Meerjungfrau von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008
unter dem Titel Sjöjungfrun,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1990 - 2009.
Folge 6 der Erica-Falck-und-Patrik-Hedström-Serie.
- Stockholm: Forum, 2008 unter dem Titel Sjöjungfrun. 359 Seiten.
-
Berlin: List, 2011.
Übersetzt von Katrin Frey.
ISBN:
978-3-471-35016-4. 464 Seiten.
-
[Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011.
Gesprochen von Nina Petri & Gustav Peter Wöhler.
ISBN:
3899032462. 4 CDs.
'Meerjungfrau' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein Strauß weißer Lilien, ein Umschlag. Christian Thydell, der beliebte Bibliothekar von Fjällbacka, wird bedroht. »Sie ist immer bei Dir. Und Dein Tod ist nah«, heißt es in dem Brief. Nachts dringt jemand in sein Haus ein und beschmiert seine beiden Kinder mit blutroter Farbe. Die Situation eskaliert, als Christians Freund Magnus tot im Meer gefunden wird. Kommissar Patrik Hedström vermutet ein Familiendrama und beginnt in der Vergangenheit zu graben. Doch erst seine Frau, die Schriftstellerin Erica Falck, entdeckt eine ganz andere Spur.
Das meint Krimi-Couch.de: »Tiefe Abgründe der menschlichen Seele«
Krimi-Rezension von Andreas Kurth überspringen
Der sechste Band der Fjällbacka-Serie von Camilla Läckberg beginnt im harmlosen Plauderton. Bibliothekar Christian hat mit tatkräftiger Hilfe von Erica Falck seinen ersten Roman geschrieben und veröffentlicht. Trotz dieses Erfolges ist er nervlich überaus angespannt, denn er bekommt Drohbriefe, seit er mit dem Schreiben des Buches begonnen hat. Zur gleichen Zeit ist Christians Freund Magnus verschwunden, ohne dass die Polizei um Ericas Mann Patrik Hedström eine Spur hat. Als jedoch die Leiche von Magnus gefunden wird und klar ist, dass er ermordet wurde, vermuten Patrik und Erica einen Zusammenhang zu den Briefen an Christian. Während der Polizist seine mit Zwillingen schwangere Frau gerne aus den komplizierten Ermittlungen heraus halten möchte, sucht Erica angesichts der psychischen Belastungen bei ihrer ersten Schwangerschaft nur zu gerne nach Ablenkung. Und so wird parallel ermittelt, aber die überraschende Lösung zeigt sich erst nachdem es weitere Tote gegeben hat.
Camilla Läckberg gelingt es auch in Die Meerjungfrau ihre Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Dabei gibt es mehrere Faktoren, aus denen sich offenbar das Erfolgsrezept der Autorin zusammen setzt. Zunächst verzichtet Läckberg nahezu komplett auf Action-Szenen. Sie baut vielmehr Spannung auf, indem sie ihre Protagonisten – und damit auch die Leser – neugierig auf ungewöhnliche Ereignisse und Zusammenhänge macht. Der leichte Plauderton, in dem Läckberg ihre Geschichte erzählt, macht das Lesen zu einem Genuss ohne Anstrengung. Dabei sind ihre Fälle keineswegs simpel angelegt, ganz im Gegenteil wird bei den Ermittlungen recht oft in komplizierten Bahnen gedacht. Dennoch gelingt es der Autorin, auch diese schwierigeren Passagen gewissermaßen »mit leichter Hand« zu vermitteln.
Erfrischend ist bei der neuen Folge der Fjällbacka-Reihe, dass im Gegensatz zu Engel aus Eis das Familienleben von Ericas Schwester kaum noch eine Rolle spielt. Die Autorin konzentriert sich auf ihre wichtigste Protagonistin, denn die hat schließlich Probleme genug. Ihre Schwester Anna rückt deutlich in die zweite Reihe, ist aber als wichtige Bezugsperson für Erica Falck noch ausreichend präsent.
Die Tiefen der menschlichen Psyche, die während der Ermittlungen immer stärker ans Licht kommen, sind nur ein Teil des Themenspektrums, das von der Autorin angerissen wird. Es geht um Elternliebe, enttäuschte Hoffnungen, Mobbing unter Kindern und Jugendlichen, kriminelle Energie hinter gutbürgerlicher Fassade und vieles mehr. Wie so oft handelt Camilla Läckberg einen bunten Bilderbogen ab, eine Mischung aus Kriminalgeschichte und Soziographie. Und wer geglaubt hat, dass ihre Reihe über das Leben und Sterben in Fjällbacka dabei irgendwann an Schwung verliert, sieht sich schnell getäuscht. Die Autorin kitzelt noch immer neue Nuancen im Leben ihrer Protagiónisten heraus. Der Leser begleitet Falck, Hedberg und alle anderen durch ihr Leben, und wird dabei bestens unterhalten.
Ein ganz spezieller Teil des Romans sind die in kursiver Schrift gehaltenen Rückblicke eines Kindes und später Jugendlichen, die dem Leser tiefe Einblicke in eine gestörte Psyche vermitteln. Läckberg greift hier zu einem unter Kriminalschriftstellern derzeit sehr beliebten Stilmittel, und setzt es geschickt und wohl dosiert ein. Die aus diesen Passagen fühlbare Verzweiflung führt zu einem überraschenden Verständnis für das Handeln des Mörders. Aber damit gelingt es der Autorin auch, falsche Spuren zu legen. Wer zur Hälfte der Romans glaubt, die Lösung bereits vor Augen zu haben, wird später überrascht sein. Wie man es von Camilla Läckberg kennt – und schätzt – präsentiert sie die Auflösung aller Rätsel erst ganz am Schluss. Und – das ist neu – sie setzt am Ende einen wirklich deftigen Cliffhanger, der den Fans der Fjällbacka-Reihe den Atem nehmen dürfte. Da bekannt ist, das in Schweden bereits zwei weitere Folgen der Romane um Erica Falck erschienen sind, kann man sich auf die Fortsetzung bereits jetzt freuen.
Andreas Kurth, November 2011
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| Sibylle zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« | 29.10.2011 |

