Ohnmacht von Bernd Franzinger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 3 der Wolfram-Tannenberg-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2004. ISBN: 3899776194. 377 Seiten.

'Ohnmacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Von einem Eisenbahntunnel herunter wird ein betäubter Mann auf die Gleise geworfen und kurz danach von einem Intercity überrollt. Exakt 48 Stunden später wiederholt sich dieses makabere Szenario. Aber das ist nicht das Einzige, was die Toten miteinander verbindet: beide waren nackt, ihre Hinterteile zierte die gleiche auffällige Tätowierung. Da die Mordopfer ansonsten keinerlei Identifikationsmerkmale aufweisen, gestaltet sich die Ermittlungsarbeit zunächst äußerst schwierig. In Wolfram Tannenbergs privatem Umfeld ereignen sich derweil erfreuliche Dinge: Nichte Marieke hat ihren Traummann gefunden. Umso größer ist der Schock, als sie erfährt, dass ihr Freund nach einem Motorradunfall in eine Privatklinik eingeliefert werden musste.

Das meint Krimi-Couch.de: »Franzinger hat das Potential für bessere Krimis« 69°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Zwei vom Tathergang identische Morde innerhalb von zwei Tagen beschäftigen die Mordkommission in Kaiserslautern. Die beiden Männer wurden betäubt und vor einem Eisenbahntunnel vor dem herannahenden ICE auf die Gleise geworfen. Eine Identifizierung der zerfetzten Leichen ist praktisch unmöglich.

Wer nun spannende Ermittlungsarbeit vom Team um Kommissar Wolfram Tannenberg erwartet, der wird enttäuscht. Denn nach gutem und flottem Beginn nehmen die beiden Morde in der Folgezeit nur noch eine unbedeutende Nebenrolle ein.

Der Leser hat sich nun hauptsächlich belanglosen Dingen zu widmen wie dem permanenten Krieg zwischen Tannenberg und dem Pflegedackel seiner Mutter und weiteren familieninternen Zwistigkeiten im Hause Tannenberg. Mit den gegenseitigen Frotzeleien der Mitarbeiter innerhalb der Mordkommission und dem gemeinsamen Essen einer leckeren Kohlsuppe. Mit Tannenbergs mehr oder weniger peinlichen Bemühungen im Stile eines pubertierenden Jugendlichen um seinen neuen Schwarm. Und mit seiner Nichte und ihrem neuen Freund, der nach einem Motorradunfall im Koma liegt.

Dessen seitenlange komatösen Gedanken nerven zu Beginn gewaltig, um dann später in einer modernen Variante der poeschen Schreckensvision des lebendig Begrabenseins zu faszinieren. Und so nach und nach spürt der Leser, wie er ganz außen herum von hinten zum Kern herangeführt wird und die Nebenhandlung immer mehr zum Hauptstrang des Geschehens wird.

Franzingers Pfälzer Humor trifft nur ab und an mit einer überzeugenden Pointe ins Volle. Oft dagegen lassen seine Dialoge nicht nur seine Charaktere, sondern auch den Leser kopfschüttelnd zurück.

»Dann war der ja wieder nur betäubt, als man ihn vor den Zug geworfen hat! Das gibt’s ja gar nicht!«

»Das gibts wirklich nicht, Fouquet!«, stimmte Kriminalhauptmeister Geiger zu. »Der war ja dann gar nicht tot, als man ihn ermordet hat.«

Diesen Satz mussten die Anwesenden erst einmal verdauen.

Sammler von Stilblüten würden innerhalb des Buches sicherlich reichlich fündig werden.

Nach der Lektüre von Franzingers Vorgängerroman hatte ich mir etwas mehr kriminalistischen Anspruch gewünscht. Leider ist bei »Ohnmacht« das Gegenteil eingetreten. Die Auflösung des Falles erfolgt mehr oder weniger oder das Zutun der Protagonisten. Alleine beim Showdown, der für viel Leerlauf im Mittelteil etwas entschädigt, hat dann Tannenberg noch einen großen Auftritt.

Ansonsten kann ich nur wiederholen, was ich bereits in meiner Kritik zu »Goldrausch« angesprochen habe: Fehlende Details in ermittlungstechnischen Angelegenheiten und nicht aufgeklärte Fakten lassen einen schlechten Beigeschmack zurück. Franzinger hat das Potential für bessere Krimis. Seinen sensiblen und in vielen Dingen etwas plumpen Protagonisten aber muß man einfach gerne haben, so daß man auch ohne großartige Krimihandlung gut unterhalten wird.

Ihre Meinung zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht«

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Philipp Finck zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 20.11.2004
Als ich in meiner Buchhandlung in "Ohnmacht" hineinschaute, und ich die ersten Seiten gelesen hatte, wusste ich, dieses Buch muss ich haben. Der Mittelteil zieht sich sehr lange hin, hat bei mir aber zum Spannungsaufbau für den Schlussteil beigetragen. Ich habe das Buch innerhalb von 5-6 Stunden gelesen und war restlos begeistert. Der überraschende Schluss versetze der Geschichte das i-Tüpfchen. Vorallem die Dramaturgie des Mittelteis bewegt zum weiterlesen.
Eine Amazonkundin zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 31.10.2004
Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich von der Thematik her so sehr in seinen Bann gezogen hat, wie 'Ohnmacht'.
Die Geschichte eines jungen Mannes, der als lebendes Organdepot einer skrupellosen Organmafia ausgeliefert ist, lässt einem kalte Schauder den Rücken hinunterlaufen. Die Situation des hilflosen Ausgeliefertseins wird aus der Perspektive des sogenannten Patienten beschreiben. Man leidet regelrecht mit ihm, kann seine Ängste nachempfinden, erlebt Gerüche und andere Sinneswahrnehmungen so, als ob man sie gerade selbst erlebt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Petra Glaser zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 27.08.2004
Die Geschichte ist schockierend echt beschrieben.Macht nachdenklich und wird durch den pfälzer Humor aufgelockert. Einige Stellen waren so amüsant das man laut lachen muss, im gegensatz zu denen die echte Gänsehaut auslösen.Da er durch die Nichte persönlich betroffen ist, bangt man richtig mit.
Fazit: Alles in allem super und spannend geschrieben und immer im Gedanken gefangen das er es unbedingt noch rechtzeitig schaffen muss.
Für mich der beste Tannenberger!
Pumsmogul zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 27.08.2004
"Früher war Alles Besser !" Diese Binsenweisheit trifft leider auch für die von Franzinger verfassten Kriminalromane zu -
Das erste Werk recht ordentlich, das zweite
ging auch noch und das dritte, na ja....
Vielleicht sollte er seinem Helden "Tannenberg" mal eine Pause gönnen und sich mal an einer neuen Figur versuchen.....?
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Erich zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 26.08.2004
Eine unheimliche Story im scheinbar friedlichen Wald, erfunden gewiss, aber nicht auszuschließen - daher so
beunruhigend. Sie hat Tiefgang, der Autor bezieht unaufdringlich Position, wieder einmal nicht am Mainstream entlang, aber ethisch wohlfundiert.

Im spaßigen Gegensatz dazu, echt Franzinger : Frischflockiger Stil, knorrige Hauptfigur Tannenberg mit entsprechender Weltsicht.
Manche werden wieder das Germanistenantlitz verziehen,
andere ihn deswegen oder trotzdem mögen.
Er jedenfalls bleibt sich treu, und das ist gut so !

Seine "Ohnmacht" ist mit ernsten Gedanken, viel Witz
und erstaunlichen Einfällen geschrieben - so spannend,
dass man sie mit großem Vergnügen am Stück durchliest
Ines zu »Bernd Franzinger: Ohnmacht« 25.08.2004
Nach "Goldrausch" war ich gespannt auf das neue Buch und wurde ziemlich enttäuscht. Ein Fall mit zwei Leichen, der sich ohne zutun von Tannenberg löst. Ein ins künstliches Koma versetzter junger Mann, der Selbstgespräche führt und sich dabei ständig wiederholt. Offene Fragen, wie z.B. der eingeschleuste Spion im Krankenhaus entdeckt wurde und sehr wunderlich, dass die Geheimmission des BKA gleich mit mehreren Luxusschlitten vor Tannenbergs Heim parkt, obwohl größte Geheimhaltung angesagt ist.
Erst im letzten Sechstel und nach einigen durchzechten Nächten wird Tannenberg aktiv und löst im null-komma-nix mal so eben den Fall. Na, ja
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