Sechs mal zwei von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Inland, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Piper.
Folge 2 der Berger-&-Blom-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2017 unter dem Titel Inland. 399 Seiten.
  • München; Berlin; Zürich: Piper, 2017. Übersetzt von Kerstin Schöps. ISBN: 978-3-492-05811-7. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Osterworld audio, 2017. Gesprochen von Peter Lontzek. ISBN: 3869523379. 2 CDs.

'Sechs mal zwei' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Zwei Dinge sind Desiree Rosenqvist von der Stockholmer Polizei sofort klar: Der Brief, den sie in Händen hält, wurde in einem Zustand völliger Verzweiflung und Paranoia geschrieben. Und er enthält Details eines ihrer alten Mordfälle, die nur der Mörder selbst oder eine ihm vertraute Person kennen kann. Desiree kontaktiert Sam, der zusammen mit Molly Blom in den schwedischen Norden aufbricht, um die Verfasserin des Briefs zu finden: Wer ist sie, und warum wendet sie sich an Desiree und Sam? Jemand aber scheint sie um jeden Preis davon abhalten zu wollen, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Doch das ist nicht Bergers und Bloms einziges Problem denn nach den Enthüllungen ihres letzten Falls werden sie auch vom schwedischen Geheimdienst verfolgt. Und sie wissen nicht einmal, ob sie einander vertrauen können.

Das meint Krimi-Couch.de: Furios verwirrender zweiter Fall für Berger und Blom 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Eine Kollegin von Kriminalkommissar Sam Berger wird unter mysteriösen Umständen ermordet. Gemeinsam mit Molly Blom, die für den Sicherheitsdienst Säpo arbeitet, ergreift er die Flucht. Wenngleich unfreiwillig, denn der Sicherheitsdienst sucht die beiden wegen des Mordes – und Sam erleidet eine Psychose. So sorgt letztlich Molly dafür, dass die beiden nach gelungener Flucht vom Radar verschwinden und in einem abgelegenen Nationalpark in Lappland untertauchen.

»Aber kann ich auch Blom vertrauen? Ihr seid auf der Flucht vor der Säpo, aber sie ist von der Säpo. Vergiss das nicht. Sie ist eine Undercoveragentin, Sam, wir haben gesehen, wie gut sie ihre Rollen spielen kann. Ausgezeichnet sogar. Was hast du nur getan, Sam?«
»Ich habe da in ein richtig großes Wespennest gestochen. Aber ich weiß nicht, wie groß es ist.«
»Das habe ich befürchtet.«

Währenddessen erhält Desiré »Deer« Rosenkvist, Bergers frühere Kollegin von der NOA (Nationale Operative Abteilung, ehemals Reichskripo), einen Brief von Jessica Johnson, die sich von einem Unbekannten verfolg fühlt. Da Johnson als Verschwörungstheoretikerin der Polizei bestens bekannt ist, passiert offiziell nichts. Deer hingegen nimmt insgeheim Kontakt zu Sam auf, da Johnson in ihrem Brief eine Andeutung auf ihren ersten gemeinsamen Fall macht.

Damals wurde der Mörder einer Mutter und ihres Sohnes der Tat überführt, doch Johnson deutet an, schon damals einen Hinweis gegeben zu haben, dass man den falschen Mann verurteilt habe. Dies anhand eines Details, welches sie unmöglich kennen konnte: Der Mörder hinterließ eine Kleeblattzeichnung auf dem Gesäß seines Opfers. Später wurde eine Prostituierte ermordet, die ebenfalls mit einem Kleeblatt gekennzeichnet wurde, was jedoch angesichts des Opfers niemanden näher interessierte.

Sam und Molly besuchen Johnson und besichtigen abschließend ihr Haus, um der vermeintlichen Bedrohung auf den Grund zu gehen. Dabei werden sie jedoch niedergeschlagen und als sie erwachen fehlt von Johnson jede Spur: Dafür befindet sich überall Blut im Haus und wenig später finden sie ein Stück Gesäß – mit einem Kleeblatt &

Ein Psychothriller der Extraklasse

Wenn auf dem Buchcover der Name des Autors so viel Platz einnimmt, dass man den Titel des Romans schon beinahe suchen muss, ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Gleiches gilt, wenn auf dem Cover ein Aufkleber »Bestsellerautor« oder ähnliches platziert ist; im vorliegenden Fall verbunden mit Schleichwerbung für den »Spiegel«. Bei Arne Dahl, der mit seiner A-Truppe ein weltweites Publikum fand, sind diese Sorgen jedoch unbegründet. Dabei darf man sich schon die Frage stellen, ob nach »Sieben minus eins« der neue Titel »Sechs mal zwei« nicht hätte etwas origineller ausfallen können. Eindeutig: Nein!

Es ist vorab wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich hier um den zweiten Band der Berger-Blom-Reihe handelt und dass man den ersten Teil vorab gelesen haben sollte. Es geht grundsätzlich auch ohne den Vorgänger, ist aber nicht wirklich sinnvoll, da in der ohnehin schon sehr komplexen Geschichte immer wieder hierauf verwiesen wird – und die Handlung unmittelbar am Ende des ersten Teils, der eingangs erwähnten Ermordung der Kollegin, ansetzt.

»Obendrein finde ich es merkwürdig, dass [&] schwanger gewesen sein soll. Von wem bitte? Vom Mörder? Das würde die Sache ja noch dramatischer machen. Oder war der Mörder vielleicht der Vater all dieser Kinder?«
»Wir sollten uns mit wilden Spekulationen vielleicht ein bisschen zurückhalten&«
»Das sind keine Spekulationen. Das nennt sich Brainstorming. Basis der Polizeiarbeit.«

Sam und Molly verstecken sich vor dem Sicherheitsdienst und damit ausgerechnet vor jenen, die ihnen die Suppe eingebrockt haben. Zudem läuft offenbar ein Serienmörder noch immer frei herum, der es auf Mütter von Söhnen abgesehen hat: Dass damals der Falsche verhaftet wurde erkennen die vom Dienst suspendierten Ermittler ebenso schnell wie der Leser. Was dann jedoch an Wendungen, Kapriolen und Überraschungen folgt hat die Krimiszene selten gelesen. Ein rasanter, harter Psychothriller mit rasantem Tempo zwingt zum Weiterlesen, doch Vorsicht, wer nicht genau liest, könnte schnell den Überblick verlieren.

Wer auf raffinierte Plots steht, greift hier zu, wenngleich mitunter harter Stoff serviert wird. Neben zahlreichen psychologischen Ausführungen über die Abartigkeiten von Serienmördern und ähnlich sympathischen Lebewesen, gibt es zahlreiche Turbulenzen bei den Ermittlungen, die auch dadurch verstärkt werden, dass Sam nie weiß, ob er Molly wirklich trauen kann. Auch diesbezüglich gibt es am Ende eine Überraschung und – selbstverständlich – wird auch nachträglich der Fall der ermordeten Kollegin aus »Sieben minus eins« aufgeklärt. Denn damit fing ja hier alles an.

Jörg Kijanski, Oktober 2017

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