Boris Akunin

»Ich spiele leidenschaftlich gern. Früher habe ich Karten gespielt, dann strategische Computerspiele. Schließlich stellte sich heraus, dass Krimis schreiben noch viel spannender ist als Computerspiele. Meine ersten drei Krimis habe ich zur Entspannung geschrieben.«

So einfach war es für Boris Akunin in Russland also, eine Bestseller-Legende zu werden.

Seinen ersten Krimi veröffentlichte der 1956 geborene Moskauer Philologe, Kritiker, Essayist und Japanologe Grigori Tschchartischwili 1998. Und trat damit eine Lawine los. Akunins Romane haben ihren Weg ins Englische, Französische, Deutsche sowie ins Japanische übersetzt gefunden, wurden verfilmt und sogar Hollywood hat schon angeklingelt. Die Gesamtauflage hat in Russland die Marke von zehn Millionen erreicht.

Zuvor war Boris Akunin langjähriger Mitarbeiter und Redakteur von »inostrannaja gazeta« – kurz »innostranka« (»Ausländische Literatur«). Zum Kriminalroman kam der Sohn einer Lehrerin und eines Armeeoffiziers über den weiblichen Teil seiner nähesten Verwandtschaft: Sowohl Mutter als auch Gattin hatten ein Faible für Kriminal-Groschenromane, die es seinerzeit an Moskauer Zeitungskiosks gab. Nur – der Ruf dieser Heftchen war alles andere als der eines intellektuellen Zeitvertreibs. Weswegen sich Tschchartischwili zum Autoren-Dasein unter einem Pseudonym entschied.

Wofür das Pseudonym »Boris Akunin« steht? Dafür gibt es zwei Erklärungen: Ein »akunin« ist im Japanischen ein »schlechter, böser Mensch mit großer Willensstärke«, quasi ein Bösewicht von Format. Andererseits sehen viele in diesem Pseudoym eine Anspielung auf den großen Anarchisten Bakunin. Ein Vorgeschmack auf die brillianten Bücher eines großen Autors.

Zur Zeit schreibt Boris Akunin an drei Serien gleichzeitig: die Abenteuer des Erast Fandorin (Schauplatz Russland um 1900), die Abenteuer der Schwester Pelagija und die Abenteuer des Nicholas Fandorin. Der letztgenannte ist Enkel des Erast Fandorin, demzufolge spielt die Serie in der heutigen Zeit. Boris Akunin schreibt diese Reihe aus zwei Perspektiven. Zum einen aus der des Cornelius von Dorn, der erste Von Dorin, der sich in Russland niederließ und aus der Sicht Sir Nicholas Fandorins, eines britischen Adligen, der in die Heimat seiner Vorfahren zurückkommt.

Akunin bleibt also seinem Faible fürs Fin de siècle treu. Nicht nur, weil er selbst ein großer Fan der Klassiker der Kriminalliteratur dieser Zeit ist (Vergleiche von Fandorin mit Sherlock Holmes schmeicheln dem Georgier, seine Schwester Pelagia betrachtet er selbst als Mischung aus Father Brown und Miss Marple), sondern auch der russischen Literatur der Zeit. So versucht er konsequent, Motive und Stile von Fjodor Dostojewski oder Leo Tolstoi in seine Kriminalromane einzupflechten. Dass ein Großteil seiner Leserschaft dies nicht bemerke, nimmt Akunin mit einem Schulterzucken auf – und widmet sich seiner nächsten Idee: einer Romanreihe, wobei jeder Band nach einem Genre benannt ist. Die ersten drei sind schon geschrieben.

Krimis von Boris Akunin:

»Akunin erzählt in bester russischer Tradition, grotesk wie Gogol, dunkel wie Dostojewski, unterhaltsam bis zuletzt.« (Die Woche)

»Als Versuch, die russische Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ohne sie zu instrumentalisieren, sind Akunins Bücher nicht nur unterhaltsam, sie haben zudem auch Erkenntniswert.« (Tagesspiegel)

»Sherlock Holmes, Maigret, James Bond, ein bißchen von allem, aber doch ganz anders, mit russischer Seele eben und allem, was dazu gehört. Und, das ist das Neue, die Geschichten sind mit einer Leichtigkeit erzählt, wie es sie in Rußland bisher nicht gab. Akunins Geschichten sind nicht nur spannend, sie sind auch intelligent und gut geschrieben, mit manchen Anspielungen auf die Gegenwart.« (ARD)

Mehr über Boris Akunin:

  • Baraban, Elena V.: »A Country Resembling Russia: The Use of History in Boris Akunin´s Detective Novels.« In: Slavic and East European Journal, 2004, S. 396-420.
  • Hanik, Kathrin: »Exklusivinterview mit Boris Akunin.« In: krimi-forum.net, Oktober 2003.
  • Gilchrist, Jim: »Tsar ´tec enterprise.« In: Scotsman, 12.05.2006.
  • Martynova, Olga: »Boris Akunin: Der Kurier des Zaren.« In: Der Tagesspiegel, 22.09.2001.
  • Ress, Jasper: »The Masked Man.« In: Telegrapgh, 19.04.2004.
  • Tsiplakov, Georgii: »Evil Arising on the Road and the Tao of Erast Fandorin.« In: Russian Studies in Literature: A Journal of Translations, 2002, S. 25-61.
  • Whittell, Giles: »A Russian’s revolution.« In: The Times, 06.08.2005.

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