Schrei nach Stille von Anne Chaplet

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei List.

  • Berlin: List, 2008. ISBN: 978-3-471-77282-9. 333 Seiten.

'Schrei nach Stille' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Warum ist sie zurückgekehrt? Ins Oberhessische, an den Ort, um den ihre Erinnerungen kreisen? Das Haus ist ihr unheimlich. Die Bäume scheinen es erdrücken zu wollen. Die Dorfgemeinschaft belauert sie, unwirtlich ist es und kalt. War es klug, ein Buch über damals zu schreiben? Über eine unmögliche Liebe und unbändigen Hass? Immerhin wurde Sophie Winters Roman ein Bestseller. Doch die Leute stellen plötzlich Fragen, auch Paul Bremer, ihr Nachbar. Und die Polizei. Was ist im Sommer 1968 geschehen? Warum verschwand die schöne junge Frau und warum wurde der Fall niemals aufgeklärt? Ein eindringliches Porträt der Bundesrepublik in einer ihrer größten Umbruchphasen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein anspruchsvolles, sehr besonderes Lese-Erlebnis« 84°

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

In ländlichen Gegenden, wo die heile Welt noch hinter jedem Baum lauert, betrachtet die eingeschworene Dorfgemeinschaft fremde Menschen mit Argwohn.
Nicht anders in Klein-Roda, einer kleinen Gemeinde in Hessen. Man wendet sich dort an Paul Bremer, den zugezogenen, halbwegs akzeptierten Städter. Er soll nach einem schweren Sturm in der vom Volksmund »Heinrichs Verhängnis« getauften Siedlung nach dem Rechten sehen. Eine Frau hat vor gut einem Jahr das verwahrloste Anwesen im Auenweg bezogen und Paul findet die Besitzerin ohnmächtig unter einem umgestürzten Baum. Das »alt und böse gewordene« Haus stand noch nie unter einem guten Stern. Sein Erbauer erhängte sich auf dem Dachboden und 1968 verschwand aus einer Hippie-Kommune ein junges Mädchen spurlos.

Während dessen steht in Frankfurt am Main Kommissar Giorgio DeLange am Set eines Filmteams als Berater zur Seite, welches Summer of Love verfilmt. Das Drehbuch beruht auf einem Bestseller der Autorin Sophie Winter. Summer of Love erzählt die Geschichte dreier Blumenkinder, die auf einem Dorf Zuflucht suchten und auf Ablehnung und Hass stießen. Auf Drängen der Hauptdarstellerin liest DeLange den Roman und zieht Parallelen zu einem lange zurückliegenden Fall, der nie gelöst wurde.

Der Leser ahnt es gleich, die Schriftstellerin Sophie Winter war eines der Hippiemädchen, die sich in den 68ern in Klein-Roda niedergelassen hatten. Sie ist zurückgekommen in das verlassene Haus, jetzt nachdem sie ihre Geschichte aufgeschrieben hat und ihr Bestseller gerade verfilmt wird.

Hauptsache, die Gass’ ist gefegt

Nicht für alle Dorfbewohner ist die etwas seltsame Dame eine Unbekannte und wie vor vierzig Jahren geschehen merkwürdige Dinge in Sophies Umgebung. Wer aus dem Dorf möchte den Mantel des Schweigens über die Vergangenheit hüten? Ist es wahr, was Sophie in ihrem Roman schreibt und jemand aus dem Dorf hatte damals etwas mit dem Verschwinden der schönen Sascha zu tun?

In zwei unabhängigen Ermittlungssträngen versuchen zwei Personen den Fall zu erhellen. In Klein-Roda erfährt Paul Bremer Dinge über seine Nachbarn, auf die diese beschämt zurück blicken und sie lieber bis ans Ende ihrer Tage verdrängt hätten. Zeitgleich geht der Frankfurter Hauptkommissar Giorgio DeLange den Geschehnissen auf den Grund und stößt auf das männliche Mitglied der 68er Kommune. Geschickt baut Anne Chaplet immer wieder kleine Berührungspunkte zwischen den Handlungssträngen ein, so begegnen sich DeLange und Sophie Winter am Set und der Kommissar nimmt die Hilfe von Staatsanwältin Karen Stark, Paul Bremers bester Freundin in Anspruch.

Sophies Story

Paul Bremer entgeht nicht, dass die Schusseligkeit der Schriftstellerin einen Grund hat, Sophie Winter ist an Alzheimer erkrankt. Gegenwart und Erinnerung bewegen sich aufeinander zu und mit dem Fortschreiten der Krankheit öffnet sich für Sophie immer weiter das Fenster zur Vergangenheit. Mit Sophies Geschichte entzaubert Anne Chaplet den Mythos von Flower Power und freier Liebe. Die parallelen Handlungsstränge gehen mit den Monologen von Sophie eine perfekte Symbiose ein und machen den Roman zu einem ganz besonderen Lese-Erlebnis, welches man gern mit zahlreichen Lesern zu teilen wünscht.

In bildgewaltiger und intensiver Sprache haucht Anne Chaplet den Dingen Atem ein, lässt Regentropfen, dicke Tannen und verwunschene Häuser lebendig werden. Mit ihren Protagonisten, besonders hervorzuheben die vierbeinigen, schafft die Autorin einnehmende Persönlichkeiten, die ins echte Leben drängen. Ganz großes Theater.

Ines Dietzsch, November 2008

Ihre Meinung zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille«

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Nomadenseele zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 06.11.2009
Das war das erste Buch von Anne Chaplet, welches ich nicht mochte. Schlimmer: Ich wußte nichts mit dem Buch anzufangen. Drei Geschichten laufen parallell, haben vage mitaeinander zu tun, um sich ganz am Ende zu berühren. Wer Sophie Winter bedroht wird nicht geklärt, der Mord liegt in dem Buch ein paar Jahrzehnte zurück. was das am Ende alles soll, weiß ich nicht.

Fazit:

Wirr und langweilig.
stjerneskud zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 03.05.2009
Sophie Winter wohnt in einem renovierungsbedürftigen Haus in Klein-Rhoda im Oberhessischen. Ein von ihr veröffentlichter Roman, wird zum Bestseller und soll jetzt verfilmt werden. In ihm geht es um die Hippiebewegung und um drei jungen Leute, die ihren Sommer der Liebe in einem kleinen Dorf verleben und damit bei der einheimischen Bevölkerung auf keine große Gegenliebe stoßen. Damals im Jahr 1968 verschwand eine junge Frau und als 40 Jahre später ein Junge verschwindet, brechen alte Wunden auf.

Es war mein erster Roman von Anne Chaplet und ich bin nicht abgeneigt, einen weiteren von ihr zu lesen. In den Kapiteln 2 bis 5 wird man mit vielen unterschiedlichen Personen konfrontiert und es war nicht einfach für mich sie auseinander halten zu können. Auch umfassen die Kapitel nicht allzu viele Seiten, so dass einem die Figuren vertraut werden könnten. Wenigstens sind sie so gut und mitreißend geschrieben, dass man dabei bleibt und gerne weiter liest. Nach einiger Zeit kam ich mit den relativ kurzen Kapiteln und dem Hin- und Herspringen zwischen den einzelnen Figuren besser zurecht und konnte mir langsam auch merken wer wer ist, obwohl ich mich mit Manchen schwer tat. Giorgio De Langes Privatleben wurde ein wenig zu ausführlich behandelt. Wenn der Roman mehr Seiten umfasst hätte, wäre es nicht weiter ins Gewicht gefallen, aber bei der Proportionierung der Kapitel fällt es auf. Es war sehr interessant über das Leben auf dem Lande zu lesen und welche Auswirkungen die drei Hippies in der Dorfgemeinschaft auslösten. Die Geschichte habe ich sehr gerne gelesen, obwohl es sich weniger um einen richtig guten, spannenden Krimi handelte und die Luft raus war, als bekannt war, was das Verschwinden der jungen Frau ausgelöst hatte.

Wer hier mit einer richtig spannenden Kriminalgeschichte rechnet, wird enttäuscht werden, aber die Geschichte ist interessant genug, dass es sich lohnt sie zu lesen.
subechto zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 09.02.2009
Ich habe fast alles von Cora Stephan alias Anne Chaplet gelesen.

Den Frankfurt-Krimi "Sauberer Abgeng" von ihr fand ich klasse! Sie ist eine tolle Erzählerin.

"Schrei nach Stille" hat mir aber fast genauso gut gefallen. Manchmal ein wenig langatmig, kein richtiger Krimi eben, aber nicht minder empfehlenswert!
villawiebke zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 16.01.2009
Anne Chaplet erzählt in ihrem Buch „Schrei nach Stille“ eine Geschichte, die in 2 Zeitebenen spielt. Es ist das Jahr 1967 als ein Hippie-Trio in das Dorf Klein Rhoda zieht, zu einer Zeit, in der Selbstverwirklichung, LSD und Räucherkerzen zelebriert werden. Ihre Vorstellung von der Verwirklichung der freien Liebe stößt auf massiven Widerstand bei der überaus prüden Dorfbevölkerung und es kommt zu Übergriffen, die ihr abruptes Ende finden, als eines der Blumenkinder spurlos verschwindet.

40 Jahre später kauft die Autorin des Bestsellers „Summer of Love“, Sophie Winter, ausgerechnet das Haus in Klein Rhoda, in dem damals die Hippies gewohnt haben und reißt damit alte Wunden wieder auf. Die misstrauischen und starrköpfigen Einheimischen fühlen sich durch die Fremde in ihrer Dorfidylle empfindlich gestört. Und so dauert es nicht lange, bis unheimliche Vorkommnisse das Leben der Autorin durcheinander bringen. Immer öfter wird die Frage nach dem verschwundenen Hippiemädchen gestellt, aber das Dorf schweigt.

Bereits auf den ersten Seiten Buches fand ich es faszinierend, ja eigentlich genial, wie die Autorin es versteht, die Stimmung in dem alten Haus zu schildern, wie sie mit bildhafter Sprache und Atmosphäre spielt. Aber auch die persönlichen Befindlichkeiten der Dorfbewohner kommen in diesem Buch nicht zu kurz. Ein typischer Dorfkrimi eben, der durch spießige Bewohner und dörfliche Regeln sein Leben eingehaucht bekommt.

„Schrei nach Stille“ ist vielleicht nicht der spannungsgeladene Krimi, den die Thrillerfans unter uns bevorzugen, aber ein Buch, das es in sich hat.
Binea zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 08.11.2008
Verruchtes Cover, gegensätzlicher Titel.
… klingt nach einem spannendem Buch, welches Erfolg haben könnte. Obwohl ich keine Krimis bevorzuge, da mir die meisten zu Seicht sind, muss ich sagen das mir bei diesem der Anfang schon mal sehr gut gefällt.
Das war meine Meinung zur Leseprobe - nun hab ich das ganze Buch gelesen, besser gesagt in fast einem Ritt verschlungen.
Der Anfang des Buches beginnt mit einer ausführliche Beschreibung der Umgebung, der Geräusche, Gerüche, Gefühle.ein gelungenes Kopfkino, was mich durch diese wunderbare Schreibweise zu 100 Prozent in dem Buch versinken lies.
Sophie Winter, die Autorin des Buches "Summer of Love" wohnte bereits in der Hippi-Zeit in Klein-Rhoda, dem Ort der die größte Rolle in Ihrem Leben spielt. Schon damals wohnte Sie, bekannt als Angel, mit der schönen Sascha und Charles in dem scheinbar verfluchtem Haus. Bereits in der Hippizeit waren Sie dem ganzen Dorf ein Dorn im Auge, da Sie für Unruhen sorgten. Als nun auch noch Ihr erfolgreiches Buch verfilmt wird und Sie in das Geisterhaus zurückkehrt, werden die Nachbarn/Dorfbewohner aufmerksam und erinnern sich an den Sommer 68. Plötzliche Fragen treten auf und Sophie Winter ist Gesprächsthema Nr. 1. Der Polizist DeLange, welcher als Berater am Filmset tätig ist, lernt Sophie Winter kennen und merkt das etwas nicht stimmt.
Erzählt Sie in Ihrem Buch eine frei erfundene Geschichte oder doch über Ihre Vergangenheit? Wo ist der seit ein paar Tagen vermisste Luca? Was ist mit Sascha passiert, dem Hippi-Mädchen, dass seit 40 Jahren als vermisst gilt ? Kann die Akte Alexandra Raabe doch noch geschlossen werden? Fragen über Fragen welche beantwortet werden wollen.
In den Vier sorgfältig ausgewählten Abschnitten des Buches - Nach dem Sturm, Nach der Liebe, Vor dem Schnee, Vor der Stille - werden nach und nach die Zusammenhänge der drei Protagonisten deutlich. In einer fesselnden Erzählweise und kurzen aber aussagekräftigen Kapiteln wird der Leser gefesselt und erst am Schluss wird Licht ins Dunkel gebracht.

Die Autorin Anne Chaplet (Cora Stephan) lebt in Oberhessen und erhielt bereits zweimal den deutschen Krimipreis. www.anne-chaplet.de

Fazit: Ein sehr zu empfehlendes Buch was aufgrund der oft unheimlichen und düsteren Atmosphäre dem Leser eine Gänsehaut beschert.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sapkowski zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 08.11.2008
Da mir das Buch zu teuer war und meine Bibliothekarin es mir sehr ans Herz legte,habe ich es in der Bücherei ausgeliehen.
Anfangs hat mich die Geschichte noch nicht so gepackt, zu bildhaft und langsam ging es los.
Aber je weiter ich gelesen habe, umso spannender wurde es. Es gibt in dem Buch mehrere Handlungsstränge, die immer wieder mal überlappen,was teilweise verwirrend war,aber trotzdem zur Spannung beihalf.
Die Autorin schreibt direkt, realistisch, trifft hin und wieder mitten ins Herz, den Nagel auf den Kopf und sie bringt einem oft zum Schmunzeln. Die Charaktere, vor allem Jo DeLange, gut ausgearbeitet und glaubhaft. Zum Schluß werden die gesponnenen Fäden gekonnt miteinander verknüpft.Die Auflösung war anders als ich es erwartet hatte, aber dennoch in sich schlüssig.und das Ende lies mich das Buch schließlich zufrieden zuklappen.
Dies war mein erster Roman von Anne Chaplet und vielleicht auch nicht mein letzter.
Für alle Fans von guten Krimis kann ich dieses Buch sehr empfehlen.
5 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
LilStar zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 27.10.2008
"Schrei nach Stille" behandelt die Geschichte des Sommers 1968 in dem drei Hippies das kleine Dörfchen Klein-Roda mit ihrer ungewöhnlichen Lebensphilosophie aufmischen, was den Dorfbewohnern natürlich überhaupt nicht recht ist.
40 Jahre später schreibt Sophie Winter, eine der damaligen Hippies, ein Buch über ihre Sicht der Ereignisse aus dem Jahr 1968, das für viel Wirbel sorgt. Als sie dann auch noch in ihr altes Haus von damals zieht, geschehen merkwürdige Dinge und ein Kind verschwindet. Paul Bremer und Hauptkomissar DeLange ermitteln unabhängig voneinander und decken die wahren Geschehnisse des damaligen Sommers auf.

Zunächst einmal sei gesagt, dass das Buch der bereits fünfte Teil einer Reihe rund um Paul Bremer ist. Für jemanden, der die Vorgänger nicht kennt, ist es recht schwierig ins Buch rein zu kommen, da viel Hintergrundwissen einfach vorrausgesetzt wird. Für mich war es leider so. Ich kannte die bisherigen Bände nicht und konnte bis ca. zur Mitte des Buches mit den meisten Hauptpersonen nichts anfangen, ausgenommen DeLange, der wohl in diesem Band erstmalig auftritt. Dieser wurde von der Autorin gut beschrieben.
Das Buch wird generell aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Zunächst einmal aus der Sicht von Sophie Winter. Diese Passagen sind ein wenig wirr und konfus und obwohl diese Person wohl die einzige erzählende ist, die eigentlich das komplette Wissen über alle Geschehnisse haben müsste, erfahren wir von ihr nur wenig konkretes.
Paul Bremer, der in Klein-Roda lebt, bringt ein wenig Einblick ins Dorf und seine Bewohner und deren Sicht der Geschehnisse des Jahres 1968.
Der neue Ermittler DeLange klärt dann schlussendlich nahezu den kompletten Fall. Als Nebenhandlung geht es noch um sein Privatleben mit seinen Töchtern und seiner (Ex)-Frau, was eigentlich überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun, dem aber doch große Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Zu erwähnen sei noch der Schreibstil von Chaplet. Dieser ist nämlich ein ungewöhnlicher, woran wahrscheinlich nicht jeder Freude haben wird. Mir hat dieser abgehackte Stil soweit gut gefallen, nur an einigen Stellen störte er mich ein wenig, vor allem dann, wenn der vorherige Text unglaublich flüssig war und dann nur noch abgehackte Sätze kamen.
Ansonsten beschreibt Chaplet sehr bildreich und nüchtern die Umgebung, so dass sich der Leser gut in die Umgebung einfühlen kann.

Der Schluss war mir persönlich an einigen Stellen zu vorhersehbar und an anderen Stellen nicht allzu gut nachvollziehbar.
sassenach zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 24.10.2008
Vergessen ist Gefahr und Gnade zugleich

Das dem Buch vorangestellte Zitat von Theodor Heuss passt ausgezeichnet zu Anne Chaplets neustem Buch „Schrei nach Stille“.

Sophie Winter ist eine ältere Schriftstellerin, die sich vom Geld ihres Buches „Summer of Love“ ein verlassenes Haus im nordhessischen Dorf Klein-Roda gekauft hat. Die Dorfbewohner begegnen ihr mit der gleichen misstrauischen Ablehnung, wie den Hippies, die einst 1968 in diesem Haus lebten. Es wird schnell klar, dass sie nicht zufällig in dieses Haus gezogen ist und ihr Roman keine erfundene Geschichte beschreibt.

In „Summer of Love“ beschreibt sie wie 1968 drei junge Hippies nach Klein-Roda zogen, welche Konflikte zwischen den Dorfbewohnern und den Hippies entstanden und legt nahe, dass eines der beiden Hippie-Mädchen von den Einwohnern in den Tod getrieben worden wäre. Die Dorfbewohner verbinden mit diesem Haus nicht nur wegen der Hippies unangenehme Erinnerungen und begegnen Zugezogenen ohnehin nicht gerade offen und herzlich. Davon kann auch ihr Nachbar Paul Bremer ein Lied singen, denn obwohl er schon lange in Klein-Roda wohnt, gehört er nicht richtig dazu. Erst durch das Buch erfährt er, was hier 1968 geschah und einiges andere mehr, das er vielleicht lieber nicht über liebgewonnene Nachbarn gewusst hätte.

Bei der Leseprobe war ich mir noch sicher, dass ich recht schnell den Überblick über die vielen eingeführten Personen und die unterschiedlichen Erzählperspektiven haben würde. Für mich wurde das Lesevergnügen leider dadurch getrübt, dass ich gelegentlich zurückblättern musste, um den Überblick zu behalten. Hätte ich die Lektüre nicht mehrmals für einige Tage unterbrechen müssen, wäre das sicher anders gewesen. Die oft fehlende Kennzeichnung von wörtlicher Rede und den SMS trug zur Verwirrung bei.

Für mich ist „Schrei nach Stille“ nicht wie auf dem Klappentext versprochen: „Ein eindringliches Porträt der Bundesrepublik in einer ihrer größten Umbruchsphasen (...)“, sondern ein sehr gelungenes Porträt des Lebens in einem Dorf vor vierzig Jahren und heute. Die Nebenhandlung nimmt soviel Raum ein, dass es sich meiner Ansicht nach nicht um einen Krimi handelt, sondern um einen (sehr lesenswerten) belletristischen Roman.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das ich gerne gelesen habe und auch schon weiterempfohlen habe.
Karin zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 03.10.2008
Schrei nach Stille – Anne Chaplet

„Summer of love“ – so lautet der Titel des Romans von Sophie Winter.
Und was in diesem Sommer der Liebe 1968 passiert ist, davon handelt der neueste Roman von Anne Chaplet.
Sophie Winter ist vor kurzem nach Klein-Roda gezogen, in das geheimnisvolle Haus, welches eine unheilvolle Vergangenheit hat, über die die Einwohner des Dorfes lieber den Mantel des Vergessens ausbreiten.
Sie ist bei den Nachbarn nicht beliebt, wird geschnitten und ausspioniert. Und bald passieren die ersten seltsamen Dinge.

Und dies alles muss mit den Ereignissen des Jahres 1968 zusammenhängen.

Zeitgleich verschwindet ein Junge aus dem Dorf, in Frankfurt lernen wir den neuen Protagonisten Giorgio DeLange kennen, Paul Bremer wird in Klein-Roda in das Geschehen mit hineingezogen, die Fäden laufen zusammen – bis zum bitteren Ende.

Mir war nicht bewusst, dass es sich bei „Schrei nach Stille“ um den neuesten Teil einer Serie von Anne Chaplet handelt. Von daher war der Einstieg nicht unbedingt einfach, es fehlte einem teilweise einfach das Vorwissen um die Hauptpersonen wie Bremer und Karen Stark.
Das hat sich aber ziemlich schnell gelegt und ich war von dem Buch und dem Schreibstil von Anne Chaplet begeistert. Kurze Kapitel, eigenwillige Einschiebungen wie SMS Dialoge, Gedankengänge usw. haben für mich die Spannung erhalten und für kurzweiliges Lesevergnügen gesorgt.
Zudem hat mich DeLange ziemlich begeistert, ich finde, er ist ein gelungener und ausbaufähiger Protagonist.
Anne Chaplet versteht es, Charaktere glänzend zu schildern und aufzubauen. Vieles steckt hier im Detail, man sollte das Buch aufmerksam lesen und sich keine Hinweise entgehen lassen.

Für mich war dieses Buch der Anreiz, nun nach und nach auch die weiteren Teile der Serie lesen zu wollen.
annaw zu »Anne Chaplet: Schrei nach Stille« 29.09.2008
Zum Glück haben sich meine Vermutungen nicht erfüllt. Das Haus, das am Anfang der Geschichte so unheimlich und gruselig beschrieben wird, ist nicht der wahre Mörder! Ob es überhaupt einen Mörder gibt, wird der Leser erst am Ende des Kriminalromans erfahren und bis dahin verfolgt er die Geschehnisse aus der Perspektive von drei Protagonisten: der Bestsellerautorin Sophie Winter, ihres neuen Nachbars Peter Bremer sowie des Polizisten Giorgio DeLange.



Sophie Winter, eine ältere Dame, wohnt erst seit einem Jahr in dem hessischen Dorf Klein-Roda, doch schon jetzt mutet sie ihren Mitbürgern einiges zu. Nicht nur dass sie in ihrem berühmten Buch „Summer of Love“ ein falsches Licht auf ein Ort wirft, das haargenau auf Klein-Roda passt. Die Ereignisse die sie beschreibt, sind teilweise echt und fanden bereits 1968 statt. Was am Anfang nur wenige wissen, Sophie, damals noch ein wachechter Hippie, bewohnte schon vor 40 Jahren dasselbe Haus. Mit ihren Freunden Sascha und Charlie schockierte sie die damaligen einfachen Landbewohner. Man müsste nicht lange warten bis sich die Wut der Dorfgemeinde in Taten umgewandelt hat. Am Ende verschwand die bildschöne Sascha spurlos und auch die Geschichte schien in Vergessenheit zu geraten.



Nicht nur das Auftauchen von Frau Winter macht den Menschen zu schaffen. Man macht sich auch Sorgen über das Verschwinden des kleinen Luca, der schon seit ein paar Tagen vermisst wird. Bremer fängt an, einen Detektiv zu spielen, dabei muss er einsehen, dass er obwohl schon länger in Klein-Roda wohnt, von den meisten Bauern doch als Fremder behandelt wird. Nur der pensionierte Kommissar Kosinski, der den Fall 1968 erlebt hat, gibt überraschenderweise zu, dass er damals nicht seinen Pflichten nachgegangen sei, sondern die gemobbten und gehänselten Opfer als Täter eingestuft hat. Anders der Polizist, der sich jetzt um den Fall kümmert. DeLange handelt vorerst auf eigene Faust. Dabei verlässt er sich oft auch seine „Nase“ und liegt damit auch meistens richtig.


Die Autorin hält die Spannung in Grenzen, was aber bei einem Kriminalroman, der sich überwiegend in einem Dorf abspielt, recht passabel sei. Sie weiß sehr gut, wie sie die Fäden zwischen den Charakteren verbinden soll. Jedes Auftreten ist ziemlich gut überleget und sinnvoll. 

Was mich in dem Roman stört ist die oberflächlich dargestellte Sorge um den vermissten Luca. Obwohl der Junge schon seit Tagen verschwunden ist, glauben die meisten Dorfbewohner, dass dem Jungen nichts passiert ist. Ob sich ihre Ahnungen erfüllen oder nicht, bisschen mehr Gefühl wäre mir dort lieber. Auf einer anderen Stelle des Romans finde ich das unnötige Hervorheben der seltenen Krankheit von Frau DeLange übertrieben und sogar zwecklos.


Verwirrend erscheint am Ende die Antwort auf die Frage, warum Sophie wiedergekehrt sei. Viele Gründe scheinen stimmen und dann wieder nicht. Aus Rache, aus Sühne, um nicht zu vergessen oder um sich doch zu erinnern? Die Autorin lässt einen nachdenklichen Leser zurück. 

Viel Blut wird auf den Seiten des Buches nicht vergossen, stattdessen erwartet die Leser ein Plot, der in einer heimischen Atmosphäre eine Geschichte darstellt, die gutmöglich passieren könnte und dessen Ende überraschend aber glaubwürdig zugleich ist.

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