Passwort Henrietta von Ava McCarthy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The Insider, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Knaur.
Folge 1 der Harry-Martinez-Serie.

  • London: HarperCollins, 2009 unter dem Titel The Insider. 478 Seiten.
  • München: Knaur, 2009. Übersetzt von Karl-Heinz Ebnet. ISBN: 978-3-426-66374-5. 478 Seiten.

'Passwort Henrietta' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

»Das Leben macht keinen Spaß, wenn man nicht hin und wieder alles riskiert.« Nach diesem Satz lebt die junge Hackerin Henrietta, sogar in ihrem Job als Sicherheitsexpertin für Computernetzwerke – bis sie von einem Unbekannten auf die Gleise der einfahrenden Dubliner S-Bahn gestoßen wird. In letzter Sekunde kann sie sich retten, doch die Nachricht, die der Killer ihr im Gedränge zugeflüstert hat, setzt einen tödlichen Wettlauf in Gang …

Das meint Krimi-Couch.de: »Blasser Wirtschafts- und IT-Thriller« 67°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Das Berufsbild des Hackers scheint geradezu prädestiniert dazu, in Thrillern verwendet zu werden. Es birgt zwar die Gefahr der Langeweile aufgrund allzu technischer Details um Computernetzwerke und Programmcodes, bietet aber den Reiz, an der Schwelle des Legalen zu stehen. Zumindest will uns das Ava McCarthy in ihrem Erstlingswerk Passwort: Henrietta glauben machen. Harry »Henrietta« Martinez ist Hackerin, aber sie arbeitet ganz legal bei einer IT-Sicherheitsfirma und ihre Aufgabe ist es, sich nach Auftrag in fremde Firmennetze zu »hacken«, um Sicherheitslücken aufzudecken. Eigentlich genau das, was eine IT-Sicherheitsexpertin tut, aber Hackerin klingt eben wesentlich aufregender, so dass sich Ava McCarthy entschieden hat, Harry gleich in den Mittelpunkt einer Serie zu stellen, die mit Passwort: Henrietta ihren Anfang nimmt.

Ein Prophet der 12 Millionen Euro fordert

Harry liebt das Risiko; aber nur so lange sie es beherrschen kann und die Folgen überschaubar sind. Deshalb mag sie ihren Beruf als Hackerin und das Pokerspiel. Der Adrenalinstoß etwa, wenn sie es geschafft hat, sich undercover in das Firmennetzwerk des Auftraggebers zu hacken oder nach einem gelungenen Bluff beim Pokern den Pott zu bekommen: Nervenkitzel zwar – aber keine echte Bedrohung.

Doch das ändert sich zur Rush-Hour mitten in Dublin schlagartig: Ein Fremder flüstert ihr am S-Bahnsteig etwas ins Ohr und stößt sie unmittelbar danach vor den herannahenden Zug. Harry kann sich zwar mit knapper Not retten, aber der Mordanschlag soll nicht die einzige böse Überraschung bleiben. Aus dem Nichts tauchen zwölf Millionen Euro auf ihrem Konto auf und parallel dazu ein mysteriöses Schreiben, in dem Sie aufgefordert wird, diese Summe dem »Propheten« zu übergeben. Kein Problem sollte man meinen, doch genauso schnell wie sich Harrys Vermögen vermehrt hat, sind die Millionen am anderen Tag auch schon wieder verschwunden. Ein peinlicher Computerfehler, entschuldigt sich die Bank, das Geld war nie wirklich vorhanden. Der Prophet macht jedoch unmissverständlich klar, dass er nicht an Erklärungen, sondern nur an den zwölf Millionen interessiert ist. Für Harry beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit.

Insidergeschäfte

Passwort: Henrietta ist die verunglückte deutsche Übersetzung des Originaltitels »The Insider«, der wesentlich besser charakterisiert, worum es in McCarthys Erstlingswerk eigentlich geht: Insidergeschäfte. Harrys Vater sitzt als Investmentbanker im Gefängnis, weil er gemeinsam mit anderen Investmentbankern ein Vermögen mit Insidergeschäften machte, ehe der sogenannte Ring aufflog, das Geld verschwand und Harrys Vater hinter Gitter musste.

Auf Insiderinformationen ist auch Harry in ihrem Job als hackende IT-Sicherheitsexpertin angewiesen, denn moderne Firmenetzwerke lassen sich nicht mehr nur mit bloßer Technik überlisten. Um sich Zugang zu verschaffen, sind detaillierte Informationen notwendig, deren Beschaffung – das sogenannte Social-Engineering – so etwas wie eine eigene Sparte des Hackens darstellt und zu Harrys besonderen Fähigkeiten zählt. Auch wenn sie es leugnet, ist sie nicht nur deshalb ihrem Vater ähnlicher als sie sich selbst eingesteht und die Umstände zwingen sie, den längst abgebrochenen Kontakt zu ihm wieder aufzunehmen.

Der Plot und der Genremix aus IT- und Wirtschaftskrimi, den Ava McCarthy für ihr Debütwerk gewählt hat, ist konventionell und liest sich über weite Strecken wie direkt aus dem Lehrbuch über kreatives Schreiben: Attraktive Einzelgängerin mit außergewöhnlichem Job und gestörtem Verhältnis zum Vater, schlittert unvermittelt in eine große Sache, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen und sie zwingen, sich ihrem Vater zu nähern, wobei der unvermeidliche, zwielichtige Liebhaber ihren Weg kreuzt. Soweit so konventionell, jedoch kann man Ava McCarthy wenigstens bescheinigen, dass sie einen flüssig zu lesenden Thriller zu Papier gebracht hat, in den sie – wohldosiert – ihr Know-How als ehemalige IT-Expertin eingearbeitet hat. Gerade zu Beginn sind die recht detaillierten Schilderungen eines Hackerangriffs auf ein Firmennetzwerk die stärksten Seiten des Romans. Doch leider unterläuft ihr hier ein Fehler, der sich bei der Charakterzeichnung noch verstärkt: sie schafft es nicht an der Oberfläche zu kratzen und ersetzt Tiefe durch Wiederholung. So wird spätestens die dritte Beschreibung des Eindringens in ein Firmennetz genauso langweilig wie das ständige Bemühen der gleichen Motive zur Beschreibung des gestörten Vater-Tochter Verhältnisses. Spannende Charaktere ersetzt McCarthy durch wenige Schlagworte und echte Gefühle zwischen Vater und Tochter durch platte Dialoge. Das ist bedauerlich, da sie gerade dort viel Potential verschenkt, obwohl die Ansätze vielversprechend sind. Bleibt die flott erzählte Geschichte, die jedoch unter den viel zu frühen und eindeutigen Hinweisen auf den Bösewicht empfindlich an Spannung verliert.

Passwort: Henrietta schafft es daher trotz der guten Ansätze nicht, sich aus der grauen Masse der nach Kochrezept hergestellten Thriller hervorzuheben. Schnelle, leichte Strandlektüre – mehr nicht!

Thorsten Sauer, August 2009

Ihre Meinung zu »Ava McCarthy: Passwort Henrietta«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

pirata zu »Ava McCarthy: Passwort Henrietta« 27.06.2010
Sehr spannend und interessant geschrieben, von blass keine Spur - es müssen nicht immer nur Leichen sein ...
Ich konnte das Buch jedenfalls nicht mehr aus der Hand legen, man ist ständig am mitüberlegen und -rätseln; habe schon recherchiert, ob es mehr Bücher dieser Autorin gibt - leider bisher nicht. Zu empfehlen, für jeden, der sich auch etwas für Computer interessiert.
Binchy zu »Ava McCarthy: Passwort Henrietta« 10.02.2010
Ein sehr spannender Thriller, gut aufgebaut, kein bißchen blass, sondern interessant. Kann ich nur empfehlen. Man erfährt einiges über Computer, Hacker und Möglichkeiten der Wirtschaftskriminalität. Die Hauptperson Harry ist sympathisch, nicht die übliche toughe Profilerin, sondern ein netter, nicht ganz normaler, aber interessanter Typ Frau.
Schrodo zu »Ava McCarthy: Passwort Henrietta« 13.08.2009
„Das Leben macht keinen Spaß, wenn man nicht hin und wieder alles riskiert“. Nach diesem Satz lebt die junge Hackerin Henrietta, sogar in ihrem Job als Sicherheitsexpertin. Dabei dringt sie legal in die Computernetzwerke großer Firmen ein und spürt deren Sicherheitslecks auf. Anschließend bringt sie diese auf den neuesten Stand um vor „bösen“ Hackern zu schützen.
Der Vater Henriettas, im Buch Harry genannt, (etwas verwirrend, da man das eher mit einem Kerl assoziiert) sitzt im Knast, da er als Investment Banker Insidergeschäfte gemacht hat und sich die Millionen in die eigene Tasche gesteckt hat. Leider ist die Kohle mittlerweile aber verschwunden.
Im Verlauf der Story werden mehrere Mordanschläge auf Harry verübt, die sie natürlich alle überlebt…wäre ja noch schöner die Hauptperson zu killen, wo kämen wir denn da hin! Daraufhin beschließt sie die verschwundenen Millionen ihres Vaters zu suchen und den bösen Jungs, die ihr ans Leben wollen, zurückzugeben.
Und schon beginnt für die Supertorte Harry ein Wettlauf um ihr eigenes Leben und die Jagd nach dem Geld.
Der Thriller (das ist wirklich einer) trifft in jeder Hinsicht den Zeitgeist; schließlich gehören Investment Banker, (Ab)Zockermentalität, Datenklau und Insiderkriminalität fast schon zum Tagesgeschäft unserer Gesellschaft. Das Buch ist sehr gut geschrieben, problemlos zu lesen und von der ersten Seite an spannend! Gut gemacht Ava!!
Ihr Kommentar zu Passwort Henrietta

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: