Totenfrau von Bernhard Aichner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei btb.
Folge 1 der Brünhilde-Blum-Serie.

  • München: btb, 2014. ISBN: 978-3-442-75442-7. 448 Seiten.
  • München: btb, 2015. ISBN: 978-3-442-74926-3. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2014. Gesprochen von Christian Berkel. ungekürzte Lesung. ISBN: 3844514155. 1 CDs.

'Totenfrau' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Blum ist Bestatterin. Sie ist liebevolle Mutter zweier Kinder, sie besticht durch ihr großes Herz, ihren schwarzen Humor und ihre Coolness. Blum fährt Motorrad, sie trinkt gerne und ist glücklich verheiratet. Blums Leben ist gut. Doch plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes, eines Polizisten, aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark überfahren. Fahrerflucht. Alles bricht auseinander. Blum trauert, will sich aber mit ihrem Schicksal nicht abfinden. Das Wichtigste in ihrem Leben ist plötzlich nicht mehr da. Ihr Halt, ihr Glück. Durch Zufall findet sie heraus, dass mehr hinter dem Unfall ihres Mannes steckt, dass fünf einflussreiche Menschen seinen Tod wollten. Blum sucht Rache. Was ist passiert? Warum musste Mark sterben? Als sie die Antworten gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos. Warum sie das tut? Warum sie dazu fähig ist? Die Antwort darauf liegt Jahre zurück. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Fotograf, ein Priester, ein Jäger, ein Koch, ein Clown...« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

. …und Blum

Blum ist Blum. Kann nicht anders. Blum ist weiblich. Blum hasst ihren Vornamen, wie sie auch ihre Adoptiveltern gehasst hat. Allem hat sie sich zur rechten Zeit entledigt. Konsequent. Kompromisslos. Blum ist Ehefrau und Mutter. Glücklich, stolz, kompetent. Blum fühlt sich sicher, bis eines Morgens ihre heile Welt zusammenbricht.

Der österreichische Autor Bernhard Aichner ist ein Mann des klaren Wortes, des prägnanten Satzes, der einfachen Beschreibung. Sein stilistischer Minimalismus wird besonders in den Dialogen deutlich, die oft nur aus ein, zwei Worten im Wechsel bestehen, aber es bedarf auch nicht vieler Worte, wenn man die richtigen findet. Aichners Prosa fordert die Fantasie des Lesers und die provozierten Bilder stellen sich wie von selbst ein.

Der Rezensent kannte Bernhard Aichner bislang nicht, hatte aber über dessen Max-Broll-Reihe gelesen. Der bekannte Krimi-Kritiker Tobias Gohlis schrieb dazu: »Bei Bernhard Aichner balanciert das Lachen so nahe am Tod, dass es wie ein Heulen klingt, das gleich in Kichern umschlagen wird.« Noch ein Autor mit dem in den meisten Fällen polarisierenden, alpenländischen Humor? – fragte sich der Rezensent skeptisch. Totenfrau jedenfalls ist frei von irgendwelchen humoristischen Einlagen, doch in manchen Szenen kann Humor ein Rettungsanker für den geschockten Leser sein. Erinnerungen an Jeff Lindsays »Dexter-Morgan-Reihe« werden wach.

Der Klappentext verspricht eine außergewöhnliche Protagonistin in einem nicht alltäglichen Beruf, die, aus dem Kokon der familiären Sicherheit gerissen, ihren Rachegelüsten frönt. Nach der atemraubenden Lektüre kann man nur feststellen, mit Totenfrau ist Aichner ein Thriller-Highlight gelungen.

Blum (ihr Vorname ist Brünhilde – der Leidenschaft ihres Stiefvaters für deutsche Sagengestalten geschuldet) hat das Bestattungsinstitut ihrer verstorbenen Adoptiveltern übernommen und führt es zusammen mit einem Assistenten. Von Kindesbeinen an ist Blum mit diesem anspruchsvollen Gewerbe konfrontiert worden, was deutliche Spuren bei ihr hinterlassen hat. Blums Ehemann Mark arbeitet bei der Kripo in Innsbruck. Als er sich eines Morgens auf seinem Motorrad auf den Weg zur Arbeit begibt, wird er frontal von einem Jeep gerammt und erliegt seinen schweren Verletzungen. Der Fahrer des Wagens kann sich unerkannt aus dem Staub machen. Da die eingeschaltete Polizei keine anderen Hinweise hat, geht sie von einem Unfall mit Fahrerflucht aus. Das Fluchtfahrzeug kann nicht näher identifiziert werden.

Mit Marks Tod gerät Blums Leben völlig aus den Fugen. Allein die Existenz ihrer Töchter rettet sie vor einem finalen Absturz. Erst Wochen später fühlt sie sich in der Lage, die Sachen ihres Mannes in seinem Arbeitszimmer durchzugehen. Dabei stößt sie auf Gesprächsaufzeichnungen zwischen ihm und einer unbekannten Dunja, in denen diese ihre Leidensgeschichte erzählt. Unfähig, die Bedeutung dieser Gespräche zu erfassen, versucht Blum, mit Dunja Kontakt aufzunehmen. Als es ihr gelingt und Dunja ihre Anschuldigungen glaubhaft untermauern kann, ahnt Blum, dass Marks Tod alles andere als ein Unfall war. Männer mit Masken trieben ihre perversen Spiele und fürchten sich vor einer Bloßstellung.

Die besten und spannendsten Thriller sind doch die, die man wie einen Zug besteigt, ohne zu wissen, in welche Richtung die Reise geht. Aichners Totenfrau gleicht einem Höchstgeschwindigkeitszug, der den Reisenden in einen rauschähnlichen Zustand versetzt, ausgelöst durch ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst bangt man um die körperliche Unversehrtheit der Protagonistin. Dazu gesellt sich bald die Furcht vor ihren unkalkulierbaren Energien, und am Ende findet man sich an einem Zielpunkt wieder, der einerseits Befriedigung verschafft, andererseits jedoch die eigene moralische Kompetenz in Frage stellt. Aichner hat die Handlung virtuos komponiert, mit kurzen Vor- und Rückblenden, mit traumartigen Sequenzen und Szenen, deren Harmlosigkeit nur in den Abgrund führen kann (Tarantino lässt grüßen). »Tit for Tat« kann zu einem grausamen Spiel ausarten.

In seiner Max-Broll-Reihe ist es ein Totengräber, in Totenfrau spielt eine Bestattungsunternehmerin die Hauptrolle. Man kann dem Autor einen Hang zum Morbiden nicht absprechen. Für den Hintergrund des vorliegenden Romans hat Bernhard Aichner ein halbes Jahr als Aushilfe in einem Beerdigungsinstitut gearbeitet. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen sich in der Schilderung der atmosphärischen Kühle des sogenannten Vorbereitungsraums oder der diversen Techniken der Reinigung und Präparation von Leichen. Da ist manche Tätigkeit dabei, deren Ablauf man gar nicht so detailliert beschrieben haben möchte. Man kann gut nachempfinden, mit welchen Problemen Blum als Kind zu kämpfen hatte.

Wie der btb-Verlag mitteilt, sind die Rechte an Aichners Roman schon in mehrere Länder verkauft worden, was durchaus nachvollziehbar ist, kann man ihn doch zu den ersten Thriller-Highlights des noch jungen Jahres zählen. Mit dem Express-Fahrstuhl geht es in die Abgründe des Lebens. Die Dynamik, die durch Aichners präzisen Schreibstil entsteht, sucht ihresgleichen. Eine Empfehlung an alle Thriller-Fans, die auf Tempo und Spannung stehen und nicht allzu zartbesaitet sind.

Jürgen Priester, März 2014

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Gunthilde Muetzel zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 02.08.2016
In der heutigen Zeit von Terror und Rassismus gibt es schon genug Blut, Gräuel und Erbarmungslosigkeit da muß man nicht noch so ein entsetzliches Buch schreiben. Ich habe schon viele Krimis gelesen und auch Thriller, aber das buch habe ich nach zwei drittel text in den Müll geworfen. Es ist wirklich schrecklich.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Carolina zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 24.07.2016
Der karge Schreibstil macht das Buch offensichtlich außergewöhnlich. Und die Begeisterung des Autors für grausliche Schilderungen der Aktivitäten der Brünhilde Blum.Alles ganz sicher nicht mein Geschmack! Ich habe in den letzten 50 Jahren alles an Kriminalromanen gelesen was es gab und gibt. Nicht alles hat mir gefallen, aber so einen Schmarrn hab ich noch nie gelesen.Das Buch ist gewaltsam auf originell geschrieben, was läßt ein Autor sich nicht alles einfallen um aus der Masse herauszustechen!Ich werd sicher die anderen Bücher de
s Autors nicht lesen und was er mit der Blum ansellen wird ist mir sowas von egal!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Scheh zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 04.07.2016
Das Buch ist die Geschichte einer Psychopatin und Alkoholikerin. Die Erzählweise dieses Buches,.ich schließe mich einigen Vorrednern an , teilweise unerträglich. Einmal warf ich das Buch sogar in die Ecke.

Der Autor scheint ein perfides Vergnügen daran zu haben das Zerhacken und Ausschlachten von Menschen zu beschreiben.

Blum ist keinen Deut besser als ihre "Opfer". Blum und die "Fünf" sind sich mit ihrer Leidenschaft zu quälen, foltern und morden unsagbar ähnlich.

Fazit das erste und letzte Buch dieses Autoren.
Uwes-Leselounge zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 08.04.2016
Das Leben von Blum könnte nicht besser sein. Sie ist Mutter zweier kleiner Mädchen, hat einen absolut perfekten Ehemann (Polizist) und auch Ihre Firma, ein Bestattungsinstitut, läuft gut - schließlich wird immer gestorben. Doch an einem Samstag früh wird diese Welt nicht mehr so rosarot sein. Denn Blum muss mit ansehen, wie ihr geliebter Mann, auf der Straße vor ihrem Grundstück von einem Auto überfahren wird und der Unfallverursacher Fahrerflucht begeht. Von jetzt auf gleich bricht für Blum eine Welt zusammen. Durch einen Zufall findet Blum heraus, dass vielleicht mehr hinter dem Unfall ihres Mannes stecken könnte. Und Blum hat Blut geleckt und in ihrem Wahn nach Rache kann nichts und niemand sie aufhalten. So begibt sie sich auf die Suche nach dem Grund für den Tod ihres Mannes. Aber warum ist so eine Frau, wie Blum dazu fähig? Die Antwort liegt in Ihrer Vergangenheit.

Brünhilde, 24 Jahre alt, schippert mit ihren Eltern (beide um die 70) auf dem gemeinsamen Segelboot vor der Küste von Triest und machen dort Urlaub. Brünhilde genießt mit Musik in den Ohren die Sonnenstrahlen auf ihrer nackten Haut auf Deck und hört nicht, wie ihre Eltern verzweifelt um Ihr Leben kämpfen. Nach über drei endlosen Stunden und unzähligen Rufen nach ihrer Tochter verlieren die Eltern Herta und Hagen Blum diesen Kampf und ertrinken. Als Brünhilde mit ihrem Sonnenbad fertig ist, wundert sie sich, wo ihre Eltern sind und ahnt fürchterliches. Tief traurig bleibt ihr nur eine Möglichkeit, die Küstenwache zu rufen. Doch bevor diese eintrifft, kommt ein Boot auf sie zugefahren. An Bord ein junger Mann, Mark, der von Beruf Polizist ist. Obwohl sich beide nicht kennen, ist Mark in dieser schweren Stunde bei ihr und hilft nur wo er kann. Auch danach verlieren sich die Beiden nicht aus den Augen und aus Freundschaft wird schnell Liebe. Der Prolog dieser Geschichte hat mich unheimlich gefesselt, aber ich möchte euch natürlich nicht alles verraten, nur soviel, es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint!

Brünhilde, die diesen Namen schon immer gehasst hat und sich nun Blum nennt, hat eine schwierige Kindheit hinter sich. War Blum zu Beginn ihrer Kindheit und späteren Jugend noch schwach, verletzlich und einfach nur zu bemitleiden, so ist doch heute eine starke und selbstbewusste Frau aus ihr geworden. Dies ist natürlich auch ihrem Mann Mark geschuldet. Dieser trägt sie auf Händen, tut alles für sie, ist ihr ein Freund, Liebhaber und treusorgender Vater zweier wundervoller Töchter. Auch Marks Vater Karl lebt mit der Familie in einer alten Villa in Innsbruck zusammen. Auf dem gleichen Grundstück ist auch das Bestattungsunternehmen von ihr untergebracht. Zu dieser kleinen Familie gehört ebenfalls ihr Assistenz Reza. Ein junger Bosnier, den Mark vor einer großen Dummheit bewahrt hat. Reza ist ein ruhiger und zurückgezogener Mann. Obwohl auch er eine sehr sehr brutale Kindheit hatte, mochte ich ihn sofort. Das Leben könnte für Blum nicht besser sein. Wäre da nicht dieser eine Samstag morgen gewesen, der alles zerstört hat. Ab diesem Zeitpunkt bricht das Leben von Blum, ihrem Schwiegervater und den Kindern wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ihr Lebensmittelpunkt, ihr Anker, Mark wird vor ihrem eigenen Grundstück auf der Straße von einem Auto überfahren und stirbt. Der Fahrer kann unerkannt flüchten. Die ganze Familie fällt durch diesen Schicksalsschlag in ein tiefes Loch und nur ganz langsam können sie sich daraus befreien. In dieser Zeit sind Reza und Massimo (Marks Kollege) für die Familie und im speziellen für Blum da. Sie managen den ganzen Papierkram und die Beerdigung. Nach zwei Wochen geht Blum zum ersten Mal in Marks Arbeitszimmer und setzt sich, überwältigt von ihren Gefühlen, an seinen Schreibtisch. Auf diesem Schreibtisch liegt auch sein Handy und obwohl sie es nicht möchte, hält sie es plötzlich in ihren Händen und blättert darin herum. Als sie dort auf mehrere Tonbandaufnahmen stößt, kann sie nicht anders und spielt eine Aufnahme ab. Neben Marks Stimme ist da auch eine Frau zu hören, die er mit Dunja anspricht. Hatte Mark eine Affäre? Wer ist diese Dunja und was hatte diese mit ihrem Mann zu tun? Blum muss mehr über diese Frau erfahren und hört sich alle Aufnahmen an. Die Geschichte, die sie hört, lässt sie erschaudern und in ihr reift der Entschluss, diese Frau ausfindig zu machen - egal wie. Trotz mehrerer Fehlschläge findet Blum Dunja schließlich und erfährt, dass der Unfall von Mark vielleicht gar keiner war... In Blum keimt ein unheimliche Wut auf und sie begibt sich auf die Suche nach den Hintermännern, die für den Tod von Mark eventuell verantwortlich sein könnten. Und ihre Rache wird sie alle treffen...

FAZIT: Zu Beginn der Geschichte hatte ich so meine Probleme mit dem Schreibstil von Bernhard Aichner. Denn seine Sätze sind teils sehr kurz oder gar etwas abgehakt. Doch alleine der Prolog hat so eine Sogwirkung in mir ausgelöst, dass ich unbedingt wissen wollte, was Brünhilde in der Kindheit passiert ist und warum sie sich so entschieden hat (mehr verrate ich nicht). Ihre Beweggründe für die getroffenen Entscheidungen konnte ich allesamt sehr gut nachvollziehen. Blum hat mir unheimlich gut gefallen, da man mit jeder Seite ihre Entwicklung hautnah miterleben konnte. Die Geschichte wird uns aus der Sicht eines Betrachters erzählt. Diese ist ja normalerweise recht nüchtern, doch Bernhard Aichner schafft es hier unheimlich gut, uns die Gefühlswelt von Blum näher zu bringen. In dieser Form habe ich das noch nicht gelesen - klasse! Mit jeder Seite passieren so unheimlich viele Dinge, das man einfach wissen muss, wie es weitergeht und so hatte ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Auch das Ende konnte mich überzeugen und hat mich im Epilog doch noch überraschen können - so etwas mag ich!

Was für eine Frau und welch bombastische Geschichte - eine klare Leseempfehlung von mir und somit 5 Nosinggläser.
Uwes-Leselounge zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 08.04.2016
Das Leben von Blum könnte nicht besser sein. Sie ist Mutter zweier kleiner Mädchen, hat einen absolut perfekten Ehemann (Polizist) und auch Ihre Firma, ein Bestattungsinstitut, läuft gut - schließlich wird immer gestorben. Doch an einem Samstag früh wird diese Welt nicht mehr so rosarot sein. Denn Blum muss mit ansehen, wie ihr geliebter Mann, auf der Straße vor ihrem Grundstück von einem Auto überfahren wird und der Unfallverursacher Fahrerflucht begeht. Von jetzt auf gleich bricht für Blum eine Welt zusammen. Durch einen Zufall findet Blum heraus, dass vielleicht mehr hinter dem Unfall ihres Mannes stecken könnte. Und Blum hat Blut geleckt und in ihrem Wahn nach Rache kann nichts und niemand sie aufhalten. So begibt sie sich auf die Suche nach dem Grund für den Tod ihres Mannes. Aber warum ist so eine Frau, wie Blum dazu fähig? Die Antwort liegt in Ihrer Vergangenheit.

Brünhilde, 24 Jahre alt, schippert mit ihren Eltern (beide um die 70) auf dem gemeinsamen Segelboot vor der Küste von Triest und machen dort Urlaub. Brünhilde genießt mit Musik in den Ohren die Sonnenstrahlen auf ihrer nackten Haut auf Deck und hört nicht, wie ihre Eltern verzweifelt um Ihr Leben kämpfen. Nach über drei endlosen Stunden und unzähligen Rufen nach ihrer Tochter verlieren die Eltern Herta und Hagen Blum diesen Kampf und ertrinken. Als Brünhilde mit ihrem Sonnenbad fertig ist, wundert sie sich, wo ihre Eltern sind und ahnt fürchterliches. Tief traurig bleibt ihr nur eine Möglichkeit, die Küstenwache zu rufen. Doch bevor diese eintrifft, kommt ein Boot auf sie zugefahren. An Bord ein junger Mann, Mark, der von Beruf Polizist ist. Obwohl sich beide nicht kennen, ist Mark in dieser schweren Stunde bei ihr und hilft nur wo er kann. Auch danach verlieren sich die Beiden nicht aus den Augen und aus Freundschaft wird schnell Liebe. Der Prolog dieser Geschichte hat mich unheimlich gefesselt, aber ich möchte euch natürlich nicht alles verraten, nur soviel, es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint!

Brünhilde, die diesen Namen schon immer gehasst hat und sich nun Blum nennt, hat eine schwierige Kindheit hinter sich. War Blum zu Beginn ihrer Kindheit und späteren Jugend noch schwach, verletzlich und einfach nur zu bemitleiden, so ist doch heute eine starke und selbstbewusste Frau aus ihr geworden. Dies ist natürlich auch ihrem Mann Mark geschuldet. Dieser trägt sie auf Händen, tut alles für sie, ist ihr ein Freund, Liebhaber und treusorgender Vater zweier wundervoller Töchter. Auch Marks Vater Karl lebt mit der Familie in einer alten Villa in Innsbruck zusammen. Auf dem gleichen Grundstück ist auch das Bestattungsunternehmen von ihr untergebracht. Zu dieser kleinen Familie gehört ebenfalls ihr Assistenz Reza. Ein junger Bosnier, den Mark vor einer großen Dummheit bewahrt hat. Reza ist ein ruhiger und zurückgezogener Mann. Obwohl auch er eine sehr sehr brutale Kindheit hatte, mochte ich ihn sofort. Das Leben könnte für Blum nicht besser sein. Wäre da nicht dieser eine Samstag morgen gewesen, der alles zerstört hat. Ab diesem Zeitpunkt bricht das Leben von Blum, ihrem Schwiegervater und den Kindern wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ihr Lebensmittelpunkt, ihr Anker, Mark wird vor ihrem eigenen Grundstück auf der Straße von einem Auto überfahren und stirbt. Der Fahrer kann unerkannt flüchten. Die ganze Familie fällt durch diesen Schicksalsschlag in ein tiefes Loch und nur ganz langsam können sie sich daraus befreien. In dieser Zeit sind Reza und Massimo (Marks Kollege) für die Familie und im speziellen für Blum da. Sie managen den ganzen Papierkram und die Beerdigung. Nach zwei Wochen geht Blum zum ersten Mal in Marks Arbeitszimmer und setzt sich, überwältigt von ihren Gefühlen, an seinen Schreibtisch. Auf diesem Schreibtisch liegt auch sein Handy und obwohl sie es nicht möchte, hält sie es plötzlich in ihren Händen und blättert darin herum. Als sie dort auf mehrere Tonbandaufnahmen stößt, kann sie nicht anders und spielt eine Aufnahme ab. Neben Marks Stimme ist da auch eine Frau zu hören, die er mit Dunja anspricht. Hatte Mark eine Affäre? Wer ist diese Dunja und was hatte diese mit ihrem Mann zu tun? Blum muss mehr über diese Frau erfahren und hört sich alle Aufnahmen an. Die Geschichte, die sie hört, lässt sie erschaudern und in ihr reift der Entschluss, diese Frau ausfindig zu machen - egal wie. Trotz mehrerer Fehlschläge findet Blum Dunja schließlich und erfährt, dass der Unfall von Mark vielleicht gar keiner war... In Blum keimt ein unheimliche Wut auf und sie begibt sich auf die Suche nach den Hintermännern, die für den Tod von Mark eventuell verantwortlich sein könnten. Und ihre Rache wird sie alle treffen...

FAZIT: Zu Beginn der Geschichte hatte ich so meine Probleme mit dem Schreibstil von Bernhard Aichner. Denn seine Sätze sind teils sehr kurz oder gar etwas abgehakt. Doch alleine der Prolog hat so eine Sogwirkung in mir ausgelöst, dass ich unbedingt wissen wollte, was Brünhilde in der Kindheit passiert ist und warum sie sich so entschieden hat (mehr verrate ich nicht). Ihre Beweggründe für die getroffenen Entscheidungen konnte ich allesamt sehr gut nachvollziehen. Blum hat mir unheimlich gut gefallen, da man mit jeder Seite ihre Entwicklung hautnah miterleben konnte. Die Geschichte wird uns aus der Sicht eines Betrachters erzählt. Diese ist ja normalerweise recht nüchtern, doch Bernhard Aichner schafft es hier unheimlich gut, uns die Gefühlswelt von Blum näher zu bringen. In dieser Form habe ich das noch nicht gelesen - klasse! Mit jeder Seite passieren so unheimlich viele Dinge, das man einfach wissen muss, wie es weitergeht und so hatte ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Auch das Ende konnte mich überzeugen und hat mich im Epilog doch noch überraschen können - so etwas mag ich!

Was für eine Frau und welch bombastische Geschichte - eine klare Leseempfehlung von mir und somit 5 Nosinggläser.
Lafleur zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 07.02.2016
Nachdem ich in den letzten Monaten sehr viel von diesem Buch gehört habe, beschloss ich heute Mittag das Werk zu lesen - und siehe da, es hat mich so sehr gefesselt, dass ich es gute 6 Stunden später ausgelesen habe. ;-)
Eine sehr außergewöhnliche Geschichte, welche sich Aichner hier ausgedacht hat. Ich wusste bis zur letzten Seite nicht, was ich von der Hauptperson halten soll. Habe ich es hier mit einer psychisch erkrankten Mörderin zu tun? Oder habe ich es hier mit einer liebenden Witwe und Mutter zu tun? Ich kann mich leider für keine Perspektive entscheiden - wohl ein Mix aus beiden.
Das Werk ist sehr klar und strukturiert aufgebaut. Der Schreibstil von Aichner ist eher weniger mein Geschmack - kurze, abgehackte Sätze.
Den letzten Teil ("Acht Jahre zuvor") empfand ich als unnötig. Er verleiht dem Werk einen sehr komischen Beigeschmack.
Auf die Fortsetzung(en) bin ich gespannt!
sihna zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 02.12.2015
Der Plot ist klasse (bis auf die vorhersehbare Überraschung um den fünften Mann), die Protagonistin sympathisch, das Buch so herrlich unmoralisch. Doch dieses Geschwurbel kann doch kein halbwegs gebildeter Mensch lesen. Diese Halbsätze, dieses grammatikalisch unkorrekte Deutsch. Zum Glück ist man rasend schnell durch das Buch durch. Schade. Eine vergeudete Story. Diese hätte ich gerne gelesen, wenn sie von einem talentierten Geschichtenerzähler verfasst worden wäre.
Doch warum eine Fortsetzung. Nur des Geldes wegen? Das Buch hat einen so tollen Abschluss, dass jede Fortsetzung diesen kaputt macht.
PeterGreen zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 18.10.2015
Eigentlich ein Thriller der mit Elementen arbeitet, die man so oder so ähnlich schon öfter gelesen oder gesehen hat. Doch was macht dann diesen Thriller so besonders? Zum einen ist es natürlich die Sprache. Kurze knappe Sätze die stakkatoartig auf den Leser eintrommeln, ihn mitreißen in die Handlung hinein. Man möchte gar nicht mehr aufhören. Das Tempo ist rasant. Dabei bleibt viel Platz für die eigene Phantasie, für eigene Fragen. Brünhilde Blum: Wie konnte sie nach dieser Kindheit überhaupt wieder zu einem normalen Leben kommen? Wie konnte sie überhaupt lieben? Ihre Kinder, ihren Mann. Und dann? Diese Welt bricht zusammen. Diese Welt einer heilen Familie. Ihr Mann wird ermordet. Und dann? Ja dann schlägt sie zu. Erbarmungslos, wie es auf dem Klappentext des Buches heißt. Aber das ist nicht nur einfach Rache für den Tod ihres geliebten Mannes, dass ist ein Befreiungsschlag von ihren Peinigern, wie sie es schon einmal erfolgreich vollzogen hatte. Ein starkes Buch, nicht nur durch diese neue sprachliche Knappheit, sondern auch inhaltlich. Ich hatte das Gefühl, dass gerade durch diese kurzen knappen Sätze die eigenen Bilder im Kopf um so stärker waren. Ich freue mich auf das Totenhaus.
Kasin zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 23.09.2015
Brünhilde Blum ist alles, nur eines nicht - langweilig!

Genauso empfand ich auch dieses Buch und die Geschichte um die Bestattin Blum. Kein Allerweltsberuf, schon gar nicht für eine Frau, aber Blum ist auch keine.
Alles ist perfekt im Leben der Bestatterin Blum, die Adoptiveltern tot und damit eine zentnerschwere Last von ihr gefallen. Einen Traummann schlechthin, einen Villa, 2 tolle Kinder, einen besondere Familiengemeinschaft in der gelebt und geliebt wird.

Mich hat ja dieser Schreibstil vom ersten Moment an begeistert. Selten sind so kurze Sätze, oft einzelne Wörter nur, so aussagekräftig bei mir angekommen wie mit oder in diesem Buch. Der Autor macht nicht viel Aufhebens um Blum und ihre Mitmenschen. Er läßt sie einfach denken, reden und handeln. 
So als passiert es jetzt und hier. Anführungszeichen bedarf es nicht, man liest es ja und weiß wer spricht und mit wem. 
Blum ist eine sehr außergewöhnliche Frau, was wohl auch an ihrer Vergangenheit liegt. Als Adotivkind, Retterin des Familienunternehmen, akzeptiertes Anhängsel aber furchtbar ungeliebt und in eine Rolle gedrängt die kein Kind so erfahren sollte und die die wenigsten Erwachsenen ertragen könnten. Der Umgang mit den Toten, Leichen. Dem Vorbereiten, Waschen, Ankleiden und und und.

Bereits der Einstieg ins Buch ist eine Art Schauermärchen, denn Blum hat beschlossen endlich ihr Leben zu führen, da ist kein Platz mehr für die ungeliebten und unliebenden Eltern.

Danach wird Blums Leben gut und auch im Buch selbst herrscht zeitweise Harmonie, bis eben die Sache mit Mark passiert.

Wer den Anfang schon furchtbar fand, die Taten von Blum, der wird im Verlauf des Buches öfters an seine Grenzen kommen. Denn Blums Rache ist sehr grausam und polarisiert in extremen Maße. Eine Sympathie für eine Mörderin empfinden? Geht dass? Eine Frage, auf die jeder seine eigene Antwort finden muss.

Die Geschichte ist so komplex. Klar, Rache ist das vordergründige Thema aber es geht auch um noch viel, viel mehr. Darum zu helfen, wo keiner mehr hinsieht, andere aufzunehmen und ihnen eine Heimstadt geben. Zu verdrängen und zu verarbeiten. Um das Lieben, geliebt werden und um ganz besonders um das Hassen.

Blum und dieses Buch, hat mich begeistert, fasziniert, zu Tränen gerührt, erschrocken und schockiert. 

Und dennoch mag ich diesen Charakter und dieses Buch, ja ich mag auch Blum.
c)K.B. 09/2015
Briggs zu »Bernhard Aichner: Totenfrau« 10.09.2015
Der erste Band der Trilogie holt Blum ein; zeitgleich nimmt ihr Leben eine Biegung, die unvorhersehbar war: Die Kindheit aus der Zeit vor jeder Erinnerung klopft mit Wucht an.Anders als im ersten Band führt nicht eine Handlung zur nächsten, treibt Blum von einer Tat zur nächsten. Hier entsteht die Spannung hinter dem, was passiert:
Wer ist wer? Wem kann Blum trauen?
Wer meint ihr wohl?Wer gern Blut fließen liest, dem wird das Buch nicht so gut gefallen. Wer aber gern im Ungewissen tappt, der Unausweichlichkeit nicht ausweicht, eine Protagonistin nicht lieben muss, um ihren Erlebnissen zu folgen, der hat hier ein ungemein spannendes Buch.Dass Blum schon im Prolog stirbt, habe ich bis zur Hälfte des Buchs schon wieder vergessen gehabt, und als die Handlung dort wieder ankommt, bleibt der Gruselfaktor ganz weit oben.Wo ist Band 3?

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