Die Höhle von Anne McLean Matthews

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 1997 .
Ort & Zeit der Handlung: USA / New Hampshire, 1990 - 2009.

  • : Limes, 1997. Übersetzt von Friederike Zeiniger. 298 Seiten.

'Die Höhle' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eigentlich wollte Helen Urlaub machen. Doch in ihrem Ferienhaus am See gerät die Psychologin in die Gewalt eines hochintelligenten Killers. Gelingt es ihr, mit ihrem Wissen um psychische Mechanismen die Kontrolle über den Täter zu gewinnen? Sie versucht alles – Gespräch, vorgetäuschte Liebe, Flucht -, doch aus dem Irrgarten des Bösen scheint es kein Entrinnen zu geben.

Das meint Krimi-Couch.de: 95°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Helen Myrer, klinische Psychologin, erlebt in letzter Zeit ziemlich viele Tiefschläge. Kein Wunder also, dass sie sich eine Auszeit nimmt und zwei Wochen in einem kleinen, völlig abseits gelegenem Haus am Lake Glory in New Hampshire neue Energie tanken möchte. Nach ihrer Ankunft gilt es zunächst die Lebensmittel auszuladen und als sie diese in der Speisekammer einräumen will, nimmt sie am Rande des Raumes den Schatten eines Mannes wahr, der mit einer Strumpfmaske sein Gesicht verdeckt und in der Hand ein großes Messer hält. Es gelingt ihr zwar der Rückzug zum Mietauto, doch sie muss feststellen, dass sie die Autoschlüssel auf der Spüle liegen gelassen hat. Die bestehenden Fluchtmöglichkeiten abwägend entscheidet sie sich, ins Haus zurückzukehren, doch nicht nur der Mann ist weg, sondern auch die Schlüssel. Da das Telefon tot ist, versucht sie über eine Treppe den Anlegesteg der Boote zu erreichen, merkt jedoch in letzter Sekunde, dass die unteren Bretter fehlen. Diese liegen wild im Schilf verstreut. Zurück in der Wohnung versucht sie Kontakt zu dem Fremden aufzunehmen, kann jedoch nur ein Geräusch sowie einen merkwürdigen Geruch aus der Küche wahrnehmen. Wie sich herausstellt befindet sich eine noch lebende Ratte in dem brennenden Ofen.

Helen entscheidet sich zu einer Flucht über die Wiese, welche hangaufwärts zu einem Waldstück führt. Mit letzter Kraft erreicht sie oben angekommen einen Feldweg, der nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt liegt, als ihr ein Pickup entgegenkommt. Sie erkennt den maskierten Mann am Steuer und ergreift notgedrungen die Flucht zurück zum Haus. Dort versucht sich Helen zu verbarrikadieren, doch gelingt es dem Eindringling sie mit einem Todschläger niederzuschlagen.

Später wacht Helen nackt in dem Bett des Hauses auf und stellt fest, dass ihre restlichen Kleidungsstücke in unbrauchbare Fetzen zerschnitten wurden. Von dem Fremden fehlt erneut jede Spur. Nach Einbruch der Dunkelheit startet sie daher, nur notdürftig mit dem Betttuch bekleidet, einen erneuten Fluchtversuch. Sie erreicht den Wald und versucht diesmal nicht die Straße, sondern die Hütte eines Nachbarn zu erreichen. Das Betttuch verfängt sich in den Ästen und so muss sie nackt und verletzt weiterlaufen. Am Ende ihrer Kräfte erreicht sie die beleuchtete Hütte. Aber damit läuft sie dem gefährlichen Psychopathen direkt in die Arme …

»Die Höhle« kommt wie eine gewaltige, atemberaubende Mischung aus dem Roman-Klassiker »Jagdzeit« von David Osborne und dem Film »Der Tod und das Mädchen« (Sigourney Weaver, Ben Kingsley) daher.

Helen Myrer wird Opfer eines perfiden, aber ebenso intelligenten Psychopathen, den sie mit Hilfe ihrer beruflichen Erfahrung als klinische Psychologin zu begreifen versucht. Während die Mißhandlungen immer extremer werden, versucht Helen die Gründe seines Verhaltens zu erkennen und ihm auf psychologischer Ebene (»Ich kann ihnen helfen.«) zu begegnen. Doch damit muss sie sich einem Mann, der nach ihrer Einschätzung unter einem »ungelösten Ödipuskonflikt leidet, der zu einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Zügen geführt hat«, gänzlich ausliefern.

Der Spannungsbogen wird von Anfang an sehr hoch gehalten und es kommt keineswegs zu einem reinen verbalen (psychologisch bestimmten) Schlagabtausch oder einem Kammerspiel. Helen bemerkt die Person in dem Speiseraum auf Seite 19, aber erst auf Seite 85 erfährt sie (in der Hütte angekommen) die Identität des Mannes. Dazwischen findet ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel – wie oben ansatzweise dargestellt – statt, welches auch im weiteren Verlauf des Buches immer wieder zu finden ist. Nach gut zwei Dritteln des Romans gelingt Helen erneut die Flucht, diesmal aus dem Haus des Täters in die titelgebende Höhle.

Wenn immer der Leser glaubt, dass eine Steigerung der Qualen nicht mehr möglich oder Helen die Flucht nun endlich geglückt ist, gelingt der Autorin die nächste beklemmende Wendung. Dieses Buch ist kein Krimi, es ist ein »Schocker«, in dem der Leser einen detaillierten Einblick in das Leben eines zu tiefst gestörten Menschen, eines unheilbaren Psychopathen, erlebt. Die Ursachen seines Handelns werden dabei durch Helens Gedankengänge bzw. Gespräche mit dem »Täter« eindringlich dargestellt. Diese gehen weit über die üblichen Erklärungsversuche (Mißhandlung in der Kindheit, Tierquälerei etc.) hinaus; Querverweise zu Jeffrey Dahmer und Co. werden aufgezeigt. Derart fesselnd und tiefgründig wurden die Auslöser und die Gedankengänge eines Serienmörders bislang selten vermittelt.

»Aber ich muß dir auch sagen, dass ich glaube, dass ich unter Kontrolle hatte, was ich tun will, und das ist, Frauen zu VERNICHTEN, die genauso sind wie meine Mutter. Am Anfang mußten sie so reden wie sie, ruhig, damit es sich anfühlte, als wäre sie es. Jetzt müssen sie nur helle Haare haben. Ich werde immer schlimmer. 1960 habe ich zwei erledigt. 1980 habe ich achtzehn erledigt. Letztes Jahr vierunddreißig. Wie viele insgesamt weiß ich nicht.«

Was sich auf den ersten 85 Seiten der oben dargestellten Inhaltsangabe abspielt ist an Spannung und überraschenden Momenten schon beeindruckend. Die folgenden rund 120 Seiten im Haus des Täters bilden den psychologischen, dialoglastigeren, aber keineswegs minder spannenden Mittelteil, der durch immer neue Grausamkeiten dem Leser die Nackenhaare sträubt. Wer aber glaubt, nach Helens Flucht in die Höhle sei das Schlimmste überstanden, der darf sich auf die verbleibenden 90 Seiten freuen. Hier erreicht der Horror geradezu schwindelerregende Höhen.

Wer sich für das Thema »Serienmörder« interessiert und dabei gute Nerven hat, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Hier gilt ausnahmsweise der vielzitierte und leider oft mißbrauchte Werbeslogan: »Nervenzerreibende Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.«

Für einen Debütroman »Wahnsinn« – in jeder Hinsicht.

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Kaja B. zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 09.02.2018
Dasbeste und spannendste Buch, was ich je gelesen habe!! Das Buch ist durchgehend so spannend, dass ich es nicht weg legen konnte. Ich finde es faszinierend, wie es die Autorin geschafft hat, den Spannungsbogen über so viele Seiten aufrecht zu halten, bzw. immer noch weiter zu steigern!! Ein absolutes Muss für Liebhaber von nervenzerrenden Thrillern mit wenigen Protagonisten!
Linda zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 06.12.2013
Ich bin diese Woche mit dem Buch fertig geworden und ich liebe es! Es ist von Anfang an fesselnd und richtig gut geschrieben. Das Ende ist so detailliert geschrieben dass man es einfach nicht weglegen kann. Ich kann wirklich sagen, dass ich noch nie ein besseres Buch gelesen habe. Ich könnte es glatt noch einmal lesen. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen der auf Gänsehaut beim lesen steht und auch vor der ein oder anderen psycho Nummer nicht zurück schreckt. Manche Dinge sind schon ziemlich krass geschrieben aber genau das ist das fesselnde an diesem Buch!
Mary zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 11.10.2011
Ich habe das Buch erst vor 4 Monaten gelesen. Ich dachte am Anfang, dass ich es bestimmt nicht schaffe es so schnell durchzulesen. Aber ich habe tatsächlich alles zuhause stehen und liegen gelassen. Als ich angefangen habe zu lesen wollte ich garnicht mehr aufhören und auch nachts erwischte ich mich bei dem Gedanken, das Licht wieder anzumachen und noch einpaar Seiten zu lesen. Letztendlich brachte mich das Buch sehr zum nachdenken.Menschen können wirklich sehr berechenbar und auch sehr unberechenbar sein und ich glaube wirklich, dass es auch solche Menschen gibt wie in dem Buch, nur dass es keiner weiß. Und ich weiß nur, dass es ein echt heftiges Buch ist, denn eigenlich lese ich Romane und dieses Buch hat ja echt alles übertroffen.
Janine Kosche zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 16.03.2009
Ich habe das Buch bereits vor Jahren gelesen und den deutschen Film (auch sehr fies und gut gespielt) im TV gesehen. Das Buch kann ich nur weiter empfehlen, für alle die, die sich mal so richtig gruseln wollen und der Erfahrung nicht widerstehen können, sich in die weibliche Rolle der Hauptfigur hineinzuversetzen. Wenn man das Ganze nämlich näher betrachtet, ist es schon echt abartig, sich vorzustellen, allein einem Killer ausgesetzt zu sein. Aber das Buch war echt der Hammer und ließ mich keine Skunde aufatmen. Eben ein echtes Katz- und Mausspiel.
Schrodo zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 23.03.2008
In zahlreichen Internetforen wurde dieser Buch in den höchsten Tönen als suuuper Spannend gelobt (und bei ebay auf bis zu 30€ gehandelt).
Die Psychologin Helen wird im Urlaub von einen psychopatischen Serienkiller geschnappt. In diesem Psychothriller versucht Psychotante den Psychopathen mit Psychogequatsche zum Aufgeben zu bewegen. Ob das klappt kann ich ja nicht verraten. Buch ist spannend und lässt sich gut lesen. Aber die viele Kohle wäre dieses Buch nicht wert
Mary_Poppins zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 21.02.2007
Ich weiss nicht so recht, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. ;o) Einerseits war es mal was ganz anderes, andererseits hätte ich etwas mehr Spannung erwartet. Weitere Erläuterungen würden zu viel übers Buch verraten. Es ist auf jeden Fall anders als andere Krimis und mit nicht mal 300 Seiten auch lesenswert.
Joerg zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 08.06.2006
@ Manfred Melles

Krimis, Thriller und Psychothriller ("Die Höhle" ist ein Psycho-Thriller") gehören auf die Krimi-Couch, denn diese vorzustellen und zu bewerten ist unsere selbstgestellte Aufgabe. Ansonsten hätte auch - nur als Beispiel - ein Frank Schätzing "Der Schwarm" ("Krimi-Blitz 2004") hier nichts zu suchen.

Ob einem "Die Höhle" gefällt oder nicht ist natürlich Geschmacksache. Anders verhält es sich mit Ihrem Vergleich zu Auschwitz, der schlichtweg abstoßend ist bzw. eine indiskutable Verharmlosung der Historie darstellt.

Ich hoffe, es war nur eine unglückliche Wortwahl Ihrerseits.
Psychothriller-Leser zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 04.06.2006
Absolut gelungenes Buch, dem man auch die psychologischen Hintergründe der Autorin anmerkt. Ein Buch das durchweg spannend ist und wenn man es durch hat, möchte man es gleich nochmal lesen. Warum dieses Buch bei einigigen Lesern nicht so gut angekommen ist, ist mir unverständlich, denn für Leute die gerne Psychothriller lesen, d.h. den Schwerpunkt auf die Psychologie der Protagonisten legt, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Alle Leute die lieber einfach gestrickte Krimis lesen, bei denen der Schwerpunkt auf der Tätersuche liegt und die lieber "sanftere" Bücher lesen, werden bei diesem Buch nicht auf ihre Kosten kommen.

@Mannfred Melles Ihr Kommentar zu diesem Buch ist mir schleierhaft und nicht nachvollziehbar. In welcher Abteilung sollte das Buch denn in ihrer Biblitothek abgelegt sein? Und was soll der Vergleich mit Auschwitz, ist es nicht eine sehr starke Verallgemeinerung, dass alle Leute die Psychothriller lesen (ja genau das ist es!) pervers sind und sich am leid anderer erfreuen? Und ist es nicht eine absolute Verharmlosung der Verbrechen in Ausschwitz, wenn man diese mit einer fiktiven Geschichte vergleicht? Sie wären dann ja auch "irgendwie krank", denn in Krimis geht es häufig um Mord und wenn sie so etwas zu Ihrer Unterhaltung lesen, könnten sie sich dann nicht auch gleich einen Splatter_Movie kaufen? Denn egal ob ein Verbrechen nun detailgetreu beschrieben wird oder nicht, es ist und bleibt ein Verbrechen, wobei die Verbrechen in ihren Krimis anscheinen verharmlost dargestellt werden, aber ist es deshalb weniger schlimm? Ist es nicht schlimmer ein Verbrechen verharmlost darzustellen so das man sich leicht daran gewöhnt das jemand getötet oder Vergewaltigt wird, als wenn man das Verbrechen mit allen schrecklichen Details dargestellt wird, so das es sich einprägt und man jedesmal wenn man so etwas liebt von neuem daran denkt, dass das leider die Realität ist und man was dagegen machen muss!?

MfG Anja
Anja S. zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 05.10.2005
ja, die Geschichte ist spannend und gut gemacht, aber trotzdem ist mir dieses Buch nicht unter die Haut gegangen.
Es gehoert auch nicht zu den Krimis, die ich aufhebe, sondern ich habe es der Krankenhausbuecherei gestiftet.
warum das? Die Figuren erscheinen mir unglaubwuerdig und ueberzogen, ich habe auch mit Helen nicht mitfuehlen koennen, da sie mir von ihrem Wesen her unsympathisch ist (ganz besonders die Stelle, an der sie die Atombombe von Hiroshima als sie Rettung der Zivilisation bezeichnet).
tja nun, die Geschmaecker sind eben verschieden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mafrid zu »Anne McLean Matthews: Die Höhle« 16.08.2005
Ein unheimlich spannendes Buch, gut geschrieben und fundiert durchdacht. Man kann nur wundern, wo wohl eine Frau als Autorin diese grausamen Fantasien herholt, die dieses Buch so quälend machen. Man denkt mit fortschreitendem Verlauf des Romans mit immer mehr heimlichen Grauen an das, was dem Psychopathen wohl als nächste Grausamkeit noch einfallen könnte, aber als "Normaler"
hat man nicht genug Ideen womit man einen Menschen physisch und psychisch quälen könnte. So ist das Buch eine einzige Überraschung von Anfang bis Ende. Morgens um 5 war ich endlich durch und konnte danach endlich "beruhigt" um das Wissen des Ausgangs einschlafen.

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