Opferschuld von Ann Cleeves

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Telling tales, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei rororo.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Vera-Stanhope-Serie.

  • London: Macmillan, 2005 unter dem Titel Telling tales. 409 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2011. Übersetzt von Stefanie Kremer. 448 Seiten.

'Opferschuld' ist erschienen als

In Kürze:

Emma Bennett sieht sich mit dem Trauma ihrer Kindheit konfrontiert: zehn Jahre zuvor entdeckte sie die Leiche ihrer besten Freundin. der Täter wurde gefasst, doch nun taucht ein Zeuge auf, der sein Alibi nach all den Jahren bestätigt. Kommissarin Vera Stanhope würde den Mörder gern dingfest machen, doch das gestaltet sich schwierig: In Elvet findet sich kaum ein Einwohner, der kein Motiv gehabt hätte, die hübsche, verzogene und sehr gerissene Abigail zu töten …

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tassieteufel zu »Ann Cleeves: Opferschuld« 13.05.2014
Emma Bennetts Leben scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen, sie ist mit einem netten Mann verheiratet, wohnt in einem schönen Haus und hat ein Baby, doch da wird sie mit Ereignissen aus ihrer Jugend konfrontiert, die sie nie ganz verarbeitet hat. Vor 10 Jahren fand sie die Leiche ihrer besten Freundin Abigail. Die Täterin wurde gefaßt und verurteilt, doch hatte sie stets ihre Unschuld beteuert. Nun ist ein Zeuge aufgetaucht, der der Täterin ihr Alibi für den Mord bestätigen kann. Kommissarin Vera Stanhope von der Polizei in Northumberland wird nach Elvet entsandt, um den Fall wieder aufzurollen, doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig, viele der Einwohner scheinen ein Mordmotiv zu haben und die Ermittlungen der Polizei vor 10 Jahren waren alles andere als korrekt. Zudem hat sich die Täterin im Gefängnis umgebracht, was die Spekulationen weiter anheizt.

Mit dem Einstieg in den Krimi hab ich mich zunächst etwas schwer getan, denn am Anfang hat es fast den Anschein, als würde man gar keinen Krimi lesen. Die Autorin durchleuchtet das Seelenleben ihrer Figuren sehr ausführlich, mir war das fast schon ein wenig zu viel des Guten, insgesamt ist das zwar ganz informativ, da man so die beteiligten Charaktere sehr gut kennen lernt, aber wirklich spannend wird es daher zunächst nicht.
Erst in der zweiten Buchhälfte kommt Kommissarin Vera Stanhope richtig zum Zug. Während sie zu Anfang eine ehr schwer greifbare Figur ist, die quasi nur im Hintergrund herum geistert, nimmt sie nun ihre verbissene Ermittlungstätigkeit auf und läßt auch da nicht locker, wo andere schon längst aufgegeben hätten. Mit dieser ungewöhnlichen Figur ist der Autorin ein geschickter Schachzug gelungen, denn die Kommissarin fällt im Kreis der Ermittler doch aus dem Rahmen, sie ist dick, unattraktiv und unterstreicht diese Mängel noch mit einer unmöglichen, geschmacklosen Kleiderordnung. Oftmals ist sie recht derb und hat ein sehr forsches Auftreten, andererseits kann sie, wenn erforderlich sehr feinfühlig und mitfühlend sein. Die Ermittlungen der Kommissarin verlaufen zunächst wenig erfolgreich, doch der Autorin ist es gelungen, den Fall sehr undurchschaubar zu konstruieren, Verdächtige gibt es viele, ebenso mögliche Motive, hier kann man als Leser gut miträtseln und wird dabei mit der ganzen Bandbreite menschlicher Emotionen und Abgründe konfrontiert. Als ein weiterer Mord passiert, ist Vera Stanhope sicher, dass dieser Todesfall mit dem Mord von vor 10 Jahren in Verbindung steht und wie die Kommissarin so nach und nach den Dorfbewohnern ihre Geheimnisse entlockt und die Hintergründe für die Morde aufdeckt, das ist wirklich sehr gelungen. Durch ihr Äußeres und ihr Auftreten vermittelt die Kommissarin schrullige Harmlosigkeit, dabei hat sie einen messerscharfen Verstand und ist sehr intelligent. Durch ihre vordergründige Unperfektheit ist Vera aber ein Charakter, der einem bald an Herz wächst und von dem man gern mehr erfahren möchte.
Wer einen rasanten, actiongeladenen Krimi sucht, ist hier mit Sicherheit falsch, dafür legt die Autorin zu viel Wert auf das Seelenleben ihrer Figuren und lotet zwischenmenschliche Beziehungen, Verwicklungen und Komplikationen sehr umfassend aus, so dass sich daraus ein großer Teil der Spannung zieht, mehr als aus der eigentlichen Tätersuche. Der Krimifall und die Mördersuche sind eingebettet in das stimmungsvolle Setting der rauen und unwirtlichen Küste Northumberlands, die für Vera Stanhopes ersten Fall die passende Kulisse liefern.

FaziT: nach leichten Einstiegsschwierigkeiten entpuppt sich das Buch als typisch englischer Whodunit Krimi mit einer schrulligen Hauptfigur und einer atmosphärisch dichten Schilderung von Land und Leuten, sicher nicht mein letzter Krimi der Autorin!
 
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