Rosenrot von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel De största vatten, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.
Folge 5 der Paul-Hjelm-Serie.

  • Malmö: Bra böcker, 2002 unter dem Titel De största vatten. 400 Seiten.
  • München, Zürich: Piper, 2006. Übersetzt von Wofgang Butt. 400 Seiten.
  • München, Zürich: Piper, 2007. Übersetzt von Ungekürzte Taschenbuchausgabe. 399 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2009. Übersetzt von Wofgang Butt. 399 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2006. Gesprochen von Till Hagen. ISBN: 978-3886988204. 6 CDs.

'Rosenrot' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Arne Dahls neuer Fall erzählt von der Liebe und ihren seltsamen Kindern, ein rasanter, tiefgründiger Fall, der im Milieu illegaler Einwanderer beginnt: Wie schnell die Gedanken laufen, wenn die Pforte des Todesreichs in Sichtweite ist. Nicht schnell genug allerdings für Winston Modisane, aber vielleicht verdunkelt auch der Zorn während dieser Minute, die Leben und Tod trennt, seine Vernunft. Der Zorn auf alles, was das Leben des Südafrikaners in Stockholm ausmacht. Jedenfalls war Winston Modisane fünf Sekunden später tot – erschossen von Dag Lundmark, einem Polizisten. Lundmark leitet eine Polizeirazzia, die angeblich illegale Einwanderer aufstöbern soll. Doch Lundmark hat andere Motive, ganz andere – das wird auch Kerstin Holm rasch klar, die Lundmark noch aus alten Tagen kennt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schwarz wie die Nacht?« 80°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Dass Arne Dahl gleich ein ganzes Team in den Mittelpunkt seiner Geschichte stellt statt eines einsamen und melancholischen Ermittlers wie die meisten seiner skandinavischen Kollegen, ist schon mal ungewöhnlich. Er bedient sich einer Spezialistentruppe, eines A-Teams, das allerdings nicht wie in der gleichnamigen amerikanischen Fernsehserie mit dem Hubschrauber unterwegs ist, sondern in Stockholm im Polizeipräsidium agiert.

Zwei Mitglieder dieser A-Truppe, genauer gesagt der »Spezialeinheit beim Reichskriminalamt für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter«, werden vom Leiter der internen Ermittlungsabteilung um Unterstützung gebeten. Er will mit diesem Ansinnen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens wären beide dafür geeignet, sein Team zu verstärken, so dass er sich ein Bild von ihrer Befähigung machen kann, zweitens weigerte sich der Polizeibeamte Dag Lundmark, der befragt werden soll, mit dem zuständigen Beamten zu reden und verlangte offenbar konkret nach Kerstin Holm und Paul Hjelm. Pikantes Detail dabei ist, dass Dag vor einigen Jahren mit Kerstin verlobt war. Sie trennte sich wegen seiner Alkoholsucht und seiner Gewalttätigkeit von ihm.

Das A-Team ist mittendrin

Lundmark wird zur Last gelegt, allzu schnell auf den Asylbewerber Winston Modisane gefeuert zu haben, der sich bei der Durchsuchung einer Wohnung aus dem Staub machen wollte und aufs Dach floh. Da sein vorbereiteter Fluchtweg versperrt war, zog er angeblich eine Waffe und zielt damit auf den Polizeibeamten, worauf dieser Modisane mit einem einzigen Schuss tötete. Zeugen gibt es dafür keine. Gleichzeitig untersucht ein anderer Teil der A-Truppe den Selbstmord eines Mannes, der in seinem Abschiedsbrief offenbart, dass er ein Serienmörder sei.

Ich verrate wohl nicht zuviel, wenn ich hier anmerke, dass Arne Dahl diese zwei Handlungsstränge auf überraschende Weise miteinander verbindet. Das Wie und das Motiv sind zwar für meinen Geschmack etwas weit hergeholt, aber eine parallele Darstellung der beiden Ermittlungen ohne Verbindung hätte die Story um einiges langweiliger erscheinen lassen.

Wenn man noch keines seiner Bücher gelesen hat und somit das A-Team nicht kennt, fällt einem der Einstieg recht schwer. Dies liegt einerseits an der sprunghaften Erzählweise, bei der man von Kapitel zu Kapitel eine andere Person begleitet (bis hin zu ihren Gedanken) und andererseits an den nebulösen Anspielungen an früherer Fälle sowie den bruchstückhaften Schilderungen, die man quasi vorgeworfen bekommt und die sich erst nach und nach zusammenfügen. Zum besseren Verständnis musste ich ein paar Abschnitte wiederholt lesen. Es herrscht das latente Gefühl, dass einem ein Stück Vorgeschichte fehlt, obwohl die alten Fälle gar keine Rolle spielen.

Polizei, Polizei, Kartoffelbrei

Was erschwerend hinzu kommt ist der gewöhnungsbedürftige, teilweise anstrengende, holprige Stil Dahls, der manchmal alles andere als flüssig zu lesen ist. Gegen ein paar Wortspielchen ist ja nichts einzuwenden: Gleich zu Beginn geht es ums schwarz ärgern, dann fährt jemand Schwarztaxi, nicht schwarz Taxi, und der Autor führt auch die Schwarzreinigung an – was haben wir uns darunter vorzustellen? Auf die Antwort »Nix« entgegnet der andere »Pix« (S. 46). Nix – Pix – alles klar, oder? Oder auch die Aussage: Polizei, Polizei, Kartoffelbrei (S.173) ist ja ganz humorig zu nehmen. Keine Angst, neben diesen sprachlichen Highlights wird auch normaler Krimistil geboten, ansonsten hätte ich Rosenrot vielleicht doch zu Schwarzpapier verbrannt.

Sätze wie die folgenden sollen wohl bedeutungsschwer klingen:

»Vielleicht sah er erst da jenes letzt Sandkorn durch den verengten Hals des Stundenglases zu den anderen hinabkullern. Das Sandkorn blieb einen Moment in der Schwebe, als wollte es am Rand liegen bleiben, als gäbe es noch eine Chance, eine Öffnung, eine Möglichkeit.« (S.6)

Solche Phrasen serviert uns Herr Dahl in regelmäßigen Abständen, aber Ärger kommt trotzdem nicht auf, weil es ja dennoch recht spannend zugeht.

Von allem etwas

Nachdem ich mir einige Rezensionen zu Dahls Vorgängerromanen zu Gemüte geführt hatte, war ich geneigt zu glauben, ich würde das Buch entweder in der Luft zerreißen oder himmelhochjauchzend loben – obwohl letzteres von vornherein mit geringen Chancen ausgestattet war. Überraschung: Das Buch war okay, trotz all der mit einem Augenzwinkern angeführten Kritikpunkte. Recht spannend und am Ende überraschend bietet die A-Truppe eine Mischung aus einem Schweden- und einem Agentenkrimi. Vielleicht hat Arne Dahl ein bisschen Svedelid, Holt und Mankell in einen Mixer gesteckt und gut geschüttelt, nicht gerührt …

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trafik zu »Arne Dahl: Rosenrot« 24.02.2017
Ich bin eigentlich ein sehr großer Fan von den Krimis des schwedischen Autors Arne Dahl. Habe auch die ersten 4 Bücher dieser Reihe gelesen. Mit diesem bin ich gar nicht zufrieden.
Man kommt von Anfang an nicht in die Geschichte. Vielleicht ist es an mir gelegen. Habe dieses Buch auch nicht fertig gelesen. Hoffe das nächste Buch ist wieder wie gewohnt besser.
Jens zu »Arne Dahl: Rosenrot« 27.10.2015
Puh - langatmig, manchmal fast dozierend und somit auch stellenweise langweilig.
Extrem konstruiert.
Eine Polizistin mit einem mehr als merkwürdigen Verhalten, Meisterin im Verdrängen - dass ich es schon als fraglich empfinde, ob so jemand überhaupt für den Polizeidienst geeignet ist.
Ein brutaler Polizist, der ganz am Ende völlig unstimmig mindestens eine Tonne Kreide gefressen hat und der, anstatt einfach mal Klartext zu reden, sich in biblischen Rätseln ergeht.
Alles sehr an den Haaren herbeigezogen.
Zwei Menschen, die dafür sterben müssen, dass ein Kind zu seiner Mutter kommt.
Und sonstige schräge Touren.
Und einige nette Übersetzungspannen wie z.B. dem Gitterhemd ;-)
Ich würd's dann doch eher mal mit "Netzhemd" versuchen ;-)

Klar ist hier die Reihenfolge der Romane wichtig.
Das habe ich auch erst zu spät gemerkt.
Insofern - Augen bzw. Denkapparat zu und durch.
muprl zu »Arne Dahl: Rosenrot« 15.02.2009
Im Grunde muss ich den bisherigen Kritiken recht geben - in diesem Fall des A-Teams ist die Handlung recht konstruiert und das Ende empfinde ich als wesentlich zu dick aufgetragen. An Spannung hapert es jedoch nicht. Und ich möchte doch noch einmal betonen, das es sich für Arne-Dahl-Verhältnisse vielleicht für ein eher weniger gutes Buch handelt, aber es ist doch immer noch ein Krimi auf extrem hohem Niveau und hat damit doch mehr Respekt verdient, als es in den meisten Kritiken anklingt. Ja, "Tiefer Schmerz" ist wesentlich besser, aber auch "Rosenrot" ist klasse!
Was bisher noch nicht erwähnt wurde: Der Schreibstil ist in diesem Buch noch eine ganze Klasse BESSER und experimentierfreudiger als in den vorherigen Werken. Und dieser Stilwille ist nun mal eine Rarität unter den Kriminalromanen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
theili zu »Arne Dahl: Rosenrot« 24.08.2008
Das ist grosse Krimiliteratur! Von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Da wird richtige Polizeiarbeit erzählt. Das Kaptiel 33 war der Höhepunkt. Einfach genial geschrieben!
Zudem hat das A-Team sehr unterschiedliche Charakteren, was einem das Lesen noch versüsst. Kapitel hat es mir angetan. Ich werde mir umgehend das erste Buch dieser Serie (Misterioso) kaufen und lesen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
pescheg zu »Arne Dahl: Rosenrot« 12.08.2008
Im Urteil von «Rosenrot» kann ich mich mehr oder weniger meinen Vorschreiberinnen und Vorschreibern anschliessen: Nicht der beste Dahl und bei weitem nicht so gut wie «Tiefer Schmerz». Weshalb ich trotzdem noch meinen Senf dazu gebe, hat zwei Gründe. Erstens möchte ich unbedingt empfehlen, die Geschichten rund um das A-Team in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen. Ich mache dies ja bei allen Reihen aus Prinzip, aber hier ist es wirklich hilfreich, um alle Handlungsstränge und Gedankengänge richtig nachvollziehen und geniessen zu können.

Zweitens gefällt mir Arne Dahls Stil sehr. Wenig wirkt klischiert, vieles ist mehrdeutig. Die Personen sind keine Superhelden, sondern haben auch ihre Schwächen und Probleme. Die Sprache wirkt manchmal schon etwas elitär und der eine oder andere Dialog oder Schlenker geht daneben. Aber man merkt, dass der Autor etwas riskiert, seine Arbeit ernst nimmt und versucht, nicht einfach irgendeinem Erfolgsschema zu folgen. Mein Tipp: «Rosenrot» unbedingt lesen, aber erst nachdem man die vier Vorgängerbände intus hat.
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Heiko zu »Arne Dahl: Rosenrot« 15.07.2008
Das Buch ist ist schon recht spannend, ... wenn man es als Hörbuch hört. Mich stören aber einige Sachen, die den Genuß doch etwas verderben:

1) Die beiden Handlungsstränge sind für mich in ihrer Beziehung zu konstruiert.
2) Die Logik innerhalb der beiden Handlungen ist ebenfalls sehr künstlich.
3) Die Ermittler scheinen mir manchmal professionell ausgebildete Psychiater & Gredankenleser & Sherlock Holmes zu sein. Was die aus Bibelzitaten und Abschiedsbriefen an persönlichen Werdegängen und zukünftigen Verhaltensweisen herauslesen..., da kann man nur staunen.
4) Bei den Dahl-Romanen (oft auch bei anderen skandinavischen Schriftstellern) gibt es immer eine gehörige Portion politisch korrekter Themen (Ausländer, Nazis etc.). Erinnert einen an manche tiefschürfende Tatort-Filme.
Geli zu »Arne Dahl: Rosenrot« 02.01.2008
Da alle A-Gruppen-Romane aufeinander aufbauen sollte man sie in der richtigen Reihenfolge lesen. Das erschließt sich jedoch erst, wenn man schon "falsch" angefangen hat.

Rosenrot ist von den bisherigen in der Reihe derjenige, den ich am wenigsten nachvollziehbar und ziemlich an den Haaren herbeigezogen finde: wie kann man ein Kind vergessen, oder warum wird ein Einbrecher zu Tode gefahren, wo der Täter doch will, dass man ihm auf die Spur kommt? Und dass ein Fernseher, der offensichtlich vorher ausgeschaltet wurde genau im "richtigen" Moment quasi von Geisterhand angeht ist wenig glaubwürdig.

Was mich an Dahls Büchern insgesamt sehr fasziniert ist, dass er seine Figuren sehr fein modelliert. Außerdem gefällt mir, dass Polizisten nicht von vornherein als die Deppen dargestellt werden und sich die Figuren nicht gegenseitig im "ich-bin-besser-als-du"-Hickhack zerfleischen.
Gut gefällt mir auch der hohe Anspruch, der ohne überheblich zu wirken herüberkommt, also z.B. die Anleihen an der griechischen Mythologie oder der Bibel.
Ich denke, wenn man in der Reihe weiterlesen will, dann sollte man dieses Buch nicht auslassen.
kamocolo zu »Arne Dahl: Rosenrot« 17.10.2007
Der Anfang ist gut, dann flacht es leider ab, relativ früh ist klar wo es lang geht, das meiner Meinung nach bisher schwächste Buch von Arne Dahl. Schade!
Pascal zu »Arne Dahl: Rosenrot« 24.02.2007
Habe vor langer Zeit Misterioso gelesen und konnte mich nicht dafür begeistern. Zufällig ist mir Tiefer Schmerz in die lesewilligen Hände gefallen und dieses Buch hat mich begeistert. Also kauft ich flugs Rosenrot, da ich vom Wandel des Autors begeistert war.
Leider hat Rosenrot nicht die Klasse, die Spannung von Tiefer Schmerz.
Wie bereits erwähnt ist die Story schmerzhaft an den Haaren herbeigezogen. Wenn mir Tiefer Schmerz nicht in Erinnerung gelegen hätte, hätte ich herzlich wenig verstanden, denn der Autor bezieht sich immer wieder auf vorherige Fälle.

Der einzige Grund, dass ich diese Buch zu Ende gelesen habe, ist der Schreibstil Dahls. Häufig langatmig, aber nie langweilig.
Ulrike zu »Arne Dahl: Rosenrot« 18.11.2006
Ich kann den Herren Günther und Pöhlmann nur zustimmen. Ich lese die Bücher von Arne Dahl sehr gerne und dachte Rosenrot würde ebenso sein. Doch die Handlung spielt einfach an zuvielen Schauplätzen und der ganze Schreibstil ist etwas platt. Schade, ich hoffe der nächste wird wieder besser
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