Der Hund der Baskervilles von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1902
unter dem Titel The Hound of the Baskervilles,
.
206 Seiten.
ISBN-10: 3036951458, ISBN-13: 978-3036951454.
Übersetzt von Gisbert Haefs.
'Der Hund der Baskervilles' ist erschienen als
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In Kürze:
Dr. James Mortimer senkt seine Stimme fast zu einem Flüstern, als er Holmes und Watson von dem plötzlichen und rätselhaften Tod Sir Charles Baskervilles von Baskerville Hall in Dartmoor, Devon, erzählt. Seine Leiche habe keinerlei Spuren von Gewaltanwendung erkennen lassen, aber sein Gesicht sei unglaublich verzerrt gewesen, so dass in der Gegend das Gerücht umgeht, er sei vor Schreck gestorben. Denn auf den Baskervilles lastet der Fluch des Hundes, einer schrecklichen geisterhaften Bestie, die im Jahre 1648 den ruchlosen Hugo Baskerville getötet hat und seither seine Nachkommen heimsucht und in ihr Verderben hetzt.
»Ich habe bisher meine Nachforschungen auf diese Welt beschränkt«, meint Holmes nachdenklich; doch bittet er Dr. Mortimer, den jungen Erben, Sir Henry Baskerville, in die Bakerstreet 221 B zu bringen.
Das meint Krimi-Couch.de: »Doyle investierte deutlich mehr Aufwand als sonst«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Unter mysteriösen Umständen starb Sir Charles Baskerville, ein mächtiger (und mächtig reicher) Landadliger aus der Grafschaft Devonshire. Offenbar hat ihn der schwarze Geisterhund geholt, der nach einer alten Legende die Familie heimsucht, nachdem ein böser Urahn einst eine holde Maid zu Tode brachte. Über das nächtliche Moor hat er den armen Sir Charles gejagt, so sagen es die Spuren, bis dessen Herz in Todesangst stockte.
Nun übernimmt sein Neffe, der letzte Baskerville, das Erbe. Sir Henry lebte bisher in Kanada und kehrt ohne Vorahnung dessen, was ihn erwartet, in die Heimat seiner Ahnen zurück. Einen alten Freund treibt die Sorge, es könne ihm wie dem Onkel ergehen, nach London in die Baker Street Nr. 221b, wo der berühmte Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf einen Fall wie diesen nur gewartet hat. Dass ihn die Vorfreude nicht getrogen hat, erweist sich bald, denn Sir Henry wird offensichtlich überwacht. Eine anonyme Warnung trifft ein, er solle sich vom Moor fernhalten, gleich zwei einzelne Schuhe werden ihm gestohlen, ein düsterer Verfolger gibt sich als Sherlock Holmes aus.
Dieser fühlt sich herausgefordert. Allerdings binden ihn zur Zeit wichtige Geschäfte in London. So schlägt Dr. Watsons große Stunde: Der Freund, Assistent und Chronist des Detektivs soll Sir Henry nach Devonshire begleiten, dort über sein Leben wachen und vor allem für Holmes recherchieren. Geschmeichelt schlägt Watson ein – und reist direkt in das Abenteuer seines Lebens. Baskerville Hall ist ein verwunschener Ort, einsam inmitten des tückischen Grimpenmoors gelegen. Ein falscher Schritt lässt den unvorsichtigen Wanderer sogleich versinken. Gar nicht weit entfernt steht das berüchtigte Zuchthaus Dartmoor. Gerade ist dort der verrückte Serienmörder Seldon ausgebrochen und hält sich im Sumpf verborgen. Watson überrascht das Dienerpaar Barrymore, das des Nachts heimliche Signale ins Moor schickt. Er schließt Bekanntschaft mit dem Naturforscher Stapleton und seiner schwermütigen Schwester. Dann entdeckt er, dass der Brief einer unbekannten Frau Sir Charles ins Moor gelockt hat …Die Kette der Entdeckungen und Verwirrungen reisst nicht mehr ab. Watson raucht bald der Schädel. Getreulich meldet er alle Neuigkeiten nach London, doch wo bleibt Sherlock Holmes? Die Situation in Devonshire spitzt sich zu, als Watson einen weiteren Unbekannten entdeckt, der sich im Grimpenmoor verbirgt und Baskerville Hall nicht aus den Augen lässt. Den wird er fangen, schwört er sich, und legt sich auf die Lauer – um eine weitere Überraschung zu erleben …
Der dritte der Sherlock Holmes-Romane ist sicherlich mit Abstand der beste. Während Arthur Conan Doyle mit Studie in Scharlachrot (1888) und Das Zeichen der Vier (1890) noch den langen Atem vermissen ließ, seinen Detektiv außerhalb der Kurzgeschichte agieren zu lassen, fand er nun endlich eine Möglichkeit, ihn über die volle Distanz eines Romans zu beschäftigen. Also keine endlosen Rückblenden und Nebenhandlungen mehr, die den Leser nicht wirklich interessieren, sondern Holmes pur, und das in einer Geschichte, die es wirklich in sich hat.
Vielleicht liegt es daran, dass Doyle ursprünglich Sherlock Holmes gar nicht auftreten lassen wollte. Kein Wunder, hatte er sich doch des Detektivs 1893 durch einen Sturz in die Reichenbach-Wasserfälle entledigt, um sich endlich der »ernsthaften« Literatur widmen zu können. Im Jahre 1901 machte der Autor Urlaub in Cromer, Norfolk. Bertram Fletcher Robinson, ein junger Journalist, der sich mit Doyle angefreundet hatte, erzählte ihm dort die Legende von einem unheimlichen Geisterhund, der in dieser Gegend sein Unwesen treiben sollte. Das setzte in Doyles Kopf einige Räder in Bewegung. Er beschloss, zusammen mit Robinson eine romantisch-schaurige Geschichte zu verfassen, die sich um einen alten Fluch auf eine Familie drehte, die ihr Domizil ausgerechnet am Rande eines finsteren Moors aufgeschlagen hatte.
Doyle, der sonst eher schnell als sorgfältig arbeitete, investierte in seine Recherchen deutlich mehr Aufwand als sonst. Noch 1901 besuchte er die Familie Robinson auf deren Landsitz in Devon. (Dort arbeitete ein junger Hausdiener namens – Henry Baskerville!) Von hier starteten Doyle und Robinson eine Reihe von Erkundungsfahrten ins nahe Dartmoor. In den nächsten Wochen legte das Duo die Orte ihres zunächst möglicherweise als Gemeinschaftsarbeit geplanten Romans fest. Für die pittoreske Vergangenheit, die im Grimpenmoor jeden Fußbreit mit einer seltsamen Anekdote belegt, bedienten sich Doyle und Robinson aus den Werken des Reverends Sabine Baring-Gould (1834-1924). Hier entlieh Doyle auch die bedrückend schwermütige Atmosphäre, die er über die Geschichte vom Hund der Baskervilles legte.
Diese schrieb Doyle schließlich allein. Lange hat ihm die Kritik nachweisen wollen, als Autor von Robinson vertreten worden zu sein oder diesen um seine Mitautorenschaft betrogen zu haben. Tatsächlich ist »Der Hund der Baskervilles« Doyles ureigenes Werk, in das er viel Herzblut investierte. Noch heute ist seine Schilderung des Moors der Stempel, der einer eigentlich recht prosaischen, kargen Landschaft aufgeprägt wurde, die dadurch ein dramatisches, symbolträchtiges Image gewann: das wilde Moor als Spiegelbild der primitiven Seiten der menschlichen Seele, bewohnt von dunklen Gestalten aus dem Schattenreich.
Wer konnte einen solchen Höllenpfuhl nicht nur betreten, sondern ihn zähmen und zivilisieren? Doyle kam schon bald darauf, dass es dafür eigentlich schon einen Idealkandidaten gab: Sherlock Holmes! Also kündigte er dessen Rückkehr an – und war Profi genug, sein ursprünglich für diesen Roman mit dem »Strand«-Magazin vereinbartes Honorar zu verdoppeln …Die »Strand«-Herausgeber waren klug beraten, auf diese Forderung einzugehen – sie mussten zum ersten Mal in der Geschichte sieben Auflagen ihres Magazins drucken, so lange Holmes und Watson den Hund der Baskervilles jagten.
Kritiker bemängelten schon damals die Fadenscheinigkeit des Plots. Allzu intensiv darf man wirklich nicht darüber nachdenken, wie realistisch (oder zuverlässig) es beispielsweise ist, bei einem verwickelten Erbbetrug auf die Unterstützung eines mit Phosphor angemalten Hundes zu setzen. Aber lässt man sich auf die Geschichte ein, erlebt man noch heute eine höllisch spannende, wunderbar nostalgische Zeitreise zurück in eine wahrlich archaische Epoche.
Sieben Jahre waren sie fort, doch sofort sie sie präsenter denn je: Sherlock Holmes und Dr. Watson beherrschen die Szene, sobald sie diese betreten; ersterer sogar, obwohl (oder weil) er sich auf einige wenige, aber gut getimte und klug inszenierte Auftritte beschränkt. Niemals wird so deutlich wie im »Hund der Baskervilles«, dass Holmes und Watson ein Team sind. Obwohl der gute Doktor jegliche kriminalistische Genialität nachhaltig vermissen lässt, schlägt er sich, scheinbar auf sich allein gestellt, mehr als wacker. Aktiv und agil durchstreift er das Moor und lernt es langsam, aber sicher und stellvertretend für seine Leser kennen. Doyle war ein besserer Autor, als es ihm oft zugestanden wurden, weil er ja »nur« Unterhaltung schrieb. Freilich wusste er genau, dass der Spuk von Baskerville rasch zerstoben wäre, hätte er sogleich Sherlock Holmes darauf angesetzt. Watson war leichtsinnig oder naiv (im positiven Sinne) genug, das Mysterium zu wahren. Erst später stößt Holmes dazu und bringt die eingeleiteten Verwicklungen zur finalen Auflösung.
Dieser Sherlock Holmes zeigt sich im »Hund der Baskervilles« auf der Höhe seiner Fähigkeiten. Dabei erleben wir ihn von einer bisher nur behaupteten, aber ansonsten unbekannten Seite: Schon früher hatte Watson erwähnt, dass sein Freund durchaus weite Reisen unternahm, wenn es einen exotischen Fall zu klären galt. Nun verlässt Holmes sein geliebtes London tatsächlich – und siehe da: Er entwickelt glaubhaft echte Offroad- Qualitäten.
Auch die übrigen Figuren sind unsterblich geworden. Niemand, der (oder die) den »Hund der Baskervilles« gelesen hat, vergisst den unglücklichen Seldon, den düsteren Stapleton oder die gramgebeugten Barrymores – Gestalten wie aus dem klassischen Horrorroman, die ausgezeichnet ins Grimpenmoor passen und dessen fremdartige Bedrohlichkeit unterstreichen.
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| Stefan83 zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 24.11.2010 |
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| Anja zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 31.05.2010 |
| Lena zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 29.03.2010 |
| Daniel zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 09.09.2008 |
| Fransiska zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 23.07.2008 |
| heinrich zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 14.07.2008 |
| Francesca Brill zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 03.05.2008 |
| G.R. zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 04.03.2008 |
| Sherlock_Holmes zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 03.11.2007 |
| Dr.Sanati zu »Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles« | 08.10.2007 |
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