Totenrausch von Bernhard Aichner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei btb.
Folge 3 der Brünhilde-Blum-Serie.

  • München: btb, 2017. ISBN: 978-3-442-75637-7. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2017. Gesprochen von Wolfram Koch. ungekürzte Ausgabe. ISBN: 3844524681.

'Totenrausch' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Die Frau, die in das Büro eines Hamburger Zuhälters stürmt, ist verzweifelt. »Ich brauche Pässe für mich und meine zwei Kinder«, sagt sie. Und: »Wenn du mir hilfst, werde ich jemanden für dich töten.« Es wäre nicht das erste Mal …Brünhilde Blum. International gesuchte Mörderin. Liebevolle Mutter zweier Töchter. Seit Monaten auf der Flucht. In Hamburg will sie zur Ruhe kommen, einen Neuanfang wagen, und fast, so scheint es, gelingt es ihr auch. Ausgestattet mit einer neuen Identität und etwas Geld wohnt sie mit ihren Töchtern in einem wunderschönen Fischerhäuschen an der Elbe und arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsinstitut. Alles ist gut. Bis zu dem Tag, an dem sie für ihr neues Leben bezahlen muss denn der Mann, dem sie das neue Glück zu verdanken hat, fordert ein, was sie ihm versprochen hat. Sie soll für ihn jemanden töten. Das Problem dabei ist nur, dass es sich um einen Menschen handelt, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein letztes Gefecht« 98°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Blum ist zurück. Und wie. Zum Schlussakt seiner Trilogie zieht Autor Bernhard Aichner erneut alle Register der Spannungserzeugung. Ein furioses Finale, in dem es Schlag auf Schlag geht, das die Nerven des Lesers bis aufs Äußerste strapaziert. »Alles wird gut« – Blums Lebensmotto, das sie tagtäglich wie ein Mantra vor sich her betet, ist in großen Lettern der Handlung vorangestellt. Alle, die Blum ins Herz geschlossen haben, möchten gerne mit ihr fest daran glauben, dass es auch in Erfüllung ginge. Doch schnell kommen berechtigte Zweifel auf, denn Blum hat sich auf eine lebensgefährliche Beziehung eingelassen.

Blum ist Blum. Doch Blum heißt jetzt Marie Müller und lebt in Hamburg. Ihre Töchter heißen nicht mehr Nela und Uma, sondern Emma und Katrin. Neue Namen, ein neues Leben. Die Blums wohnen in einem schönen Haus, die Kinder gehen zur Schule, Blum arbeitet halbtags in einem örtlichen Bestattungsunternehmen. Alles wäre gut, wenn sich Blum nicht auf einen verhängnisvollen Deal eingelassen hätte.

Nach den turbulenten Tagen in Deutschlands Süden waren die Blums gen Norden geflüchtet und verbrachten den Sommer in einer Fischerhütte auf einer dünnbesiedelten Insel. Wie vormals in Griechenland brauchte Blum dringend eine Auszeit. Zeit, die Gedanken neu zu ordnen, einen Lebensweg zu planen. Die Kinder genießen die unbeschwerten Tage mit ihrer Mutter, aber sie spüren, dass dieses Leben nicht die Normalität sein kann. Als die Tage kürzer, die Nächte kälter und Blums Geldreserven knapper wurden, machten sie sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.

Der nette türkische Fernfahrer, der sie bis nach Hamburg mitgenommen hatte, gab ihnen einen Tipp, wo sie an gefälschte Papiere kommen könnten. So kommt Blum in Kontakt mit der Hamburger Kiezgröße Egon Schiele. Für einen Boss im Rotlichtmilieu ist dieser noch relativ jung; er sieht gut aus, gibt sich Blum gegenüber freundlich und hilfsbereit, macht aber auch deutlich, dass er Blum nicht von der Bettkante stoßen würde. Bevor er seine Gedanken in diese Richtung weiterspinnen kann, macht Blum ihm den Vorschlag, gegen die Beschaffung von Ausweispapieren jemanden für ihn umbringen zu wollen. Schiele ist perplex, aber er willigt auf den Deal ein. In der Folge kümmert sich Schiele sehr fürsorglich um Blum und die Kinder. Man könnte meinen, er habe einen Narren an ihr gefressen. Oder ist er ein Wolf im Schafspelz?

Das zeigt sich in den Tagen, in denen Schiele Blum zur Begleichung ihrer Schuld auffordert. Ein lästiger Zeuge muss aus dem Weg geräumt werden und Blum soll das machen. Blum ist geschockt. Obwohl es ihr immer bewusst war, dass der Tag der Abrechnung kommen könnte, wollte sie nicht so recht daran glauben. Insgeheim hatte sie gehofft, dass das Morden der Vergangenheit angehören würde, dass sie nichts anderes sein dürfte als eine gute Mutter.

Scheinbar erbarmungslos treibt Bernhard Aichner seine Protagonistin von einem Konflikt in den nächsten, mutet ihr unmenschliche Entscheidungen zu – Leben gegen Leben oder Tod gegen Tod. Ein Mensch in einer Zwickmühle, aus der er nicht ohne Schuld entrinnen kann. Ganz abgesehen von der schier unerträglichen Spannung ist das auch für den Leser eine sehr intensive Erfahrung, denn der Autor versteht es wie kein Zweiter, dem Leser seine Protagonistin nahe zu bringen. Aus der Perspektive des Beobachters, der Blum in- und auswendig kennt, verführt Aigner den Leser immer dazu, seine kritische Distanz aufzugeben. Wer sich auf Blum einlässt, wird damit leben können, dass dieser Thriller nicht so endet wie (fast) alle anderen. In der Fiktion ist vieles erlaubt, was im richtigen Leben verwerflich wäre. Obwohl – wer klagt eigentlich den sympathisch daherkommenden Zeitgenossen an, der tagtäglich Todeslisten paraphierte, die Grundlage für die Ermordung unschuldiger Menschen in aller Welt waren.

Totenrausch ist der krönende Abschluss der »Totenfrau-Trilogie«. Wer den Lebens- und Leidensweg der Blum bisher begleitet hat, stellte sich die Frage, wie kann sie ihrer Zwangslage entrinnen. Diese Frage stellt sich zum Finale hin Seite um Seite immer wieder neu und anders und Bernhard Aichner hat auf alle Teilaspekte eine passende und phantasievolle Antwort. Aber die übergeordnete Frage lautet: Darf es sein, dass sich eine Mörderin der weltlichen Gerichtsbarkeit entziehen kann. Man könnte tagelang darüber diskutieren, über Schuld und Sühne, über Recht und Gerechtigkeit, Rache und Selbstjustiz, Moral und Gewissen, über Notwehr und Totschlag. Eine Diskussion, die selten geführt wird und schwer zu führen ist in einer Welt mit soviel Unrecht und falscher Moral. Man kann über Blum urteilen und sie gleichzeitig lieben.

Der Rezensent spricht der gesamten Trilogie seine uneingeschränkte Empfehlung aus. Bernhard Aichner hat sein Versprechen, das er im September 2015 im Interview mit der Krimi-Couch gegeben hat, gehalten:

Es gibt einen Stehsatz in den Büchern. »Alles wird gut«, hat Blums verstorbener Mann immer zu ihr gesagt. Ich würde wahrscheinlich von meinen LeserInnen gesteinigt werden, würde ich dieses Versprechen am Ende der Trilogie nicht einlösen. Bis es aber soweit ist, muss Blum noch einmal durch die Hölle gehen. Und das wird wild, ein knallharter Western, der Ende 2016 (Januar 2017) ins Kopfkino kommt.

Jürgen Priester, Januar 2017

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Brigitte Kraus zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 12.04.2017
Mir haben die Teile 1 und 2 sehr gut gefallen und ich lese gerade den letzten Teil. Wie einer anderen "Kritikerin" auch ist mir heute aufgefallen, dass der verstorbene
Schwiegervater Blum heißt. Das ärgert mich so, dass ich nicht mehr weiterlesen mag. Ich verstehe nicht, dass sich ein Autor weniger Gedanken macht als ein Leser.
nina2401 zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 05.03.2017
Atemberaubend spannendes Finale

Alles wird gut … so beginnt Bernhard Aichner den finalen Teil der Blum Trilogie. Kaum zu glauben bei dem Klappentext, kaum zu glauben, wenn man die Vorgeschichte kennt. Sollte Brünhilde Blum tatsächlich endlich zur Ruhe kommen und ein ganz normales Leben mit ihren Töchtern und vielleicht einem neuen Partner an ihrer Seite führen können? Denn genau so sieht es erstmal nicht aus. Die erste Überschrift wirkt tröstlich, aber Bernhard Aichner macht es seiner Blum erwartungsgemäß nicht gerade leicht.

Einiges ist anders, Bernhard Aichner hat sich weiter entwickelt. Seine Sätze sind komplexer geworden und eindringlicher denn je. Ich mag es sehr, wie er mit wenigen Worten viel erzählt. Und mir Blum nahe bringt. Ich mochte sie von Anfang an, war fasziniert von der Frau, die so straight ihren Weg geht. Die beeindruckende Persönlichkeit von Blum ist einzigartig, bisher ist mir noch keine Frau wie sie weder in der Realität noch in einem Buch begegnet. Und sie hat nichts von ihrer Faszination verloren. Wenn es sein muss, ist sie so eiskalt, dass einem Angst und Bange wird und dann wieder so warmherzig, wenn es um ihre Kinder geht. Das kann ich nur bewundern. Und dieser „letzte“ Weg ist gespickt mit so viel Unvorhersehbarem, was den Spannungsbogen natürlich fast unerträglich hoch hält.

Die Dialoge sind wie auch zuvor außergewöhnlich. Sie haben ihren eigenen Raum und sind gerade in ihrer Einfachheit und Authentizität genial. Denn genau so redet man miteinander. Und „Füllsätze“ gibt es keine! Ich mag diesen Purismus von Bernhard Aichner immer mehr.

Der Wiedererkennungswort ist extrem hoch und das fängt schon bei der Aufmachung von „Totenrausch“ an. Wenn man es in die Hand nimmt, weiß man, das ist ein Aichner.

Alle Geschichten haben irgendwann ein Ende. Dennoch finde ich es schade, mich jetzt von Blum verabschieden zu müssen. Aber das Ende ist so wie es sein sollte. Nicht wie ich es erwartet habe. Aber es ist gut so, wie es ist. Und Blum bekommt einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank!

Fazit: Bernhard Aichner gibt noch mal alles im letzten Teil der Blum-Trilogie. Spannend, puristisch und auf eine ganz besondere Art emotional.
christa r. zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 19.02.2017
Habe die Trilogie ziemlich in einem Rutsch durchgelesen, was ganz klar einer guten Bewertung entspricht. Es gibt nur eine Unstimmigkeit, die mich aufgefallen ist. Wieso wird in Teil drei "Totenrausch" in der Todesanzeige von Blums Schwiegervater als "Karl BLUM" geschrieben? Trägt er zufällig den gleichen Nachnamen wie seine Schwiegertochter???
Zugegeben nur eine Kleinigkeit, die mich aber dennoch stört.
albert pangerl zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 18.02.2017
da reine wahnsinn: is ma seit dem winnetou nimma passiert, dass i drei bücha am stück vaschlungen hob, des erste hod de spannung aufbaut, des zwoate hob i ma sofort gekauft und ausglesen, den dritten band, war live im roten salon im volkstheater wien bei da lesung... war nur a frage der zeit, auf da hoamfahrt im flixbus scho fast wieda fertig...
danke für diese spannung mit der rasanz der sprache, der tollen abwechslung von gespräch und erzählung, echt a meisterwerk und was wern des für filme wern, hoffentlich gehds boid o.kons kaum erwarten.
M.Bürgi zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 13.02.2017
Bernhard Eichner ist einfach genial.ch habe alle 3 Bücher der Totenfrau Trilogie gelesen und muss einfach sagen, dass ist etwas vom Besten in der Krimi und Thriller Literatur.Besonders Totenrausch ist die Krönung.Der rasante und kurze Schreibstil von Aichner mag richtig zu begeistern.Ich habe selten ein Buch gelesen,dass von Anfang bis zum Schluss so flüssig und spannend ist.Ganz klar 5 Sterne!!
Littletortoise zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 05.02.2017
Brünhilde Blum versucht mit ihren Kindern ein neues Leben in Hamburg aufzubauen. Diese Möglichkeit ist allerdings an ein Versprechen geknüpft, welches sie nur allzubald einlösen muss.

Ich muss vorweg sagen, dass ich die ersten beiden Teile nicht gelesen habe und mir erst hinterher klar war, dass es sich hier um eine Triologie handelt. Dies führte aber nicht zu Problemen, das Buch zu verstehen. Es wird kurz darauf eingegangen, was vorher passierte, sodass man grob im Bilde ist.

Der Schreibstil war recht einfach gehalten, teilweise etwas gewöhnungsbedürftig und für mich machte er es irgendwie schwer, die Gefühle von Blum zu erfassen.

Blum zieht förmlich eine Blutspur hinter sich her. Sie fragt sich zwar zwischendurch, ob es richtig ist, was sie tut, scheint aber keine allzugroßen Skrupel zu haben. Wie weit würde man für seine Familie gehen? Blum offenbar sehr weit. Vielleicht wäre es hier doch hilfreich gewesen, die Vorgänger zu kennen. Ich kann mir schon vorstellen, dass Blum erst durch den Tod ihres Mannes so abgebrüht wurde. Vielleicht ist sie als Bestatterin aber dem Tod gegenüber auch etwas abgestumpfter. jedenfalls fand ich ihr Handeln teilweise etwas gruselig.

Der Spannungsbogen hat mir etwas gefehlt. Die Handlung war zwar durchaus spannend, der Schreibstil hat es aber nicht geschafft, mich mitzureißen.
Daher von mir 4 Sterne.
buchleserin zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 25.01.2017
Das Buch „Totenrausch“ von Bernhard Aichner ist Band 3 der Totenfrau-Trilogie.

Brünhilde Blum ist eine international gesuchte Mörderin und ist mit ihren beiden Töchtern auf der Flucht. In Hamburg will sie neu anfangen und sie braucht für sich und ihrer Töchter neue Pässe, neue Namen, einfach ein neues Leben. Der Hamburger Zuhälter Egon Schiele soll ihr dabei helfen und sie bietet ihm dafür an, jemanden für ihn zu töten. Blum, die sich inzwischen Marie nennt, arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsinstitut, denn die Tätigkeit der Bestatterin ist ihr vertraut. Als sie eines Tages ihr Versprechen bei Schiele einlösen muss, gerät alles aus dem Ruder. Alles wird gut? Da fragt man sich, wie soll das noch gehen?

Bernhard Aichners Schreibstil ist einfach, oft kurze knappe Sätze, die Dialoge sind ungewöhnlich wie eine Aufzählung, vielleicht nicht jedermanns Sache, doch ich fand diesen Thriller angenehm leicht und flüssig zu lesen. Auch die Kapitel sind kurz gehalten und die Seiten flogen nur so dahin. Ein unglaubliches Tempo. Bernhard Aichner hat die Protagonisten und die Szenen wirklich gut beschrieben. Das Kopfkino lief. Ich finde die Handlung in diesem Thriller von Anfang bis Ende spannend. Einmal mit dem Lesen angefangen, konnte ich das Buch nur schwer aus den Händen legen, aber ein paar Stunden Schlaf brauchte ich dann doch und musste mir die letzten Kapitel für den nächsten Tag aufheben.

Von mir eine ganz klare Leseempfehlung für diesen klasse Thriller.

Hier noch die Reihenfolge der Totenfrau-Trilogie:

Band 1 – Totenfrau
Band 2 – Totenhaus
Band 3 - Totenrausch
Archer zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 16.01.2017
Die Kinder und Blum. Auf dem Weg nach Norwegen. Wieder zurück. Nach Hamburg. Blum und Schiele. Der Zuhälter. Er besorgt Papiere. Will eine Gegenleistung. Blum und die Todesliste. Blum will nicht. Schiele doch. Schiele entführt ihre Kinder. Blum tötet. Mal den, mal den. Blum ist sauer. Und traurig. Und bekommt Hilfe. Immer wieder. Auch wenn's brenzlig wird. Buch ist aus. Buch über Blum. Ende gut. Alles gut.

Ihr findet meinen Schreibstil komisch? So schreibt der Aichner. Bei ihm ist das wohl cool. In der Schule wurden wir für so einen schrottigen Stil gnadenlos abgestraft, und zu Recht, wenn ich das so im Nachhinein sagen darf. Bei diesem "Krimi" gibt es so viel, dass einfach nur dumm war, allen voran Blum. Die hat aber auch immer ein Glück. Immer wenn es eng wird, kriegt sie Hilfe. Von einem türkischen Lastfahrer, einer Nutte, einem Bestattungsunternehmer, Reza, selbst einem Polizisten. (Nicht der erste, ihr toter Ehemann gehörte ja auch dieser besonderen Aichner-Spezi an, der mehrfache Mörderinnen total toll findet.) Schiele wird als der miese Zuhälterkönig beschrieben, obwohl er sich nur an den von ihr angebotenen Deal hält, bei dem sie Mord gegen Papiere versprach. Er will nicht mal mit ihr schlafen, jedenfalls nicht ohne ihre Zustimmung. Er bringt sie in einer super Gegend in einem super Haus unter, unter der Voraussetzung, dass sie für ihn mordet, wie sie es angeboten hat. Doch plötzlich, nachdem sie sowieso ein halbes Dutzend Leute gekillt hat, meldet sich ihr Gewissen und sie verweigert. Und wundert sich dann, dass der Zuhälterboss sauer ist? Die Message dieser Bücher ist die: Wenn Blum killt, ist es entweder ein dummer Ausrutscher (und daher nicht schlimm) oder die Leute hatten es eh verdient (und daher nicht schlimm). Wenn andere Leute killen, ist das verwerflich. Tolle Message.
Nicht.
Der eine Punkt ist übrigens nicht, weil ich einen geben muss. Der ist für die geile Haptik des Covers. Soll keiner sagen, ich finde nicht was Positives zu dem Buch zu sagen.
TochterAlice zu »Bernhard Aichner: Totenrausch« 09.01.2017
Ein Krimi der anderen Art: Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen lohnt.

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits in den Vorgängerbänden "Totenfrau" und "Totenhaus"- ist auf der Flucht: jede Menge Leichen haften ihr an. Diesmal führt ihr Weg über den Umweg in den hohen Norden geradewegs nach Hamburg - und Blum wäre nicht Blum, wenn sie nicht schnurrstracks auf der Reeperbahn und im Rotlichtmilieu landen würde - und das mit ihren beiden Töchtern im Schlepptau!

Dass sie bald nicht mehr Blum, sondern Marie Müller heißt und dem brutalen Zuhälter Schiele auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist - das müssen Sie nicht verstehen. Jetzt noch nicht - erst, wenn Sie der Geschichte von Brünhilde Blum/ Marie Müller literarisch gefolgt sind.

Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist .

Ein ruhiger, aber heftiger Thriller, an dessen Ende man noch lange nicht weiß, wohin die Reise geht - man kann es nur erahnen. Trotz der Härte, der Unbarmherzigkeit ist dies ein Buch der langsamen Entwicklungen - manchmal zu langsam für mich. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall.

Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und die nicht zu empfindlich sind. Im Gegensatz zum Vorgänger "Totenhaus", der meinen Geschmack nur teilweise getroffen, bin ich diesmal so ziemlich auf meine Kosten gekommen. Und empfehle die Geschichte mit Brünhilde/Marie von ganzem Herzen!
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