Brett Halliday

Brett Halliday wurde als Davis Dresser am 31. Juli 1904 in Chicago, US-Staat Illinois, geboren. Früh zog die Familie in das westliche Texas um, wo Davis aufwuchs. Noch als Kind geriet er in Stacheldraht und verlor dabei ein Auge. Trotzdem ist es ihm nach eigener Auskunft angeblich gelungen, mit 14 Jahren in die US-Kavallerie einzutreten und an der Jagd auf den mexikanischen Rebellenführer Pancho Villa teilzunehmen, bevor seine Minderjährigkeit offenbar und er an die Luft gesetzt wurde.

Gesichert ist, dass Dresser nach der High School auf den Ölfeldern von Texas bis Kalifornien arbeitete. Später besuchte er das Tri-State College in Indiana. Dresser studierte Bauingenieurwesen und war nach seinem Abschluss in dieser Branche tätig. Da sich Erfolg und Einkommen in Grenzen hielten, versuchte sich Dressler 1927 erstmals als Autor. Er schrieb Liebesgeschichten für die zeitgenössischen Magazine, denen Masse über Klasse gingen und die deshalb auch Nachwuchsschreibern eine Chance gaben. Allerdings war die Bezahlung schlecht. Dresser musste also möglichst schnell und viel schreiben bzw. produzieren. Er tat dies unter Pseudonymen wie »Anthony Scott« und »Elliot Storm«, zu denen sich 1938 »Asa Baker« gesellte: Dresser veröffentlichte mit Mum’s the Word für Murder, einer Mischung aus modernem Western und Krimi, seinen ersten Roman.

Auf dem Markt für Kriminalgeschichten hatte sich Dresser seit 1935 versucht, blieb aber erfolglos, bis der Verlag Henry Holt & Co. 1939 »Dividend on Death« veröffentlichte. Als »Brett Halliday« schrieb sich Dresser die Rolle eines Mordverdächtigen auf den Leib, der den irischstämmigen Privatdetektiv Michael »Mike« Shayne um Hilfe bittet. Dieser löste nicht nur den Fall, sondern sorgte auch für vielversprechende Verkaufszahlen, sodass Halliday – jetzt nur noch Autor – flugs ein zweites Abenteuer folgen ließ. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte: Seit The Private Practice of Michael Shayne (1940) ist Shayne ein fixer Bestandteil der (trivialen) US-Krimi-Geschichte, die er bis 1976 durch insgesamt 68 Romane mit turbulenter aber sauber geplotteter Handlung bereicherte. 1956 wurde sogar ein eigenes Mike Shayne Mystery Magazine ins Leben gerufen, das Storys im Stil des Namenspatrons bot; es hielt sich bis 1990.

Halliday gelang das seltene Kunststück, handwerkliches Geschick mit der Schaffung einer Figur zu verbinden, die trotz (oder wegen) simpler, sauber akzentuierter Grundsätze weltweit die Sympathie des Lesers fand. Mit Shaynes Charakter experimentierte Halliday nie, während er die Welt, durch die sich sein Detektiv bewegt, stets ein wenig vage hielt. Sie ließ sich problemlos modernisieren, während die grundsätzlichen Qualitäten der Serie erhalten blieben. Deshalb ist der Mike Shayne von 1976 immer noch der Mike Shayne von 1939, zumal er niemals alterte.

Auch das zeitgenössische Kino wurde rasch auf einen Detektiv aufmerksam, der vor allem Held war und dabei gerade so viele Ecken und Kanten aufwies, um markant zu sein aber möglichst wenige zahlende Zuschauer vor die Köpfe zu stoßen. Zwischen 1940 und 1947 entstanden 13 kostengünstige B-Movies, in denen Lloyd Nolan und nach dem II. Weltkrieg Hugh Beaumont Mike Shayne spielten. 1960/61gab Richard Denning die Rolle in einer kurzlebigen TV-Serie. Darüber hinaus gab es in den 1940er und 50er Jahren mehrere Hörspiel-Staffeln.

Weil Shayne und Shaynes Welt auf bestimmte Grundstrukturen beruhten, musste es nicht Halliday sein, der Shaynes Abenteuer schrieb. Tatsächlich gab Halliday 1958 seine Serie ab. Zwar stand weiterhin sein verkaufsförderlicher Name auf dem Umschlag, doch andere Autoren – darunter immerhin große Namen wie Dennis Lynds (= Michael Collins) oder Bill Pronzini – ´ghosteten´ nun die Shayne-Krimis; Halliday behielt sich die Endredaktion vor, um die Stringenz der Serie zu garantieren.

Dresser gehörte im März 1945 zu den Gründungsmitgliedern der »Mystery Writers of America«. Diese zeichneten ihn 1953 mit einem »Edgar Award« für seine fachkundigen Krimi-Rezensionen aus. Seit 1946 war Dresser mit Helen McCloy (1904-1993) verheiratet, die ebenfalls Kriminalromane schrieb. Sie gründeten gemeinsam eine Literaturagentur, die zwischen 1953 und 1964 die Mike-Shayne-Krimis veröffentlichte. Die Ehe scheiterte, und Dresser heiratete Kathleen Rollins, mit der er unter dem gemeinsamen Pseudonym die Krimis Before I Wake (1949) und A Lonely Way to Die (1950) schrieb. Auch diese Beziehung war nicht von Dauer. Mit Mary Savage heiratete Dresser abermals eine Autorin.

Nach einem langen Ruhestand in seinem südkalifornischen Heim ist Davis Dresser am 4. Februar 1977 gestorben. Mike Shayne starb mit ihm – nach 37 Jahren wurde die Serie eingestellt. [Michael Drewniok]

 Krimis von Brett Halliday

  • Mike Shayne:
    • (1997) Dividend on Death
    • (1940) The Private Practice of Michael Shayne
    • (1940) The Uncomplaining Corpses
    • (1941) Das kleine Haus am Strand
      Tickets for Death
    • (1941) Bodies Are Where You Find Them
    • (1942) The Corpse Came Calling
    • (1943) Das Gesicht am Fenster
      Murder Wears a Mummer’s Mask / In a Deadly Vein
    • (1943) Sein bester Zeuge
      Blood on the Black Market / Heads You Lose
    • (1944) Hier irrt Captain Denton
      Michael Shayne’s Long Chance
    • (1944) Geheimnisvoller Mittwoch
      Murder and the Married Virgin
    • (1945) Ich lebe von Mord!
      Murder is My Business
    • (1945) Bleib nicht in Miami, Mike Shayne
      Marked for Murder
    • (1946) Im Wasser der Bucht
      Blood on Biscayne Bay
    • (1947) Das Mitternachts-Flugzeug / Die falsche Frau
      Counterfeit Wife
    • (1948) Mord am Hochzeitstag
      Blood on the Stars
    • (1949) Ein Mann liefert sich aus
      A Taste for Violence
    • (1949) Das verlorene Gedächtnis
      Call for Michael Shayne
    • (1950) Ruhe ist die erste Mörderpflicht
      This Is It, Michael Shayne
    • (1951) Zweimal zwei ist fünf / Das Loch in der Tasche
      Framed in Blood
    • (1952) Nichts als Tatsachen
      What Really Happened
    • (1951) Wenn Dorinda tanzt
      When Dorinda Dances
    • (1953) Die Nacht mit Nora
      One Night with Nora / The Lady Came by Night
    • (1954) Nach dem dritten Martini
      She Woke to Darkness
    • (1955) Sein 26. Fall / Ein Toter kommt selten allein
      Death Has Three Lives
    • (1955) Ein Fremder in Brockton
      Stranger in Town
    • (1956) Das Narbengesicht
      The Blonde Cried Murder
    • (1957) Mit gezinkten Karten
      Weep for a Blonde
    • (1957) Shoot the Works
    • (1958) Murder and the Wanton Bride
    • (1958) Lady Dynamit
      Fit to Kill
    • (1959) Date with a Dead Man
    • (1959) Target: Michael Shayne
    • (1959) Die Like a Dog
    • (1960) Murder Takes No Holiday
    • (1960) Dolls are Deadly
    • (1960) Die mörderische Jungfrau
      The Homicidal Virgin
    • (1961) Eine heisse Sache
      Killers from the Keys
    • (1961) Mord in Eile
      Murder in Haste
    • (1961) Smaragde aus Kuba
      The Careless Corpse
    • (1962) Das tödliche Rezept
      Pay-Off in Blood
    • (1962) Erhol dich gut in Florida!
      Murder by Proxy
    • (1962) Kunden werden nicht erstochen
      Never Kill a Client
    • (1962) Freundlich, aber tot
      Too Friendly, Too Dead
    • (1963) Jeden Freitag
      The Corpse That Never Was
    • (1963) The Body Came Back
    • (1964) A Redhead for Michael Shayne
    • (1964) Mit rauchendem Revolver
      Shoot to Kill
    • (1964) Michael Shayne’s 50th Case
    • (1965) Seine Tochter will das nicht
      The Violent World of Michael Shayne
    • (1965) Der Tip seines Lebens
      Nice Fillies Finish Last
    • (1966) Der Coup im dritten Rennen
      Murder Spins the Wheel
    • (1966) Blondes Gift aus Paris
      Armed ...Dangerous ...
    • (1967) Nixe, eiskalt
      Mermaid on the Rocks
    • (1967) Teufel in Person
      Guilty as Hell
    • (1968) Wodka mit Nachgeschmack
      So Lush, So Deadly
    • (1968) Schnappschuss mit Schalldämpfer
      Violence is Golden
    • (1969) Schnaps, Hasch und Miezen
      Lady, Be Bad
    • (1970) Mordwaffe mit Sex-Appeal
      Six Seconds to Kill
    • (1970) Tod kennt keine Halbzeit
      Fourth Down to Death
    • (1971) Count Backwards to Zero
    • (1971) Schulden bei der Mafia
      I Come to Kill You
    • (1972) Dicke Luft in Caracas
      Caught Dead
    • (1973) Machen Sie mit, Mike Shayne
      Kill All the Young Girls
    • (1973) Blue Murder
    • (1974) Last Seen Hitchhiking
    • (1974) Heisse Ware aus Haifa
      At the Point of a .38
    • (1976) Million Dollar Handle
    • (1976) Win Some, Lose Some
  • Mike Shayne-Storysammlungen:
    • (1945) Dead Man’s Diary and Dinner at Dupre's
    • (1948) Michael Shayne’s Triple Mystery
    • (1959) Dead Man’s Diary and A Taste for Cognac
  • Sonstige:
    • (1938) Nicht ein Wort von Mord (als Asa Baker)
      Mum’s the Word for Murder
    • (1949) Mörder am Morgen (mit Kathleen Rollins; als Hal Debrett)
      Before I Wake
    • (1950) A Lonely Way to Die (mit Kathleen Rollins; als Hal Debrett)
    • (1954) Death Is a Lovely Dame (mit Ryerson Johnson; als Matthew Blood)
  • als Herausgeber:
    • (1951) 20 Great Tales of Murder (mit Helen McCloy)
    • (1955) Dangerous Dames
    • (1958) Big Time Mysteries
    • (1959) Murder in Miami: Mike Shayne Selects Ten Cases of Top Mystery Writers
    • (1961) Best Detective Stories of the Year: 16th Annual Collection
    • (1961) Murder Murder Murder: 10 Tales from 20 Great Tales of Murder (mit Helen McCloy)

Anmerkung: Hier nicht gelistet werden die unter den Pseudonymen Kathryn Culver, Don Davis, Anthony Scott, Peter Field und Anderson Wayne erschienenen Western oder Liebesgeschichten.

Mehr über Brett Halliday:

  • Mike Shayne (Brett Halliday), in: David Geherin: The American Private Eye: The Image in Fiction, New York 1985, S. 84-92
  • Miami Detectives – The South Unsouthed: Brett Halliday, John D. MacDonald, Elmore Leonard, Charles Willeford, Carl Hiaasen, in: J. K. VanDover – John F. Jebb: Isn’t Justice Always Unfair? The Detective in Southern Literature, Bowling Green : State University Press 1996, S. 325-356

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