Meerjungfrau von Camilla Läckberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Sjöjungfrun, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1990 - 2009.
Folge 6 der Erica-Falck-und-Patrik-Hedström-Serie.

  • Stockholm: Forum, 2008 unter dem Titel Sjöjungfrun. 359 Seiten.
  • Berlin: List, 2011. Übersetzt von Katrin Frey. ISBN: 978-3-471-35016-4. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Nina Petri & Gustav Peter Wöhler. ISBN: 3899032462. 4 CDs.

'Meerjungfrau' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Ein Strauß weißer Lilien, ein Umschlag. Christian Thydell, der beliebte Bibliothekar von Fjällbacka, wird bedroht. »Sie ist immer bei Dir. Und Dein Tod ist nah«, heißt es in dem Brief. Nachts dringt jemand in sein Haus ein und beschmiert seine beiden Kinder mit blutroter Farbe. Die Situation eskaliert, als  Christians Freund Magnus tot im Meer gefunden wird. Kommissar Patrik Hedström vermutet ein Familiendrama und beginnt in der Vergangenheit zu graben. Doch erst seine Frau, die Schriftstellerin Erica Falck, entdeckt eine ganz andere Spur.

Das meint Krimi-Couch.de: »Tiefe Abgründe der menschlichen Seele« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der sechste Band der Fjällbacka-Serie von Camilla Läckberg beginnt im harmlosen Plauderton. Bibliothekar Christian hat mit tatkräftiger Hilfe von Erica Falck seinen ersten Roman geschrieben und veröffentlicht. Trotz dieses Erfolges ist er nervlich überaus angespannt, denn er bekommt Drohbriefe, seit er mit dem Schreiben des Buches begonnen hat. Zur gleichen Zeit ist Christians Freund Magnus verschwunden, ohne dass die Polizei um Ericas Mann Patrik Hedström eine Spur hat. Als jedoch die Leiche von Magnus gefunden wird und klar ist, dass er ermordet wurde, vermuten Patrik und Erica einen Zusammenhang zu den Briefen an Christian. Während der Polizist seine mit Zwillingen schwangere Frau gerne aus den komplizierten Ermittlungen heraus halten möchte, sucht Erica angesichts der psychischen Belastungen bei ihrer ersten Schwangerschaft nur zu gerne nach Ablenkung. Und so wird parallel ermittelt, aber die überraschende Lösung zeigt sich erst nachdem es weitere Tote gegeben hat.

Camilla Läckberg gelingt es auch in Die Meerjungfrau ihre Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Dabei gibt es mehrere Faktoren, aus denen sich offenbar das Erfolgsrezept der Autorin zusammen setzt. Zunächst verzichtet Läckberg nahezu komplett auf Action-Szenen. Sie baut vielmehr Spannung auf, indem sie ihre Protagonisten – und damit auch die Leser – neugierig auf ungewöhnliche Ereignisse und Zusammenhänge macht. Der leichte Plauderton, in dem Läckberg ihre Geschichte erzählt, macht das Lesen zu einem Genuss ohne Anstrengung. Dabei sind ihre Fälle keineswegs simpel angelegt, ganz im Gegenteil wird bei den Ermittlungen recht oft in komplizierten Bahnen gedacht. Dennoch gelingt es der Autorin, auch diese schwierigeren Passagen gewissermaßen »mit leichter Hand« zu vermitteln.

Erfrischend ist bei der neuen Folge der Fjällbacka-Reihe, dass im Gegensatz zu Engel aus Eis das Familienleben von Ericas Schwester kaum noch eine Rolle spielt. Die Autorin konzentriert sich auf ihre wichtigste Protagonistin, denn die hat schließlich Probleme genug. Ihre Schwester Anna rückt deutlich in die zweite Reihe, ist aber als wichtige Bezugsperson für Erica Falck noch ausreichend präsent.

Die Tiefen der menschlichen Psyche, die während der Ermittlungen immer stärker ans Licht kommen, sind nur ein Teil des Themenspektrums, das von der Autorin angerissen wird. Es geht um Elternliebe, enttäuschte Hoffnungen, Mobbing unter Kindern und Jugendlichen, kriminelle Energie hinter gutbürgerlicher Fassade und vieles mehr. Wie so oft handelt Camilla Läckberg einen bunten Bilderbogen ab, eine Mischung aus Kriminalgeschichte und Soziographie. Und wer geglaubt hat, dass ihre Reihe über das Leben und Sterben in Fjällbacka dabei irgendwann an Schwung verliert, sieht sich schnell getäuscht. Die Autorin kitzelt noch immer neue Nuancen im Leben ihrer Protagiónisten heraus. Der Leser begleitet Falck, Hedberg und alle anderen durch ihr Leben, und wird dabei bestens unterhalten.

Ein ganz spezieller Teil des Romans sind die in kursiver Schrift gehaltenen Rückblicke eines Kindes und später Jugendlichen, die dem Leser tiefe Einblicke in eine gestörte Psyche vermitteln. Läckberg greift hier zu einem unter Kriminalschriftstellern derzeit sehr beliebten Stilmittel, und setzt es geschickt und wohl dosiert ein. Die aus diesen Passagen fühlbare Verzweiflung führt zu einem überraschenden Verständnis für das Handeln des Mörders. Aber damit gelingt es der Autorin auch, falsche Spuren zu legen. Wer zur Hälfte der Romans glaubt, die Lösung bereits vor Augen zu haben, wird später überrascht sein. Wie man es von Camilla Läckberg kennt – und schätzt – präsentiert sie die Auflösung aller Rätsel erst ganz am Schluss. Und – das ist neu – sie setzt am Ende einen wirklich deftigen Cliffhanger, der den Fans der Fjällbacka-Reihe den Atem nehmen dürfte. Da bekannt ist, das in Schweden bereits zwei weitere Folgen der Romane um Erica Falck erschienen sind, kann man sich auf die Fortsetzung bereits jetzt freuen.

Andreas Kurth, November 2011

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Mel.E zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 22.04.2012
Schizophrenie
Eine andere Überschrift kann einfach nicht gewählt werden, denn das Buch ist schizophren und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Es ist von Anfang an sehr spannend und nimmt den Leser mit in eine grausame Tat, die schon viele Jahre zurückliegt. Einige junge Männer sind involviert und möchten vergessen, aber sie können nicht, denn die Vergangenheit holt sie ein. Die Meerjungfrau ist zurück und sie lässt ihre Opfer im Ungewissen und trachtet ihnen nach ihrem Leben. Hier zeigt sich wieder - Schuld holt dich immer ein und wird nie vergessen.
Die Leseprobe auf Vorablesen hatte mich mehr als fasziniert und ich hätte gerne weitergelesen. Als ich das Buch dann in meiner Bücherei vor Ort fand hätte ich am liebsten einen Luftsprung gemacht, denn dies war ein Buch, welches ich unbedingt Lesen wollte. Ich lieh es aus und konnte es kaum erwarten zu schmökern.
Die verschiedenen Handlungsstränge / die verschiedenen Erzählperspektiven der verschiedenen Menschen, ihr Leben, ihr Handeln, ihr Denken, verwirrt und fügt sich dennoch nahtlos ineinander. Im Prinzip eine runde Geschichte, die irgendwann deutlich wird. Die Geschichte der Meerjungfrau lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, da ihr grausames zuteil wurde. Unmenschlich und wirklich grausam was Menschen sich gegenseitig antun. Alkohol kann nie eine Entschuldigung dafür sein, das wir ausfallend werden oder eben ganz gewaltig über die Strenge schlagen.
Bis zum Schluss sind wir unsicher und das ist das, was dieses Buch so faszinierend macht. Eine Lebensgeschichte, die die Vergangenheit nicht ruhen lässt. Schuld, die nicht vergeben werden kann, da sie sehr schwer wiegt.
Auch wenn es der 6. Roman der Autorin ist, der in Fjällbacka spielt braucht man keine Vorkenntnisse, denn die Personen die in dem Ort leben werden so plastisch dargestellt, das wir meinen wir würden sie schon ewig kennen.
Der Schreibstil der Autorin ist einfach und entführt und direkt nach Schweden in einen kleinen Ort, wo das Leben sich angenehm gestaltet und die Menschen sich untereinander sehr gut kennen. Ein Mord erschreckt dann natürlich umso mehr und hinterlässt in allen Beteiligten, den Freunden, der Familie eine bittere Erkenntnis, das eben doch nicht alles so ist wie es scheint. Hat Magnus sich selbst umgebracht, oder starb er durch eine fremde Hand?
Richtig sympathisch ist mir Erica Falck, die nicht locker lässt um dem Geheimnis um den Tod von Magnus auf die Spur zu kommen. Hochschwanger versucht sie alles und gerät dabei in eine Tragödie, die sie sich so niemals gedacht hat. Sie lernt dabei auch die Meerjungfrau und ihre Familie kennen und erkennt dabei, das eben diese Person es nicht gewesen sein kann. Wer oder was steckt dann hinter den Taten bzw. der Tat? Wer löscht ein Menschenleben aus?
Der Spannungsbogen ist hoch und wie schon gesagt bis fast zum Ende hin sind wir verwirrt und finden keinen Bezug zum geschehen, bis es sich dann letztendlich doch aufklärt und uns mit einem mulmigen Gefühl in unsere eigenen Gedanken, unsere eigene Schizophrenie allein lässt.
Für mich war "Meerjungfrau" der erste Roman der Autorin, aber sicherlich nicht der letzte, denn ich fand den Schreibstil sehr angenehm und auch die verschiedenen Erzählperspektiven sehr interessant. Warum sollte es auch immer einfach gehen, wenn man den Leser doch erst verwirren kann, bevor man ihm dann letztendlich doch ein Ergebnis präsentiert, was ihn zufriedenstellt und alle Fragen klärt?
Wieder einmal ein hochgradiger Krimi / Thriller, der vom Anfang bis zum Ende Spannung verheißt und uns mitnimmt in die menschliche Psyche. Ich bin immer wieder erstaunt, wie weit Menschen gehen und wie wenig Schuld vergeben werden kann. Selbst Schuld einzufordern ist nicht immer der richtige Weg und hier sehen wir ganz klar, das sie Menschen zerstören kann und sie immer wieder einholt.
antje zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 06.01.2012
Ich bin ein große Fan von Camilla Läckbergs Büchern. Auch dieses lässt sich wieder in einem Rutsch lesen und fesselt den Leser durch zahlreiche Finten und Tricks. Trotzdem war mir hier diesmal relativ früh klar, wie der Hase läuft (laufen MUSS) und das Ende ist wirklich ein bisschen dick aufgetragen...trotzdem fiebere ich schon dem nächsten Band entgegen, denn man nimmt schon Anteil am persönlichen Schicksal der Hauptfiguren - und nach diesem Ende sowieso!
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anyways zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 01.12.2011
Erica Falck protegiert den jungen Autor Christian Thydell bei seinem Debütroman „ Die Meerjungfrau“. Kurz nach der Veröffentlichung des Buches schnellt dieses auf den Bestsellerlisten ganz nach oben und die kleine Stadt Fjällbacka hat nun neben Erica einen weiteren berühmten Autor. Doch während der Präsentation des Buches erhält Thydell Drohbriefe und Erica ahnt das hinter der Fassade des jungen Autors mehr steckt als er preisgibt, dies ist ihr unbewusst schon während der Zusammenarbeit aufgefallen. Währenddessen wird Ericas Mann, der Kommissar Patrick Hedström mit einem Vermisstenfall konfrontiert: Magnus Kjellner, liebevoller Ehemann und Vater zweier Teenager wird vermisst und wenig später ertrunken aufgefunden. Nachdem Patrick herausfindet das Magnus Christians Freund war beginnt Patrick in seinem Umfeld zu ermitteln und hat neben seinen familiären Verpflichtungen anscheinend auch große gesundheitliche Probleme.





Camilla Läckberg versteht es hervorragend eine gut recherchierten Kriminalfall zu präsentieren, dessen ganze Tragweite erst viel später zu erkennen ist. Außerordentlich spannend erzählt sie eine Tragödie über menschliches Versagen, Intoleranz und Vernachlässigung. Gleichzeitig bettet sie das Leben aller Protagonisten so gut in die Story mit ein, das ich auch an deren Leben gerne teilhabe. Mir gefällt ihre Darstellung der Hauptprotagonisten, denn sie sind keinesfalls überzeichnet, im Gegenteil sind ihre Handlungen nachvollziehbar und streckenweise kann ich mich selbst wieder erkennen. Vielleicht freue ich mich deshalb immer wieder ein Buch dieser Autorin in den Händen zu halten. Es ist wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Das geht sogar so weit, dass ich jetzt schon grübele was Patrick Hedström gesundheitlich so zu schaffen macht. Soviel sei schon mal verraten, das nächste Buch erwarte ich mit Spannung denn diesmal greift Läckberg zu drastischen Mitteln: Ein offenes Ende.
Synapse11 zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 11.11.2011
Schmerz - aus dem der Hass geboren wird

Inhalt:
Ein Mann wird erstochen und von einer Frau mit langem dunklen Haar ins Meer geworfen.
Seine Frau besucht jede Woche die Polizeistation, weil sie ihren Mann vermisst. Die Aufklärung des Mordfalls stagniert. Diejenigen, die etwas wissen könnten, schweigen - sie hüten ein gemeinsames Geheimnis. Mittendrin veröffentlicht Christian Thydell seinen Debütroman “Meerjungfrau”. Keiner ahnt die schwerwiegenden Folgen. Anfangs verschweigen alle, dass sie Drohbriefe von einer unbekannten Person erhalten. Wer will Rache und trachtet ihnen nach dem Leben? Immer mehr zieht sich die Schlinge des Bösen um die Schweigenden. Eines Tages holt sie die Vergangenheit ein.

Meine Meinung:
“Meerjungfrau” ist ein Buch über die Geschichte eines Buches und dessen schwerwiegende Folgen. Aber es ist noch mehr als das. Ein wunderschönes Buch (nicht nur) über die Schriftstellerei. Man bekommt beinahe Lust, selbst zu schreiben. Kurze Kapitel und häufiger Wechsel zwischen den Schauplätzen machen das Buch durchgehend spannend. Einige Kapitel enden mit einem Cliffhanger, so will man unbedingt weiterlesen.
Eine Frau erkrankt an Krebs. Mit viel Feingefühl schildert Camilla Läckberg die Beziehung der Erkrankten mit ihrem Partner, die Art und Weise wie beide damit umgehen und den Schmerz des Partners, mit anhören und ansehen zu müssen, wie seine Frau ihr Leben ordnet als erlebe sie den nächsten Tag nicht mehr.
Mir gefällt der lebendige Schreibstil und die Psychodynamik des Buches. Die Handlung ist lebensnah, geschickt konstruiert und nicht vorhersehbar. Es ist spannend, beim lesen selbst “Detektiv spielen” zu können.
Verwirrend war allerdings die hohe Anzahl von über 55 Charakteren. Irgendwann musste ich mir Stichpunkte machen, um den Überblick zu behalten. Das war mein erstes Buch von Camilla Läckberg. Sicher treten einige Charaktere schon in früheren Werken auf, so dass man besser informiert ist, wenn man die vorhergehenden Bücher kennt. Doch die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Als Leser kann ich in die Psyche der Protagonisten “blicken”. Die Psychodynamik des Buches hat mich genauso gefesselt wie die meisten Werke meiner Lieblingsautorin Charlotte Link. Ich bin neugierig geworden, auch die bisherigen fünf Bücher von Camilla Läckberg zu lesen.

Meine Lieblingstextstelle:
“Als Vater den Primuskocher, ihre Kleidung, die Konservendosen und den restlichen Kram ins Auto stopfte, packte er seinen Hass ein.” (S.118)

Fazit:
Ein Buch über das Leben und den Tod - vollgepackt mit Liebe, Verzweiflung und Schmerz aus dem der Hass geboren wird. Sehr identische und lebensnahe Charaktere.
€nigma zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 10.11.2011
Inhalt

In Camilla Läckbergs neuestem Kriminalroman um Kommissar Patrik Hedström und seine Frau, die Autorin und "Hobby-Detektivin" Erica Falck, sind beide Ehepartner wieder einmal mit ihren eigenen Ermittlungen beschäftigt, bis sich ihre jeweiligen Fälle ineinander verzahnen.
Patrik arbeitet am Vermisstenfall Magnus Kjellner. Dieser sympathische und allseits beliebte Mann verschwand eines Morgens spurlos von zuhause, seine verstörte Frau Cia erscheint wöchentlich auf der Polizeiwache, doch letztlich hilft nur "Kommissar Zufall" weiter, als Magnus´ Leiche unter einer Eisscholle aufgefunden wird.
Erica ist dagegen mit den geheimnisvollen Drohbriefen beschäftigt, die ihr Freund und Autorenkollege Christian Thydell erhält. Christian ist gerade mit seinem Debütroman "Die Meerjungfrau" ins Licht der Öffentlichkeit getreten, er kann sich aber an seinem Erfolg nicht erfreuen, sondern wird zusehends zum nervlichen Wrack. Erica, die trotz einer fortgeschrittenen Zwillingsschwangerschaft wie gewohnt nicht ihre Nase aus den Angelegenheiten anderer Menschen lassen kann, versucht, dem Geheimnis der Drohbriefe auf die Spur zu kommen und bemüht sich sehr emsig und zu Christians Missfallen, etwas über seine Vergangenheit herauszufinden, eine Zeit, über die er nicht einmal mit seiner eigenen Ehefrau spricht.
Bald stellt sich heraus, dass nicht nur Christian Drohbriefe erhält, sondern auch seine langjährigen Freunde Erik und Kenneth, die sich offenbar vor der Rache einer Frau fürchten, sich aber beharrlich weigern, mit der Polizei über diese Bedrohung zu reden. Auch der ermordete Magnus gehörte der Männerclique an. Von jetzt an bewegen sich die Ermittlungen von Patrik und Erica aus verschiedenen Perspektiven aufeinander zu, um schließlich parallel zu verlaufen und einander zu ergänzen.

Aufbau

Der Aufbau des Romans ist durch rasch wechselnde Erzählperspektiven gekennzeichnet, wobei eine große Anzahl an Figuren in kurzer Zeit eingeführt wird, was für Leser, die zum ersten Mal einen Krimi der Autorin lesen, zu einer echten Herausforderung werden könnte. Diese schnellen Perspektivwechsel haben aber auch den großen Vorteil, das Interesse des Lesers wach und die Spannung auf einem hohen Niveau zu halten, denn jedes dieser Kurzkapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man das Buch schlecht aus der Hand legen kann, bis man weiß, was es mit den jeweiligen Andeutungen auf sich hat.
Abgesehen von den verschiedenen parallel erzählten Handlungen gibt es hier auch Rückblicke auf die Kindheit eines der Protagonisten. Diese in Kursivdruck eingefügten Kapitel erhellen nach und nach tragische Ereignisse aus der Vergangenheit, die es dem Leser erlauben, Vermutungen zu den Hintergünden des gegenwärtigen Geschehens anzustellen.

Meine persönliche Beurteilung

"Meerjungfrau" ist ein typisch skandinavisch in einer recht düsteren Atmosphäre gehaltener Roman, der viele aktuelle Probleme anspricht. Es geht vornehmlich um das Familiengefüge: die Liebe von Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt, aber auch um das (vorhandene oder nicht vorhandene Vertrauens-)Verhältnis zwischen Eheleuten. Es wird aufgezeigt, inwiefern Defizite im "Familiengetriebe" sich zu Tragödien auswachsen können. Die Handlung des Romans wird durchgehend spannend erzählt und es gelingt der Autorin, trotz des realitätsnahen Erzählstils beim Leser Beklemmung und ein gewisses Gruseln zu erzeugen.
Die Charaktere empfand ich größtenteils als gut ausgearbeitet, lediglich der inkompetente Polizeichef ist etwas zu sehr Witzfigur und eine der Hauptfiguren etwas zu sehr "der Böse", um noch realistisch zu sein. Das Ende des Romans war mir persönlich ein bisschen zu dick aufgetragen.
Insgesamt habe ich mich aber ausgezeichnet unterhalten und werde mir auch den Folgeband "Fyrvaktaren" (bisher leider noch nicht übersetzt) nicht entgehen lassen.
allegra zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 05.11.2011
In diesem Roman wendet sich Camilla Läckberg, im Gegensatz zu ihren früheren Bänden einem düstereren Stil zu, wie er für Krimis aus dem skandinavischen Raum typisch ist. Dennoch ist die Leichtigkeit aufgrund des Privatlebens des Ermittlerteams immer noch da, auch wenn diese Aspekte etwas zugunsten des eigentlichen Plots in den Hintergrund rücken.

Auf zwei zeitlichen Ebenen, die im Laufe der Entwicklungen mehr und mehr zusammen finden, wird die Geschichte von vier Freunden erzählt, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Drei davon sind zusammen in Fjällbacka aufgewachsen und der Bibliothekar Christian, der soeben seinen Debütroman veröffentlichte, hat den Freundeskreis später vervollständigt. Der Titel von Christians Buch heißt „Meerjungfrau“ und es von Anfang klar, dass dieses Buch oder die Figur der Meerjungfrau in der Geschichte eine Rolle spielen wird. Das Motiv „Wasser“ wird immer wieder aufgegriffen, sei es beim Baden am Strand, dem bedrohlich dargestellten Springturm von Fjällbacka und an manchen anderen Stellen, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte.

Aus verschiedenen Perspektiven kommt man den Hauptcharakteren auf der Opfer/Täterseite und ihren Familien schrittweise näher. Psychologisch sehr geschickt und subtil lässt Camilla Läckberg den Leser in die Psyche der Protagonisten schauen. Dazwischen sind, kursiv gedruckt, kurze Einschübe aus der Vergangenheit, die mir anfangs rätselhaft vorkamen, die aber immer mehr mit den aktuellen Geschehnissen in Verbindung traten.

Ich empfand den Krimi als sehr sorgfältig konstruiert, mit viel Liebe zum Detail, was die Ausarbeitung der Personen betrifft und am Ende als Ganzes abgerundet - selbstverständlich mit einem cliffhanger ausgestattet, so dass ich jetzt schon weiß, dass ich beim nächsten Band wieder dabei sein werde.

Der Roman ist aufgrund des ausgereiften Sprachstils der Autorin auf jeden Fall ein Gewinn. Inhaltlich lebt er von der Ungewissheit und der Spannung. Ich kann zukünftigen Lesern deshalb nur empfehlen, vorher nicht allzu viele ausschweifende Rezensionen zu lesen. Ich bin sicher, dass mir das Buch nicht halb so gut gefallen hätte, wenn ich die Richtung vorher gekannt hätte, die die Ermittlungen gegen Ende des Buches einschlägt.
subechto zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 01.11.2011
Wiedersehen in Fjällbacka

Der neue Roman von Camilla Läckberg, Schwedens „Königin des Kriminalromans“, beginnt mit einem Prolog, in dem ein Mann erstochen wird. Anschließend erfahren wir, dass es sich um Magnus Kjellner handelt, der seit 3 Monaten vermisst wird.
„Meerjungfrau“ ist bereits der 6. Fall aus der Erica-Falck-und-Patrik-Hedström-Reihe. Wobei ich es immer wieder gut finde, dass die Protagonisten auch ein Privatleben haben. So ist Erica z.B. schwanger. Und sie ist nicht die Einzige...
Erica, selbst Schriftstellerin, hatte Christian Thydell, dem Bibliothekar von Fjällbacka, geholfen, einen Roman zu schreiben, der nun in einem Hotel vorgestellt werden soll. Doch Christian ist nicht gut drauf, bekanntlich war Magnus sein Freund.
Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Patriks Team und seinem Chef Bertil. Alle Personen werden kurz vorgestellt, falls jemand die Vorgängerromane nicht gelesen hat. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorläufern. So baut man schnell eine Bindung auf, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Schon bald stellt sich heraus, dass Christian bedroht wird, denn er erhält anonyme Briefe und Blumen. Und er ist nicht die Einzige… Doch was hat dies mit dem Tod von Magnus zu tun und mit einer rätselhaften Schönheit? Ist sie die Meerjungfrau?
Fragen über Fragen, die im Verlauf der Geschichte alle beantwortet werden. Wie so oft, liegt das Motiv in der Vergangenheit. Eine alte Schuld, die nun gesühnt wird. Doch wer ist Täter, wer Opfer? Hier sind die Grenzen fließend.
Die Erzählung wechselt zwischen dem Fall des ermordeten Magnus - auch er wird nicht der einzige Tote bleiben - und Rückblenden in die Vergangenheit. Erst ganz am Ende werden beide Handlungsstränge zusammengeführt und das Rätsel um die Meerjungfrau gelöst.
„Meerjungfrau“ entwickelt sich langsam und ist doch packend bis zum überraschenden Schluss, da die Autorin geschickt falsche Fährten legt. Der sympathische Kommissar und sein Team offenbaren viel von Ihren täglichen Sorgen und Nöten. Das ist mir für einen Krimi aber fast 'too much'.
Auch das offene Ende 'ärgert' mich ein bisschen...

Fazit: Gut, für mich aber nicht der Beste aus dieser Reihe!
bookorpc zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 29.10.2011
Der sechste Band: Meerjungfrau von Camilla Läckberg, spielt wie immer in Fjällbacka. Da die Bänder aufeinander aufbauen, sollte man für mehr Lesevergnügen besser von vorne anfangen.Inhalt: Am Ende von Band 5 erfährt man ja bereits von Ericas Schwangerschaft, aber noch nicht das es Zwillinge sind. Christian der Bibliothekar aus dem vorherigen Band spielt diesmal eine wichtige Rolle. Er hat mit Hilfe von Erica seinen ersten Roman Die Meerjungfrau veröffentlicht. Im Zuge der Buchpräsentation kommt ans Licht, dass er seit längerem Drohbriefe erhält. Als die Leiche seines Freundes Magnus auftaucht, sieht nicht nur Patrik einen Zusammenhang zwischen den Fällen, sondern auch seine Frau. Und die beste Ablenkung von der bevorstehenden Verantwortung im Doppelpack ist die eigene Recherche.Meine Meinung: Wie auch in den Vorgängern gelingt es Camilla Läckberg von Anfang an zu fesseln. Im Wechsel erfährt man von aktuellen Ermittlungen / Geschehnissen und in kursiver Schrift von einem Jungen, der eine komplizierte Beziehung zu seiner Mutter hat. Am Ende ergibt es dann wieder das Gesamtbild der den Fall löst. Häppchenweise erfährt man immer ein Stück von den Geheimnissen der einzelnen Personen und den Hintergründen zum Mord. Erneut fasziniert mich die Tatsache, dass das Leben aller einzelnen Personen, die im Laufe der Bücher auftauchen immer noch ausbaufähig ist und man immer noch gern mehr vom Privatleben der Einzelnen liest. Der Übergang Privatleben und Ermittlung ist wie immer fließend und gut kombiniert.Fazit: Für alle Fans von Camilla Läckberg ein Bereicherung in der Reihe um die sympathischen Fjällbacka Bewohner.
Sibylle zu »Camilla Läckberg: Meerjungfrau« 29.10.2011
Christian Thydell’s Debütroman „Die Meerjungfrau“ erntet hervorragende Kritiken. Auf der Buchpremiere erhält er einen Strauß weiße Lilien mit einer Karte und bricht ohnmächtig zusammen.

Als Christians vermisster Freund Magnus dann ermordert aufgefunden wird, übernimmt Kommissar Patrik Hedström die Ermittlung. Offenbar haben Magnus Freunde Christian, Kenneth Bengtsson und Erik Lind mysteriöse Drohbriefe erhalten. Sie scheinen genau zu wissen, von wem diese stammen, behaupten jedoch gegenüber der Polizei felsenfest, keine Ahnung zu haben.

Die Bedrohungen nehmen ernstere Ausmaße an, als in der Nacht jemand im Kinderzimmer der Thydells die Wand über den Kinderbetten mit roter Farbe beschmiert, während die Kinder darin schlafen. Nach diesem Vorfall schickt Christian seine Frau und seine Kinder zu deren Schwester, um sie in Sicherheit zu bringen. Er selbst besteht jedoch darauf, zu bleiben.

Zwischen den Mordermittlungen an Magnus Kjellner und den Drohungen scheint es eine Verbindung zu geben, aber die Ermittlungen der Polizei bleiben fruchtlos. Erst Patriks Frau, die Schriftstellerin Erica Falck, bringt mit ihren eigenmächtigen Recherchen eine Wende in der Ermittlung herbei.


Camilla Läckbergs sechster Kriminalroman liest sich durchweg flüssig und spannend. Anfangs verliert die Handlung durch die vielen Charaktere etwas an Tempo. Im weiteren Verlauf des Buches findet man sich aber recht schnell in die Geschichte ein. Die Spannung steigert sich zuerst langsam und spitzt sich in der zweiten Hälfte des Buches so stark zu, dass man es kaum noch aus der Hand legen kann.

Da dies mein erster Roman von der Autorin ist, fand ich mich zunächst nur langsam in den Beziehungen der verschiedenen Charaktere untereinander zurecht. Besonders wenig konnte ich mit Kommissar Hedströms Vorgesetztem, Bertil Mellberg, anfreunden. Er wirkt durch seine Inkompetenz und seine Abwesenheit vollkommen fehl am Platz. Die Figur trägt nichts zur Handlung oder zum Fortkommen der Ermittlung bei und macht auf mich den Eindruck einer wahren Tempobremse.

Für den Tempogewinn bedeutsam ist jedoch Patriks Frau Erika. Sie ist mit Zwillingen schwanger und langweilt sich zuhause schnell. Aus Sorge um Christian und auch ein wenig aus Neugier beginnt sie heimlich Nachforschungen anzustellen, die sie in Christians Vergangenheit führen.

Die Kapitel des Buches sind mit Zwischensequenzen voneinander getrennt. Anfangs weiß der Leser nicht, was es damit auf sich hat. Im Verlauf des Buches und im Zusammenhang mit den Ermittlungen wird jedoch immer klarer, dass es sich dabei um Ereignisse aus der Vergangenheit handeln muss. Doch erst am Ende des Buches löst Erica das Rätsel auf und der Leser erfährt das ganze Drama der Geschichte.

Den Leser erwartet mit Camilla Läckbergs „Meerjungfrau“ eine sehr düstere und unheimliche Geschichte, was vor allem in der ersten Buchhälfte überdeutlich zu spüren ist. Für mich der beste Krimi, den ich in den letzten Monaten gelesen habe.
Ihr Kommentar zu Meerjungfrau

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