Opferzahl von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Efterskalv, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.
Folge 9 der Paul-Hjelm-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2006 unter dem Titel Efterskalv. ISBN: 978-9100104184. 395 Seiten.
  • München: Piper, 2011. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 978-3-492-04968-9. 440 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Osterwold Audio bei Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Achim Buch. ISBN: 978-3869520766. 5 CDs.

'Opferzahl' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Um 0.45 Uhr explodiert ein Waggon der grünen U-Bahn-Linie in der Station Fridhemsplan. Zehn Menschen sterben, der Terror kommt nach Schweden. Rasch glaubt man, die Täter gefunden zu haben – »Siffins heilige Ritter«, eine geheime islamistische Vereinigung. Doch dann werden die »heiligen Ritter« einer nach dem anderen ermordet. Kommissarin Kerstin Holm greift auf die Erfahrung des pensionierten Kollegen Jan-Olof Hultin zurück. Denn ihr A-Team gerät in eine fatale Hetzjagd nach den wahren Tätern, deren Verbindungen bis ins Herz der Stockholmer Polizei reichen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bomben, Todespillen und Fanatiker« 98°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Skandinavien erscheint vielen Menschen als glückliche Insel der Seligen. Terror findet in Mitteleuropa und Amerika statt, aber doch nicht in Schweden. Doch plötzlich ist diese scheinbare Gewissheit auf furchtbare Weise dahin. Exakt um 0.45 Uhr explodiert in Stockholm ein spärlich besetzter Wagen der grünen U-Bahn-Linie, kurz nach der Ausfahrt aus der Station Fridhemsplan. Zehn Menschen werden dabei getötet, und für die schwedischen Polizeibehörden beginnen zähe und komplizierte Ermittlungen. Die A-Gruppe um Kerstin Holm ist beteiligt, und arbeitet sich in mühevoller Kleinarbeit an den oder die Täter heran. Ein Bekenner-Anruf einer Gruppe namens »Siffins heilige Ritter« scheint auf eine islamistische Vereinigung aus Stockholms Vorstädten hinzudeuten. Die Ermittler stehen jedoch vor einem Rätsel, als die mühselig aufgespürten Mitglieder der »heiligen Ritter« ihrerseits von einem weiteren Unbekannten getötet werden. Die A-Gruppe muss einen ihrer schwierigsten Fälle lösen – in den irgendwie auch Kollegen aus den Reihen der Polizei verwickelt sind.

Was für ein genialer Roman von Arne Dahl! Der Schwede ist für seine verzwickten und verwinkelten Fälle, die oft mit schwermütigen Überlegungen gespickt sind, durchaus bekannt. Aber die Schach- und Winkelzüge, die Dahl in Opferzahl seinen Ermittlern und den Lesern zumutet, sind schon enorm ausgeklügelt. Dabei beginnt der Roman zwar mit dem blutigen Attentat in der U-Bahn, scheint dann jedoch etwas dahin zu dümpeln. Wer sich jedoch von dieser nur vermeintlich wirren Anfangsphase der Handlung abschrecken lässt, verpasst einen der besten Romane von Dahl, der nach meiner Auffassung im Laufe des Buches zu mehr als großer Form aufläuft.

Zunächst geht es um Kompetenzgerangel bei der Polizei, um Zuständigkeiten, um das wieder komplette Team um Kerstin Holm, die gerade erst nach einer Suspendierung wieder im Dienst ist. Und es geht um menschliches, allzumenschliches in der A-Gruppe. Dort wird Polizeiarbeit so betrieben, wie bei Volvo Autos produziert werden. In sich geschlossene Produktionsgruppen sind für die Herstellung eines kompletten Fahrzeugs verantwortlich, und dürfen die Arbeit untereinander nach Belieben verteilen, und auch die Abläufe selbst einteilen. So verfährt Kerstin Holm auch mit ihrer A-Gruppe – was ihr genügend Zeit und Gelegenheit verschafft, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren. Selbstverständlich will ich hier nicht zu viel verraten, aber über welche verschlungenen Wege und Denk-Anstöße die Polizisten zuweilen zu Personen oder Zusammenhängen finden, ist für einen Roman fast schon zu komplex, um ausgedacht zu sein. Wie stark Arne Dahl reale Vorfälle aus dem schwedischen Polizei-Alltag in seine Romane einbaut, wie es beispielsweise Andreas Franz in Deutschland macht, kann ich nicht beurteilen. Aber einige Ermittlungsmethoden sind derart raffiniert, dass man kaum an Fiktion glauben mag. Ein kleines Beispiel sei erlaubt. So kommen die Ermittler der Gruppe der »Ritter von Siffin« unter anderem auf die Spur, weil sie ein zunächst unverständliches Zitat so lange in verschiedenen Bedeutungen übersetzen, bis sie es im entsprechenden Buch identifizieren können. Das Buch ist selten, und so finden sie heraus, wo es ausgeliehen wurde. Und so geht es weiter – mehr will ich hier nicht verraten, aber die ungewöhnlichen Methoden der A-Gruppe sind schon ein Markenzeichen der Romane von Arne Dahl.

Daneben erzählt er, gewissermaßen in Nebensätzen und beiläufigen Bemerkungen, von den persönlichen Befindlichkeiten und Entwicklungen in der Gruppe. Durch die Art des Einstreuens dieser Informationen wirkt das Ganze recht unaufdringlich, und lenkt überhaupt nicht von der eigentlichen Handlung ab. Neueinsteiger lernen so das Team besser kennen, wer schon die Vorgänger-Romane gelesen hat, fühlt sich wie bei einer bekannten Familie, von der er interessanten Neuigkeiten erfährt. Wie gewohnt setzt Arne Dahl weniger auf krachende Action, und mehr auf akribische und nachdenkliche Polizeiarbeit. Sein ruhig wirkender Erzählstil sorgt dennoch dafür, dass langsam aber stetig enorme Spannung aufgebaut wird.

Während man bei anderen Autoren geradezu auf die Verfilmung wartet, möchte ich diesen Roman von Arne Dahl nicht auf der Leinwand sehen. Es würde dem Reiz des Buches nicht gerecht werden können. Die Zwischentöne, die geradezu philosophischen Randbemerkungen, das Binnen-Klima der A-Gruppe, die Raffinesse der Ermittlung – all das taugt nicht für schnelle und Action-reiche Bilder auf der Kinoleinwand. Opferzahl ist vielmehr – mal wieder – ein Kriminalroman zum Genießen. In aller Ruhe, und gerne ein zweites Mal, weil sich dann viele Nuancen noch besser abzeichnen dürften. Das Finale des Buches, mit dem etliche große und kleinere Rätsel endlich aufgelöst werden, ist wieder einmal das Glanzstück. Und wie schon beim Vorgängerband Dunkelziffer kann man nur hoffen, dass der Großteil der Handlung und des Hintergrundes völlig fiktiv ist. Allerdings ist diese Hoffnung eher trügerisch.

Andreas Kurth, März 2011

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KrimiLeser zu »Arne Dahl: Opferzahl« 05.09.2012
Ich habe das Buch auf Grund des Krimicouch-Empfehlungs-Aufklebers in der Mayrischen erworben - und bin herbe enttäuscht.
Nun, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber wie man diese wirre, langweilige, hölzern geschriebene Story gut finden kann, wird mir ein Rätsel bleiben.
Also bitte: Eine implantierte Giftdosis eines plötzlich auftauchenden Waffenhändlers - wäre es nicht so traurig, dann könnte man lachen.
Mein erster und letzter Arne Dahl.
Krimitante zu »Arne Dahl: Opferzahl« 19.08.2012
krimi trifft auf gute literatur. will man das, ist man mit arne dahl immer gut bedient. das buch ist sicherlich keines das man"so wegliest". hier sollte man sein hirn beim lesen anstellen (oder an lassen...). dafür bekommt man aber auch 440 seiten kluge auseinandersetztung mit einem aktuellen thema (terrorismus), dazu jede menge interessanter hintergrundinfos, ausflüge in die zwischenmenschliche philosophie und das alles in einer spannend aufgebauten handlung. mehr kann man nicht wollen. fazit: wer anspruchsvolle krimis bevorzugt sollte arne dahl lesen.
Gabi Jung zu »Arne Dahl: Opferzahl« 08.07.2012
Ich habe das Hörbuch von einem Freund bekommen - es kommt mir ziemlich kurz vor, deshalb wüßte ich gern, ob es mit diesen Worten endet: "'Wir brauchen wirklich Urlaub', sagte Sara Svenhagen."
Danke schon mal für eventuell hilfreiche Antworten! - Nun soll ich noch 60 Zeichen eingeben, ansonsten wird der Beitrag nicht akzeptiert...
Michael Albrecht zu »Arne Dahl: Opferzahl« 21.06.2012
Too much-Also ich habe ewig gebraucht in diesesBuch hereinzukommen-direkt am Anfang unzählige Polizisten, die man nicht zuzuordnen weis und dann noch dieses Attentat.Hier herrschte auch bei mir Verständnischaos.Was stört, sind etliche Nebenhandlungen, die nicht zum Ziel führen-und leider wir am Ende bestätigt, daß die andere Fraktion "ja alles wusste"Herzschmerz mit Beziehungsstress,natürlich ein Kind als zusätzl.Opfer und eine Krebserkrankung und zum Schluß noch Geheimdienst und ominöse Pillen aus demBaltikum machen das Buch nicht zudemwas ich mir erwartet hatte.Eher Enttäuschuung und Verwirrung sind vorherrschend.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
€nigma zu »Arne Dahl: Opferzahl« 12.10.2011
Als bei einem nächtlichen Bombenanschlag auf eine Stockholmer U-Bahn mehrere Menschen sterben, fällt der Verdacht nach einem entsprechenden Bekenneranruf auf eine islamistische Terrorgruppe namens "Siffins heilige Reiter/ Ritter". Bei Verbrechen mit ausländischem Hintergrund ist das aus anderen Romanen des Autors bekannte A-Team um Kerstin Holm gefragt. Dessen Mitglieder ermitteln zunächst ziemlich lange und ebenso ergebnislos im Hinblick auf den terroristischen Hintergrund, da es sich als sehr schwierig erweist, etwas über diese international unbekannte Gruppierung zu erfahren. Erst nach einer für meinen Geschmack zu langen Anlaufphase bekommt die Ermittlung neue Impulse, indem jetzt das Hauptaugenmerk erstmalig auf die Opfer des Anschlags gerichtet wird. Möglicherweise waren sie gar keine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Personen, sondern gehörten zusammen? Die Sichtung aller Computer der Todesopfer und Schwerverletzten führt zu neuen Erkenntnissen. und jetzt nimmt die Handlung Fahrt auf bis zum spannenden Showdown am Ende des Romans.
Der Erzählstil von Arne Dahl ist wieder ähnlich wie in den beiden mir bekannten Vorgängerromanen "Totenmesse" und "Dunkelziffer": Am Anfang versteht man nur wenig, da eine große Anzahl Romanfiguren und wechselnde Perspektiven den Leser verunsichern. Außerdem gibt es Kapitel, in denen dem Leser unbekannte Personen "Selbstgespräche" führen, wobei man nicht wirklich durchschaut, worum es geht. Die privaten Probleme der Mitglieder des A-Teams werden wieder aufgerollt, auch hier muss der Leser sich allmählich einlesen, falls die Lektüre der vorherigen Bände schon länger zurückliegt.
Im Nachhinein werden aber alle losen Enden zu einem Gesamteindruck zusammengeknüpft und es wird ersichtlich, dass Arne Dahl wieder einen komplexen und sehr gut durchdachten Kriminalroman vorgelegt hat, der einige Überraschungen zu bieten hat.

Fazit: Bei "Opferzahl" handelt es sich um einen intelligent konstruierten Krimi, der konzentriertes Lesen erfordert und solide Ermittlungsarbeit glaubwürdig und -streckenweise - spannend darbietet. Mir persönlich war jedoch der erste Teil etwas zu sehr in die Länge gezogen, deshalb vergebe ich "nur" 3,5 Sterne. Wer sich an einer phasenweise langsameren Gangart nicht stört, ist mit diesem Buch gut beraten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
manni zu »Arne Dahl: Opferzahl« 28.03.2011
So muß ein Krimi geschrieben sein:spannend, aktuell, überraschende Wendungen inclusive. Das kann Arne Dahl
perfekt. Dazu wird die LebensGeschichte(n)
um das A -Team auch immer dramatischer,
es menschelt auch bei der Kripo und schon ist das Interesse für den Folgeroman geweckt. Wer diese Krimi-Serie liest wird es nicht bereuen, sei macht süchtig. 90°!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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