Wenn ich dich hole von Anja Goerz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei dtv.

  • München: dtv, 2017. ISBN: 978-3423261470. 256 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2017. Gesprochen von Lotte Ohm Stefan Kaminski. Ungekürzte Lesung. ISBN: 3742400061. 5 CDs.

'Wenn ich dich hole' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Wegen eines Unwetters sitzt Bendix Steensen in Heathrow fest. In immer kürzeren Abständen erhält er Anrufe seines neunjährigen Sohnes Lewe, die allmählich panisch klingen: Seit Stunden sind Mama und Oma nun schon fort, am Handy meldet sich niemand, er hat Angst, in dem abgelegenen Haus in Niebüll nicht mehr allein zu sein. Bendix alarmiert die örtliche Polizei. Doch obwohl diese nichts Verdächtiges feststellt, versucht er alles, um auf schnellstem Weg nach Nordfriesland zu kommen. Eine schier endlose Reise, zusätzlich erschwert durch Schnee und Sturm. Derweil haben seine Frau und Mutter einen ganz anderen Kampf zu kämpfen. Und Lewe ist tatsächlich nicht mehr allein …

Das meint Krimi-Couch.de: »Idealer Pageturner für eine längere Zugfahrt« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Bendix Steensen ist auf dem Weg nach Niebüll, wo Mutter Grete, Frau Insa und sein neunjähriger Sohn Lewe auf ihn warten. Soweit die Theorie, denn Bendix sitzt am Londoner Flughafen fest, ein Unwetter verhindert weitere Flüge. Auch Grete und Insa sind nicht zuhause, denn nachdem sie einkaufen waren, gab es einen Unfall, sie landeten in einem Graben. Insa kann zwar verletzt aus dem Auto steigen, wird aber von einer unbekannten Person niedergeschlagen.

Derweil bekommt Lewe zuhause zunehmend Angst, bittet immer wieder seinen Vater per Handy um Hilfe, doch dann bricht der Funkkontakt zusammen. Bendix macht sich per Zug auf die stundenlange Heimfahrt über Brüssel, Köln und Hamburg, und bittet den Dorfpolizisten, nach seinem Sohn zu sehen. Dessen Angst ist mittlerweile berechtigt, denn eine zweite Person befindet sich im Haus …

Kurzweilige, aber mitunter vorhersehbare Unterhaltung

Dass auf dem Buchrücken ausgerechnet Sebastian Fitzek zitiert wird, ist kaum ein Zufall, sondern ein gelungener Marketingzug. Denn in der Tat dürften sich Fitzek-Leser durchaus mit dem »außergewöhnlichen« Plot anfreunden können. Lewe, im einsam gelegenen Haus der Großmutter von der Außenwelt zunehmend abgeschnitten, allein zuhause mit einer unbekannten Frau, die sich manisch zu Bendix hingezogen fühlt. Nach und nach erschließt sich das wahre Ausmaß ihrer Obsession, die vor vielen Jahren ihren Anfang nahm und in Rückblenden aufgeschlüsselt wird.

»Wer sollte in das Haus seiner Mutter einbrechen? Da war doch nichts zu holen. Außer seinem Kind.«

»Wenn ich Dich hole« ist durchaus packend, allein der Spannungsbogen ist und bleibt überschaubar, denn hat man erst den Grund für die Vorkommnisse verstanden, was recht früh geschieht, dann bleibt nur noch die Frage nach dem Showdown. Wer wird es trotz widriger Witterungsverhältnisse schaffen, rechtzeitig den kleinen Lewe zu retten – und wird es bis dahin weitere Tote geben?

Eine mehr als geeignete Reiseliteratur

Der Schreibstil ist flott, kurze Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven treiben voran und wer – sagen wir – von Köln nach Berlin mit dem Zug fahren möchte, findet hier durchaus eine mehr als geeignete Reiseliteratur. Man muss nicht nachdenken, die Handlung treibt einen durch die übersichtlichen 250 Seiten, und am Ende ist man froh, sich dem nächsten Buch widmen zu können.

Bis dahin beschäftigen einen die gewaltigen Wetterverhältnisse, die Handy- und Telefonnetze zusammenbrechen lassen, Personen, die mit der Situation nur bedingt zurecht kommen (wie der Dorfpolizist) und ein kleiner Junge, der trotz aller berechtigter Angst den Ernst der Lage gut erkennt. Unrühmlicher Höhepunkt: Kaum ist der Showdown, dem alle panisch entgegen gefiebert haben, vorbei, funktioniert auch prompt das Handynetz wieder, um einen Krankenwagen rufen zu können.

Jörg Kijanski, August 2017

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Jens zu »Anja Goerz: Wenn ich dich hole« 20.07.2017
Es könnte eine spannende Geschichte sein, wenn sie etwas transparenter wäre.
Ich habe viermal zurückgespult, weil die Schwiegermutter plötzlich tot war und ich nicht mitbekommen hatte, wann genau Insa das festgestellt hatte. Aber Fehlanzeige. Es wird nur mit einem Nebensatz erwähnt.
Genauso, als der Polizist eigentlich nach dem Jungen sehen wollte. Da war zwischendurch irgendwas mit einem Ladendieb - aber man muss sich dann selbst irgendwas zusammenreimen.
Erst schläft der Junge (vermutlich) ein, dann kriegt er Suppe - und was in der Zwischenzeit passiert war ist in einer Blackbox verschwunden.
Zwischendurch gibt es Einblendungen mit einer Frauenstimme.
Man könnte jetzt ahnen, dass es sich um eine Verflossene handelt, aber man könnte wenigstens eine Orientierung in der Art "Vergangenheit" / "Gegenwart" erwarten.
Lauter Fragmente.
So langsam habe ich die Nase voll von diesem Puzzlespiel und ich glaube nicht, dass ich das Buch zuende hören werde.

Schade um die Story - denn da hätte was richtig Gutes draus werden können.
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