Der Leuchtturmwärter von Camilla Läckberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Fyrvaktaren , deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.
Folge 7 der Erica-Falck-und-Patrik-Hedström-Serie.

  • Stockholm: Vorum, 2009 unter dem Titel Fyrvaktaren . 359 Seiten.
  • Berlin: List, 2013. Übersetzt von Katrin Frey. ISBN: 978-3-471-35080-5. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2013. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 3899038509. 6 CDs.

'Der Leuchtturmwärter' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Schriftstellerin Erica Falck hat mit ihren Zwillingen alle Hände voll zu tun, seit ihr Mann Patrik wieder im Polizeidienst ist. Sie findet kaum Zeit für ihre Freundin Annie, die gerade in das idyllische Fischerdorf Fjällbacka zurückgekehrt ist. Annie zieht in den Leuchtturm auf der kleinen Insel vor der Küste. Dort soll es nachts spuken, und dunkle Legenden ranken sich um den Ort. Annie scheint es nicht zu stören, vor allem seit Mats, ihre erste große Liebe, zu ihr zurückgekehrt ist. Doch dann wird Mats brutal ermordet. Patrik beginnt zu ermitteln.

Das meint Krimi-Couch.de: »Im Schein des Leuchtturms: Viele Geschichten und ein Mord« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Gråskär ist eine kleine Leuchtturminsel im Schärengaten vor Fjällbacka. Nach vielen Jahren der Abwesenheit kehrt dorthin Annie mit ihrem kleinen Sohn Sam zurück, denn das als »Geisterinsel« verschriene Eiland gehört ihrer Familie. Sie will sich hier vom Stress in ihrer gescheiterten Ehe erholen. Sie bekommt Besuch von Mats, ihrer lange verflossenen Liebe aus Jugendzeiten. Doch die beiden erleben nur eine leidenschaftliche Nacht. Tage später wird Mats, der aus Göteborg ebenfalls in seine Heimat zurückgekehrt ist, von seinen entsetzten Eltern tot in seiner Wohnung aufgefunden – er wurde erschossen. Das Kripo-Team um Patrick Hedström nimmt die Ermittlungen auf, und ist zunächst ratlos. Mats war überaus beliebt, und hat scheinbar keinerlei dunkle Flecke in seiner Vergangenheit. Erica Falck ist mit ihren kleinen Zwillingen im Grunde voll ausgelastet, aber sie hört natürlich von dem Fall und beginnt wie üblich ihre eigenen Ermittlungen. Einige handfeste Überraschungen warten auf die Polizei und die umtriebige Schriftstellerin.

Der Leuchtturmwärter ist bereits der siebte Roman aus Camilla Läckbergs Reihe um das Duo Hedström/Falck im kleinen Fjällbacka. Und wie üblich – und von ihren Fans wohl auch überaus geschätzt – ist das Buch vordergründig eine Art Familien-Roman. Es geht um Patrick Hedström und Erika Falck, die zunächst die Folgen der Schluss-Szenen des Vorgängerromans überwinden müssen. Hedström erlitt einen Zusammenbruch, Falck hatte gemeinsam mit ihrer Schwester einen schweren Autounfall. Während die Schwester dabei ihr ungeborenes Kind verloren hat, sind Erikas Zwillinge gesund und putzmunter. Aber Anna liegt in tiefer Depression, und die große Schwester hat Schuldgefühle. Und Patrick geht viel zu früh zur Arbeit, weil ihm sonst die Decke auf den Kopf fällt. Und in all diese Befindlichkeiten platzt ein Mordfall.

Der Autorin gelingt es in dieser Reihe, ihre Leser immer wieder am wechselhaften Leben ihrer Protagonisten teilhaben zu lassen. Sie liefert keine Action-Kaskaden, sondern erzählt mit leichter Feder eine Geschichte, die nach dem ersten Mord ungemein spannend wird. Und dabei arbeitet Läckberg auch aktuelle Themen ab. So hat beispielsweise der ermordete Mats in einem Frauenhaus gearbeitet. Die Autorin nutzt diesen Schlenker in der Handlung, um intensiv auf das Thema häusliche Gewalt in Ehe und Partnerschaft einzugehen. Bei der Gelegenheit gibt es gleich ein paar zusätzliche Protagonisten und einige Überraschungen – und irgendwann ist man als Leser von diesem Buch wieder einmal gefesselt.

Ein wenig schwedische Mystik und Geisterkunde werden ebenfalls durch die stets neugierige Erika Falck eingebracht. Und parallel zur Handlung in der Gegenwart wird das überaus harte und tragische Schicksal einer jungen Frau geschildert, die im 19. Jahrhundert mit ihrem Mann und einem weiteren Mitbewohner auf Gråskär leben musste. Diese Art der Rückblicke kennt man aus den Büchern der Autorin bereits, und sie setzt dieses Stilmittel gekonnt und an den richtigen Stellen ein. Und am Ende gelingt es Camilla Läckberg einmal mehr, die vielen losen Fäden miteinander zu verknüpfen und auch der Neben-Erzählung aus der Vergangenheit einen Platz in ihrem Plot zuzuweisen.

Die Mischung aus Kriminal-Roman, menschlichen Schicksalen und familiären Befindlichkeiten ist das Markenzeichen dieser Roman-Reihe von Camilla Läckberg. Wer sie deshalb jedoch in die Schublade »Frauen-Romane« steckt, liegt nach meiner Auffassung ziemlich falsch. Neben vielen Fans dürfte es auch reichlich Kritiker geben, die Läckbergs Art des Geschichten-Erzählens überhaupt nicht mögen. Aber die Autorin hat mir in einem Interview für die Krimi-Couch einst verraten, dass sie nun mal gerne die kleinen Geschichten aus dem Leben der Menschen schildert, die wir alle so erleben. Und dabei sollte sie auch bleiben, denn das kann sie ganz hervorragend.

Neben den bereits bekannten Protagonisten aus dem Polizei-Team und den dazu gehörigen Familien gibt es in Der Leuchtturmwärter übrigens einige interessante Figuren, die für die Geschichte immens wichtig sind. Den ermordeten Mats lernt der Leser nur in der Rückschau seiner Kollegen und Mitmenschen kennen, Annie wird in ihren Selbstgesprächen nicht wirklich durchschaubar für den Leser. Ganz stark fand ich die Chefin des Frauenhauses, in dem Mats gearbeitet hat. Sie kämpft wie eine Löwin für ihr tolles Projekt.

Die vielen Nebengeschichten, Zwischentöne und alltäglichen Vorkommnisse machen auch den Leuchtturmwärter wieder zu einem speziellen Lese-Vergnügen. Und mindestens eine weitere Geschichte aus dem kleinen Fjällbacka wird es noch geben, denn auf Schwedisch liegt der Roman bereits vor. Allerdings wird es in meinen Augen langsam schwierig, mit den neuen Romanen in die Reihe einzusteigen. In Der Leuchtturmwärter wird am Anfang für Einsteiger nicht deutlich, was am Ende des Vorgängerbandes passiert. Ein kleiner Minuspunkt, der aber den Lesegenuss nicht wirklich schmälern dürfte.

Andreas Kurth, Februar 2013

Ihre Meinung zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter«

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Lisa zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 13.03.2016
Das Buch ist wie die aktuelle soziale Situation in Schweden:
eine Traumwelt, fern der Realität und der täglichen Anforderungen!
--E.Falck hat 3 kleine Kinder unter 2 Jahren und weiss nicht "wie sie die Zeit totschlagen soll".
--Als Privatperson mischt sie sich in Polizeiarbeit nicht nur ein, sondern ist auch dabei. Wie realistisch ist das denn?
--der Trend zu weinerlichen Männern auch hier sehr ausgeprägt.

Armes Schweden!! Mehr gesunder Menschenverstand und weniger Indoktrination bzw. Soap-Mentalität würde guttun...
Thugut Angelika zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 09.03.2016
Kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschliessen - viel zu viele Personen, viel zu viel Nebenhandlung und völlig überflüssig auch die kursiv gedruckte "Parallelgeschichte" in allen ihren Büchern, die kein Mensch braucht. Das schlechteste Beispiel für "Frauenkrimis", das man sich denken kann. Habe jetzt 3 ihrer Bücher eher zwangsweise gelesen - es war eine Quälerei
kritikaster zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 07.02.2016
Dies ist mein erstes buch von camilla läckberg und vermutlich auch das letzte. ich habe die andern kritiken gelesen und bin erstaunt, dass niemandem aufgefallen ist, wie perfide die autorin vorgeht - wer bei nummer 7 einsteigt, wird erst einmal mit zig namen zugeschüttet, über die er etwas wissen müsste, aber nichts weiß, nach dem motto: ihr braucht ja nur die sechs andern bücher zu kaufen, dann wisst ihr bescheid...es hat eine weile gedauert, bis ich kapiert habe, dass es sich hier nicht um einen krimi sondern um einen lore-fortsetzungsroman mit kriminellem beiwerk handelt, früher hätte mans schundroman genannt. vier handlungsstränge nebeneinander, durcheinander, hundeleinen, babytragetaschen, geisterhände, schwache frauen, die sich schlagen lassen und ständig hilfe brauchen, leute, die sich in den kopf schießen, grüner tee, heroin und nächstenliebe...
lieber gott, was für ein traumschiff-mist. na ja, wems gefällt. ein mankel ist sdie autorin jedenfalls nicht und auch niemand, der einen geradlinigen plot zustande bringt, bei dem sich der leser nicht notizen machen muss, wer wer ist und zu wem gehört.
Manno Tammena zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 08.04.2015
Die vielen Personen und ihre Zuordnungen und damit die vielen Namen sind schwer zu behalten und hemmen den Lesefluss. Abgesehen davon kommt keine wirkliche Spannung auf. Es ist doch wohl eher ein Familienroman mit einigen "kriminellen" Elementen, aber nicht unbedingt ein Roman der den wahren Krimi-Leser vom Hocker reisst. - Schade!
nati zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 02.12.2014
Viel geschieht in Fjällbacka
Auf das Buch „Der Leuchtturmwärter“ habe ich mit Spannung gewartet, da der vorherige Band mit einem Cliffhanger endete. Mir gefallen die Kriminalromane von Camilla Läckberg, da sie sich aus der Masse der oft düsteren skandinavischen Romane herausheben. Geschickt werden zu Beginn verschiedene Handlungsstränge angerissen, die die Neugier auf den weiteren Verlauf wecken.

Viel geschieht in Fjällbacka. Anna und Erica hatten einen schweren Autounfall, als sie schwanger waren. Durch eine Notoperation überlebten die Zwillinge von Erica, doch der Sohn von Anna überlebte nicht. Anna zieht sich in ihr Innerstes zurück. Kommen Anna und Dan mit diesem Schicksalsschlag klar?
Ericas Klassenkameradin Annie kommt nach Fjällbacka zurück. Sie flüchtet in das Haus ihrer Kindheit auf die Geisterinsel „Graskör“ zusammen mit ihrem Sohn Sam. Doch was ist mir ihrem Mann Fredrik passiert?
Nach einer brutalen Misshandlung kehrt auch Mats Sverin in sein Elternhaus zurück. Er spricht nicht über den Vorfall und arbeitet nun in der Finanzverwaltung der Gemeinde. Als er von Annies Ankunft erfährt, besucht er freudig seine Schulfreundin auf der Insel. Alles könnte schön sein, doch am nächsten Tag wird Mats in seiner Wohnung tot aufgefunden.
Patrik und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und stehen lange vor einem Rätsel. Auch Erica kann es nicht lassen, sich wieder einzumischen.

Dieses ist der siebte Band von Camilla Läckberg um Patrik Hedström und Erica Falck. Zu Beginn wird der Leser gleich mit unterschiedlichen Handlungssträngen und verschiedenen Protagonisten konfrontiert. Auch über die bereits aus früheren Büchern bekannten Personen erfährt man neues. Die vielen am Anfang vorgestellten Protagonisten können für Nichtkenner dieser Reihe vielleicht zu Verwirrungen führen. Für mich war es teilweise ein Treffen mit guten Bekannten.

Die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Gekonnt wechseln sich spannende und menschliche Aspekte ab, die nicht langweilen und man den Eindruck eines realitätsnahen Kriminalromans hat. Das Buch ist ein wendungsreicher Krimi, der durch den ständigen Wechsel der einzelnen Handlungsstränge ständig auf einem hohen Spannungsniveau gehalten wird. Die Rückblicke auf Emilie, Gustav und Karl, die ehemaligen Bewohner der Geisterinsel im 19. Jahrhundert, tun ihr übriges dazu und sind sehr gefühlvoll gezeichnet.
Das Buch hat mich von Beginn an gefesselt und ich war wieder gespannt, wie die Autorin die verschiedenen Handlungsstränge Stück für Stück zusammenführt
€nigma zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 05.06.2013
Inhalt

"Der Leuchtturmwärter" ist der siebte Roman aus der Reihe um die Schriftstellerin Erica Falck und ihren Mann Patrik Hedström vom Kriminalkommissariat Fjällbacka. Er schließt nahtlos an die Ereignisse des vorherigen Bandes "Meerjungfrau" an. Erica hat den schweren Autounfall weitgehend unbeschadet überstanden, ihre Zwillinge Noel und Anton mussten vorzeitig durch einen Kaiserschnitt entbunden werden, sind aber gesund. Ihre Schwester Anna, die mit im Unfallauto saß, hatte weniger Glück und hat ihren ungeborenen Sohn verloren, wodurch sie in eine schwere Depression gefallen ist.
Patrik hat sich von seinem Herzanfall erholt und ist wieder im Dienst. Er bekommt es schon bald mit einem mysteriösen Mordfall zu tun: Mats Sverin, der im Gemeinderat arbeitet und als Wirtschaftsprüfer die Finanzen der neu errichteten Wellness-Anlage "Badis" verwaltet, wird in seiner Wohnung erschossen. Er ist/war ein unauffälliger und unbescholtener Junggeselle, über dessen Privatleben niemand - nicht einmal seine Eltern Gunnar und Signe - etwas weiß. Patrik und seine Kollegen ermitteln zunächst relativ erfolglos, doch dann ergibt sich eine neue Spur. In der Nacht vor seinem Tod hat Mats seine Jugendliebe Annie auf der kleinen Insel Gråskär besucht. Annie ist mit ihrem kleinen Sohn Sam aus Stockholm auf die kleine Insel zurückgekehrt, auf der es nur ihr unbewohntes Elternhaus und einen alten Leuchtturm gibt. Sie wirkt sehr verstört und scheint sich auf der Flucht zu befinden. Der Polizei gegenüber zeigt sich Annie wenig kooperativ, obwohl sie über den Tod ihres Jugendfreundes sehr erschüttert ist. Hat der Mord an ihm etwas mit dem Besuch bei Annie zu tun oder steht er im Zusammenhang mit einem Vorfall an Mats´ vorheriger Arbeitsstätte in Göteborg? Dort arbeitete er für die Organisation "Freistatt", die sich misshandelter Ehefrauen annimmt. Eines Abends war Mats in Göteborg brutal zusammengeschlagen worden, hatte sich aber geweigert, Angaben zu diesem Überfall zu machen. Eine weitere rätselhafte Spur ergibt sich, als Hinweise auf Kontakte ins Drogenmilieu auftauchen, die nicht zu dem rechtschaffenen Mann zu passen scheinen. Patrik und seine Kollegen haben mit ihren Ermittlungen vollauf zu tun.
Erica beschäftigt sich unterdessen mit der Geschichte von Gråskär, das auch als "Geisterinsel" bekannt ist, da dort einer Legende nach die Geister der auf der Insel Verstorbenen umgehen.

Eigene Meinung

"Der Leuchtturmwärter" setzt wie die vorherigen Bände der Reihe die Lebensgeschichte der Protagonisten in diversen einzelnen Handlungssträngen fort, wobei ein neuer Kriminalfall zu bearbeiten ist, in den Patrik und Erica in gewisser Weise persönlich verstrickt sind. Hier liegt der persönliche Bezug darin, dass Mats Sverin und seine Jugendliebe Annie Wester beide ehemalige Klassenkameraden von Erica sind. Diese Verbindung bestärkt Erica, die sich während ihrer "Elternzeit" etwas unterfordert fühlt, darin, ihre neugierige Nase in die Angelegenheiten ihrer ehemaligen Schulkameradin zu stecken. Neben ihrer Fürsorge für ihre drei Kinder und ihrem Interesse an Annies Situation kümmert sie sich auch intensiv um ihre depressive Schwester Anna und versucht, ihr wieder Lebensmut zu geben.
Auch im Kriminalkommissariat sind wieder alle schon aus den Vorgängerbänden bekannten Mitarbeiter mit von der Partie und ergänzen einander als gut eingespieltes Team. Nur der inkompetente und selbstgefällige Chef Bertil Mellberg streut immer wieder Sand ins Getriebe und bringt seinen Kollegen Probleme, gibt dem Leser jedoch Anlass zum Schmunzeln.
Ein weiterer Handlungsstrang beschäftigt sich mit Erling Larson und den Geschwistern Anders und Vivianne Berkelin, die für die Ausgestaltung und Eröffnung des "Badis" zuständig sind. Es wird offensichtlich, dass die Geschwister ein Geheimnis verbindet, in das der naive, in Vivianne verliebte Erling nicht eingeweiht ist.
Schließlich gibt es noch Einblicke in das Leben einer jungen Frau namens Madeleine, die mit ihren Kindern vor ihrem Mann nach Kopenhagen geflohen ist.
Diese Vorgänge werden in kurzen Abschnitten mit ständig wechselnder Erzählperspektive präsentiert, aufgrund der häufigen Szenenwechsel muss der Leser das Geschehen konzentriert verfolgen, wird aber dafür mit einer ausgesprochen fesselnden und abwechslungsreichen Lektüre ohne jede Längen belohnt.
Den außergewöhnlichen Reiz dieses Kriminalromans macht jedoch der Gruselfaktor aus, der durch die Anspielungen auf die Geister der auf Gråskär Verstorbenen erzeugt wird. In einer kursiv gedruckten Parallelerzählung, deren Kapitel immer wieder die in der Gegenwart spielende Haupthandlung unterbrechen, wird von dem einsamen Leben der jungen Emelie erzählt, die mit ihrem wortkargen, unzugänglichen Mann, dem Leuchtturmwärter Karl, und dessen finsterem Gehilfen Julian von 1870 bis 1875 auf Gråskär lebte.
Die Charakterisierung der Romanfiguren ist in ihrer Ausgewogenheit gut gelungen, auch den grundsätzlich eher negativ gezeichneten Figuren wie dem unsensiblen Mellberg werden gute Eigenschaften zugestanden. Gelungen sind ebenfalls die Darstellung des Beziehungsgeflechts innerhalb des erweiterten Familienkreises von Patrik und Erica und die einfühlsame Präsentation des Trauerprozesses bei Ericas Schwester Anna. Diese Komponente lässt den Roman aus der Masse gängiger, ausschließlich auf spannende Unterhaltung ausgerichteter Kriminalromane hervortreten.
Die allmähliche Zusammenführung aller Fäden der Handlung samt der abschließenden Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit wird souverän gelöst, nur in einem Handlungsstrang ist dieser Abschluss nicht ganz zufriedenstellend. Man darf sich fragen, ob dieses offene Ende im nächsten Band wieder aufgegriffen wird.

Fazit
Eine gelungene Mischung aus Krimi, Familienroman und Geistergeschichte, die fesselnde Unterhaltung verspricht!
c-bird zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 23.03.2013
Spannd und unterhaltsam

„Der Leuchtturmwärter“ ist bereits der siebte Band um das sympathische Paar Erica Falck und Patrik Hedström in den kleinen Ort Fjällbacka. Die Fälle an sich sind zwar in sich geschlossen, doch die immer wiederkehrenden Nebenfiguren und auch Erica und Patrik selbst entwickelt Camilla Läckberg immer weiter. Daher empfiehlt es sich die Bücher in der chronologischen Reihenfolge zu lesen.

Der Leuchtturmwärter setzt genau an der Stelle fort, an der „Meerjungfrau“, der vorhergehende Band endet. Erica ist mittlerweile Mutter von Zwillingen und Patrik kehrt genesen in den Polizeidienst zurück. Da erscheint plötzlich Ericas Schulfreundin Annie nach vielen Jahren mit ihrem Sohn Sam. Sie ist auf der Flucht und findet auf der geisterumwobenen Leuchtturminsel Gråskär, deren Besitzerin sie ist, Zuflucht. Auch Mats, die Jugendliebe Annies ist nach Fjällbacka zurückgekehrt. Bei einem Treffen flammt die alte Liebe wieder auf. Doch kurz darauf wird Mats erschossen aufgefunden. Patrik und sein Team beginnen zu ermitteln…
Mit einem unglaublich schönen Erzählstil führt Camilla Läckberg den Leser durch die Geschichte. Die Spannung ist hoch, trotz der vielen kleinen Nebengeschichten aus dem Privatleben Erikas und Patriks. Aber gerade die Mischung zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben lockern das Ganze etwas auf. Mit vielen Handlungsträngen beginnt das Buch, doch diese verdichten sich nach und nach zu einer sehr komplexen Geschichte. Für Nichtkenner der Buchreihe mag es anfangs etwas schwierig zu sein, über die vielen Charaktere den Überblick zu behalten, da sehr viele Figuren eingeführt werden. Doch für Kenner ist es schon fast wie ein Wiedersehen mit einer zweiten Familie, man hat die Figuren im Laufe der Jahre einfach schon liebgewonnen.
Durch den ständigen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen wird man an das Buch gefesselt, da man unbedingt wissen will, wie es nun weitergeht. Erst ganz zum Schluss lösen sich die Rätsel und es kommt zu einem überraschenden Ende. Ein Hauch von Mystik ist auch dabei, dennoch empfand ich die Atmosphäre nie als düster.
Ein wirklich spannendes und unterhaltsames Buch, das mit wenig Blutvergießen auskommt. Wen erst einmal das Läckberg-Fieber gepackt hat, der kommt nicht so schnell davon los. Für mich die beste schwedische Krimiautorin.
SusanneL. zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 22.02.2013
Inhaltsangabe:

Als Annie Wester mit ihrem kleinen Sohn Sam auf die Insel Gråskär zurückkehrt, die an der Küste vor dem Örtchen Fjällbacka liegt, sind ihre Hände blutverschmiert. Den Grund verschweigt sie auch vor ihren ehemaligen Schulfreunden Erica Falck und Mats Sverin, die sie bald nach ihrer Ankunft besuchen kommen. Auch Mats Sverin hat lange Zeit anderswo gelebt, bevor er nach Fjällbacka zurück gekommen war, doch ihm bringt die Rückkehr kein Glück – er wird wenige Tage nach seinem Besuch bei Annie erschossen aufgefunden. Hier nehmen Patrik Hedström und seine Kollegen die Ermittlungen auf, deren Spuren sie nach Stockholm in die Freistatt, ein Heim für misshandelte Frauen, und in eine gewalttätige Szene führen.
Patriks Frau Erica Falck hat ebenfalls Sorgen – gemeinsam mit ihrer Schwester Anna war sie in einen schweren Autounfall verwickelt, den sie und ihre zu der Zeit noch ungeborenen Zwillinge jedoch überlebt haben. Anna dagegen verlor ihr Kind bei dem Unfall und danach sich selbst in einer tiefen Depression. Erica tut ihr Bestes, um ihre Schwester ins Leben zurück zu holen, fühlt sich dabei aber zutiefst hilflos. Um sich abzulenken, gräbt sie in der Geschichte der Insel Gråskär, die bei den Einheimischen auch „die Geisterinsel“ genannt wird – und wo vor vielen Jahren der Leuchtturmwärter mitsamt seiner Familie und einem Gehilfen spurlos verschwand ...

Das Buch ist der siebente Band um Patrik Hedström und Erika Falck.

Der erste Satz:

„Erst als sie das Lenkrad umfasste, sah sie, dass ihre Hände voller Blut waren.“

Meine Meinung zum Buch:

Wir treffen wieder eine Menge alte Bekannte: Natürlich Erica Falck und ihren Ehemann Patrik Hedström, dazu Ericas Schwester Anna mit Ehemann Dan, Patriks Kollegen Annika, Paula, Gösta und Martin, Patriks Chef Bertil Mellberg, bei dem ich nie weiß, ob ich ihn sympathisch finden oder für einen gefährlichen Volltrottel halten soll, und natürlich einen meiner Lieblinge: Ernst, den Revierhund. Zusätzlich tauchen noch neue Gesichter in der Geschichte auf: die in der Inhaltsbeschreibung schon erwähnten Annie Wester und Mats Sverin, aber auch die Geschwister Vivianne und Anders Berkelin, die in Fjällbacka das Wellnesshotel „Badis“ eröffnen wollen und damit für Aufregung sorgen.

Es dauert diesmal etwas länger, bis sich herauskristallisiert, um welchen Kriminalfall es geht. Von Anfang an ist klar, dass Annie mit irgendeinem Verbrechen zu tun hatte, aber in welcher Form, ob als Täterin, Opfer oder Zeugin, zeigt sich erst am Ende des Buches. Camilla Läckberg spinnt viele Fäden und lässt diese am Ende zusammenlaufen, zu einem Ende, das ich nicht erwartet hätte und das mich überaus überrascht hat. Ich fand es sehr, sehr gut!

Besonders gut gefielen mir auch die kurzen Kapitel, die im Jahr 1870-75 auf Gråskär spielten, und in denen die Geschichte des Leuchtturmwärters und seiner Familie erzählt wird. Die Kapitel sind immer mal wieder zwischendrin eingeflochten und ich fand sie sehr spannend. Als ich mit dem Buch fertig war, habe ich sie noch einmal am Stück gelesen, sie erzählen eine eigene Geschichte, die aber natürlich indirekt mit dem aktuellen Geschehen zu tun hat und einige Punkte erklärt.

Nur einen Punkt fand ich nicht so ganz gut gelöst: die Geschichte um das Wellnesshotel „Badis“. Am Anfang nimmt dieses Hotel eine große Rolle ein, aber mit der Zeit verliert es an Bedeutung und ich habe mich gefragt, warum es und die Geschwister Berkelin dann überhaupt so oft erwähnt wurden. Auch der Schluss hat mich hier nicht zufrieden gestellt – möglicherweise leitet die Autorin hier aber auf ihren nächsten Band hin, jedenfalls sah es für mich ein bisschen so aus.

Die Erzählperspektive wechselt häufig. Mal erfahren wir aus Ericas Sicht, was passiert ist, dann aus Patriks Sicht u.s.w., immer aus den Augen einer der Personen, um die es gerade geht. Das können auch ganz kurze Szenen sein wie z. B. die der geheimnisvollen Madeleine, die ich lange nicht zuordnen konnte. Das Lesen ist dadurch abwechslungsreich und ich war immer wieder neugierig, was als nächstes kommt.

Ich freue ich schon auf Band 8.
subechto zu »Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter« 16.01.2013
Die Geisterinsel

Annie ist auf der Flucht. Doch vor wem und warum? Ursprünglich stammt sie aus Fjällbacka und kehrt nun mit ihrem kleinen Sohn Sam in den Leuchtturm vor der Küste zurück. Angeblich spukt es dort: die Einheimischen nennen Gråskär eine "Geisterinsel". Vor über 100 Jahren soll der damalige Leuchtturmwärter mit seiner gesamten Familie - Frau, Sohn und Gehilfe - spurlos verschwunden sein.

Der 7. Band aus der Erica-Falck-und-Patrik-Hedström-Reihe beginnt genau dort, wo der Vorgänger, "Meerjungfrau", aufgehört hatte. Erica und ihre Schwester Anne haben den schweren Autounfall überlebt. Anne hat hierbei jedoch ihr Kind verloren, Ericas Zwillinge konnten dagegen gerettet werden. Des Weiteren soll in dem kleinen Ort ein Wellnesshotel eingeweiht werden...

Camilla Läckberg hat ihren Kriminalroman erneut ruhig und gekonnt mit viel Atmosphäre und Privatleben in Szene gesetzt. Geschickt und wohl dosiert werden in einem 2. Erzählstrang, der Ende des 19. Jahrhunderts spielt, Passagen aus dem Leben von Emelie, der Frau des Leuchtturmwärters, eingestreut. Dennoch hätte ich das Buch nach 100 Seiten beinahe abgebrochen: Zwischen Babygeschrei und Windeln wechseln war der Krimi und somit die Spannung, irgendwo verloren gegangen. Aber Durchhalten lohnt sich: Etwa ab der Mitte gibt Frau Läckberg so richtig Gas.

Wer die Vorgänger nicht gelesen hat, für den könnte es allerdings etwas schwierig werden. Es wird immer wieder Bezug genommen auf Personen und Ereignisse aus früheren Bänden der Reihe und ein Heer von Protagonisten trägt auch nicht gerade zum Verständnis bei. Erst ganz zum Schluss finden sich alle Puzzleteilchen zu einem gruseligen Ganzen zusammen. "Der Leuchtturmwärter" passt somit hervorragend in diese kalte und dunkle Jahreszeit. Die Geschichte kommt dabei ohne große Action aus und fesselt eher mit psychologischer Spannung.

Alles in Allem ist "Der Leuchtturmwärter" wieder ein gelungener Kriminalroman von Schwedens erfolgreichster Schriftstellerin. Da in Schweden bereits eine weitere Folge der Reihe erschienen ist, freue ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung!
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