Der schwarze Steg von

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Svart stig, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei C. Bertelsmann.
Folge 3 der Rebecka-Martinsson-&-Anna-Maria-Mella-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2006 unter dem Titel Svart stig. 413 Seiten.
  • München: C. Bertelsmann, 2007. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-570-00989-5. 413 Seiten.
  • München: btb, 2009. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-442-73862-5. 441 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 3899034937. 5 CDs.

'Der schwarze Steg' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Nach ihrem letzten Fall kann die Anwältin Rebecka Martinsson nur schwer ins Leben zurückfinden. Sie will nicht mehr in ihrer Stockholmer Kanzlei arbeiten, bewirbt sich um eine Stelle bei der Staatsanwaltschaft Kiruna, ihrer Geburtsstadt, und zieht ins alte Haus ihrer Großmutter. Die Stille ihres neuen Lebens wird jäh unterbrochen, als ganz in der Nähe eine Frau ermordet aufgefunden wird. Schnell ist das Opfer identifiziert: Es handelt sich um Inna Wattrang, leitende Angestellte bei Kallis Mining, einer weltweit erfolgreichen Grubengesellschaft. Deren Gründer, Mauri Kallis, war einst bettelarm. Seinen märchenhaften Aufstieg verdankt er nicht nur seiner verwegenen Lust am Spekulieren, sondern auch Inna und Diddi Wattrang, gutaussehenden Geschwistern aus verarmtem Hochadel mit besten Beziehungen. Rebecka erkennt, dass die Tote etwas mit Mauris überaus dubiosen Geschäften in Uganda zu tun hatte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Tick intensiver als andere Kriminalromane« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Die schwedische Autorin Åsa Larsson setzt mit Der schwarze Steg ihre Krimi-Reihe mit der Polizeikommissarin Anna Maria Mella und der Anwältin Rebecka Martinsson fort. Der Roman schließt an seinen Vorgänger »Weiße Nacht« an und blickt auf die Geschehnisse zurück. Rebecka Martinsson erholt sich nur langsam von ihrer Psychose und den traumatischen Ereignissen um den Tod ihres Partners. In die Anwaltskanzlei möchte sie nicht zurück kehren. Statt dessen versucht sie, in ihrer alten Heimat Fuß zu fassen. Doch auch der Job als stellvertretende Staatsanwältin in Kiruna konfrontiert sie mit dem Tod; Inna Wattrang, Managerin einer Grubengesellschaft wird ermordet in einer Fischerhütte aufgefunden.

Eine schwedische Tellerwäscher-Geschichte

Mauri Kallis hat sich aus schwierigen sozialen Verhältnissen zum Boss eines erfolgreichen Unternehmens hochgearbeitet. Auf der Uni spekulierte er mit dem Geld seines aus verarmten Adel stammenden Kommilitonen Diddi Wattrang. Mauri, Diddi und seine Schwester Inna bilden schließlich die Geschäftsführung von Kallis-Mining, einer global agierenden Gesellschaft, die mit Konsessionen für die Abbaurechte von Bodenschätzen handelt. Kallis-Mining unterhält Geschäftsbeziehungen zu den Regierungen afrikanischer Bürgerkriegs-Staaten wie Uganda und wird von den Menschenrechtsorganisationen kritisiert. Doch Inna Wattrang schafft es stets im richtigen Moment wirksame PR Aktionen zu arrangieren, bevor der Ruf der Gesellschaft ernsthaft Schaden nimmt. Mauri Kallis, seine Ehefrau Ebba und ihre zwei Kinder leben mit Diddi, dessen Familie und Inna Wattrang auf dem Anwesen Regla, einer Art Kommune für Reiche. Alles scheint perfekt zu funktionieren, bis Inna Wattrang mit Stromschlägen gefoltert und ermordet aufgefunden wird.

Ein starkes Team ergänzt sich

Für die Polizeikommissarin Anna Maria Mella ist es merkwürdig, mit Rebecka Martinsson nach ihrem Zusammenbruch zu arbeiten. Doch die pragmatische Ermittlerin weiß bald die harte Arbeit der stellvertretenden Staatsanwältin und ihre intimen Kenntnisse der Wirtschafts-Szene zu schätzen. Es ist zunächst unklar, ob prätentiöse Obsession oder politische Intrigen den Mörder zu Inna Wattrang geführt haben. Man ahnt lediglich, dass Inna Wattrangs Tod erst den Anfang einer folgenschweren Ereigniskette darstellt.

Zurück ins Leben

Sechs Bände wird diese Krimi-Serie einmal umfassen. Åsa Larsson hat nicht nur einen komplexen Kriminalfall konstruiert, sondern auch die Rahmenhandlung mit der Anwältin Rebecca Martinsson weiter geführt, ohne diese zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Martinsson vergräbt sie in die Arbeit und kämpft sich durch die Höhen und Tiefen der Vergangenheitsbewältigung, die sie lange verdrängt hat. Unaufdringlich dosiert zeichnet die Autorin Rebecca Martinssons Weg zurück in die Realität und zu einer neuen Liebe.

Unzählige Handlungsebenen und ein Schuss nordische Mythologie

Åsa Larsson selbst veranschaulicht in Der schwarze Steg den Handlungsaufbau des Romans:

»Immer gibt es es einen Spalt oder einen Riss oder ein Tal oder eine Schlucht in der Landschaft. Seht ihr? Hier. Und hier.«
»Eine Welt dahinter« sagt jemand.
»Narnia vielleicht«, versucht jemand zu scherzen.

Gemeint ist hier zwar, die künstlerische Arbeit von Mauris Halbschwester Ester, diese Metapher versinnbildlicht allerdings sehr treffend den Aufbau des Romans. Die Handlung wechselt abrupt aus dem Geschehen der Gegenwart zum Rückblick in die Vergangenheit, der Schauplatz verlagert sich von Schweden nach Afrika oder nach Lappland.

Diese scheinbare Strukturlosigkeit begünstigt nicht gerade den Lesefluss und erzwingt eine hohe Konzentrationsleistung. Sie verdeutlicht aber, was inhaltlich immer klarer zum Vorschein kommt; wie Domino-Steine formieren sich die Ereignisse zu einem Erdrutsch, der nicht aufzuhalten ist und weitere Opfer fordern wird.

Die wie Parallelwelten verschachtelten Handlungsebenen sind nicht die einzige Anlehnung an das Fantasy-Genre. Ein wenig nordische Mythologie spielt eine wichtige Rolle. Ester, in der Psychiatrie als Kind eines Inders und Mauris geisteskranker Mutter geboren, wuchs bei den Samen auf und sieht Visionen aus der Vergangenheit und der Zukunft.

Ein Feuerwerk an sprachlicher Schönheit und Raffinesse

Selten werden Kriminalromane in einem so hohem literarischen Niveau geschrieben, Åsa Larsson präsentiert ihren Lesern eine breite Palette sprachlicher Kunstfertigkeit. Lakonie und Poesie, sachlich formulierte Passagen und farbenprächtige Beschreibungen wechseln einander ab und prägen einen unverwechselbar kreativen Sprachstil.

Diese sprachlichen Variationen verleihen dem Roman etwas Unberechenbares. Der Leser taucht in eine Atmosphäre frostiger Dunkelheit und Mystik ein. Aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen nicht zu kurz und sorgen für einige wärmende Momente.

Der schwarze Steg lässt sich nur schwer in eine Genre-Schublade einordnen. Die Autorin integriert eine Beziehungsgeschichte in einen nordischen Polit-Krimi mit fantastischen Elementen. Åsa Larssons intelligentes und unterhaltsames Werk hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Der schwarze Steg wirkt schön und geheimnisvoll, wie ein Polarlicht.

Eva Bergschneider, Januar 2008

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Frank E. zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 17.10.2013
Schwaches Buch, verwirrende Handlung, in der die Autorin ständig in Erzählungen aus anderen Zeiten schreibt.
Ich habe nach einiger Zeit die Lust, dieses Buch zu lesen, eigentlich verloren und mich bis zum Ende regelrecht gequält.
Kaum hat man das Gefühl, es kommt etwas Spannung auf - ist man schon wieder in einer langweiligen, ja eigendlich unsinnigen Nebenhandlung.
Da gibt es jede Menge anderer, wesentlich wirklich interessanterer Bücher.
Zu diesem Buch: schade für´s Geld.
Bernie Baer zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 22.08.2012
So begeistert ich von den beiden ersten Büchern (Sonnensturm und Weisse Nacht)von Asa Larsson war, so enttäüscht war ich von diesem Roman.
Die sogenannte Hauptfigur Rebecka Martinsson gerät eher zu einer Randfigur.
Über die beiden Kommissare Anna-Maria Mella und Sven-Erik Stalnacke erfährt man etwas mehr, da gebe ich meinem Vorredner recht.

Was mich aber erheblich störte waren die verschiedenen Zeiten, die sehr verwirrten.
Immer wenn so was wie Spannung aufkam, wurde wieder die vergangene Vergangenheit abgedrifftet.
Mit der Figur Ester konnte ich überhaupt nichts anfangen!!
Warum hat sie eigentlich ihren Onkel gerettet?
Am Ende blieben für mich zu viele Fragen offen.

Für mich eines der schwächsten Bücher, dass ich in den letzten Jahren gelsen habe, sorry!
CRI zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 23.12.2009
Ich frage mich, ob das Buch nicht "Die schwarze Steige" oder "Der schwarze Pfad" heißen müsste, denn wie man gegen Ende des Buches erfährt, benutzt Ester eben diese(n). Ok, sie läuft auch zu einem Steg am Wasser... Ein tolles Buch, das tatsächlich die Figuren der vorherigen Bücher weiterentwickelt. Man erfährt dieses Mal viel mehr über Anna-Maria Mella und Sven-Erik Stalnacke. Rebecka Martinsson kommt mir eher wie eine Nebenfigur vor, obwohl ihr fundiertes wirtschaftliches Hintergrundwissen entscheidend zu den Ermittlungen beiträgt. Wie in einer Spirale erfährt man aus unterschiedlichen Perspektiven nach und nach mehr von den Personen in diesem Buch. Mir gefällt auch sehr, dass die finnischsprachige Welt und die samische nicht außen vor gelassen werden, bei diesem Krimi aus Nordschweden. Auch das mystische Element, die Verbindung von Ester zu den Ahnen und ihre Fähigkeit, in den anderen sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft sehen zu können, dürften auf die samische "Welt" zurückgehen. Wobei Ester sich von den anderen, in der "modernen" Welt lebenden natürlich unverstanden fühlt. Auch bei Rebecka Martinsson scheint sich ein Gespür für das zu entwickeln, was nicht unmittelbar wahrnehmbar ist. Ihr Liebeskummer spielt nicht wirklich eine Rolle, dient der Weiterentwicklung der Figur in Richtung weitere Bände. Mich stört ein wenig, dass am Ende der Bücher stets ein äußerst brutaler "Showdown" steht, auch wenn dieses Mal Rebecka verschont bleibt. Das wäre wahrscheinlich auch zu viel gewesen, vielleicht hätte sie sich dieses Mal dann wirklich umbringen müssen...
Ich habe sofort danach zum vierten Band gegriffen, er lag schon bereit.
Dorian Gray zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 03.09.2009
Im Gegensatz zu den anderenm Rezensenten empfinde ich dieses Buch als das bislang schwächste Buch der Reihe. Rebecka Martinsson leidet nicht so sehr an den Folgen ihres schweren Zusammenbruchs, sie leidet ganz banal an Liebeskummer, und um sich davon abzulenken, stürzt sie sich in Arbeit. So interessant die Studien des Selfmade Millionärs Kallis und seiner Freunde ist, eine richtige Kriminalermittlung findet nur sehr am Rande statt, konsequenterweise erfährt der Leser auch die Hintergründe für die Tat und alles nicht durch die Arbeit von Martinsson und Mella, sondern am Ende der zahlreichen Rückblenden über Mauris Kallis, und am Ende stolpert die Polizei eher zufällig in eine n brutalen Showdown hinein. Etwas zu langatmig und Martinssons Gefühlstumulte nehmen zu weite Passagen des Romans ein.
kernobst zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 17.08.2009
Nach dem Lesen des "Schwarzen Stegs" und des "Sonnensturms" (in genau dieser Reihenfolge) ist der Rezension und den Kommentaren eigentlich nur eines hinzuzufügen:
Die Bücher von Asa Larsson müssen, genau wie die von Stieg Larsson übrigens, genau in der Reihenfolge gelesen werden, in der sie geschrieben sind. Nur dann erschließen sich die Persönlichkeiten und ihre Handlungen. Das ist bei (beiden) Larsson(s) sehr viel ausgeprägter der Fall, als bei anderen Autoren, die Romanzyklen schreiben - Namen braucht man da nicht zu nennen.
Andrea zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 13.02.2009
Ich habe die anderen Bücher von ihr noch nicht gelesen. Aber dieses wird nicht das letzte gewesen sein. Dieses Buch wirkt fast wie eine Studie über jede einzelne Figur. Kompromisslos und klar werden die Figuren mit ihren Stärken und Schwächen dargestellt. In Wellen steigert sich die Handlung und als konzentrierte Leserin entkommt man dem Sog des Handlungsverlaufs nicht. Allein die Stimmung ist manchmal bedrückend und düster.
k'aran zu »Åsa Larsson: Der schwarze Steg« 08.05.2008
Ein tolles, ein wirklich schönes Buch! > "sprachliche Schönheit und Raffinesse" trifft es nach meinem Empfinden sehr gut; überhaupt kann ich der Rezension von Eva Bergschneider insgesamt zustimmen. Ich sehe auch eine qualitative Steigerung von Buch zu Buch bei Asa Larsson und freue mich schon sehr auf das nächste (das es wahrscheinlich noch nicht einmal im schwedischen Original gibt.?). Ich habe diese Intensität sehr genossen, weil sie eine Tiefe hat, die mich zwar stark berührt und das auch sehr nachhaltig, ich mich aber nicht in so eine Schwere gezogen fühle (wie bei einigen KollegInnen von ihr). Sie kriegt da immer durch eine Art von liebevoller und kompromissloser Klarheit die Kurve - das ist wie den Hang herunterkullern und durch den Schwung den nächsten Hügel schon wieder hochrutschen.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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