Blumen für sein Grab von Ann Granger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Flowers for his Funeral, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 7 der Allan-Markby-und-Meredith-Mitchell-Serie.

  • London: Headline, 1994 unter dem Titel Flowers for his Funeral. 250 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2002. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 3-404-14787-1. 380 Seiten.

'Blumen für sein Grab' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Meredith Mitchell auf einer Ausstellung zufällig ihrer alten Schulfreundin Rachel Hunter begegnet, erkennt sie sehr schnell, dass sie heute nur noch wenig mit dieser selbstbewussten Frau verbindet – bis auf eine Gemeinsamkeit: und das ist ausgerechnet Merediths Begleiter Chief Inspector Markby. Rachel ist nämlich niemand anderes als Markbys geschiedene Frau, von der er sich vor Jahren alles andere als freundschaftlich getrennt hat. Doch die Ausstellung hält noch mehr Überraschungen bereit, denn am selben Nachmittag wird eine Leiche entdeckt. Und Rachel scheint bis über beide Ohren in den Mordfall verstrickt zu sein …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die optimale Feierabend-Lektüre?!« 40°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Peinlich, peinlich: Mit seiner neuen Lebensgefährtin Meredith Mitchell besucht Chief Inspector Alan Markby von der Kriminalpolizei Bamford eine Blumenausstellung in London. Meredith trifft dort ihre lange nicht mehr gesehene Schulfreundin Rachel – die sich als Markbys erste Gattin entpuppt, von der sich dieser nicht friedlich getrennt hatte.

Rachel ist heute mit dem reichen Geschäftsmann Alexis Constantine verheiratet und lebt auf »Malefis Abbey«, einem feudalen Landsitz in Lynstone, gar nicht weit von Bamford entfernt. Alex ist ein netter Mann, den Alan und Meredith nicht richtig kennen lernen, da er vor ihren Augen stirbt – ermordet durch den Stich eines giftgefüllten Dorns.

Die gramgebeugte, aber herrische Rachel bittet Ex-Mann und Freundin um Hilfe. Markby schlägt ein; er leidet darunter, dass der Mörder in seiner Gegenwart zuschlug und entkam, was ihm auch der mit dem Fall betraute Superintendent Hawkins unter die Nase reibt. Meredith hingegen wird von ihrem Arbeitgeber – sie arbeitet für das Außenministerium – um einen »Gefallen« gebeten: In Lynstone soll sie unauffällig Näheres über den verblichenen Constantine in Erfahrung bringen. Der hieß nämlich eigentlich Georges Wahid und stammte aus dem Nahen Osten, was Behörden stets beunruhigt.

Meredith, die seit jeher das Detektivspiel liebt, zieht bei Rachel ein. Markby quartiert lässt nicht weit entfernt in einem Hotel nieder. Gemeinsam erkunden sie die kleine Welt von Lynstone, deren Bewohnern eines gemeinsam ist: die Trauer um den freundlichen, spendablen Alexis und den Zorn auf seine hochmütige, bei der heimischen Männerwelt gar zu beliebten Gattin. Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht Nevil, der von seiner Besitz ergreifenden Mutter unterdrückte Sohn der Tierpensionsbesitzerin Molly James. Er hat sich hoffnungslos in Rachel verliebt und sieht in jedem männlichen Besucher einen Konkurrenten. Oder treiben Terroristen aus Constantines dunkler Vergangenheit ihr Unwesen, wie der inzwischen ebenfalls angereiste Hawkins vermutet?


Totgesagte leben bekanntlich länger. Manchmal müssen sie das sogar, denn man lässt sie nicht sterben, obwohl ihre Zeit sichtlich gekommen ist. Die Markby & Mitchell-Serie der Ann Granger gehört zu diesen bemitleidenswerten Patienten. Manchmal erhellt ein kurzer Hoffnungsstrahl das Elend – hier zuletzt Band 6 (»Ein schöner Ort zum Sterben«, Bastei-Lübbe-TB Nr. 14696), aber dann bricht sich altes Elend wieder oder sogar verstärkt Bahn.

In unserem Fall bedeutet dies einen unheilvollen Auftakt, der den weiblichen Gaststar in die Ex-Gattin des männlichen Hauptdarstellers verwandelt, der gleichzeitig Lebensgefährte der Hauptdarstellerin ist. Wie sich im Verlauf der Geschichte herausstellt, ist diese abenteuerliche Konstruktion völlig unerheblich; der Plot hätte auch ohne funktioniert. Aber Granger bringt auf diese Weise ein, was ihr mindestens ebenso wichtig wie ihr Kriminalfall ist: Zwischenmenschliches, das unter ihrer Feder freilich umgehend in Gefühlsduseligkeit und Herzschmerz gerinnt.

Bleiben wir aber zunächst beim Plot. Der wird von der Autorin mit fast verzweifelt anmutender Emsigkeit durch Sackgassen, falsche Fährten und Ablenkungsmanöver vernebelt. Das hat er auch bitter nötig, denn er ist, endlich aufgelöst, so schwachbrüstig und -sinnig, dass Kopfschütteln angesagt ist. Da funktioniert aber auch gar keine »Erklärung« für das langatmig und spannungsarm entwickelte Geschehen, das bei aller Toleranz einem Feierabend-Krimi gegenüber dieselbe Wahrscheinlichkeit wie ein Science Fiction-Roman beanspruchen kann. Nahost- und Serienkiller-Thematik werden nur um des Klischee-Effektes beansprucht.

Aber geht solche Kritik nicht von einer falschen Voraussetzung aus? Dies ist kein »richtiger« Kriminalroman und soll auch gar keiner sein. Tatsächlich macht das weiter oben erwähnte Beiwerk den eigentlichen Roman aus. »Blumen für sein Grab« ist eine Liebesgeschichte mit harmlos-humorvollen Einschüben und sachten tragischen Spannungselementen. Unterhaltend aber nicht aufregend im Sinne von erschreckend soll sie sein, wobei der achtsam gemiedene Schrecken offenbar auch aus jener Originalität erwachsen kann, die man hier ebenfalls vergeblich sucht.

So plätschert die Handlung für den einen belanglos dahin, während sie für den anderen (oder die andere?) die ideale Feierabend-Lektüre darstellt, die seitenweise vor dem Einschlafen genossen werden kann, ohne dass man jemals in Gefahr geriete, an einem neuen Abend den Faden zu verlieren. Alles ist voraussehbar, allerliebst zwitschern die Sommervöglein in traumhafter englischer Landschaft, züchtig umkreisen sich Markby & Mitchell, die beiden Königskinder, die nicht zueinander finden können – oder dürfen, weil unerfüllt bleibender Liebe ein höheres dramatisches Potenzial innewohnt.

Womit wir bei unseren Hauptpersonen gelandet werden. Die hat man im siebten Band ihrer zweiseitigen Odyssee längst gründlich satt. Es gibt keinerlei Weiterentwicklung. Markby ist der gutherzige Kerl, der seine kleine Welt liebt und ihre kriminellen Elemente hasst, zuviel arbeitet und sich in halbherzig erwiderter Liebe zu seiner Meredith verzehrt. Die arbeitet weiterhin in London und bastelt feierabendlich an ihrem Bamforder Knusperhäuschen. Zwischendurch gerät sie immer wieder in allerlei krimelles Tun. Obwohl sie stets Stein und Bein schwört, es nie darauf anzulegen, sieht man sie bald bei eigenen Ermittlungen. Im Hintergrund schimpft Alan, bis er schließlich doch an die Seite der Geliebten eilt, die mindestens einmal pro Fall in Lebensgefahr gerät (und sei es nur deshalb, weil sie der Täter oder die Täterin vor der Attacke mit weitschweifigen Berichten über seine oder ihre Untaten tot zu öden droht).

So geht es weiter, Band für Band. Da müssen die Nebenfiguren für dringend nötige Ablenkung sorgen. Auf drollig-bauernschlaues Landvolk mag Granger auch dieses Mal nicht verzichten, aber es mischen sich düstere Untertöne ein. Auch in der Provinz ist die Welt nicht mehr heil – eine Binsenweisheit, aus der sich einige Funken schlagen ließen, würde sich Granger nicht auch hier ausschließlich über ausgefahrene Gleise bewegen. Die herrschsüchtige Mutter, die nur das Beste für ihren Sohn will; der verbitterte Greis, der seine Tochter verliert; die auch ihr Stück vom Glückskuchen wollte und es mit dem Leben büßen musste …So geht es fort und fort, aber es lässt kalt.

Ihre Meinung zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab«

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Venus1950 zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 17.08.2016
Irgendwie sind mir die zwei Hauptdarsteller eindeutig zu langweilig. Es kommt zwischen den beiden so gar keine Spannung auf. Wohl sind sie zu viel "Junggeselle" oder Jungfrau. Die Handlungen finden immer noch im englischen Nirvana statt, und man bekommt den Eindruck, dass England sehr einsam sein muss.
Das Landleben und die einzelnen Charaktere werden zwar sehr gut beschrieben, aber manchmal etwas zu langfädig.
Stefan83 zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 12.07.2014
„Blumen für sein Grab“ ist das beste Beispiel dafür, warum man als Rezensent mit vorschnellen Urteilen über eine mehrbändige Krimi-Reihe vorsichtig sein sollte. Während ich im Vorgänger noch konstatierte, dass Ann Grangers Serie um das Ermittlerduo Meredith Mitchell und Alan Markby „endlich die Kurve bekommen hat“, scheinen hier nun plötzlich – wenn wir mal im Auto-Terminus bleiben wollen – die Bremsklötze versagt und das vormals so überzeugende Whodunit-Projekt die nächste Kehre verpasst zu haben. Was mich allerdings beruhigt: Wirft man einen Blick auf andere Besprechungen, scheine ich nicht der einzige Leser zu sein, der zu dieser Ansicht gekommen ist bzw. nach der Lektüre des siebten Bands sein vorheriges Fazit wieder über den Haufen werfen musste. Grund genug „Blumen für sein Grab“ einfach unter Teppich fallen zu lassen und der Reihe den Rücken zu kehren? Definitiv nein, zumal man damit denselben Fehler zweimal macht und Ann Grangers beschaulich-spannenden Cosys auch keinerlei Gerechtigkeit widerfahren lässt. Denn sind wir mal ehrlich: Innovation, Ideenreichtum und literarischer Anspruch zählten nie wirklich zu den Stärken der britischen Landhaus-Krimi-Autorin, deren Stil auf den Grundelementen des „Golden Age“ fußt und in Punkto Einfallsreichtum gegenüber einer Agatha Christie keinerlei große Fortschritte zu verzeichnen hat. Wenn dann noch das ein oder andere nicht in dem Maße zündet, wie in den Vorgängern – nun dann kommt halt so etwas wie „Blumen für sein Grab“ heraus.

Vorneweg und um den doch arg negativen Ton der Rezension etwas zu verdünnen: Ann Granger hat auch im siebten Band der Reihe keine gänzlich schlechte Leistung abgeliefert, die mit dem Prädikat unzumutbar jedem interessierten Käufer vorenthalten werden muss. Freunde von Mitchell und Markby werden diesmal ebenfalls in einem gewissen Rahmen auf ihre Kosten kommen. Ganz homogen und wirklich stimmig wirkt das Plotkonstrukt allerdings diesmal nicht. Und auch ihre sonstigen Stärken, vor allem die Beschreibung des beschaulichen Landlebens, kommen hier ungewohnt gewollt daher. Fast hat es den Eindruck, als wollte Granger mal komplett aus dem üblichen Korsett ausbrechen und etwas Neues, Komplexeres und Größeres versuchen. Ein Ansinnen, das man, vor allem im Vergleich mit den viel besseren Vorgängern, als gescheitert bezeichnen muss. Schade eigentlich, denn die eigentliche Idee hat, glaubwürdiger umgesetzt, durchaus Potenzial gehabt:

Für Alan und Meredith sollte es eigentlich eine angenehme Abwechslung vom Alltag sein. Ein kurzer Besuch auf der Blumenschau, abschalten vom Stress und beruflichen Sorgen. Doch wie immer halten Ruhe und Idylle nicht allzu lange an, denn als Meredith zufällig ihrer alten Schulfreundin Rachel Hunter begegnet, muss sie schnell erkennen, dass sie heute noch weniger mit dieser selbstbewussten Frau gemeinsam hat als schon damals in ihren Mädchenjahren – bis auf eine unangenehme Tatsache: Es stellt sie sich nämlich heraus, dass Rachel niemand anderes ist als Alans Ex-Frau, von der er sich vor Jahren alles andere als freundschaftlich getrennt hat. Eine Begegnung, die nicht ohne Folgen bleibt. Nachdem Rachels aktueller Ehemann kurz über einen Stich klagt – ein kleiner Dorn scheint der Übeltäter zu sein – stirbt er wenige Zeit später qualvoll in seinem Auto.

Alan, der am liebsten so schnell wie möglich Abstand zwischen sich und Rachel bringen würde, sieht sich nun in der prekären Lage, seiner Ex-Frau beizustehen. Da polizeiliche Angelegenheiten ihn in Bamford festhalten, bittet er Meredith, ein Auge auf ihre alte „Freundin“ zu werfen, dem diese zähneknirschend nachkommt. Zurück in Rachels alten Herrenhaus in den Cotswolds mehren sich jedoch die mysteriösen Zwischenfälle. Eine steinerne Ananas am Torbogen verfehlt Meredith' Kopf nur knapp. Und auch Alan bringt schlechte Nachrichten aus der Stadt: Rachels Mann ist keines natürlichen Todes gestorben. Es scheint als hätte jemand nachgeholfen … doch wer?

Ja, der Meister Zufall. Oftmals bemüht im Verlauf dieser Reihe – irgendwie muss die Diplomatin Meredith Mitchell ja immer in eine offizielle Morduntersuchung involviert werden – reizt ihn Ann Granger diesmal bis an seine Grenzen aus. Nicht nur, dass ihre Hauptprotagonistin (wieder einmal) gerade nicht arbeiten muss. Nein, diesmal ist man quasi live beim Tathergang dabei. Auch wenn diesen sowohl die Ermittler als auch die Leser lange nicht nachvollziehen können, da sich die Autorin als gute Zauberkünstlerin erweist und man gebannt auf die rechte Hand guckt, während in der linken das Wesentliche geschieht. Aber so funktionieren sie halt, die Kniffe des Whodunits, den Granger in ihrem Rahmen durchaus beherrscht, wenngleich nicht selten eine ihrer großen Vorgänger und Vorgängerinnen sie im Aufbau des Plots ein wenig „inspiriert“ hat. Insbesondere Poirot-Kenner werden bei der Lektüre von „Blumen für sein Grab“ wohl den ein oder anderen Déjà-vu-Moment haben. Während jedoch der Mann mit den kleinen grauen Zellen in seinen Fällen stets den Überblick behielt, ist Hobby-Schnüfflerin Meredith da weit weniger gesegnet. Diese ist in erster Linie beschäftigt, ihren wachsenden Frust unter Kontrolle zu halten, was angesichts der Kapriolen einer Rachel sogar durchaus nachzuvollziehen ist. Meredith – oft ein bärbeißiger Terrier und mir nicht gerade wirklich sympathisch – agiert hier tatsächlich erstmals wirklich diplomatisch. Eine Leistung, die angesichts der heiklen Dreierbeziehung zwischen ihr, Alan und seiner Ex ruhig Erwähnung finden sollte.

Doch so souverän sie auch letztlich auftritt – dem Krimi selbst hilft das leider nicht. „Blumen für sein Grab“ kommt selbst für einen „Cosy“-Vertreter, für den das gemächlichere Erzähltempo ja charakteristisch ist, unheimlich mühsam und schwer in die Gänge, wirkt in vielen Passagen zu unausgegoren. Besonders abseits des Herrenhauses scheint sich die Autorin nicht wohl zu fühlen, was sich dann gleichzeitig auf die Figuren auswirkt, deren Ausflüge ins Stadtleben in der Reihe oft einem Abenteuer gleichen, dem dann stets die freudige Rückkehr aufs Land folgt. Und hier spielt Granger ihre Stärken – dichte Atmosphäre und Lokalkolorit – endlich ein wenig aus. Die Nachbarschaft Rachels ist, Cotswolds-typisch, ein Quell der Ruhe, wobei natürlich hinter den Glasscheiben der alten Cottages und Herrenhäuser die typischen Spannungen des Dorflebens knistern. In diesem Fall verkörpert durch eine naheliegende Tierpension, dessen Inhaberin Rachels Treiben genauso mit Argusaugen verfolgt, wie die zarten Versuche ihres Sohnes, sich vom Einfluss der Mutter zu lösen. Das dieser dann auch noch der hübschen Rachel verfallen ist – ein weiterer Zufall, der deutlich macht, wie verkrampft man diesmal versucht hat, mehrere Handlungsstränge miteinander zu verweben. Eine Schwäche dieses Buches, die sich schließlich auch auf die Auflösung am Ende bzw. deren Twists und Turns auswirkt.

Was bleibt also? „Blumen für sein Grab“ ist mit Sicherheit kein Rohrkrepierer, kein handwerklich schlechtes Buch. Im Vergleich mit den Vorgängern kann es aber nicht bestehen, woran vor allem die überladen und zu sehr auf Miss Marple gebürstete Handlung Schuld trägt. Wem nur behaglich-beschauliches Landhaus-Flair für einen gemütlichen Lesenachmittag reicht, darf gerne zugreifen. Wer auch auf eine nachvollziehbare Auflösung des Falls mit natürlichem Spannungsbogen wert legt, sollte gleich mit dem nächsten Band, „Kerzenlicht für eine Leiche“, vorlieb nehmen.
rumble-bee zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 24.08.2010
Das ist mir auch noch nicht passiert - mit meiner vorigen Rezension zu dieser Buchreihe habe ich einen Vergleich aufgestellt, die Latte recht hoch gehängt, und nun stehe ich zähneknirschend davor und stelle fest, dass dies wohl doch nicht für alle Bände um Mitchell & Markby gilt. Aber gerade deswegen darf ich dies nicht verschweigen - und Ausnahmen von der Regel gibt es sowieso immer mal wieder, auch bei Büchern. Um mal im Bild zu bleiben: wenn Mitchell & Markby-Bücher wie Pommes Frites sind, dann ist bei diesem Buch das Fett wohl ranzig gewesen, oder das Exemplar war zu lange in der Fritteuse.

Der Gesamteindruck ist einfach nicht so rund wie bei vielen anderen Büchern der Reihe. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass sich die Autorin hier etwas übernommen hat. Ich weiß zwar nicht, warum, aber anscheinend hat sie geglaubt, sie müsse mal über etwas anderes schreiben als nur britisches Landleben und damit verbundene Verwicklungen. Da kann ich nur sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, oder, Ann Granger, bleib bei deinen Cottages und Eigenbrötlern.

In diesem Band sollte alles etwas größer geraten. Es fängt schon mit einem mysteriösen Mord an, einem eindeutig gewaltsamen Todesfall: mitten auf einer Floristik-Ausstellung wird ein Mann von einer tödlichen Injektion getroffen, versteckt in einem seltenen Dorn. Und Mitchell & Markby sind auch noch dabei, keine fünf Meter entfernt, und schießen Fotos...! Kurz darauf wird klar, dass der Mann ursprünglich kein Brite war, sondern vor Jahrzehnten mit geändertem Namen aus dem Libanon eingewandert. Das ruft natürlich die Behörden auf den Plan. Es kommt in diesem Buch tatsächlich zu hochoffiziellen Ermittlungen. Meredith Mitchell wird vom Secret Service gebeten, ihre Kontakte zur Witwe zu nutzen, und sie "in ihrer Trauer zu unterstützen", um so heimlich zu ermitteln. Denn sie ist eine alte Schulfreundin.

Das allein hätte ja schon gereicht. Doch nein, hier enden die etwas bemüht wirkenden Verwicklungen nicht. Denn es handelt sich bei der Witwe um niemand geringeren als Markbys Ex-Frau Rachel. Auch er wird also wider Willen in den Fall hinein gezogen. Zähneknirschend macht auch er sich auf den Weg zum Landsitz von Rachel, um erstens Meredith beizustehen, und zweitens der Beerdigung beizuwohnen.

Ab hier, ab etwa dem ersten Drittel des Buches, wird es dann für den Fan von Ann Granger-Büchern ein wenig mühsam. Denn der Landsitz und die Geschehnisse rund um die Beerdigung spielen dann wieder in einem Granger-typischen Milieu; ein einsames Dorf, lauter Leute, die alles voneinander wissen, Spannungen unter den Bewohnern zuhauf, Klatsch und Tratsch. Und das soll dann verbunden werden mit den geheimen Ermittlungen, von denen nur der Leser weiß... der Eindruck ist wirklich recht mühsam. Dauernd laufen Mitchell und Markby hin und her, vom Hotel zum Landsitz, zur Tankstelle, zum Aussichtshügel, zur Tierpension, und wieder zurück. zu allem Überfluss hat sich die Autorin auch noch gedacht, in die Dorfhandlung ein Familiendrama einzubauen - der Sohn der Inhaberin der Tierpension ist ein Muttersöhnchen und Naivling, und heimlich in Rachel verliebt. Das kann natürlich die Frau Mama, eine echte altmodische Landmatrone, nicht zulassen... mehr brauche ich dazu nicht zu sagen, man ahnt alles Weitere. Das war also schon die dritte Zutat, die hier "verbraten" werden sollte, und für mich war das einfach zu viel des Guten.

Es hätte so ein schönes Buch werden können, wenn man eine oder zwei der genannten "Zutaten" weggelassen hätte. Ich kann den ursprünglichen Reiz der Idee durchaus nachvollziehen. Anstatt einen üblichen sogenannten "cosy"-Roman zu schreiben, im Landhaus-Stil nämlich, hatte dies etliche Zutaten des klassischen "Whodunit", "wer war der Täter", da der Mord am Anfang auch noch vor aller Augen stattgefunden hatte. Meredith Mitchell sollte hier als eine Art Miss Marple fungieren, nur hat die Autorin übersehen, dass das zu ihrem Charakter, oder zumindest zu meiner Vorstellung als langjähriger Leserin, nicht so recht passt.

Auch hat meinen Eindruck gestört, dass dieses Buch doch wesentlich blutiger war als die anderen der Reihe. Bei dem einen Todesfall blieb es nämlich leider nicht. Noch zwei weitere Personen werden recht brutal ermordet, eine junge Frau landet erstochen in der Vogel-Voliere, ein junger Mann wird in der Wohnung des Gärtners dahingemeuchelt.

Auch gab es einfach zu viele verdächtige Personen. Eine unbekannte Frau, die von ferne auf der Beerdigung gesichtet wird; die mysteriöse Ehefrau des Hotelbesitzers, die stets kommt und geht wie sie will; der Sohn der Tierpflegerin, der heimlich Fotos zerkratzt; und noch etliches mehr. Und auf Meredith Mitchell wird auch noch ein Anschlag verübt... der zum Glück schief geht...

Das Ende konnte man als Leser diesmal nur schwierig erraten, es war aus den eigentlichen Geschehnissen kaum herleitbar. Die Aufmerksamkeit war auch deutlich abgelenkt, weil man ja gleichzeitig mit drei Handlungsebenen zu tun hatte: einmal die geheimen Ermittlungen, dann die Spannungen um Rachel-Mitchell-Markby, und der verliebte Jüngling aus der Tierpension... Dementsprechend wirkte die Auflösung, sehr Granger-typisch im Erzählstil vorgetragen, denn auch sehr an den Haaren herbeigezogen und überladen.

Immerhin hat das Buch seine drei Sterne durchaus verdient. Wenn man sich sozusagen die aufgesetzte "Schale" des Buches wegdenkt, und sich nur auf die Handlung innerhalb des Dorfes konzentriert, dann ist alles so, wie es in einem Granger-Buch sein sollte. Die Dialoge flüssig, die Charaktere schrullig, und auch der romantische Konflikt zwischen Mitchell und Markby schwelt hübsch weiter. Doch für eine noch bessere Bewertung hat es nun leider nicht gereicht. Die Handlung zu wirr und überkonstruiert, zu viel Gewalt, und das Ende nicht vollständig logisch erfassbar. Schade.

***

Ich habe gezögert, aber nun möchte ich doch einen Nachtrag verfassen. Denn auch diesmal habe ich mich kolossal über die Übersetzung geärgert. Ich bin wirklich kurz davor, mich an den Verlag zu wenden, ob sie mit diesem Axel Merz zufrieden sind. Das KANN einfach nicht sein, solche Schnitzer, und auch noch in dieser Häufung! Ob er einen Teil seiner Übersetzung einem Studenten "abgegeben" hat, und hat die fertige Fassung dann nur überflogen?? Anders kann ich mir das einfach nicht erklären.

Diesmal sind es nicht nur die allzu wörtlich übersetzten idiomatischen Wendungen, nein, auch noch mehrere landes- und sachkundliche Schnitzer waren dabei. Die zähle ich euch mal auf, damit ihr wisst, was ich meine.

1) Da musste ich doch tatsächlich lesen, "er war kein Mitglied der Kirche von England"... Ähem, wenn überhaupt, hätte es "Anglikanische Kirche" heißen müssen, oder man hätte eben den EIGENNAMEN beibehalten sollen: "Church of England".

2) Völlig unhaltbar der zweite Fall. Da stand zu lesen: "... sein Anzug von Savile Row"... Mir rollten sich die Fußnägel auf! Die "Savile Row" ist eine sehr (!) bekannte Adresse in London, wo die führendsten und auch teuersten Herrenschneider angesiedelt sind. Das lernt man schon in der Oberstufe im landeskundlichen Teil!! "Savile Row" ist also KEINE Textilmarke!! Es hätte entweder heißen müssen, "sein Savile Row Anzug", oder "sein Anzug aus der Savile Row".

3) Und drittens ein Fehler, der uns schon ab der sechsten Klasse ausgetrieben wurde: "pudding" ist NICHT gleich "Pudding", sondern "Auflauf"...!!

Es mag sein, dass ich ein klein wenig kleinlich bin - aber sagt selbst, darf das in dieser Häufung in ansonsten so schönen Büchern sein??
Oliver zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 14.03.2005
Also ich fand manche Szenen zwar schon etwas langatmig, doch ich fand den Roman und sein Ende nicht so "schlimm" wie unser Kritiker. Wieso bitteschön ist das Nahostthema klischeehaft abgehandelt? Diese Aussage zeigt eigentlich nur die Unwissenheit...... zumal in diesem Fall Alex´s ja Verwandte bei einer autobombe ums Leben kam, einer Attentatmethode die ja von islamischen Fundamentalisten gewählt wird. Ist es wirklich ein Klischee, dass die eigenen Leute dabei drauf gehen? Ich finde nicht.
Da Ende finde ich sogar recht lustig ;-)
Oliver zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 14.03.2005
Also ich fand manche Szenen zwar schon etwas langatmig, doch ich fand den Roman und sein Ende nicht so "schlimm" wie unser Kritiker. Wieso bitteschön ist das Nahostthema klischeehaft abgehandelt? Diese Aussage zeigt eigentlich nur die Unwissenheit...... zumal in diesem Fall Alex´s ja Verwandte bei einer autobombe ums Leben kam, einer Attentatmethode die ja von islamischen Fundamentalisten gewählt wird. Ist es wirklich ein Klischee, dass die eigenen Leute dabei drauf gehen? Ich finde nicht.
Da Ende finde ich sogar recht lustig ;-)
Michaela zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 14.04.2004
Da kann ich mich Silivia's Meinung nur anschließen: Alle Fans dieses Krimi-Genres werden auch dieses Buch mögen!!

Allerdings muss ich schon zugeben, dass mir das "Geplänkel" zwischen Mitchell und Markby allmählich auf die Nerven geht...
Siliva zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 14.04.2004
naja der "Rezensist" wollte wohl um teufel komm raus eine schlechte kritik schreiben. Alle, die die ersten 6 Romane toll fanden (so wie ich) werden auch diesen Roman gut finden. Im übrigen verlange ich von einem Krimi Roman Schreiber keine Pulizer Preise sondern Geschichten der Kurzweil. Ann Granger ist top.
Wolfgang zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 23.12.2003
Einige Leute werden nie begreifen, dass es viel erotischer sein kann, wenn die Hauptakteure nicht aller paar Stunden in die Kiste springen. Beim Lesen braucht man eben ab und zu etwas Phantasie. Ich fand den 7.Fall Spitze.
Sandra zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 13.10.2003
Wieder ein sehr spannendes Buch von A.G.
Ich finde es grade spannend,mit dem hin und her der beiden,ob sie nun ein Paar sind oder nicht.
Sehr amüsant.
Natürlich ist´auch der Fall wieder einzigartig gut!
Annika zu »Ann Granger: Blumen für sein Grab« 04.07.2003
So. Der absulute Tiefpunkt in dieser Serie und dabei war der 6. supi toll (100%). Dieser Krimi war doch nur um die "Begegnung" der beiden Paare gestrickt. Die Krimigeschichte hätte man als Affäre in einer Seifenoper spilem lassen sollen und nicht zurecht gebogen in einer Krimireihe/serie. Wenn alle anderen Bücher unreparierbar beschädigt würden, würde ich sie mir neukaufen, aber dieses, der 7. Fall ist es nicht wert. Den hätte sich Granger Schenken sollen- vielleicht sollte man ihn deshalb lesen

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