Der Beschützer von Belinda Bauer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Darkside, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • London: Bantam, 2010 unter dem Titel Darkside. 359 Seiten.
  • München: Manhattan, 2012. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-54701-2. 382 Seiten.

'Der Beschützer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mitten im Winter schockiert der Mord an einer hilflosen alten Frau den kleinen Ort Shipcott im englischen Somerset. Während der Schnee die Bewohner von der Außenwelt abschneidet, versucht Dorfpolizist Jonas Holly den Killer zu finden. Doch dann reißen Beamte aus der Stadt die Untersuchung an sich, und Holly wird zu einer Statistenrolle verdammt. Daraufhin treffen immer bedrohlichere anonyme Botschaften bei ihm ein, in denen ihm vorgeworfen wird, seine Pflicht nicht zu tun. Als weitere Morde geschehen, werden aus den Vorwürfen unverhohlene Drohungen. Irgendjemand scheint Jonas die Schuld an den Ereignissen zu geben. Selbstanklagen und die Sorge um seine schwerkranke Frau bringen ihn langsam an den Rand des Zusammenbruchs. Zumal er sich fragen muss: Wer jagt hier wen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Ruhiger Plot mit ungewohnter Auflösung« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Vier Jahre ist es her, dass in dem verschlafenen Dorf Shipcott der damals 12-jährige Steven Lamb einem Serienmörder in die Quere kam (Das Grab im Moor). Nun folgt der zweite Roman der preisgekrönten Autorin Belinda Bauer, auf dessen Buchrücken Val McDermid schwärmt: »Es gibt kein aufregenderes neues Talent als Belinda Bauer.« Grund genug für die Krimi-Couch, dieser Behauptung nachzugehen…

Margaret Priddy lebt in ihrem bescheidenen Haus und ist auf intensive Pflege angewiesen. Sie ist an ihr Bett gefesselt, kann nicht sprechen und sich auch sonst nicht verständlich machen. Lediglich ein leichtes Augenblinzeln geht noch. Aber wie verschafft sich eine derart hilflose Person Feinde? Eine gute Frage, denn eines Tages wird sie in ihrem Bett erdrosselt aufgefunden. Da der für Shipcott zuständige Police Constable Jonas Holly keinerlei Erfahrungen mit Mordfällen hat, rückt ein Ermittlungsteam vom Morddezernat aus Taunton an. Detective Chief Inspector John Marvel kann jedoch mit Landeiern wie Holly nichts anfangen, was er diesem schnell deutlich macht. Statt den ortskundigen Holly einzubeziehen, wird dieser mit überflüssigen Tätigkeiten aus den Ermittlungen heraus gedrängt. Da die Dorfbewohner von jeher gegenüber Fremden einen gewissen Argwohn frönen, erhalten Marvel und seine Kollegen kaum verwertbare Hinweise und so nehmen sie zunächst Peter Priddy, den Sohn der Ermordeten, als Hauptverdächtigen in die Zange. Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit, denn wie Holly später von Priddy erfährt, hat dieser für die Tatzeit ein Alibi. Acht Tage vergehen ergebnislos bis Holly eine weitere Leicht entdeckt. Die geistig verwirrte Yvonne Marsh liegt in einem Bach nahe dem Haus von Margaret Priddy. Holly glaubt sie womöglich wiederbeleben zu können, doch dabei zerstört er den Tatort bis zur Unkenntlichkeit. Marvel verfällt derweil in sein altes Verhaltensmuster und verdächtigt den Sohn von Mrs. Marsh als Täter. Während die Ermittlungen weiterhin ergebnislos dahin plätschern verschlechtert sich die Wetterlage zunehmend, so dass Shipcott fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten wird. Als es zu weiteren Morden kommt wird offensichtlich, dass der Mörder ein Einheimischer sein muss…

Belinda Bauer hat mit Der Beschützer einen weiteren, durchweg lesenswerten Krimi der Marke »very british« geschrieben. Wie schon beim Debüt verzichtet sie auf jegliche Action, setzt vielmehr auf ihre Figurenzeichnung. Dabei stehen drei Figuren im Fokus. Jonas Holly, der eifrige, aber mitunter völlig überforderte Dorfpolizist, versucht zu helfen, wird aber insbesondere von Marvel ausgebremst. So versucht er auf nächtlichen Streifzügen zur Lösung des Falles beizutragen, da er sich hier ungestört bewegen kann. Dabei sollte er sich eigentlich um seine schwer kranke Frau Lucy kümmern, die unter fortgeschrittener Multiple Sklerose leidet. Diese verbringt ihren Alltag meist vor dem Fernseher mit alten Horrorfilmen, um sich so von ihrer Krankheit abzulenken. Doch längst ist ihr klar, dass sie sich ihrem Ende nähert und für ihren Mann eine Belastung darstellt. Als Dritter im Bunde glänzt DCI Marvel als ganz besonderes Ekelpaket. Nicht nur, dass er die Ermittlungen ohne erkennbares Konzept leitet, neigt er zudem zu cholerischen Anfällen, bei denen er grundlos andere Menschen schikaniert. Wie sich immer deutlicher herauskristallisiert geht es Marvel – wenngleich wohl unbewusst – nur darum, von seiner eigenen Unzulänglichkeit, die in einer Krankheit begründet ist, abzulenken.

Neben den drei menschlichen Protagonisten steht natürlich das kleine Shipcott im Mittelpunkt, das sich in den letzten Jahren nur unwesentlich verändert hat. Die Leser/innen des Debütromans finden zwar nur wenige Parallelen zu diesem, allerdings gibt es ein Wiedersehen mit Steven Lamb, der Hauptfigur aus Das Grab im Moor. Die Charakterzeichnungen sind Belinda Bauer erneut gut gelungen, wenngleich bei all den privaten Einblicken die Story etliche Längen aufweist. Wer einen »ruhigen« Plot lesen möchte, darf erneut zugreifen und sich über eine alles andere als alltägliche Auflösung freuen. Allerdings ist genau dies der Punkt, der bei der Bewertung des Romans die Waagschale nach oben oder unten gleiten lässt. Kleinere Hinweise auf den Täter gibt es, allerdings stehen die Chancen gut, diese erst nach Ende der Lektüre zu realisieren. In minimaler Abwandlung des eingangs erwähnten Zitats von Val McDermid lässt sich abschließend festhalten: »Belinda Bauer ist ein aufregendes Talent.«

Jörg Kijanski, Mai 2012

Ihre Meinung zu »Belinda Bauer: Der Beschützer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Thrillerfan zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 31.08.2016
Der Klappertext ist gut als Einstieg.
Der sinnlose Mord an einer hilflosen alten Frau versetzt den kleinen englischen Ort Shipcott in Angst und Schrecken. Mitten im tiefsten Winter, zur dunkelsten Zeit des Jahres, setzt Polizist Jonas Holly alles daran, den Täter zu finden. Doch mit jedem Tag wächst seine Verzweiflung und Hilfslosigkeit, während der Killer immer wieder zuschlägt. Holly, der sein Dorf nicht schützen kann, ist in einem Albtraum gefangen, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint...

Nach dieser Beschreibung könnte man annehmen, dass es ein spannender Thriller sein könnte. Leider ist dies nicht so. Geschrieben ist das Buch nicht so, dass man mit Spannung dabei ist und unbedingt weiterlesen möchte. Es ist zäh gestaltet, so dass ich schnell das Ende gelesen habe, um herauszubekommen, wer der Killer ist. Also ich gebe zu, dass ich das Buch nicht Seite für Seite zu Ende gelesen habe.
M. Lehmann-Pape zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 23.04.2016
Jonas Holly ist ein zugewandter, verantwortungsbewusster Mann. Ein Polizist, der sich kümmert. Der seine Pflicht ernst nimmt. Eine Pflicht, die ihn bis in das kleine Dorf Shipcott in England geführt hat. Der 'Bobby vor Ort', der Dorfpolizist ist er. Nicht ganz freiwillig, im übrigen, denn von seinen Möglichkeiten her wäre durchaus mehr, Höheres möglich gewesen.

Doch seine geliebte Frau ist an MS erkrankt und ist sich ihres Körpers nicht mehr sicher. Schübe treten auf, mehr und mehr verliert sie an schlechten Tagen die Kontrolle. So hat es sich ergeben, dass Holly in das kleine Haus seiner Eltern in diesen kleinen, überschaubaren Ort zurückgekehrt ist, eben um sich bestmöglich kümmern zu können.

Und nun wird Jonas Hollys 'Kümmern' hochgradig gefordert. Ein verzweifelter Versuch, sich zu kümmern, wohlgemerkt, denn gegen die Morde, die nach und nach im Dorf stattfinden, in dieser einfachen, klaren, überschaubaren Umgebung, in der tatsächlich jeder jeden kennt, in der allerdings auch eine ganze Reihe an Marotten, Fehden und Distanzen zu finden sind, gegen diese Morde scheint Holly völlig machtlos zu sein.

Vorgeführt und degradiert zudem von der hinzutretenden 'Großstadtpolizei', gelingt es Holly trotz höchsten Einsatzes nicht, dem Mörder wirklich auf die Spur zu kommen. Obwohl dieser nah ist. Näher, als so mancher vermuten könnte. Zum verrückt werden für Jonas Holly, da es vor allem als Opfer jene trifft, die seine Beschützerinstinkte am meisten hervorrufen. Hilflose Menschen. Menschen mit Gebrechen, Aussetzern, Menschen, die der Zuwendung durch andere dringend bedürfen. So richten sich die ersten Verdachtsmomente auch umgehend in Richtung der Verwandten oder der Pflegepersonen. Das Motiv könnte doch gut sein, dass der ein oder andere dieses ständige 'sich kümmern' nicht mehr erträgt. Das das eigene Leben so angebunden ist an die Pflege eines anderen, zeitlich und / oder finanziell.

Intensiv und mittels vieler Dialoge zieht Belinda Bauer den Leser mit hinein in diese dörfliche, kleine, wohl aber auch grausame Welt und lässt sich dabei Zeit, ihre Figuren und Personen umfassend darzustellen. Kleine Angewohnheiten, innere Verzweiflungen, alte Fehden, Böswilligkeiten unter Kollegen und die Suche nach der eigenen Person, dem eigenen Platz im Leben unter teils erschwerten Bedingungen (vor allem an der Ehefrau des Dorfpolizisten abzulesen) sind jene Themen, die eine durchaus dichte Atmosphäre im Buch hervorrufen. Ebenso, wie die Bedrängung in Jonas Holly selbst spürbar zu Papier gebracht wurde. Die ständige Angst um seine Frau, die durchaus bereits versucht hat, diesem Leben des 'immer weniger Werdens' durch eigene Hand zu entfliehen.

Doch auch Jonas selbst, das wird immer deutlicher von Seite zu Seite, trägt ein Geheimnis in sich. Etwas, das so sehr nicht bekannt werden soll, dass es ihm selber kaum im Bewusstsein ist, er selber diesen in sich tragenden Kampf nicht wirklich zu fassen bekommt. Ein Kampf, der allerdings durchaus seine Bedeutung haben wird für die Auflösung des Falles. Das aber entblättert Belinda Bauer erst im Lauf der Zeit in Ahnungen und Rückblicke in das Leben des Jonas Holly.

Schwächen zeigt das Buch allerdings ein stückweit hier und da in einer Langatmigkeit. Zu breit ist so manches geschildert, zu sehr im Kleinen und Alltäglichen verheddert sich die ein oder andere Figur des Buches. Dem erfahrenen Leser erschließt sich zudem etwa ab er Mitte des Buches, in welche Richtung die Auflösung des Falles zu vermuten wäre, was ein wenig die Spannung aus diesen merkwürdigen Mordfällen herausnimmt. Dennoch aber gelingen Bauer überraschende Wendungen, auch in Nebenfiguren und ebenso überraschende Gefahrenmomente und Morde, wo der Leser dies kaum vermutet hätte.

Eine andere Form des Thrillers mit einer interessanten, wenn auch nicht völlig neuen, Grundidee der Auflösung, der seine Stärken in der ruhigen Erzählweise und den intensiv geschilderten Figuren und dann Zwanghaftigkeiten der Abläufe findet. Durchaus lesenwert.
Thomas zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 14.04.2014
Bin etwas schwer in die Story gekommen,etwas langatmiger Beginn,doch die spannung stieg stetig,das Finale hätte ich so nie erwartet,ein spannendes Buch,unterm Strich echt empfelenswert,Wenn man natürlich nur den Anfang liest und das Buch dann wegwirft,dann verpasst man ein gutes Buch,das es wert ist,es durchzuschmökern.Manni=Tölpel
Schneeglöckchen zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 25.01.2014
Auch ich kann das vernichtende Urteil von manni nicht nachvollziehen. Dieses Buch ist ausnehmend gut, meiner Meinung nach.
Allerdings hätte auch ich mir gewünscht, daß dem Leser nicht schon im Laufe der Geschichte klar wird, wer der Killer sein muß. Obwohl es bei mir lange gedauert hat.
Trotzdem ist es ein gut gelungener Krimi/Thriller/Psychothriller.
Es beginnt gleich mit einer eindrucksvollen und spannenden Schilderung der Situation einer Gelähmten. Nach den ersten Sätzen wußte ich, daß das eine Story und Schreibweise nach meinem Geschmack sind.
Einfühlsam beschrieben sind auch die Situation von Lucy und ihrem Mann Jonas sowie ihrem Zusammenleben.
Auch gut beschrieben das Ekelpaket Marvel.
Ganz tragisch die Figur Danny, wie die Sigesamte Familie Marsh.

Dieses Buch gehört mit zum besten, was ich seit langem aus diesem Genre gelesen habe. Ein Buch, das noch länger bei mir nachwirkt.
Jakob zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 03.01.2013
Das vernichtende Urteil von manni kann ich nicht nachvollziehen. Auf jeden Fall war es falsch das Buch schon nach 83 Seiten in den Müll zu werfen, da es noch nahezu weitere 400 Seiten aufweist, die es von andern Krimis angenehm unterscheiden. Der anscheinend so tumbe Dorfpolizist hat ja noch ganz andere Seiten und da sind für einmal nicht superschlaue Ermittler an der Arbeit, sondern Menschen, welche Fehler machen und charakterliche Schwächen haben. Der Showdown wäre sagenhaft, wenn Bauer nicht die Pointe vorwegnehmen würde. Dies Vorwegnahme macht die Geschichte zwar realistischer, aber ich hätte ihr der Spannung wegen verziehen, wenn sie erst ganz am Schluss damit rausgerückt wäre.
manni zu »Belinda Bauer: Der Beschützer« 08.10.2012
Gähnend langweilige Geschichte um einen tumben Dorfpolizisten und seiner an MS erkrankter Frau, den Mord an einer Omi, etc. Das liest sich wie der Schulaufsatz einer Grundschülerin. Ein alter Miss Marple ist mehr thrilling als dieser Stuss. Die ansprechende Verpackung und die lobenden Worte einer Kollegin Bauers haben mich in Verführung gebracht, das Buch landete nach Seite 83 dennoch im Müll. Ärger pur für teuer Geld.Die obige Kritik kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, die 80° des Kritikers sind mir ein Rätsel. 1° Altpapier von mir.
Ihr Kommentar zu Der Beschützer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: