Judaswiege von Ben Berkeley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 2010 - heute.

  • München; Zürich: Piper, 2011. ISBN: 978-3-492-27291-9. 464 Seiten.

'Judaswiege' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mit Autobomben zwingt ein Psychopath junge Frauen in abgelegene Waldgebiete und ermordet sie mit einem mittelalterlichen Folterwerkzeug, der Judaswiege. Doch schon bald ist ihm das nicht mehr genug: Er stellt Videos von seinen grausamen Taten ins Netz, getarnt als harte Pornografie. Ein schwieriger Fall für Sam Burke, Psychologe und leitender Ermittler beim FBI. Hilfe von unerwarteter Seite erhält er durch seine Ex-Partnerin Klara »Sissi« Swell, die sich bei ihren Untersuchungen jedoch am Rande der Legalität bewegt. Können sie den brutalen Killer stoppen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Fließende Grenzen zwischen Perversion und Verbrechen« 94°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Das Muster ist immer gleich. Mit einer ferngesteuerten Bombe zwingt ein perverser Killer junge Frauen dazu, seinen Anweisungen zu folgen. Wenn er sie dann in seiner Gewalt hat, foltert er sie mit einer so genannten Judaswiege überaus grausam zu Tode. Die Spezialisten beim FBI sehen zunächst keine Zusammenhänge, denn die Taten liegen zeitlich und räumlich weit auseinander, zudem gibt es zunächst nur eine Leiche. FBI-Agent Sam Burke bekommt jedoch unerwartete Hilfe von seiner Ex-Partnerin Klara »Sissy« Sewell. Sie wird mit einer Fußfessel polizeilich überwacht, weil sie wegen illegaler Ermittlungsmethoden suspendiert wurde. Weil der Ehemann einer vermissten Frau unbedingt Klarheit haben will, pauken Anwalt Thibault Stein und dessen Assistentin Pia Lindt die Ex-Agentin frei, damit sei Sam helfen kann. Als plötzlich eine weitere Entführung gemeldet wird, beginnt für die routinierten Ermittler ein dramatischer Wettlauf gegen die Uhr.

Ben Berkeley hat ein wirklich bemerkenswertes Erstlingswerk vorgelegt. Ein Serienkiller, der hübsche junge Frauen umbringt, ist zunächst nichts besonderes. Aber der Autor hat daraus einen durchaus anspruchsvollen Plot gemacht. Die Morde passieren über die Jahre verteilt, es gibt zunächst keine Leichen, die Ermittler stehen vor einer überaus schwierigen Situation und brauchen wirklich kreative Ansätze. Und da hat Berkeley einiges im Repertoire.

Beispielsweise die Geier-Staffel, die nach Leichen sucht. Oder der Internet-Freak, wie man ihn heute in jedem Ermittlungsteam findet. Aber hier hat der junge Recherche-Spezialist einiges drauf und stellt Zusammenhänge her, die in der Tat ungewöhnlich sind.

Eine ebenfalls ungewöhnliche Konstellation bildet das Ermittler-Duo Burke/Swell. Über den beiden liegen Schatten aus der Vergangenheit, sie waren mal ein Paar, aber Swell wurde gewissermaßen von ihrem Partner geopfert. Im Laufe der Geschichte finden sie wieder zu einem professionellen Umgang miteinander – und vielleicht auch mehr.

Besonders interessant war für mich das neuartige Profil, das von dem Serienmörder erstellt wurde. Der Begriff Triple-Identität war mir gänzlich neu. Hier geht es um eine Person, die ein unauffälliger Langweiler ist, ein Familienvater, der seine Rolle lange Zeit perfekt ausfüllt. Er wird durch das Internet zum Kontroll- und Technik-Freak, kann dort eine überlegene Rolle einnehmen und vor allem seine grenzwertige Sexualität ausleben – bis sie in Perversion umschlägt. Und ebenfalls durch den Einfluss der schier unbegrenzten Möglichkeiten des Internets wird er schließlich zum Mörder – ohne das ihm dieser Wandel persönlich bewusst wird. In der Konsequenz sprechen die Ermittler davon, dass es weniger Kriege gibt, dadurch aber mehr Menschen ihre latenten Aggressionen durch Gewaltverbrechen ausleben. Man mag gar nicht zu Ende denken, ob an diesem Ansatz etwas dran sein könnte.

Es geht hier zwar um äußerst brutale Morde und tagelange Folter, aber Ben Berkeley vermeidet blutrünstige Schilderungen, denn die hat er gar nicht nötig. Die Brutalität dringt auch so in die Phantasie des Lesers ein, denn es gibt genug Andeutungen, die vom Autor nicht weiter ausgeführt werden müssen. Dazu gehören auch die interessanten und offenbar gut recherchierten Einblicke in die Sado-Maso-Szene, die mittlerweile mit Videos im Internet arbeitet, und dort der menschlichen Perversion scheinbar völlig freien Lauf lässt. Dadurch werden die Ermittlungen auch für die erfahrenen Spezialisten des FBI zu einem wahren Tanz auf der Rasierklinge, beispielsweise als es zum Chat mit dem Serienmörder kommt. Hier werden, vor allem im Internet, Abgründe geöffnet, die auch den abgebrühten Agents kalte Schauer den Rücken hinunter treiben. Gefahrlos können dunkle Seiten der menschlichen Sexualität präsentiert werden – bis die Grenzen zwischen geduldeter Perversion und brutalen Verbrechen zu fließen beginnen und schließlich verschwimmen.

Der Killer nutzt diese fließenden Übergänge gnadenlos aus – Ermittler und Leser machen gemeinsam einiges durch. Judaswiege ist ein Buch, das man im Urlaub oder am Wochenende lesen sollte, denn man kann es nur schwer wieder aus der Hand legen. Außerdem wird man als Leser ganz schön gefordert, die ständigen Zeitsprünge und Ortswechsel sind sehr anspruchsvoll. Es wird nicht nur zu den früheren Taten zurück geblendet, sondern auch in der Gegenwart mal eben ein paar Wochen in die jüngere Vergangenheit geschaut. Der absolut fesselnde Plot sorgt jedoch dafür, dass man am Ball bleibt – auf die Verfilmung des Buches freue ich mich schon jetzt. Der Autor und die Figuren haben einiges an Potenzial, den Namen Ben Berkeley sollte man sich also merken.

Andreas Kurth, Januar 2012

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Sabrina Eitel zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 30.11.2012
Der Anfang ist grossartig. Das Buch ist nett zu lesen. Spannend - man wird durch die ständigen Zeitsprünge auf Trab gehalten.
Einige Szenen sind einfach unrealistisch (Ein - / Ausbrüche von Ms Swell) Diese kann man aber noch verzeihen. Im Gegensatz zum Ende. Dieses ist eine absolute Katastrophe! Ich habe mich so geärgert...Es gibt nichts schlimmeres als ein gutes Buch auf der letzten Seite zu versauen. Schade eigentlich!
Chrisu zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 08.05.2012
Frauen werden entführt und fürchterlich gefoltern und die Polizei steht vor einem großen Rätsel. FBI-Experte Sam Burke erhofft sich, mit seiner Ex-Partnerin Klara Swell, Licht ins Dunkel zu bringen. Ben Berkeley hat es geschafft, mich in diesen Thriller hineinzuziehen, mitzufiebern und die Daumen zu halten, dass der Täter, der solch furchtbare Taten begeht, zur Strecke gebracht wird. In diesem Buch werden viele Gesetze gebrochen, um der Gerechtigkeit gerecht zu werden. Das finde ich einfach toll. Nicht nur nach Schema F, sondern auch mal ausbrechen, um das Ziel zu erreichen.
Der Schreibstil ist voll fließend, man lässt sich dahintreiben, wird immer wieder aufgewühlt und hofft, endlich ans Ziel zu kommen. Aber nein, Berkeley findet immer wieder einen Weg um die Spannung weiter hochzuschrauben.
Ein wahnsinnig interessantes, spannendes - sicher für Thriller-Fan - Buch, das man gelesen haben muss.
Anne zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 14.04.2012
Meiner Meinung nach ist dem Autor sein Erstlingswerk gut gelungen. Das Buch ist spannend, hat Tempo, und sympathische Figuren. Es liest sich sehr flüssig und hat finde ich einen fortlaufenden spannungsbogen. Gut der Schlusssatz ist nicht wirklich gelungen aber das möge man dem Autor verzeihen, es ist schließlich sein erstes Buch.
kianan zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 10.04.2012
Leider war ich nach den zumeist sehr positiven Kritiken hier und auf Amazon ein wenig enttäuscht von dem Buch. Ein gut geschriebener Thriller, jedoch wurde der Spannungsbogen leider nicht durchgängig hoch gehalten und wirkte dadurch etwas langatmig. In Teilen fand ich die Geschichte doch recht unwahrscheinlich, insbesondere die Ein-/Ausbruchsszenen von Klara alias Sissy. Die Protagonisten wurden sehr gut dargestellt und ich konnte sie ins Herz schließen. Aus meiner Sicht ein guter, netter Krimi, aber kein Pageturner.
notsche zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 16.02.2012
Erstmal ist der Thriller einer, der zum Weiterlesen verleitet, weil er durchaus neugierig macht. Ich las ihn mit Spannung und wenn da etwas ein wenig hakte, habe ich es verständnisvoll hin genommen. Durchaus akzeptabel - bis zum Schluss...Der kommt im Epilog einer Selbstbeweihräucherung sehr nah und erledigt den ganzen "Roman" oder Thriller (?) in den letzten sechs Zeilen.Ich bin gerade Zeuge geworden, wie man mit wenigen Worten einen Thriller zu einem Roman mit billigem Ausgang macht.Schade - es hätte was werden können mit einem guten Abgang. Leider zieht der Autor es vor, sich und sein Buch ins Rampenlicht zu stellen.Und - ich bin auch ein Opfer. Ich hatte das Buch so gemocht... , " und der Titel lautete "Judaswiege". Von Ben Berkeley."Kunstpause. Bedauerlicher, einfältiger Epilog.
Anja S. zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 13.02.2012
Ich kann die Begeisterung des Rezensenten der Krimi-Couch nicht vollkommen teilen. Zugegeben, das Buch ist leicht zu lesen und flüssig geschrieben. Atemlos vor Spannung war ich jedoch nicht, sondern das plätscherte zeitweise ziemlich vor sich hin... Es sind einige Ungereimtheiten, welche der Autor hätte korrigieren können, aber nicht getan hat.
nun ja, das Ende... ohne Worte...
Ich werde kein zweites Buch dieses Autors lesen.
kitekat7 zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 27.01.2012
Bloß gut, dass ich weder bei Facebook bin, noch dieses Machwerk gut finde!
Das einzig Positive, dass ich über das Buch sagen kann, ist, dass es sehr rasant geschrieben ist und man, ohne viel denken zu müssen, schnell damit durch ist. Man sollte wirklich nicht glauben, dass der Autor tatsächlich als Berater und Profiler für das FBI tätig ist. Diese ganze Geschichte ist so unrealistisch und unglaubwürdig, dass ich mich ständig in eine Mischung aus Actionfilm und amerikanischer Krimiserienfolge versetzt fühlte, nur eben in Buchform. Ich habe den Eindruck, Kingsley hat das Buch mehr zu seinem eigenen Vergnügen geschrieben, als dazu, den Lesern einen guten Krimi zu präsentieren. Wieso er in der Rezension von Herrn Kurth auch noch 94° dafür bekommt, ist mir persönlich ein Rätsel!
Der Schluss sollte wohl besonders witzig sein - ich kam mir nur veralbert vor!
Schade um das Geld, das ich für dieses Geschreibsel ausgegeben habe!!!
Liz60 zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 01.01.2012
Ich war kurz davor, dass Buch abzubrechen. Erst ab Mitte des Buches kam etwas Spannung auf, die allerdings schnell wieder abflachte.
Die sehr vorhersehbaren, rührseligen Liebesgeschichten waren mehr als störend. Die "Guten" waren aber sowas von gut, dass es schon peinlich wurde.
Der Schluss hat mich sprachlos zurückgelassen.
Wollte der Autor damit witzig sein, die Leser verarschen oder hat er nur einfach keinen anderen Schluss gefunden?
Das war unter Garantie kein "Top-Thriller"
Maren zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 30.12.2011
Leider kann ich mich meinen Vorrednern nicht anschließen. Der Roman zieht sich wie Kaugummi, ich musste mich oft zwingen, weiter zu lesen. Es werden viel zu viele Personen eingeführt, die Handlung kommt eigentlich erst auf Seite 270 in Schwung. Teilweise denkt man, es würde ein Fahrplan für Autoren befolgt (1. Benutze ein grausames Folterwerkzeug aus dem Mittelalter, 2. Opfer sind junge, hilflose Frauen, 3. Die Kommisare müssen persönliche Probleme haben, 4. Baue wenn möglich eine Liebesgeschichte ein, 5. Vergiss nicht, dass es eine unerwartete Wendung geben muss (die jeder Krimifan vorhersehen kann) ). Am meisten habe ich mich über die Schlussbemerkung geärgert, da wäre das Buch beinahe gegen die Wand geflogen.
Björn zu »Ben Berkeley: Judaswiege« 30.12.2011
Das Buch ist so gut als ich den Anfang gelesen hab wurde ich schon mit rein gerissen. Man wollte helfen überlegen was man machen kann.Aber dafür das es das erste Buch von Ben Berkeley ist. Hat er es sehr gut geschrieben. Würde auch noch mehr Bücher von ihm Lesen.Meine Lieblings Figur ist Thibault , so wie er im Gericht redet ist doch cool. Den würde ich auch als Anwalt nehmen.

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