Die Abenteuer des Sherlock Holmes von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1894
unter dem Titel Adventures of Sherlock Holmes,
.
365 Seiten.
ISBN-10: 3036951474, ISBN-13: 978-3036951478.
'Die Abenteuer des Sherlock Holmes' ist erschienen als
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»Die Abenteuer des Sherlock Holmes« beinhalten folgende Kurzgeschichten:
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Ein Skandal in Böhmen
Erschienen unter dem Titel »A Scandal in Bohemia« in The Strand Magazine, 1891 -
Die Liga der Rothaarigen
Erschienen unter dem Titel »The Read-Headed-League« in The Strand Magazine, 1891 -
Eine Frage der Identität
Erschienen unter dem Titel »A Case Of Identity« in The Strand Magazine, 1891
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Das Rätsel von Boscombe Valley
Erschienen unter dem Titel »The Boscombe Valley Mistery« in The Strand Magazine, 1891
Die Boscombe-Valley Tragödie ist einer dieser verzwickten Fälle, die auf den ersten Blick schon geklärt sind, Sherlock Holmes zusammen mit seinem Kompagnon Dr. Watson aber trotzdem zu Hilfe gerufen wird.
John Turner und Charles McCarthy waren beide lange Jahre in Australien, beide wohnten danach in unmittelbarer Nähe zu eineinander. Turner, der reichere von beiden, verpachtet McCarthy Haus und Gut, beide sind Väter (Turners Tochter und McCarthys Sohn sind beide gerade achtzehn), die Ehefrauen der beiden Männer sind bereits tot. Und McCarthy wird nun erschlagen am Boscombe-Lake aufgefunden.
Da jedoch McCarthys Sohn in der Nähe des Tatorts zu betreffender Zeit gesehen wurde, ist er Hauptverdächdiger. Doch es gibt Zweifel: Warum schrie der alte McCarthy laut »Cooee«, obwohl er allein am See stand und seinen Sohn in Bristol wähnte? Was hat der graue Mantel am Tatort zu bedeuten, den McCarthy junior gesehen haben will? Wieso »Ratte« als eines der letzten Worte des Ermordeten?
Bonmot der Geschichte: »Irrlichter sind immerhin heller als Dunst« (»Moonshine is a brighter thing than fog«, Sherlock Holmes)
So begibt sich Sherlock Holmes auf die Spur des Pächters und – wie kann man es anders erwarten – findet er allein durch das Herumkriechen am Tatort einige interessante Hinweise, die die Polizisten um Lestrade mehr als dämlich aussehen lassen und Holmes in eine moralische Zwickmühle zwingen …
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Die fünf Orangenkerne
Erschienen unter dem Titel »The Five Orange Pips« in The Strand Magazine, 1891
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Der Mann mit der entstellten Lippe
Erschienen unter dem Titel »The Man with the Twisted Lip« in The Strand Magazine, 1891 -
Der blaue Karfunkel
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Blue Carbunkel« in The Strand Magazine, 1892
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Das gesprenkelte Band
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Speckled Band« in The Strand Magazine, 1892
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Der Daumen des Ingenieurs
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Engineer´s Thumb« in The Strand Magazine, 1892
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Der adlige Junggeselle
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Noble Bachelor« in The Strand Magazine, 1892 -
Die Beryll-Krone
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Beryl-Coronet « in The Strand Magazine, 1892
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Die Blutbuchen
Erschienen unter dem Titel »The Adventure of the Copper Beeches « in The Strand Magazine, 1892
Das meint Krimi-Couch.de:
Diese erste Sammlung klassischer Sherlock Holmes-Kurzgeschichten gilt der Literaturkritik und vielen Lesern als die mit Abstand beste. Das kommt nicht von ungefähr: Arthur Conan Doyle hatte seinen Helden, den er mit Studie in Scharlachrot (1888) und Das Zeichen der Vier (1890) vorzüglich eingeführt hatte, erstens voll im Griff und zweitens noch nicht über, sondern seinen Spaß daran, diese Figur mit ihren bemerkenswerten Fähigkeiten und Marotten auszuloten. Dazu kam – für Doyle stets wichtig – die Verlockung einer guten Entlohnung, die das »Strand Magazine« ihm dafür bot, das allmählich sehr beliebt werdende Duo Holmes & Watson in einer Serie von zwölf Stories auftreten zu lassen, von denen in jedem Monat eine erscheinen würde.
Also gab Doyle sein Bestes, und da er als Unterhaltungs-Schriftsteller ein absoluter Profi war, konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Der wahre Sherlockist kennt natürlich sämtliche 56 Kurzgeschichten (und vier Romane) in- und auswendig, aber selbst der Gelegenheitsleser erkennt, dass die »Abenteuer des Sherlock Holmes« sämtlich Klassiker sind. So ist es vermutlich einfacher, die Sammlungen älterer Detektivgeschichten aufzulisten, in denen »Das gesprenkelte Band« oder »Der blaue Karfunkel« n i c h t auftauchen. Dies ist der wahre, der unverfälschte (und noch Kokain fixende) Sherlock Holmes, noch nicht verwässert durch die späten Stories, die von Doyle in weitem zeitlichen Abstand zum nostalgisch vernebelten London Queen Victorias und vor allem um des Geldes geschrieben wurden.
Liest man die 56 Holmes-Geschichten nicht in der (ihnen nachträglich aufgepfropften) chronologischen Reihenfolge, sondern so, wie Doyle sie verfasste, lassen sich einige interessante Entdeckungen machen. So erstaunt sehr der Anteil der Fälle, die man gar nicht als »kriminalistisch« definieren könnte. »Ein Skandal in Böhmen«, »Eine Frage der Identität«, »Der Mann mit der entstellten Lippe«, »Der blaue Karfunkel« oder »Der adlige Junggeselle« beschäftigen sich mit Verbrechen höchstens am Rande. Sherlock Holmes erscheint hier weniger als Detektiv denn als letzte Instanz in allgemein rätselhaften Angelegenheiten. Meist wird im Finale nicht einmal ein Schurke gestellt, und falls doch, lässt ihn Holmes womöglich wieder laufen bzw. liefert ihn einer höheren Gerechtigkeit aus. Ihm geht es eben nicht primär um den Sieg der (offiziellen) Gerechtigkeit oder gar Geld und Ruhm (obwohl er ersteres nicht ausschlägt und letzteren durchaus schätzt), sondern um sein ureigenes Steckenpferd, die »Deduktion«. Damit meint er die durch ihn zur Kunst erhobene Fähigkeit, viele Spuren und Indizien zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, das eine Geschichte erzählt, die ansonsten verborgen bliebe.
Unter diesen Umständen ist es für Holmes, aber auch für Watson und stellvertretend durch ihn für die Leserschaft nebensächlich, ob der Detektiv einem Monarchen aus der Patsche hilft oder »nur« einem verarmten, vom Leben gebeutelten Jedermann wieder zu seiner Weihnachtsgans verhilft. Gerade die letzte Episode brachte ihm unverhofft genau den Kitzel, nach dem Holmes süchtig ist: Überraschungen sind der Stoff, aus dem seine Träume sind. Dr. Watsons Lesern geht es ebenso, und Arthur Conan Doyle gibt ihnen, was sie sich wünschen. Aus heutiger Sicht mögen einige Wendungen nicht mehr verblüffen, aber die Welt hat sich halt weitergedreht und trägt nun eine dank des Fernsehens deutlich abgebrühtere Generation.
Wenn man Doyle indes unbedingt einen Vorwurf manchen möchte, dann lässt sich dieser ausgerechnet an den kriminalistischen Plots festmachen, die doch eigentlich das A und O einer Detektivgeschichte sein müssten. Bei näherer Betrachtung stellt sich rasch heraus, dass wohl keine der komplizierten Intrigen und Todesfallen funktionieren dürften, die zu klären sich Holmes solche Mühe gibt. Nur ein Beispiel: Wie realistisch ist es wohl, eine bekanntlich recht hohlköpfige, vor allem aber stocktaube Schlange mit Flötentönen und Milchgenuss zur unfehlbaren Mordmaschine zu dressieren (»Das gesprenkelte Band«)?
Der Punkt ist aber, dass Pedanten und Ketzer nichts in der Welt des Sherlock Holmes verloren haben. Arthur Conan Doyle selbst vertrat in diesem Zusammenhang eine sehr gesunde Meinung: »Aber was Details betrifft, bin ich nie ängstlich gewesen, und manchmal muss man einfach gebieterisch sein.« (aus »Memories und Adventures«, 1924, zitiert nach der »editorischen Notiz« in Die Memoiren des Sherlock Holmes, Haffmans- Verlag 1985, S. 297) So gewinnt man sicher keinen Literatur-Nobelpreis, aber viele treue Leser, die ein flottes Garn über angeblichen Realismus stellen. Für allzu intensive Recherchen blieb dem überaus produktiven Doyle ohnehin nur begrenzte Zeit, denn er musste regelmäßig liefern! Unter diesen Voraussetzungen leistete er fabelhafte Arbeit, und so lesen sich alle in diesem Band versammelten Geschichten mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung mit demselben Genuss, den die Käufer des »Strand« einst verspürt haben müssen.
Bei seinem dritten Auftritt hat sich der Welt erster »Beratender Detektiv« endgültig in seinem selbst gewählten Metier etabliert. Holmes’ überragende Fähigkeiten haben sich »auf drei Kontinenten« herumgesprochen, wie Watson rühmt – bemerkenswert eigentlich für einen Kriminalisten, der sich besser ein wenig abseits der Öffentlichkeit halten sollte. Aber da ist eben Holmes’ Eitelkeit, die Watson keineswegs verschweigt. In diesem Zusammenhang muss auch seine Selbstherrlichkeit gesehen werden: Holmes behält sich durchaus vor, aus eigenem Ermessen zu richten. Einen Schurken lässt er laufen, wenn er es für richtig hält, statt ihn der Polizei zu übergeben, und einmal (in »Das gesprenkelte Band«) nimmt er den Tod des Täters sogar wissentlich in Kauf: »Auf diese Weise bin ich zweifellos indirekt für Dr. Grimesby Roylotts Tod verantwortlich geworden, aber in kann nicht behaupten, dass dies mein Gewissen sehr bedrücken wird.« (S. 234)
Aufsehen vermeiden – die Tugend des viktorianischen Herrn, der sich aber auch die wahre Lady verpflichtet fühlt. Immer wieder erleben wir, dass Holmes zu Rate gezogen wird, wenn es gilt, die schon damals unerwünschte Aufmerksamkeit der Presse zu vermeiden. Das akzeptiert er, weil er in beruhigend hoher Position in der zeitgenössischen Gesellschaft verankert ist. Aber Holmes steht nicht über den Konventionen, und er ist nicht darüber erhaben, erbost zu sein, wenn ihn ein adliger Laffe oder sogar ein eingebildeter König kaum verhohlen als besseren Dienstboten behandeln. In solchen Momenten mag ihm schmerzlich zu Bewusstsein kommen, dass er eben nicht dem Idealbild des müßiggängerischen, feingeistigen Gentleman entspricht, den primär der Sportsgeist zu seinem Tun treibt.
Als Ermittler ist er längst nicht so unfehlbar wie ihm dies die Literaturkritik gern vorhält. In »Die fünf Orangenkerne« oder »Der Daumen des Ingenieurs« bleibt Holmes sogar ausgesprochen erfolglos. Das nimmt er allerdings mit Humor und der Gelassenheit des Profis: Es werden wieder andere Fälle kommen – und Holmes ist lernfähig: »Er pflegte sich einstmals über weibliche Schauheit lustig zu machen, aber seither habe ich derlei nicht mehr bei ihm gehört.« (»Ein Skandal in Böhmen«, S. 36).
Watson bleibt es einmal mehr überlassen, hinter den trügerischen Panzer der »Denkmaschine« zu schauen. Erneut stellt sich heraus, dass der bodenständige Doktor Holmes ein echter, nach seiner Heirat oft schmerzlich vermisster Freund ist. Dem Detektiv ist es menschlich nicht gegeben, dies in Worte zu fassen, aber seine Taten sprechen Bände: Wieso sonst ist er stets in einen Fall verwickelt, der die Unterstützung des Doktors unbedingt erforderlich macht, sobald diesen der Zufall über Holmes’ Schwelle treibt? Watson scheint das durchaus zu wissen, und er sorgt sich um den Freund. In »Die Blutbuchen« versucht er ihn sogar mit einer Klientin zu verkuppeln und ist betrübt, als Holmes darauf nicht anspringen mag.
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| Stefan83 zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 10.03.2009 |
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| Prince Joker zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 19.06.2007 |
| Laura zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 29.11.2006 |
| Torsten Janssen zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 12.12.2005 |
| Torsten Janssen zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 17.11.2005 |
| Torsten Janssen zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 15.11.2005 |
| mase zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 15.08.2005 |
| milla zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 23.07.2005 |
| Torsten Janssen zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 29.03.2005 |
| Torsten Janssen zu »Sir Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes« | 29.03.2005 |
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