eine eigene, äußert gut gehende Privatklinik namens »Whispering Palms« zu gründen, in der sich die Reichen und Berühmten von echten oder eingebildeten Schönheitsfehlern befreien lassen können.

Nur noch selten greift Graveline selbst zu Skalpell und Fettabsauger. Er ist vorsichtig geworden, seit er vor vier Jahren einen Routine-Eingriff verpfuscht hat und ihm die junge Vicky Barletta auf dem Operationstisch gestorben ist. Mit Hilfe einflussreicher Freunde hat Graveline dies vertuscht und die Leiche verschwinden lassen. Doch jetzt droht alles wieder ans Licht zu kommen: Der eingebildete TV-'Reporter’ Reynaldo Flemm ist auf den Barletta-Fall aufmerksam geworden und will ihn in seiner primitiven, aber bei der Proleten-Fraktion des Publikums sehr beliebten Krawallshow präsentieren. Noch schlimmer: Die Mordkommission könnte die Untersuchung wieder aufnehmen! Zwar zeigt die Staatsmacht wie üblich wenig Neigungen in dieser Richtung, doch Graveline weiß, dass einen der damaligen Ermittler der ungelöste Fall noch heute wie ein Stachel im Fleisch schmerzt. Sein Name: Mike Stranahan!

Graveline gerät in Panik und heuert einen Killer an. »Tony der Aal«, eine freundliche Leihgabe der örtlichen Mafia, geht allerdings seinen Job mit mehr Elan als Intelligenz an und wird von Stranahan unter Zuhilfenahme eines ausgestopften Schwertfisches ins Jenseits befördert. Der nächste Gegner ist von anderem Kaliber: Blondell Tatum, genannt »Chemo«, dessen Gefühlskälte eindrucksvoll durch seine Physiognomie widergespiegelt wird, die der des Frankenstein-Monsters gleicht.

Dass immer neue Mordanschläge auf ihn verübt werden, reisst Stranahan aus seiner Frührentner-Lethargie. Er nimmt als Privatmann die Ermittlungen auf, was ihn der Verpflichtung enthebt, dabei den Buchstaben des Gesetzes Folge zu leisten. Rasch entspinnt sich an der sonnigen Küste Südfloridas eine blutige Komödie der Irrungen und Wirrungen, in der auch Stranahans 'Haustier’ – ein mannsgroßer Barrakuda – kräftig mitmischt …

Die Welt ist schlecht: Selten ist dieser Stoßseufzer so überzeugend in Worte gegossen worden wie in »Unter die Haut«, einer weiteren Runde im Kampf Carl Hiaasens gegen die allgegenwärtige Dreifaltigkeit der modernen menschlichen Zivilisation – Dummheit, Gier und Ignoranz.

In Florida scheinen sich diese wenig erfreulichen Wesenszüge besonders prächtig zu entwickeln. Vielleicht kann Hiaasen aber auch einfach seinen Heimvorteil ausspielen: Er kennt diesen Teil der Vereinigten Staaten wie seine Westentasche, und das schließt die von der Tropensonne kaum beschienenen Bereiche ausdrücklich mit ein.

»Unter die Haut« zeigt Carl Hiaasen auf der Höhe seines Könnens. Mit unnachahmlicher Eleganz, die in der deutschen Übersetzung erfreulich gut erhalten blieb, breitet der Autor ein Panorama ruchloser Menschen aus, die ausnahmslos mehr oder weniger Dreck am Stecken haben. Sie alle erhalten entweder ihre Strafe, die in der Regel ziemlich grauslich, aber immer unerwartet ausfällt, oder werden vom Schicksal auf eine Weise belohnt, die dieses in jedem Fall als recht hinterlistig outet …Nicht so recht ins wüste Bild will sich nur die Figur der Produzentin Christina Marks fügen, die Hiaasen ein wenig zu 'normal’ angelegt hat, so dass sie manches Mal wie eine Spielverderberin dasteht.

Das ändert jedoch überhaupt nichts am Lesespaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte: Carl Hiaasen ist in diesem unseren Lande weiterhin ein Geheimtipp, was primär bedeutet, dass seine Werke zwar veröffentlicht, aber selten neu aufgelegt werden. Während jeder schimmelige Schinken aus der Anne Perry- oder Elizabeth George- Kammer für Junkfood-Leser zig-fach aufgewärmt wird, müssen echte Feinschmecker leider darben.

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mase zu »Carl Hiaasen: Unter die Haut« 19.07.2008
500 Seiten sind für diese flache Story einfach 200 Seiten zuviel. Eine Geschichte wie diese, die keine hohen Ansprüche stellt, sondern sommerlich leicht unterhalten möchte, gibt nicht mehr als 300 Seiten her.
Da der Plot sehr einfach ist und Spannung auch nicht vorhanden ist, müssen Dialoge und Charaktere den Karren aus dem Dreck ziehen, aber das gelingt auch nur streckenweise.
Gelesen, ab und an geschmunzelt und bald wieder vergessen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Carl Hiaasen: Unter die Haut« 16.03.2008
Ich kann die bisherige Begeisterung leider nicht teilen. Wer sich einen Roman von Hiaasen vornimmt, erwartet nicht unbedingt die dicke Krimi-Spannung, sondern freut sich auf seinen skurilen Humor, der mich in "Der Reinfall "so überzeugte.
In "Unter die Haut" gibt es jede Menge komischer Szenen und an verückten Ideen herrscht kein Mangel. Doch so richtig "zünden" tut da kaum was. Nicht ein einziger Dialogwitz aus den Mündern der an sich sehr schräg gezeichneten Personen, stattdessen oft weitschweifige Erzählungen über Nebenschauplätze, die schön die Seiten füllen, aber auch Langeweile aufkommen lassen.
Mein Fazit: Wenn es denn ein "Hiaasen" sein soll, dann bietet sich "Der Reinfall" an.
Ellen zu »Carl Hiaasen: Unter die Haut« 05.03.2008
Wirklich witzig zu lesen, Hiaasen ist der Wodehouse der Kriminalliteratur. Skurrile Charaktere in turbulenten, geradezu aberwitzigen Situationen, ausgesprochen fantasievolle Todes- und Tötungsarten, alles völlig unlogisch und frei von jeglicher Moral. Obwohl es einige Längen hat, macht das Buch Spaß, es ist ausgesprochen komisch und wird nur gelegentlich albern. Krimihandlung ist vorhanden, recht durchschaubar für den geübten Krimileser, aber durchdacht und fast ohne lose Enden. Ich habe mir sofort auch das nächste Buch mit Stranahan bestellt: Der Reinfall. So heißt das Buch, ich bin aber sicher, dass es keiner wird!
kue zu »Carl Hiaasen: Unter die Haut« 01.02.2007
Ein heftiger Roman. Hiaasen hat die absurdesten Mordarten in einem Roman vereint, eine heitere Geschichte rundherum gestrickt und letztlich einige ernste Themen in Richtung Umweltverschmutzung angeprangert. Eine heftige Mischung, die Hiaasen in einem Roman hier vereint. Das wirkt über weite Strecken überzeichnet, aber eben damit will Hiaasen wohl auch unterhalten. Nicht immer geht die Rechnung auf. Gegenüber dem zuletzt veröffentlichten "Reinfall" fällt der wesentlich früher geschriebene "Unter die Haut" jedenfalls deutlich ab.
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