Das Haus der verlorenen Seelen von Britta Bolt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Vastberaden, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Hoffmann und Campe.
Folge 2 der Pieter-Posthumus-Serie.

  • Amsterdam: De Arbeiderspers, 2014 unter dem Titel Vastberaden. 320 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann und Campe, 2016. 320 Seiten.

'Das Haus der verlorenen Seelen' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Pieter Posthumus vom Büro der einsamen Toten genießt gerade einen Drink in seiner Lieblingskneipe, dem Dolle Hond mitten im Amsterdamer Rotlichtviertel, als er plötzlich laute Schreie hört. Kurz darauf stürmt Marloes herein, die schräge Wirtin der Pension nebenan. Einer ihrer Mieter wurde umgebracht. Bald steht Marloes unter Verdacht. Posthumus zweifelt an ihrer Schuld und nimmt die Ermittlungen auf. Warum hat der Tote jedes Jahr nur ein Bild gemalt – und jedes Mal die Kopie eines klassischen holländischen Gemäldes? Was hat es mit dem anderen Mieter des Gästehauses auf sich, der Jahre vorher ermordet wurde? Gibt es eine Ver bindung? Allmählich begreift Posthumus, dass eine Minute manchmal den Ausschlag gibt: zwischen Unschuld und Schuld, zwischen einem Leben, das gerettet werden kann, und einem, das verloren ist. Und dass Fragen manchmal Wahrheiten ans Licht bringen, die nur schwer zu ertragen sind.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zweiter Fall für den sympathischen Pieter Posthumus« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Pieter »PP« Posthumus arbeitet in Amsterdam im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, welches auch »Büro der einsamen Toten« genannt wird. Seine Aufgabe besteht darin, verstorbenen Menschen, die keine Angehörigen haben, auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Jetzt genießt er aber erst mal seinen Feierabend im Dolle Hond, was nicht zuletzt an Anna, seiner Freundin liegt, die das Lokal betreibt. Doch plötzlich steht Nachbarin Marloes blutverschmiert im Türrahmen. In ihrem Gästehaus hat sie gerade die Leiche von Stefan »Zig« Zagorodnii gefunden, den sie nach seiner Arbeit als Stricher im Rotlichtmilieu unter ihre Fittiche genommen hatte.

»PP, PP. Ich ahne, was du vorhast. Nicht schon wieder. Nicht nach allem, was das letzte Mal passiert ist. Geh zur Polizei damit, wenn dir was verdächtig vorkommt.«
»Das hat Anna auch gesagt, allerdings hat sie es ein bisschen deutlicher formuliert.«
»Dann mach es auch.«

Während die Lokalgäste auf die Polizei warten, sieht sich Pieter kurz in dem Zimmer des jungen Mannes um, wo er unter anderem eine Fälschung eines Vermeer-Gemäldes entdeckt. Dies erinnert Pieter an seinen ersten Fall vor gut einem Jahr. Damals wurde ebenfalls ein aus Osteuropa stammender junger Mann unter denkwürdigen Umständen tot aufgefunden. Pieter findet heraus, dass sich die beiden Männer aus dem Rotlichtmilieu kannten und teilt seine Entdeckung Kommissar Flip de Boer mit, der jedoch noch eine weitere Entdeckung macht. Beide Männer hatten jeweils kurz vor ihrem Ableben einen Streit  mit Marloes.

Die Figur des Protagonisten wird von einer großen Empathie getrieben

Das Büro der einsamen Toten war das überraschend starke Debüt von Britta Böhler und Rodney Bolt um den charismatischen Protagonisten Pieter Posthumus, kurz »PP« genannt. Ein Jahr ist es her, dass PP erstmals ein Todesfall verdächtig vorkam und er eigene Ermittlungen anstellte. Diese liefen mächtig aus dem Ruder, führten zu einer Terrorzelle und brachten vor allem seine Nichte Merel in Gefahr. Dies soll nicht noch einmal passieren, obwohl der Tod des jungen Zig denkbar mysteriös erscheint. Für die Polizei ist der Fall klar, Marloes wird angeklagt. Anna ist fassungslos und bittet PP doch noch einmal zu ermitteln, da sie ihre geschätzte Nachbarin schon in einer Nervenheilanstalt sieht.

»PP. Die letzten Monate …ich weiß, ich habe gesagt, du sollst es lassen. Die Sache mit Marloes und all das. Aber vielleicht lag ich falsch. Vielleicht brauchen wir hier den guten alten Pieter Posthumus, der überall seine Nase reinsteckt, was meinst Du? Du denkst doch auch, dass da etwas nicht stimmt, oder? Ich sehe es dir an. Ich kenne dich.«

PP begibt sich also einmal mehr auf Spurensuche und dringt dabei nicht nur in das Amsterdamer Rotlichtmilieu ein. Auch die Kopien berühmter Gemälde bereiten ihm Kopfzerbrechen und dann gibt es da noch Paul. Ein Musiker, der oft im Dolle Hond verkehrt und mehr wie ein Auge auf Anna geworfen hat. Derweil ist die Beziehung zwischen Anna und PP unklar. Man hat sich getrennt ist aber weiterhin eng verbunden. Amsterdam, seine dunklen Ecken und Gassen, wird kenntnisreich beschrieben, wobei das Autorenduo in puncto käuflicher Sex doch eher an der Oberfläche bleibt, statt in die Abgründe der Szenerie einzuführen. Es reicht auch so und passt zu dem insgesamt recht ruhigen Schreibstil. PP stürzt sich in seine Akten, führt zahllose Gespräche und findet letztlich die Auflösung, welche ihn allerdings vor ein weiteres Problem stellt. Abgründe öffnen sich und stellen vor allem Anna auf eine harte Probe. Das Verhältnis zwischen PP und Kommissar Flip de Boer ist noch etwas angespannt, scheint sich aber auf einem guten Weg zu befinden. Vielleicht ermittelt ja künftig die Polizei auch mal ein bisschen. Ansonsten gibt es ein Wiedersehen mit einigen Bekannten wie Merel und dem Dichter Cornelius.

Es empfiehlt sich jedoch unbedingt zunächst den Vorgänger (Das Büro der einsamen Toten) zu lesen, da auf diesen nicht nur inhaltlich eingegangen wird, sondern dieser hier auch eine indirekte »Fortsetzung« erfährt. Wer auf empathische Ermittler wie bei Friedrich Ani steht, findet hier mit Pieter Posthumus einen starken Charakter, der nicht von ungefähr von seinem Freund Cornelius nur »Charon« genannt wird. Eine Anspielung auf jenen Fährmann, der die Seelen über den Styx begleitet.

Jörg Kijanski, September 2016

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