Gier von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Viskleken, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der Opcop-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2011 unter dem Titel Viskleken. 503 Seiten.
  • München: Piper, 2012 Antje Rieck-Blankenburg. ISBN: 978-3-492-05305-1. 512 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2012. Gesprochen von Dorothea Reinecke. ISBN: 386952121X. 6 CDs.

'Gier' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Aus seinem Mund ergießt sich ein Schwall Blut. Es ist kaum zu verstehen, was der junge Chinese flüstert. Nur dass seine letzten Worte von entscheidender Bedeutung sind, ist den Polizisten instinktiv klar. Kurz darauf wird in einem Waldstück bei London eine weitere schrecklich zugerichtete Leiche gefunden das geheime Europol-Team beginnt zu ermitteln. Was treibt die Drahtzieher der beiden Morde an? Europol tappt im Dunkeln. Nur eines wird den Ermittlern immer klarer: Die Dimension dieser Verbrechen lässt selbst den Erfahrensten unter ihnen den Atem stocken.

Das meint Krimi-Couch.de: »Früher war es auch nicht unbedingt besser, aber jetzt hat sich die Situation eindeutig verschlechtert« 60°

Krimi-Rezension von Jochen König

Arne Dahl will hoch hinaus. Raus aus Schweden. Die A-Gruppe gibt es nicht mehr. Nur noch als Splittertrupp halten Kerstin Holm und Sara Svenhagen die Stellung, gelegentlich unterstützt von Jon Anderson (nicht verwandt mit dem ehemaligen »YES«-Sänger). Paul Hjelm hingegen, begleitet von den A-Gruppe-Veteranen Jorge Chavez und Arto Söderstedt, wird von seinem Autor auf eine große Mission geschickt. Er leitet die neu gegründete und streng geheime operative Einheit von Europol. Dass die gar nicht so geheim ist, ist der stillen Post zu verdanken, nachdem sich ein Beamter, trunken vor Freude, Lust und Alkohol, verplapperte. »Chinese whispers« nennt Dahl das in doppelbödiger Ironie, mehrfach, damit auch dem Leser in der letzten Reihe klar wird, wer hier flüstert. Wie seine Figuren häufiger englische Einzeiler von sich geben dürfen, damit der Roman unheimlich weltläufig wirkt. Globalisiert sozusagen. Wie die Einheit, geschaffen aus der Idee, dem Verbrechen, das keine Grenzen mehr kennt eine schlagkräftige Truppe entgegen zu setzen, die ebenfalls grenzüberschreitend aktiv wird. Was Hjelm und seine Springinsfelde mit einer Selbstverständlichkeit betreiben, als gäbe es keine Bürokratie mehr. Nationale und internationale. Wo Mitglieder der Truppe auftauchen haben sie das Sagen. In Holland, England, Italien, Lettland und Deutschland. Mitten in der Bundeshauptstadt. Die können sich bestimmt auch Eigenheime ohne Antrag in beliebiger Größe und Ausrichtung bauen. Wo sie wollen.

Damit die Typisierung nicht zu diffizil wird, hat Dahl seine Protagonisten den landestypischen Klischees angepasst. Da ist Greta, äh, Jutta Beyer, die unscheinbare (Ost-)Deutsche, kühl, kontrolliert, ordentlich – aber empfindsam; der fröhliche Pole Marek Kowalewski, dem zur perfekten Plattitüde nur eine Flasche Wodka in der Schreibtischschublade fehlt, der durchtrainierte Fabio Tebaldi, natürlich auf der Mafia-Abschussliste, ein italienischer Frechdachs, Zierde jedes After-Shave-Werbespots; ähnlich wie der Spanier Felipe Navarro, elegant und weltmännisch, aber blass. Natürlich ist die dunkelhäutige muslimische Französin Corine Bouhaddi erfüllt von »heiligem Zorn« und die Rumänin Lavinia Potorac eine »ehemalige Eliteturnerin«. Mit dem gelassenen Griechen Angelos Sifakis erlaubt sich Dahl einen kleinen Scherz, darf er doch den Spezialisten in Sachen Korruption darstellen. Andererseits: Wenn nicht er wer dann?

Damit sind noch nicht alle Mitglieder der Einheit aufgelistet. Was den Einstieg in Gier ziemlich weitschweifig macht. Nicht der Komplexität der Retortencharaktere geschuldet, sondern allein ihrer Anzahl. So lernt man sich kennen, bildet kleine Bündnisse und milde Antipathien, und ist vorerst zur Untätigkeit verdammt. Denn die »Opcop-Gruppe« ist noch in der Erprobungsphase. Keine Bange, nicht für lange. Denn als Arto Söderstedt auf Beobachterposten während des G20 Gipfels Zeuge eines Unfalls mit Todesfolge wird, werden unsere Helden in Straßenklamotten mitten in ihren ersten Fall katapultiert. Was heißt Fall? Fälle.

Ein sterbender Tibetaner, der seine letzten zunächst unverständlichen Worte in Söderstedts Ohr bluthustet ist zwar der Auftakt, doch was folgt, sprengt jede Dimension: Kinderpornografie und Entführung, brutale Foltermorde mit rituellem Charakter, Ökokriminalität, Mafia-Aktivitäten in West und Ost (natürlich kein Wort zu den Unterschieden und möglichen Gemeinsamkeiten – zwischen der kalabrischen 'Ndrangheta und der sogenannten »Russen-Mafia«), Drogenhandel, böse Banken, ausgeblutete Kleinstaaten, Ground Zero, die fiesen Chinesen und Schulmobbing. Irgendwas vergessen? Bestimmt.

Mittendrin unsere Recken von der schnellen Eingreiftruppe, stets bemüht, die gar grausigen Geschehnisse zu entwirren und für Ordnung, wenn schon nicht für Recht zu sorgen. Denn, und da müssen wir uns nichts vormachen, wir befinden uns im Roman eines skandinavischen Autors. Da besteht immer die Gefahr, dass es böse endet. Oder der Kommissar zum Abschluss, Ende nicht in Sicht, bitterlich weint.

Gier ist ein umfangreicher Roman. Hat schließlich die Welt zum Schauplatz. Dahls Prämisse ist durchaus wohlüberlegt: Wie soll man sich in einer Welt verhalten, in der das Verbrechen längst den Alltag durchdrungen hat? Grenzen und individuelle Bedenken in jeder Form überschreitend. Ist die Lösung tatsächlich eine multinationale operative Einheit, die sich nicht um nationale Limitationen und Befugnisse scheren muss? Was einen hochinteressanten Konflikt beinhaltet, wird im Roman kaum zum Thema. Stattdessen werden die üblichen Verdächtigen hervorgezerrt und zumindest ideell geschlachtet. Das liest sich, als hätte jemand ein Dutzend Wikipedia-Einträge zu einem großen Ganzen geformt und mehrere Thrillerplots darüber gestülpt. Dahl beschwört die Komplexität einer Welt, deren Werte verloren gehen und deren Befindlichkeiten abhängig sind vom Fluss des Geldes. Wieder kein übler Ansatz, doch wie sieht eine Lösung aus? Sich zu entscheiden, ob man gut oder böse ist? Oder irgendwo dazwischen – um dann wenigstens mit dem Leben davonzukommen, wenn auch mit anderem Namen und erfundener Biographie?

Natürlich hat Dahl keine Lösung parat, das wäre auch zu viel verlangt; aber was er aus dem bedrohlichen Szenario macht, ist eine allzu schematische Räuberhatz, bei der man frohgemut mit den atemlosen Jägern hetzt. Bis auf zwei Ausnahmen gibt es glücklicherweise keine kriminellen Superhirne als Drahtzieher, die Verfolgten bleiben nebulös. Was ja nicht so weit hergeholt ist.

Weit hergeholt sind allerdings die Aktivitäten unserer Superbullen, die vor keiner Tür stehen können, ohne sich das Jochbein brechen zu lassen, wenn nicht gar schlimmeres passiert; deren Ermittlungsergebnisse aus halbgaren Eingebungen und Zufällen entstehen. Ein Hotel erstattet eine Anzeige wegen einer zerbrochenen & Gardinenstange? Klar, und der Ho-Chi-Minh-Pfad führt direkt durch mein Wohnzimmer. Dass man zwar geflissentlich Computer bemüht, die universale Vernetzung aber kaum eine Rolle spielt, ist ein weiterer Punkt, der auf die Provinz verweist, statt in die Wirkungskreise des globalisierten Verbrechens. Ist halt verflucht kompliziert, die Welt in der wir leben.

Das Planschen im großen Thrillerpool funktioniert einfacher. Also wird schon mal eine Leiche als Abbild einer Figur auf einem Sarkophag arrangiert. Ist zwar im Kontext völlig unpassend, wirkt aber ganz toll. Kultivierte Killer kennen sich aus in der bildenden Kunst. Wie der Autor, der allerdings auch die anderen Künste kennt und gerne benennt.

Ist der Roman gemeinhin eher schlicht geschrieben, mit einigen Aussetzern, zumindest in der deutschen Übersetzung (wobei ich der Übersetzerin nichts anlasten möchte, wofür der Autor verantwortlich ist), drängt es den Literaturwissenschaftler Dahl, der unter seinem »richtigen« Namen genreferne Literatur verfasst, mitunter zu Höherem. Da wird Peter Weiß zitiert, das Esbjörn/Svensson-Trio, Radiohead und einiges mehr; aber auch autark Kunstfertigkeit bemüht, dass es eine Wonne ist. Ein Graus. All die Analogien, Wiederholungen und hochtrabenden Ergüsse, die konsterniert zurücklassen. Man möge sich nur einmal die erste Begegnung der beiden Todgeweihten auf der Straßenkreuzung vorm vermeintlichen Barack-Obama-Stopp vor Augen führen, um dann bei der zweiten im Leichenschauhaus zu zerfließen. Aber nicht vor Rührung. Und der »kalte Winde des Verrats« hat es nicht nur Söderstedt derart angetan, dass dieser Satz und seine Variationen das Buch beherrschen. Bloß, wer wen verrät ist nicht so ganz klar. Vermutlich die Bösen die Guten. Klingt jedenfalls & erhabend?!

Der per Twitter angekündigte Barrack-Obama-Halt in Front einer riesigen Menschenmenge ist schließlich jener Humbug, der besonders schwer zu schlucken ist. Gesetzt den Fall, der Tross des Präsidenten stoppt, um ihn die Welt grüßen zu lassen; wie groß sind die Chancen zweier verzweifelter Individuen von denen eins augenscheinlich kein Englisch spricht in die direkte Nähe des ersten Mannes der USA zu kommen? Genau. Da braucht es keine Killerkommandos. Das regelt sich von selbst.

Wie sich, abgesehen davon, vieles in Gier von selbst regelt. Behauptete Verbindungen, Übereinstimmungen, Ermittlungsergebnisse die Welt ist ein Dorf; man trifft sich. Wenn man nicht gerade miteinander verbandelt ist wie die halbe Ermittlerschar. Mehr oder weniger.

So bleibt: Ein Roman mit einem klugen Ansatz, einer wenig adäquaten Ausführung desselben und einer oberflächlichen Spannungsdramaturgie, die immerhin so unterhaltsam ist, dass man Gier über mehr als die Hälfte des Weges amüsiert folgt. Und sei es, um zu erfahren welchen Blödsinn unsere Helden als nächstes anstellen. Manchmal fragt man sich, ob das Ganze parodistisch gemeint ist. Und obwohl Witzigkeit angeblich keine Grenzen kennt, hält sie sich hier in solchen. Denkanstöße sind allerdings vorhanden in Arne Dahls aktuellem Roman, dem ersten eines geplanten »Thriller-Quartetts«.

Gier ist ein großer Roman. Groß wie ein Heißluftballon. Wird für einen kassenträchtigen Höhenflug reichen.

PS.: Die Länge der Rezension brachte der voluminöse Wälzer mit sich. Trotzdem bleibt einiges unerwähnt. Wie das »demolierte« Gesicht der ermordeten Jane Doe. Als wäre es ein Karosserieschaden. Wenn Sprache versagt. Oder die Frage, ob Stuhlgang während einer Befragung thematisiert werden muss? »An was sollte man auch sonst denken, wenn man sich um ein Kilo erleichtert«. Immerhin mal was anderes. Doch anders ist nicht unbedingt gut, selbst wenn´s mit der Verdauung klappt.

Jochen König, März 2012

Ihre Meinung zu »Arne Dahl: Gier«

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Carlo Fascher zu »Arne Dahl: Gier« 06.04.2015
Ich lese sehr gerne skandinavische Krimis. Eigentlich war bisher alles gut bis ausgezeichnet, was nördlich von Flensburg geschrieben wurde. Nachdem ich von Island bis Schweden immer wieder bei wunderbaren Schriftstellern fündig geworden bin, wurde mir Arne Dahl empfohlen. Zum Reinschnuppern machte ich mich an "Gier". Ich muss sagen: GRAUENHAFT! Im negativen Sinn. Habe mich selten dermaßen gelangweilt. Den viel zu vielen Personen fehlt jeglicher Charakter und sie sind farblos und verwechselbar in ihrer Schablonenhaftigkeit bis zum Ende. Nie wieder Arne Dahl. Da lese ich halt die alten Nesbos oder Nessers noch einmal.
Ulrich Gross zu »Arne Dahl: Gier« 08.07.2014
Die ersten rund 200 Seiten sind stinklangweilig. Allein die Präsentation der 17 Ermittler aus den hintersten Winkeln Europas ödet den Leser an. Bei FBI-Stories z. B. wird ja auc nicht ein Team aus allen 50 Bundesstaaten detalliert vorgestellt. Macnht keine Story beser, wenn die "Helden" skandinavische, slawische, griechische Namen haben und der Leser jedes Mal "sortieren" muss, welcher Kommissar welceh Aufgabe hat und - vor allem - warum. Da ich "Gier" auf dem e-reader habe und in Ferien bin, werde ich wohl notgedrungen weiter lesen .
anne zu »Arne Dahl: Gier« 10.12.2013
Vorausschicken will ich, dass ich ein absoluter Ake-Eriksson-Fan bin. Auch die bisherigen Dahl-Krimis haben mir recht gut gefallen. Nun habe ca. 1/3 von "Gier" gelesen und muss sagen: Es gibt bessere. Liegt es evtl. auch an der Übersetzung? Nichtsdestotrotz werde ich mich durcharbeiten, vielleicht wird es besser!
Karin zu »Arne Dahl: Gier« 26.11.2013
Gier" ist der erste Roman um die (leider nicht existente oder zumindest streng geheime) Opcop-Gruppe, eine operative Unterabteilung von Europol, ähnlich dem FBI. Die meisten Rezensionen zu Gier, die ich gelesen habe, sind negativ und ich frage mich warum. Der Roman beschäftigt sich mit einem interessanten Thema - der Verstrickung der globalen Wirtschaft mit mafiösen Strukturen und der alltäglichen Korruptheit und Gier -, er ist spannend geschrieben. Ja, die Figuren sind eher platt und erfüllen Klischées. Aber diese Prototypen sind doch nur Überzeichnungen von menschlichen Verhaltensweisen, wie sie zugegebener Weise mehr oder minder gleichmäßig verteilt und Europa (und den USA) auftreten. Und ja, Arne Dahl hat in diesen Krimi ein bißchen zuviel an Handlungssträngen hineingepackt. Ich will auch gern zugeben, dass die Ermittlungserfolge manchesmal wie Deus ex machina anmuten. All das schmälert aber nicht das Lesevergnügen, das ich einem Autor verdanke, der sein Handwerk versteht.
Dumdidum zu »Arne Dahl: Gier« 21.09.2013
Über Plot und Figuren wurde schon ausreichend geschrieben. Ein Schritt in eine neue Serie ist sicher nicht einfach, ich bin willens dem Autoren ein wenig Vorschuss-Vertrauen zu geben und weiteres zu lesen. Die Charaktäre waren sicher noch nicht ausgereift und müssen erst noch wachsen. Wer schon einige Dahl Bücher gelesen hat, ist es wohl gewohnt, sich erst einmal in das Buch hinein lesen zu müssen. Wir wünschen uns wieder mehr Spannung, Herr Dahl!
Gereon zu »Arne Dahl: Gier« 21.08.2013
So ein unbeschreiblicher Scheissdreck - ich hab jetzt die letzten drei Arne Dahl Romane gelesen und bin mit den Nerven am Ende - ich dachte Jussi Adler wär ein Super A.schloch aber der Arne macht es ihm gleich - einfach alles nur schwachsinnig - Leute tut euch das nicht an . . . verschwendete Zeit und Geld . . .
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
helene zu »Arne Dahl: Gier« 21.08.2013
Gut gemeint aber schlecht ausgeführt - so lässt sich dieser Thriller zusammenfassend bewerten. Der Schritt, das nationale A-Team aufzulösen und eine weltweit bzw. europaweit ermittelnde Truppe zusammen zu stellen, ist ja nicht uninteressant und für das Thema 'Wirtschaftskriminalität mit Hilfe weltweiter Vernetzung in Zeiten des ausufernden Kapitalismus' wohl folgerichtig. Aber was A.Dahl daraus macht, ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung möglicher Schauplätze dieser Kriminalität, verbunden mit seiner Vorliebe für mehr oder weniger detailgetreu nachgezeichnete Foltermorde. Weder die Personen von Europol -altbekannte wie Hjelm, Chavez oder neue Gesichter wie Navarro u.a.- noch die Opfer bekommen Tiefgang oder wenigstens ein nennenswertes Profil. Einzig die Figur der Jutta Beyer wird ausgearbeitet. Vielleicht ist das ja Teil des Konzepts und in den folgende n Thrillern werden andere näher beleuchtet. Jedenfalls verbunden mit der Handlung, die einen Vorfall nach dem anderen aneinander reiht ist das Ergebnis: Trotz Brisanz des Themas ein langatmiger und langweiliger Thriller, noch dazu mit unnötigen Erzählsträngen (chinesische Putzfrau und ihre entführten Kinder) und unfreiwilliger Komik. Ich denke da an die Szene, als Hjelm bei Scotland Yard vorstellig wird und zunächst in ein Zimmer mit verborgener Wand geführt wird - erinnert nun wirklich an Harry Potter. Auch der Running Gag der Eurovisions-Schaltung nutzt sich bei Wiederholung ab. Und nicht zuletzt wirken die Anklänge an die schottische Geschichte in diesem Roman lächerlich, weil nicht schlüssig verarbeitet und das ständige Gejammere über den Zustand der sich so schnell verändernden Welt ist weinerlich und peinlich.
Patricia zu »Arne Dahl: Gier« 22.07.2013
Nach "Misterioso", "falsche Opfer" und "Opferzahl" mein vierter Arne Dahl-Krimi, aber mit Sicherheit nicht mein letzter!
Zum Plot haben andere bereits genug geschrieben, daher hier nur meine persönlichen Eindrücke:Zu den bekannten und mittlerweile liebgewonnenen Protagonisten gesellen sich ein paar neue, die zugegebenermaßen etwas klischeehaft geschildert werden und noch blass bleiben.
Dennoch fesselt die Geschichte von Anfang an. Die unterschiedlichen Ermittlerteams und vor allem der Wechsel zwischen den Fällen, die anfangs so gar nichts miteinander zu tun haben, halten das Interesse wach, man ist fasziniert von den Verbindungen, die sich ergeben.
Bei der Schilderung der Mordopfer hält sich Arne Dahl erfreulicherweise sehr zurück, die ekelerregenden Praktiken werden nur angedeutet um die Brutalität der Täter zu charakterisieren, er weidet sich aber nicht an den Qualen, die die Opfer zu erleiden haben. Dies grenzt den Autor positiv von so manch anderem ab.Zugegeben, die Verquickung der Verbrechen und Auflösung des großen Ganzen wirken recht konstruiert, aber beim Lesen kommt es mir auf Spannung, Einblicke in fremde Gedankenwelten und überraschende Lösungen an, und diese Anforderungen sehe ich hier von Anfang an voll erfüllt. Bei manch Bestsellerautoren mit ähnlichem Erzählstil gibt es auf den letzten Seiten abstrusere Szenarien!Ich konnte diesen Roman kaum aus der Hand legen und freue mich schon auf den nächsten. Autoren, die in ansprechender Sprache intelligente Krimis schreiben sind selten, Arne Dahl ist einer von ihnen.
Robert Hock zu »Arne Dahl: Gier« 08.07.2013
Zu dieser Rezension kam ich, weil ich gerade ein anderes Buch dieses Autors ("Falsche Opfer") so entnervend langatmig fand, daß ich mal nachsehen wollte, wieso dieser Autor den deutschen Krimipreis bekommen haben soll. Aber das hat er wohl nicht - und jetzt lese ich hier, daß andere Bücher von ihm genau so entnervend langatmig sind, daß man am besten "durchkommt", wenn man 2 Seiten überblättert und dann 8 Zeilen liest. Dann merkt man auch, daß ganze Passagen 100 Seiten vorher fast genau so schon mal da waren - inhaltlich zumindest. Wenn Sie Bücher nach Gewicht kaufensollten Sie bedenken, daß viel Text nicht immer auch viel Lesevergnügen bedeutet.
Richard zu »Arne Dahl: Gier« 10.04.2013
Ich hab das Buch gekauft, weil auf der Rückseite geschrieben wurde, Arne Dahl sei neben Hakan Nesser _der_ Autor aus Schweden.
Wie man auf den Vergleich kommt, ist mir schleierhaft. Das Buch ist manchmal fast unterirdisch schlecht geschrieben, und die Story teilweise lächerlich und unglaubwürdig. Alleine die Idee, Barack Obama zu treffen, weil es ja die letzte Möglichkeit wäre, dieses Verbrechen zu bekämpfen ... yeah, right.
Die Figuren, lauter Stereotypen, lernt man leider auch nur sehr oberflächlich kennen. Richtigen Tiefgang hat fast keine davon.

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