Dicke Fische von Carl Hiaasen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel Double Whammy, deutsche Ausgabe erstmals 1989 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1970 - 1989.

  • New York: Putnam, 1987 unter dem Titel Double Whammy. 448 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1989 Miami-Morde. Übersetzt von Malte Heim. ISBN: 3-404-13183-5. 448 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Malte Heim. ISBN: 3-442-43989-2. 445 Seiten.

'Dicke Fische' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Bei dem Versuch, unlautere Machenschaften beim Wettangeln in Florida aufzudecken, gerät Privatdetektiv Decker in eine Horde von fanatischen Anglern. In den Nebenrollen: unappetitliche Immobilienmakler und Queenie, der intelligente Riesenbarsch …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der alltägliche Wahnsinn als Thriller mit Witz« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Mit R. J. Decker hat es das Schicksal nicht gut gemeint. Der einstige Starfotograf ist in eine Sinnkrise geraten und hat dabei so manche Dummheit begangen. Nun versucht er als Privatdetektiv einen Neuanfang im sonnigen US-Staat Florida. Der aktuelle Auftrag lässt ihn allerdings an seiner Berufswahl zweifeln, obwohl es der Millionär Dennis Gault ist, der ihn engagieren möchte.

Gault vertreibt sich sein süßes Leben im Müßiggang als Wettkampffischer. Der Kampf um den größten Maulbarsch ist nicht nur ein amerikanischer Breitensport geworden, wie der erstaunte Decker vernimmt, sondern hat eine lukrative Industrie für Zubehör aller Art hervorgebracht. Die Fänger der dicksten Fische gelten als Idole, die Preisgelder erreichen Schwindel erregende Höhen. Bisher war Gault der Hecht in diesem Barschteich. Nun macht ihm ein Konkurrent seinen Status streitig. Dickie Lockhart hat es sogar zu einer eigenen Angel-Show im Fernsehen gebracht.

Aber er betrügt und hängt offenbar gefrorene Dickfische an den Haken, wenn niemand hinschaut. Das soll Decker nun beweisen. Dafür winken ihm 50.000 Dollar Honorar, was ihn eventuelle Vorbehalte rasch vergessen lassen. Er ahnt noch nicht, dass er sich das Geld sauer wird verdienen müssen. Just ist im Lake Jesup die Leiche des Anglers Robert Clinch aufgetaucht. Angeblich ist er ertrunken, aber Decker wird nachdenklich, als er auf der Beerdigung dessen Geliebte kennenlernt, Lanie Gault, Dennis’ Schwester, die ihm berichtet, dass Clinch Deckers Vorgänger auf der Jagd nach Lockhart war.

Ungeahnte Verbindungen tun sich auf. Um Barsche geht es da nur am Rande. Ein dichtes Netz betrügerischer Aktivitäten um illegale Bodenspekulationen, Steuerbetrug und TV-Schiebereien kommt ans Tageslicht. Deckers Stochern im Schlick bleibt nicht unbemerkt. Sein aufgeschreckter Gegner, der unfromme Reverend Charles Webb, Präsident des fundamentalistischen »Outdoor Christian Network«, schickt ihm einige Killer auf Hals. Diese nicht die Hellsten, versuchen aber ihr Unvermögen durch Übereifer wettzumachen tragen zum Chaos bei, das über den Angelsport auszubreiten beginnt. Da trifft es sich gut, dass Deckers neuer Verbündete kauzige Fischführer und Polit-Veteran Skink ist, dem sehr unorthodoxe Möglichkeiten der Selbstverteidigung geläufig sind …

Die großen Fische fressen die kleinen: Das ist ein altes Bild vom Überlebenskampf auf dieser Welt. Es lässt sich auch auf den menschlichen Alltag übertragen. Insofern leben Carl Hiaasens »Dicke Fische« längst nicht nur in schlammigen Seen. Auf dem Land treiben sich sogar noch gefrässigere Exemplare herum. Rücksichtslos verfolgen sie die Schwächeren, mästen sich an ihnen und zerstören obendrein die Welt, in der wir alle leben.

Darüber zu klagen bringt nichts, wie auch Hiaasen erfahren musste. Also bedient er sich der ironischen Übertreibung, um seine Botschaft anzubringen: Lasst euch nicht bescheißen von verlogenen Politikern, geldgierigen Konzernen, dem manipulierenden Fernsehen, scheinheiligen Predigern und all’ den vielen anderen, die dreist vorgeben, für euch und zu eurem Besten das Denken zu übernehmen. Das gelingt dem Verfasser mit bewundernswerter Treffsicherheit: Dicke Fische ist wirklich komisch (eine tolle Leistung des Übersetzers, dies ins Deutsche gerettet zu haben). Schwarzer Humor der knochentrockenen Art wirkt sogar noch intensiver, weil Hiaasen ihn gekonnt und unmerklich immer wieder in ernste oder sogar tragische Momente umschlagen lässt: So transportiert er seine Botschaft, und es gelingt ihm, ohne aufdringlich zu sein.

Bemerkenswerterweise ruhen die grotesken Geschehnisse auf einem soliden Plot. Dicke Fische würde auch als »normaler«, d. h. bierernst (und mit den genretypischen Brutalitäten) erzählter Thriller durchaus funktionieren. Es geschieht nicht gerade oft, dass sich ein Unterhaltungs-Schriftsteller (was heute immer noch ein Schimpfwort zu sein scheint) solche Mühe gibt. Aber Hiaasen zahlt dafür seinen Preis – auch hierzulande: Während nulltalentige Schreibautomaten wie John Grisham oder Michael Crichton in Rekordauflagen und fest gebunden durch die Buch-Supermärkte geschleust werden, bleibt Carl Hiaasen im Taschenbuch-Getto gefangen, wo ihn nur seine treuen Fans immer wieder neu entdecken.

Hier kann man es mit wenigen Worten bewenden lassen: Erneut erstaunt Hiaasens Talent, seine bizarre Welt mit absolut glaubhaften Figuren zu bevölkern. Gut und böse verwischen sich wie im richtigen Leben; der gebeutelte R. J. Decker ist weder Held noch verfolgte Unschuld, sondern auch ein recht jähzorniger Geselle, der sich selbst immer wieder in unnötige Schwierigkeiten bringt.

Auf der anderen Seite sind Hiaasens Strolche wie »Reverend« Webb oder Dennis Gault keine Schablonen-Strolche, sondern wirken manchmal fast sympathisch in ihrer allzu menschlichen Gier nach Macht und Geld. Weil sie gleichzeitig ziemlich dumm sind bzw. nie glauben können, dass ihre Mauscheleien sich einmal gegen sie wenden könnten, tun sie einem fast Leid, wenn sie schließlich die gerechte Strafe ereilt.

Und das geschieht, denn zumindest im Roman bringt Carl Hiaasen die Welt wieder in Ordnung. Er bedient sich dazu skurriler Heilsbringer wie des halb verrückten Ex- Gouverneurs »Skink«, der so etwas wie einen Wunschtraum des Verfassers verkörpert: Einen ehrlichen Politiker, der nur das Beste für sein Land und seine Bürger wollte, von der Realität aus dem Amt und aus der Bahn geworfen wurde und nun auf anarchistische Weise trotzdem Gerechtigkeit übt. Viel Gewalt ist dabei im Spiel, aber Hiaasens Mitleid hält sich in Grenzen: Wenigstens im Roman darf er die verhassten Diebe und Lügner bluten lassen.

Ihre Meinung zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische«

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Krimi-Tina zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische« 07.03.2009
Dieses Buch ließ mich seltsam kalt. Ich war mit doch recht gehobenen Erwartungen dran gegangen und wurde leider etwas enttäuscht.
Ich hatte während des Lesens die ganze Zeit, das Gefühl das kennst du doch schon irgendwoher. Die Typen waren alle sehr vertraut. Der irre Einsiedler mit den hohen Grundsätzen, der notgeile und raffgierige Fernsehprediger, die aufrechten diskriminierten Polizisten, die reichen Müßiggänger, die glauben alles kaufen zu können, der…alles schon mal dagewesen. Ähnliches gilt für die Geschichte. Die eigentlich eine Abfolge von abgedrehten, aber nicht wirklich originellen Szenen ist. Darin liegt glaube ich auch die größte Schwäche des Buches. Hiaasen lässt weder seinen Personen noch der Geschichte Zeit sich zu entwickeln auf seiner pausenlosen Jagd nach dem nächsten Gag. Seine Charaktere weisen durchaus Ansätze zur Tiefe auf, aber aus den genannten Gründen entsteht da nichts daraus. Hier wäre weniger mehr gewesen. Was auch für die impliziten Botschaften gilt. Ja Umweltzerstörung aus Raffgier ist schlecht und gehört bestraft. Ich bekomme das aber nicht so gerne so derart platt serviert. Dazu kommt noch die holprige Sprache, die einen manchmal an den Deutschkenntnissen des Übersetzers zweifeln lassen. Insgesamt ein erstaunlich mittelmäßiges Buch 65°
mase zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische« 23.04.2008
Ein total durchgeknalltes Buch, eingebettet in einen lupenreinen Thriller.
Es dauerte bald 100 Seiten, bis ich mich an den Stil von Hiaasen gewöhnt hatte und mich mit den total überzogenen Charakteren und dem aussergewöhnlichen Plot angefreundet hatte. Insgeheim vermute ich sogar, die ersten 100 Seiten hat jemand anderes geschrieben. Dann aber war es ein Genuss. Aberwitzige Dialoge, Wortwitz und viele Lacher. Dazu noch ein Fingerzeig auf den idiotischen American Way of Life.

Der Schluss war zwar noch etwas unausgegoren, aber beim ersten Buch sei dem Autor das verziehen.

Dieses Buch ist für mich sehr schwer einzuordnen. Ist es ein lustiger Thriller oder eine Komödie mit Thrill? Sei es drum. Ich wurde bestens Unterhalten und der nächste Hiaasen ist bereits auf meinem Merkzettel.

Sehr ärgerlich ist die Tatsache, dass ich noch nie ein Buch mit so vielen Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehlern in Händen hatte. Da taucht mehrmals Mitten im Satz ein Punkt auf und bei Namen wird schon mal ein Buchstabe weggelassen. Von den haarsträubenden Übersetzungsfehlern ganz abgesehen. Und auch hier wieder die geheimnisvollen ersten 100 Seiten, denn danach wird es leidlich besser.
Sonny zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische« 05.04.2008
Dem Thema Übersetzung kann ich mich nur anschliessen. Aber auch sonst ist Dicke Fische eins der schlechteren Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Spannung war praktisch nicht vorhanden. Alles viel zu vorhersehbar. Die Protagonisten waren zu skuril um glaubwürdig zu sein, aber nicht skuril genug um als Gesamtkonzept zu funktionieren. M.E. wurde viel mehr in dieses Buch rein interpretiert, als tatsächlich vorhanden.
Keine Empfehlung von meiner Seite.
Vennebusch zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische« 24.01.2006
die dt. übersetzung von "dicke fische" ist - im gegensatz zu der ordentlichen übersetzung von hiaasens "krumme hunde" -so lausig, dass ich schmerzen beim lesen habe! mein englisch ist schlecht, aber selbst ich weiß, dass "gymnasium" nicht "gymnasium", sondern "turnhalle" bedeutet. ausserdem: warum bitte sollte eine high school ein "gymnasium mit transportablen tribünen" bauen, um der schuleigenen basketballmannschaft zu helfen? dann vielleicht doch eher ein parkplatz für die vielen "tieflader", mit denen die protagonisten unterwegs sind (gemeint sind wahrscheinlich "pick ups"). ich hoffe, dass lektor und übersetzer von einst mittlerweile in ihre ursprünglichen berufe zurück gekehrt sind ... schade um die wahrscheinlich schöne story.
Gaucho zu »Carl Hiaasen: Dicke Fische« 22.08.2005
Was die Übersetzung des Buches angeht, muss ich mich leider anschließen. Spätestens, wenn Decker eine "Delphin-Show" besucht, und nicht etwa ein Spiel der Miami Dolphins, vergeht mir dann doch ein wenig die Lust. Leider nur ein Beispiel von vielen.
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