Selbs Justiz von Bernhard Schlink

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Mannheim, Heidelberg & Umgebung, 1990 - 2009.
Folge 1 der Gerhard-Selb-Serie.

  • Zürich: Diogenes, 1987. ISBN: 3-257-21543-6. 298 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. ISBN: 978-3866152731. 220 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2002. Gesprochen von Hans Korte. ISBN: 3899030486. 7 CDs.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2011. Gesprochen von Hans Korte. ISBN: 978-3-257-80307-5. 7 CDs.

'Selbs Justiz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Privatdetektiv Gerhard Selb, 68, wird von einem Chemiekonzern beauftragt, einem »Hacker« das Handwerk zu legen, der das werkseigene Computersystem durcheinanderbringt. Bei der Lösung des Falles wird er mit seiner eigenen Vergangenheit alsjunger, schneidiger Nazi-Staatsanwalt konfrontiert und findet für die Ahndung zweier Morde, deren argloses Werkzeug er war, eine eigenwillige Lösung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sympathisch: die Natürlichkeit der Charaktere« 69°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Selbs alter Schulfreund Korten ist Direktor der Rheinischen Chemiewerke (RCW) in Ludwigshafen. Koten erteilt Selb den Auftrag, herauszufinden, wer der Verursacher für die Unregelmäßigkeiten im Computernetz der Firma ist. Einigen Mitarbeitern wird zuviel Gehalt überwiesen, die Bestellung von hundert Rhesusaffen wurde auf hunderttausend geändert und ähnliche Kleinigkeiten stören den Geschäftsablauf. Verdächtigt wird der Mitarbeiter Schneider, nachdem dessen Spielschulden bekannt wurden. Eine Explosion in Schneiders Labor, bei dem Selb leicht verletzt wird, verstärkt den Verdacht, zumal Schneider gerade an diesem Tag abwesend war. Als sich Schneider erhängt, gilt der Fall als gelöst und Selb wird von seinen Ermittlungen entbunden. Doch wenig später geschehen weitere unbefugte Computer-Zugriffe, Selb ist weider im Geschäft.

Als Selb feststellt, dass zur Emissionsdatenerfassung eine externe Firma an das Computernetz angeschlossen ist, verlagert er seine Ermittlungen in diese Richtung. Als Journalist getarnt lässt er sich dort von dem sympathischen und sehr fähigen Mitarbeiter Peter Mischkey über alle Einzelheiten informieren. Schon recht schnell wird ihm klar, dass Mischkey sein Mann ist. Er beobachtet ihn und stellt fest, dass er mit Frau Buchendorff, einer Sekretärin der RCW eng befreundet ist. Mit einem Trick stellt Selb den Täter.

Als Selb nach Abschluß der Ermittlungen aus seinem Griechenland-Urlaub zurückkehrt, erwartet ihn ein neuer Fall. Frau Buchendorff beauftragt ihn, Ermittlungen über den Unfalltod von Peter Mischkey anzustellen. Sie glaubt, dass er ermordet wurde.

Was den Roman so sympathisch macht, ist die Natürlichkeit der handelnden Personen. Alles Leute mit zumindest einem kleinen Spleen, wie ihn fast jeder hat. Vielleicht bei Selb, der seinen Weihnachtsbaum immer etwas unkonventionell schmückt, diesmal mit leeren Ölsardinendosen, etwas dick aufgetragen, aber gerade das macht ihn so liebenswert.

Zudem spielt der Roman in einem realen Gebiet, das sicher viele Leser persönlich kennen und so gut nachvollziehen können, wo sich der Detektiv bewegt. Wohnhaft in Mannheim führen ihn seine Fälle meist in der Gegend zwischen Ludwigshafen und Heidelberg kreuz und quer hin und her. Dabei werden sogar Straßennamen und markante Punkte erwähnt, so daß der Ortskundige das Geschehen genau mitverfolgen kann. Diesmal muß er für die Lösung seiner Fälle sogar Abstecher nach Amerika, nach Frankreich und zum Lago Maggiore machen.

Ebenfalls positiv, dass das Leben eines Privatdetektivs hier einigermaßen realistisch dargestellt wird. Es geht nicht nur um einen Kriminalfall. Selb hat natürlich zwischendurch auch andere Fälle zu lösen und nicht alle führen zu einem positiven Abschluß. Auch sein Privatleben kommt nicht zu kurz. Es nimmt sogar einen relativ zentralen Teil der Handlung ein. Durch den ständigen Wechsel zwischen Privatleben und seiner Arbeit wirkt jedoch das Geschehen ab und an etwas zerrissen.

Schlinks Schreibweise ist nicht so, wie man sie von einem Juristen erwarten würde. Seine Sätze sind meist kurz, doch oft mit Ironie und kleinen Pointen versehen. Da der Leser immer nah am Geschehen ist, ist das Buch sehr leicht und flüssig lesbar. Kurze Kapitel sorgen zudem dafür, dass man noch eines und dann noch eines liest und somit schnell mit dem Roman durch ist.

Vom Kriminalistischen her ist die Logik nicht immer nachzuvollziehen. Die Figur des Detektivs Selb lebt oft von seinen Ahnungen und Mutmaßungen, weniger von logischen Schlüssen und klaren Beweisen. Und wie in »Selbs Betrug« spielt auch hier wieder die Vergangenheit, in der Selb Staatsanwalt im Nazi-Regime war, eine große Rolle. Schlink gibt dem Leser dabei einige Anregungen, über die Handlungen der Menschen in dieser Zeit nachzudenken, ohne jedoch dabei großartig in die Tiefe zu gehen.

Dieser Selb ist eine nette Abwechslung gegenüber amerikanischen oder englischen Krimi-Helden.

Das meinen andere:

»Mit Bernhard Schlink und Walter Popp ist ein äußerst vielversprechendes deutsches Autorenduo hervorgetreten, das im Bereich des gut geschriebenen und gesellschaftskritischen Kriminalromans neue Akzente setzt. Ein Buch, das größtes Lesevergnügen verspricht.« (Volksstimme, Wien)

»Selb hat alle Anlagen, den großen englischen, amerikanischen und französischen Detektiven, von Philip Marlowe bis zu Maigret, Paroli zu bieten, auf seine ganz spezielle, deutsche, selbsche Art.« (Wochenpresse, Wien)

»Man darf mit Recht gespannt sein auf die angekündigten weiteren Ermittlungen Selbs.« (Mannheimer Morgen)

Ihre Meinung zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz«

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Darix zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 12.09.2013
Der Privatdetektiv Gerhard Selb wird in einem Mannheimer Chemieunternehmen beauftragt einen Hacker zu finden. Ende der 80er Jahre, in dem der Roman von Schlink/Popp spielt war dies noch nicht ein so häufiges Phänomen. Sehr beeindruckend mit welchen „technischen Weitblick“ die Autoren agierten. Die Einbindung der jüngeren deutschen Geschichte, die äußerst verständliche und präzise Sprache ermöglicht ein Lesevergnügen, worüber nur wenige deutschsprachige Wortakrobaten verfügen. Und dies ohne Rechthaberei, es fehlt auch jegliche gut gemeinte „Belehrsamkeit“.
Im Hauptstrang ermittelt Privatdetektiv Selbs, ein ehemaliger Nazi-Staatsanwalt bei seinem Jugendfreund und Mannheimer Großindustriellen. Selbs arbeitet nicht ausschließlich an einem Fall, sondern ermittelt parallel an einem Verdachtsfall von Versicherungsschwindel. Dieser Strang ist im Lesefluss nicht störend sondern eine Ergänzung des Plots. Interessant wirken die persönlichen Reflexionen des ehemaligen Staatsanwalts. Schlink reflektiert über persönliche Schuld, Sühne und Verdrängung. Selbs Justiz ist ein spannender und sehr klar zu lesender Kriminalroman.
Michelin zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 17.04.2013
Es gibt da zwei Inkonsistenzen, die mir gleich zu Anfang der ersten beiden Romane aufgefallen sind: ein Smogalarm, der zuerst zu Recht, ein paar Seiten später zu Unrecht ausgelöst worden sein soll ("Selbs Justiz"). Und das Altern Selbs im Zeitraum von 5 Jahren (Abstand der beiden ersten Bände) um ein Lebensjahr. Beide Widersprüche lassen sich nicht auflösen. Schlampige Arbeit?
SukRam zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 09.07.2010
So richtig weiß man nicht, was man von diesem Roman halten soll: Der Protagonist ist sehr sympathisch, seine finstere Vergangenheit als Nazi-Staatsanwalt ein Problem, über das man gern mehr gelesen hätte.
Der Computer-Hacker-Fall und die Versicherungsermittlungen langweilten mich ein wenig, auch wenn sie sich doch von anderen Kriminalromanen unterscheiden.
Was für viele ein klarer Stil ohne sprachliche Verschnörkelungen ist, kann manchen Leser schnell vergraulen.
Lediglich das Ende in bester Richter-und-sein-Henker-Manier finde ich voll und ganz gelungen.

Meine Wertung: 71°
Larissa zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 16.06.2010
Diese seite hier hat mir sehr geholfen für meine Deutschklausur morgen :) Wir schreiben über das buch eine Textanalyse. Ich finde dieses Buch eigentlich absolut langweilig und öde. Das kann aber auch daran liegen, dass wir es lesen müssen. Vielleicht wäre es wenn man es privat daheim liest besser. Aber das kann ich nicht beurteilen. Für die Schule ist es jedoch absolut unpassend!
Matthias zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 02.10.2009
Ich finde das Buch ziemlich langweilig, und als Schullektüre noch langweiliger... Pasender wären in der 13. Klasse Schiller o.ä.. vielleicht entspricht mein Kommentar nich eurem Kommentar aber ich finde das Buch schlecht geschrieben und etwas kindlich.
Vielleicht liegt es daran dass ich sowieso Krimis hasse!? :D Nya viel spaß noch
detno zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 07.04.2009
Ausnahmsweise mache ich es mir sehr einfach und zitiere Peter Kümmel (siehe oben):

"Schlinks Schreibweise ist nicht so, wie man sie von einem Juristen erwarten würde. Seine Sätze sind meist kurz, doch oft mit Ironie und kleinen Pointen versehen. Da der Leser immer nah am Geschehen ist, ist das Buch sehr leicht und flüssig lesbar".

Abzüge gebe ich, weil mich der Schluss nicht so recht überzeugen konnte.
"Selbs Justiz", da könnte man auch noch das "T" einfügen.
75°
attujna zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 23.02.2008
den inhalt des buches fand ich einfach großartig! die rückblenden auf eine anders gestaltete politische zeit fand ich neutral und wertfrei, konnte mir daher selbst ein urteil machen. schade, dass solche männer mit so einem aufregenden berufsleben nicht wirklich existieren. als schullektüre finde ich sie eher unpassend, aber wer weiss.
alles in allem waren es unterhaltsame stunden während des lesens, kann es nur weiterempfehlen.
Alex W. zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 26.01.2008
Ich finde dieses Buch aus der "Selb"-Reihe hervorragend.

Zum einen der regionale Bezug (die Geschichten finden allesamt größtenteils in Deutschland statt...), bei dem man sich genau vorstellen kann, wo sich Selb gerade befindet. Dann die Beschreibung und die Unperfektheit der Charaktere. Kein Superheld, der aussieht wie Brad Pitt und Spitzensportler ist, sondern äußerlich an Mann wie viele. Nur erlebt hat er viel und findet neben dem Lösen der Fälle immer noch genügend Gelegenheit, dass Leben in vollen Zügen zu genießen. Er löst die Fälle, während er dem Leser immer sympathischer wird und Bernhard Schlink gelingt es dabei, die Spannungskurve trotzdem aufrecht zu erhalten! Super Buch, auch für Lesemuffel ;-)
Fragt sich nur: Wann wird die Reihe fortgesetzt???
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jennifer zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 16.01.2008
Auf welcher Schule bist du denn, Nina?
Ich fand das Buch eigentlich ganz ok. Die Personen sind sehr realistisch beschrieben und auch die Geschichte insgesamt finde ich sehr anprechend.
nina zu »Bernhard Schlink: Selbs Justiz« 07.01.2008
dieses buch mussten wir in der schule lesen und es ist so langweilig, nervig und uninteressant, dass ich jeden der es freiwillig liest für verrückt erklären würde ;)
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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