Wolfsbeute von Bernard Minier

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel N'éteins pas la lumière, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Droemer.
Folge 3 der Martin-Servaz-Serie.

  • Paris: XO, 2014 unter dem Titel N'éteins pas la lumière. 656 Seiten.
  • München: Droemer, 2016. Übersetzt von Antoinette Gittinger . ISBN: 978-3-426-30458-7. 656 Seiten.

'Wolfsbeute' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Der Ermittler: Kommissar Martin Servaz liebt Musik von Gustav Mahler, kämpft mit Depressio nen und bekommt eines Tages einen Schlüssel zu einem Hotelzimmer, in dem eine berühmte Künstlerin Selbstmord beging. Er fragt sich: Was soll das? Das Verbrechen: Ein Stalker macht Frauen das Leben zur Hölle. Er treibt sie in den Wahnsinn. Ist es der kleine, etwas schmierige Tattoo-Träger, den der Penner beobachtet hat? Wenn ja: Welches Ziel verfolgt der Typ? Die Opfer: Die Radiomoderatorin Christine Steinmeyer: Ihr Auto wird mit dem Schriftzug »Frohe Weihnachten, Du Hure« beschmiert. Jemand manipuliert ihre Sendungen und schaltet während ihrer Abwesenheit in ihrer Wohnung eine Opern-CD an. Christines Leben wird zum Albtraum. Die Künstlerin Célia Jablonka: Neben ihrer Leiche fidet sich eine Wagner-CD. Die Astronautin Mila Bolsanski: In ihrem Tagebuch bezichtigt sie einen Mann der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung. Doch sie verweigert jede Aussage.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mobbing und Stalking« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Heimlich, still und leise, so der Eindruck des Rezensenten, ist der dritte Roman aus Bernard Miniers Commandant-Servaz-Reihe im Sommer diesen Jahres im Droemer-Verlag erschienen. Der französische Erfolgsautor hat leider in Deutschland nicht die Reputation, die er in seinem Heimatland genießt. Das ist schade, denn mit Wolfsbeute beweist Minier einmal mehr nach Schwarzer Schmetterling und Kindertotenlied, dass er intelligente, vielschichtige Kriminalromane schreiben kann, und damit zur Crème der europäischen Krimi-Autoren zu zählen ist. Wolfsbeute ist ein gelungener, spannender Krimi, Thriller, Psycho-Thriller mit einem dichten Geflecht aus Verdächtigungen, Verdächtigen, falschen Spuren, überraschenden Wendungen und sehr viel Suspense.

Heimlich, still und leise – so könnte man die unaufgeregte Herangehensweise bezeichnen, mit der Commandant Martin Servaz von der Mordkommission Toulouse seine Fälle angeht und löst. Der melancholische Ermittler mit der Vorliebe zum Werk Gustav Mahlers und zu alt-lateinischen Klassikern steht erneut vor einem kniffligen Fall, in dem es um den Selbstmord einer Künstlerin geht. Aber auch die Schatten seiner jüngsten Vergangenheit lasten noch schwer auf ihm und bereiten ihm Albträume. Sein Erzfeind Hirtmann hatte ihm ein Päckchen mit grausigem Inhalt geschickt.

Heimlich, still und leise schleicht sich das Grauen in das Leben von Christine Steinmeyer.

Christine Steinmeyer ist die Starmoderatorin eines privaten Radiosenders im Großraum Toulouse. Ihre allmorgendliche Talksendung, obwohl schon in die Jahre gekommen, erfreut sich großer Beliebtheit. Christine ist mit ihrem Leben rundum zufrieden. Die Arbeit macht ihr Spaß, finanziell geht es ihr bestens. Sie besitzt eine schicke Eigentumswohnung im Zentrum von Toulouse, liiert ist sie mit Gérard, dem Institutsleiter eines Raumfahrtunternehmens, das Wort Hochzeit ist schon gefallen.

Eines Abends auf dem Weg zum Weihnachtsessen bei ihren zukünftigen Schwiegereltern findet Christine in ihrem Briefkasten einen anonymen Brief, in dem eine unbekannte Person von ihrem bevorstehenden Selbstmord schreibt. Christine ist sichtlich verstört, doch Gérard kann sie vorerst beruhigen. Als sie aber am nächsten Tag während ihrer Sendung von einem unbekannten Anrufer auf den Brief angesprochen wird, beschließt sie, die Polizei einzuschalten. Dort entgegnet man ihr mit gebotener Skepsis und richtig, in den nächsten Tagen wird kein Selbstmord im Raum Toulouse festgestellt. Christine hätte wohl die ganze Angelegenheit vergessen, wäre es nicht in ihrem privaten und beruflichen Umfeld zu beunruhigenden Vorkommnissen gekommen. Gefälschte E-mails tauchen auf, vergiften das Betriebsklima im Sender. Christine fühlt sich ständig beobachtet und in ihrer Abwesenheit hat jemand ihre Wohnung betreten. Sie begreift, dass jemand ein ganz böses Spiel mit ihr treibt.

Während Christine Steinmeyer so langsam die Nerven verliert und einem Abgrund zurast, erwacht Commandant Martin Servaz aus seiner Lethargie und spürt neuen Tatendrang. Die Ereignisse der letzten Zeit (siehe Kindertotenlied) hatten bei dem ehe schon zu Depressionen neigenden Kommissar zu einem Burn-Out-Syndrom geführt und befindet sich noch zur Kur in einem Sanatorium für angeschlagene Polizeikräfte. Auch er bekommt anonyme Post, in der eine Schlüsselkarte eines Luxushotels in der Toulouser Innenstadt und eine Notiz mit Zimmernummer, Datum und Uhrzeit steckt. Servaz sucht Hotel und Zimmer auf. Das Zimmer wurde auf seinen Namen reserviert, am angekündigten Termin erscheint niemand. Von der Hotelleitung erfährt Servaz, dass in besagtem Zimmer vor genau einem Jahr eine bekannte Künstlerin Selbstmord begangen hatte. Diesen Selbstmord nimmt Servaz als Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen, bei denen er auf einen bekannten französischen Astronauten und Lebemann trifft.

Die meisten Kriminalromane beginnen mit einem Mord, dessen Aufklärung dann im Mittelpunkt steht. Autor Bernard Minier geht einen anderen Weg und eröffnet mit einem perfiden Spiel aus Mobbing und Stalking. Das ist allerfeinster Suspense (»in Unsicherheit schweben«), wie wir ihn aus den Romanen von Patricia Highsmith oder aus den Filmen von Alfred Hitchcock kennen. Die Fragen: Was passiert mit Christine Steinmeyer und warum? – hält den Leser kontinuierlich in gespannter Aufmerksamkeit. Wird sie den Komplott gegen sich überleben?

Wer die Reihe um Commandant Martin Servaz nicht verfolgt hat, wird sich über den Prolog von Wolfsbeute wundern und ihn auch nicht einordnen können, denn er bezieht sich auf vorangegangene Ereignisse, der Auseinandersetzung zwischen Servaz und Hirtmann. Der Prolog hat keine spezielle Bedeutung für den weiteren Verlauf der Handlung, beschreibt nur die Gemütsverfassung des Helden. Diese kleine Unebenheit mag man dem Autor gern verzeihen, denn der Qualität dieses komplexen Thrillers tut es keinen Abbruch.

Jürgen Priester, September 2016

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page turner zu »Bernard Minier: Wolfsbeute« 11.01.2017
super spannend und eindringlich geschrieben - man kann sich sehr gut in die figuren und deren probleme hineinversetzen - aber nichts für schwache nerven!

die handlung geht langsam voran, aber nicht langweilig! die stimmung ist sehr düster, hier und da flackert humor auf.

absolut lesenswert, da ungewöhnlich und sehr interessant!
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