Die Schöne und der Tod von Bernhard Aichner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Haymon.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Max-Broll-Serie.

  • Innsbruck; Wien: Haymon, 2011. ISBN: 978-3-85218-827-0. 249 Seiten.

'Die Schöne und der Tod' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze

Dass Emma, seine erste große Liebe, plötzlich wieder in sein Leben platzt, und dass er ihre Schwester Marga, die sich vom Hausdach gestürtzt hat, auf dem Dorffriedhof begraben muss – das würde der Totengräber Max Broll noch hinnehmen. Aber dass jemand Margas Leiche aus dem noch frischen Grab entführt, das geht zu weit. Als Max Broll die Sache, gegen den Willen der Polizei, selbst in die Hand nimmt, beginnt für ihn ein Wettlauf um Leben und Tod.

Das meint Krimi-Couch.de: »Totengräber aus Überzeugung« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Die Krimiwelt ist schon von seltsamen Gestalten bevölkert. Da gibt es die Ex-Bullen, die Ex-Knackis, die Ex-Journalisten und so weiter. Allen gemein ist, dass sie, zumindest am Beginn ihrer kriminalistischen Laufbahn, aus eben jener geworfen werden, tief fallen und mehr oder weniger zufällig in einen Kriminalfall schlittern, an dem sie sich beweisen können. Machen sie ihre Sache gut und sind ihnen die Leser gewogen, dürfen sie munter weiter in diverse Fälle schlittern und weiter ermitteln – eine neue Krimireihe ist geboren. Max Broll, der Held aus Bernhard Aichners Krimidebüt, bildet da keine Ausnahme und ist doch in vielerlei Hinsicht erfrischend anders. Max Broll, der ehemals erfolgreiche und mit besten Zukunftsaussichten gesegnete Jungjournalist, hängt plötzlich seinen Job an den Nagel und bricht die Beziehung zu seiner attraktiven Lebensgefährtin ab, um zurück in die österreichische Provinz zu ziehen, wo sein pflegebedürftiger Vater die letzten Tage erlebt. Doch nach dessen Tod zieht es den erfolgsverwöhnten Broll nicht zurück in die Großstadt, denn er hat seine Berufung im Broterwerb des Vaters entdeckt: er wird wie er Totengräber!

Kein Mord aber eine verschwundene Leiche

Er zieht in das kleine Pfarrhaus im Ort und bildet zusammen mit Tilda, der zweiten Frau seines Vaters und einigen anderen schrägen Charakteren eine Art Wohn- und Lebensgemeinschaft. Tilda ist Kommissarin, und das ist auch schon die einzige Verbindung Brolls zur Welt des Verbrechens. Umso erschütternder brechen daher die Ereignisse über ihn herein und wecken den alten Journallistenspürsinn in ihm: Marga, Model und Schwester seine Ex-Freundin, ist aus dem Leben geschieden und wird von Broll genauso gewissenhaft begraben wie alle Toten zuvor, einschließlich des für Broll obligatorischen Probeliegens in der frisch ausgehobenen Grube. Doch die so sorgfältig zu Grabe getragene verschwindet aus ihrer letzten Ruhestätte und bildet den Ausgangspunkt für haarsträubende und gefährliche Verwicklungen.

Morbid, skurril und knappste Dialoge

Angesichts der herrlich morbiden Ausgangssituation des Krimis verbietet sich jede detailliertere Inhaltsangabe. Doch Aichner hatte beim Schreiben der Geschichte mindesten so viel Freude am Plot, wie an den schrägen Charakteren und den knappen aber präzisen Dialogen. Alle drei Zutaten zusammen, machen aus dem Debüt beste Unterhaltung.

Ganz umsonst ist sie jedoch nicht. Es bedarf schon einer kleinen Anstrengung. Man muss sich erst einlesen und vor allem einlassen auf Aichners ungewöhnlichen Stil. Er liebt knappe, schlichte Sätze und noch knappere Dialoge, bei denen er sogar auf Einleitungssätze und Anführungszeichen verzichtet. Auf den ersten Seiten geht da schnell einmal der Überblick verloren und es ist unklar wer da was zu wem sagt. Zumal für Aichner Reden auch Schweigen bedeuten kann und die knappste Form der Beschreibung von Schweigen ist die Leerzeile, die häufig in den Dialogen auftaucht.

Doch hat der Leser diese moderate Einstiegshürde genommen, wird er mit echtem Lesevergnügen belohnt. Die Figuren sind herrlich schräg, die Geschichte genauso augenzwinkernd wie düster und das Erzähltempo aufgrund Aichners knappem Stil hoch. Die Episoden, die sich da zu einer runden Geschichte aneinanderreihen, sind witzig, manchmal melancholisch oder blutig aber immer lesenswert. Sie gipfeln fulminant in einem klassischen Aufklärungsdialog zwischen Ermittler und Bösewicht, bei dem nicht nur ein bewusstloser Ex-Fußballprofi zugegen ist, sondern auch eine Schnapsflasche kreist, bis die Zungen schwer werden.

Fazit: Ein tolles Debüt, das Lust auf mehr macht. Mehr als nur einen Krimi hat wohl auch Aichner im Kopf, denn Broll und seine kleine Dorfgemeinschaft sind geschickt angelegt, so dass sich da noch genügend Raum für weitere fesselnde Geschichten finden sollte. Auch wenn die Messlatte nach dem Debüt hoch liegt, besteht begründete Hoffnung, dass Aichner das Niveau in Zukunft halten kann.

Thorsten Sauer, Februar 2011

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Mel zu »Bernhard Aichner: Die Schöne und der Tod« 09.02.2018
Mega gutes much, fesselt einen ungemein und man möchte nicht aufhören darin zu lesen. Man kann sich gut in die Rollen hinein versetzten und mitfühlen, zu dem kann man sich die Charaktere gut vorstellen. Ein Buch zum mit fiebern und die Neugier wird erweckt, man möchte unbedingt wissen wie es ausgeht und ruck zuck ist das Buch auch schon fertig. Ich bin hell auf begeistert und ich freue mich schon auf das nächste Buch.
Hanfried Kimstädt zu »Bernhard Aichner: Die Schöne und der Tod« 06.02.2015
Ein wunderbar, schräger Krimi. Skurrile Figuren mit denen man wunderbar mitfühlen kann. Wenn Katzen und Schafe ermitteln dürfen warum nicht auch ein Totengräber. Schnelle Handlung, keine endlosen Aus- oder Abschweifungen bzw. ermüdende Erklärungen, man ist immer mittendrin und langweilt sich nie. Gut und schnell lesbar (6 Stunden) Mir hat der Roman gut gefallen und ich stürze mich sofort auf den nächsten.
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