Bühlerhöhe von Brigitte Glaser

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei List.

  • Berlin: List, 2016. ISBN: 978-3-471-35126-0. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2016. Gesprochen von Anne Moll. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3957130476. 8 CDs.

'Bühlerhöhe' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Rosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen Landschaft des Schwarzwalds. Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht und irgendwann um Leben und Tod.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fanatiker, Frischzellen und der Alte aus Rhöndorf« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die Wunden des Krieges und des Völkermords durch die Nationalsozialisten sind 1952 noch frisch. Und so sind die Wiedergutmachungszahlungen, die Deutschland an den jungen Staat Israel leisten will, in Palästina höchst umstritten. Aber auch in der Bundesrepublik muss Kanzler Konrad Adenauer einige politische Kämpfe durchstehen, um das viel diskutierte Gesetz durch den Bundestag zu bringen. In dieser fragilen Lage erfährt der israelische Mossad von einem geplanten Attentat auf den betagten Kanzler. Um den Anschlag gemeinsam mit einem weiteren Agenten zu verhindern, wird die junge Rosa Silbermann unter falschem Namen aus ihrem Kibbuz am See Genezareth in den fernen Schwarzwald geschickt, wo Adenauer ein paar Tage Urlaub verbringen und eine Frischzellen-Kur absolvieren wird. Sie ist für solche Einsätze zwar überhaupt nicht ausgebildet oder darauf vorbereitet, war aber mit ihrer Familie vor der Flucht aus Nazi-Deutschland häufig selbst in der Gegend auf Urlaub – kennt also Land und Leute. Sie fühlt sich bei ihrem Auftrag dennoch nicht wohl, und muss bei dem Verwirrspiel in den mondänen Hotels Hundskopf und Bühlerhöhe mehr als einmal improvisieren, um nicht aufzufliegen – und um ihren Auftrag ausführen zu können.

Politisch brisante Lage als glaubhafter Hintergrund

Brigitte Glaser hat mit ihrem Roman Bühlerhöhe eine interessante Mischung vorgelegt. Es ist ein Agenten- und Polit-Thriller, aber vor allem auch eine Geschichte um die unterschiedlichen Schicksale zweier höchst verschiedener Frauen. Rosa Silbermann und Sophie Reisacher sind zwei völlig unterschiedliche Charaktere, und spielen vor dem Hintergrund des Attentats auf Konrad Adenauer überaus interessante Rollen. Der politische Hintergrund ist von Brigitte Glaser ausgezeichnet recherchiert worden, und wird glaubhaft dargestellt.

Im jungen Staat Israel war man sich tatsächlich überhaupt nicht einig, ob es akzeptabel sei, das deutsche Geld anzunehmen. Untergrundbewegungen wie die Irgun von Menachem Begin, der viel später sogar Premierminister wurde, machten es für die Regierung des jüdischen Staates äußerst schwierig, umstrittene politische Entscheidungen umzusetzen.

Aber auch Adenauer, mit nur einer Stimme Mehrheit – einschließlich seiner seiner eigenen – zum Bundeskanzler gewählt, musste sich energisch für das Wiedergutmachungsgesetz einsetzen. Wäre er bei einem Attentat getötet worden, hätte das für die Gesetzesvorlage mutmaßlich das parlamentarische Aus bedeutet. Es ist in meinen Augen daher durchaus glaubhaft, dass die Irgun – wie im Roman behauptet – Agenten nach Deutschland schickt, um den Kanzler zu ermorden und so das Abkommen zu verhindern.

Vier Frauen werden mit der Vergangenheit konfrontiert

Aber der Kanzler und seine Politik bilden im Grunde nur den groben Rahmen für die Roman-Handlung. Im Fokus stehen vielmehr die beiden starken und hochgradig verschiedenen Frauen.

Neben Rosa und Sophie spielen noch das Zimmermädchen Agnes Rheinschmidt und ihre seltsame Schwester Walburg interessante Nebenrollen. Alle vier Frauen werden durch die aktuellen Ereignisse an ihre Erlebnisse in der Vergangenheit erinnert – allerdings in höchst unterschiedlicher Weise. Gemeinsam ist dem Quartett, dass die vier Frauen das meiste davon gerne vergessen würden.

Der Roman beginnt mit Rosas Rekrutierung, und sie ist auch die Hauptperson des Romans, ihre Antagonistin Sophie ist allerdings fast genauso wichtig. Rosa kann sich dem gefährlichen Auftrag nicht widersetzen, obwohl sie nicht vorbereitet und dadurch hochgradig unsicher ist. Sie hätte sich eine Rückkehr in das Land, dessen Menschen ihre Familie auf dem Gewissen haben, niemals vorstellen können. Zu viele schmerzliche Erinnerungen sind damit verbunden, und die Begegnung mit ihrem einstigen Lebensgefährten, dem Vater ihres Sohnes, wird für Rosa zur emotionalen Belastung.

Vor Normalität ist Deutschland 1952 noch weit entfernt

Sophie Reisacher spioniert hinter Angestellten und Gästen her, stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie will unbedingt gesellschaftlich aufsteigen, möglichst durch eine vorteilhafte Eheschließung, nachdem sie als Elsässerin während des Krieges fatale Entscheidungen getroffen hatte. Aber auch jetzt noch setzt sie auf die falschen Männer. So wie Sophie dürfte es in den 50er Jahren etlichen Frauen gegangen sein. Zerstörte Träume, entwurzelt, verzweifelt auf der Sucher nach Anerkennung und materieller Sicherheit.

Agnes und Walburg haben sich dagegen mit ihrem bescheidenen Leben und ihrer gesellschaftlichen Position eingerichtet, und wollen vor allem nicht mehr an die Vergangenheit erinnert werden. Die taucht jedoch in Gestalt von Männern auf, die sich immer noch verhalten wie während der Zeit des Faschismus oder kurz danach. Waffenhändler, Schieber, Geheimdienst-Agenten – es ist schon eine spannende Mischung, die da präsentiert wird. Glaser macht deutlich, dass 1952 von irgend einer Form von Normalität in Deutschland noch lange keine Rede sein kann.

Lesenswerte Geschichte mit Rätseln aus Gegenwart und Vergangenheit

Bühlerhöhe ist sicherlich kein rasanter Agenten-Thriller, aber eine in meinen Augen überaus lesenswerte Geschichte, mit guten Dialogen, und gespickt mit vielen Rätseln aus Gegenwart und Vergangenheit. Die ständigen Perspektiv-Wechsel werden dem Leser durch Ortsangaben am Beginn eines jeden Abschnitts leicht gemacht. Brigitte Glaser baut stetig Spannung auf, im dramatischen Finale geht es sogar nochmals richtig zur Sache. Man merkt bei der Lektüre, dass der Autorin ihre Hintergrundthemen wichtig sind. Es geht um das schwierige Thema Wiedergutmachung, um die Neuorientierung der Gesellschaft in Nachkriegsdeutschland – und auch um die Wiederbewaffnung der Deutschen. Brisante Themen, die hervorragend angerissen werden. Mehr wäre kaum möglich gewesen, ohne das Buch zu überfrachten. So ist Bühlerhöhe eine gut und lesenswert erzählte Geschichte geworden, die den Leser mit ihren Rätseln in Atem hält.

Andreas Kurth, Dezember 2016

Ihre Meinung zu »Brigitte Glaser: Bühlerhöhe«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Mohnblume zu »Brigitte Glaser: Bühlerhöhe« 01.09.2016
Meine Meinung zum Buch und Autorin:Brigitte Glaser hat einen hervorragenden Roman geschaffen mit Geschichtlichem Hintergrund, es geht um erster Linie um die Wiedergutmachungsgesetz der jungen Bundesrepublik, das in Israel teilweise nicht willkommen war und sehr umstritten waren. Besonders der Israelischen Extremistengruppen, war das ein Dorn im Auge . Das kommt hier deutlich zur Sprache. Das ganze spielt 1952 im Schwarzwald auf der Bühlerhöhe , in dem Nobelhotel das noch heute steht. Dort begegnen wir Rosa die, als Kind in Deutschland gelebt hat und mit ihrer Schwester Rachel als einzige den Holocaust überlebt hat, und mit ihr nach Israel floh, wo Rosa im Kibbuz arbeitete . Rosa, hat man dort auserkoren, als Agentin nach Deutschland zu Reisen um Adenauer vor einem geplanten Attentat zu schützen, das auf der Bühlerhöhe stattfinden soll, wo Bundeskanzler Konrad Adenauer seinen jährliche Urlaub verbringt nebst Frischzellenkur. Es läuft nicht alles so nach Plan, Ari ihr Partner der dort auf sie zu stoßen soll, kommt fiel später wie geplant. Da ist auch noch die Hausdame Sophie, die Rosa misstrauisch beäugt und nach spioniert, beide sind sich nicht grün. Sophie hütet auch noch ein dunkles Geheimnis und ist nur auf ihren Vorteil bedacht, kein umgänglicher Mensch, für mich. Auch Ari, scheint ein Geheimnis zu umgeben, er lässt sich so schnell nicht hinter die wahre Fassade schauen. Überhaupt läuft auf der Bühlerhöhe und der Umgebung so manches aus dem Ruder, von Mord Intrigen und Waffengeschäften, tut sich so einiges. Wir begegnen vielen Menschen, mit eigenartigem Charakter, die sich am Ende ganz anders entpuppen. Der Schein trügt, wenn man hinter die einzelnen Fassaden blickt. Ob, Rosa es gelingt den Anschlag zu verhindern, oder ob Sophie ihr auf die Schliche kommt das sie in Wahrheit eine Agentin ist, das sei in Frage gestellt und soll jeder selber heraus finden.Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen, ersten bin ich Jahrgang 1952, wo es spielt, und war schon öfters im Schwarzwald. Die ganze Geschichte hat mich sehr fasziniert, man konnte so richtig schön abtauchen und vergangenes Revue passieren lassen. Der Schreibstil der Autorin fand ich sehr klar, Wortgewaltig und mitreißend. Alles ist sehr Bildhaft und real geschildert, man sieht alles vor dem geistigen Auge ablaufen. Auch kann man sich sehr gut in die einzelnen Protagonisten hinein versetzen, erlebt die Schmerzhafte Erinnerungen von Rosa und auch einigen anderen Personen wie Agnes, die schlimmes erlebt hat. Die einzelnen Charaktere und Emotionen sind sehr gut heraus gearbeitet. Einfach ein sehr großer und packender Roman, einer Geschichte der sie ihre Stimme verliehen hat, ein Zeitzeugnis deutscher Geschichte.„ Ein Bildstarker , Facettenreicher und mitreißender Roman „
wampy zu »Brigitte Glaser: Bühlerhöhe« 30.08.2016
Buchmeinung zu Brigitte Glaser - Bühlerhöhe

„Bühlerhöhe“ ist ein Roman von Brigitte Glaser, der 2016 bei List als Hardcover erschienen ist.

Zum Autor:
Brigitte Glaser, geboren am 18. März 1955 in Offenburg, wuchs im Badischen auf. Sie studierte in Freiburg Pädagogik und wechselte danach nach Köln, wo sie heute als Medienpädagogin in der Erwachsenenbildung arbeitet. 

Meine Meinung:
Im Mittelpunkt des Romans stehen die drei starke Frauen Rosa, Sophie und Agnes, von denen jede ihr eigenes Trauma zu bewältigen hat. Im Laufe des Romans erfährt der Leser immer mehr über die Ursache des jeweiligen Traumas. Dazu schildert die Autorin die Erinnerungen, die bei ihren Akteuren hervorbrechen. Diese Erinnerungen helfen dem Leser dabei, die Handlungen der Frauen zu verstehen. Es entsteht auch eine starke emotionale Bindung zu den Frauen, auch wenn diese nicht immer positiv ist. Durch viele Orts- und Perspektivwechsel wird das Tempo und die Spannung erhöht. Dazu kommt noch ein gewaltsamer Todesfall im Umfeld des Hotels. Trotz dieser Vorkommnisse ist das Erzähltempo eher beschaulich und der Schwerpunkt des Romans liegt eindeutig auf den Frauenschicksalen. Auf mich wirkten die Szenen rund um den Attentatsversuch auf den Bundeskanzler eher störend und nebensächlich. Die Faszination geht von der Charakterisierung der Figuren aus, die alle sehr komplex gestaltet sind. Dazu erfährt der Leser einige historische Aspekte aus dieser Zeit, vor allem über die Wiedergutmachungsverträge und die Situation in den jüdischen Gebieten Palästinas. Die Sprache ist klar, aber auch einfühlsam und passt sehr gut zur Geschichte. Die Rolle der Männer in diesem Roman ist eher unrühmlich und kein Ruhmesblatt für das männliche Geschlecht.

Fazit:
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, insbesondere die komplexen Charaktere der weiblichen Hauptfiguren Rosa und Sophie. Dazu wurde mein Schulwissen über diese Zeit auf angenehme Art aufgefrischt. Leichte Abzüge gibt es für den Showdown um den Attentatsversuch, den ich als störend empfand. Ganz sicher ist dies kein Kriminalroman oder ein Spionageroman, sondern eine beeindruckende Schilderung von Frauenschicksalen in der Nachkriegszeit. Meine Wertung lautet fünf Sterne (90 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.
leseratte1310 zu »Brigitte Glaser: Bühlerhöhe« 29.08.2016
Konrad Adenauer plant einen Aufenthalt auf der Bühlerhöhe. Auf ihn ist ein Anschlag geplant. Der israelische Geheimdienstes will aus wirtschaftlichen Interessen verhindern, dass Adenauer etwas passiert und schickt die junge Rosa Silbermann in das Nobelhotel Bühlerhöhe. Rosa arbeitet zwar für den Geheimdienst, ist aber keine Agentin, doch sie kennt sich in der Gegend gut aus. Ein Agent wird ihr zur Seite gestellt, der aber erst im Schwarzwald dazu stoßen soll, die beiden sollen als Ehepaar auftreten. Aber Ari erscheint nicht und so muss Rosa sehen, wie sie zurechtkommt. Auf der Bühlerhöhe führt die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher ihr Regiment.
Die Buchbeschreibung hatte mich gleich angesprochen und ich muss nun sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Alles rankt sich um Konrad Adenauer, aber er spielt nur eine Nebenrolle. In der Hauptsache geht es um die agierenden Frauen in dieser Geschichte.
Der wundervolle Schreibstil hat mich begeistert. Ich habe mich in den Schwarzwald versetzt gefühlt und konnte die Atmosphäre dieses Hotels miterleben. Die Charaktere sind interessant und gut beschrieben. Rosa ist in Köln gebürtig und war als Kind im Schwarzwald in Ferien. Das ist nicht unbedingt etwas, das sie für einen Auftrag des Geheimdienstes prädestiniert und so kommt es, wie es kommen muss, es läuft nicht alles glatt. Sophie ist misstrauisch, neugierig und schreckt vor nichts zurück, um sich Informationen zu beschaffen. Rosa mag sie von Anfang an nicht.
Es hat ein wenig gedauert, bis die Geschichte in Schwung kam, aber dann ist sie spannend und beschert immer wieder unverhoffte Wendungen. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch überall spürbar und die Menschen versuchen immer noch mit der Vergangenheit fertig zu werden. Wir lernen ganz nebenbei ein Stück Zeitgeschichte kennen.
Ein spannende Geschichte mit interessanten Persönlichkeiten.
Ihr Kommentar zu Bühlerhöhe

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: