Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen? von Angela Marsons

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Silent Scream, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: England, 2010 - heute.
Folge 1 der D.I.-Kim-Stone-Serie.

  • London: Bookouture, 2015 unter dem Titel Silent Scream. 464 Seiten.
  • München: Piper, 2016. Übersetzt von Elvira Willems. ISBN: 978-3-492-06034-9. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2016. Gesprochen von Christian Berkel Andrea Sawatzki. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3844521836. 1 CDs.

'Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Eisig glitzert der Frost auf der tiefschwarzen Erde des Black Country, als die Geräte der forensischen Archäologen den Fund menschlicher Überreste anzeigen und Detective Kim Stone den Befehl zur Grabung erteilt. Nur wenige Schritte entfernt, aber im Nebel doch kaum sichtbar, liegt das verlassene Gebäude des Kinderheims. Eine der ehemaligen Angestellten ist bereits tot, und auch das Leben der verbliebenen hängt am seidenen Faden. Kim ist überzeugt, dass die Lösung des Falls im lehmigen Boden begraben liegt, doch um ihm auf den Grund zu kommen, muss sie sich den Dämonen ihrer eigenen Kindheit stellen. Und noch ahnt sie nicht, was sich in Crestwood zugetragen hat und mit wem sie sich anlegt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Grauen lauert in der Vergangenheit« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Das so genannte Black Country nördlich und westlich von Birmingham hat seinen Namen von oberirdischen Kohleschichten, die für die schwarz Färbung der Erdoberfläche gesorgt haben. Hier wird Teresa Wyatt, eine ehemalige Kinderheim-Angestellte, in ihrer eigenen Badewanne ermordet. Kurz vor ihrem Tod steht ihr deutlich vor Augen, dass sie von ihrer Vergangenheit eingeholt wurde – und dass ihre Mitverschwörer nicht wissen, wer ihnen auf den Fersen ist.

Detective Kim Stone von der West Midlands Police und ihr Team ermitteln, als weitere Morde deutlich machen, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern gibt. Alle haben im Kinderheim Crestwood gearbeitet, das vor einiger Zeit nach einem Brand geschlossen wurde. Als auf einem nahe gelegenen Ausgrabungsgelände eine schon lange vergrabene Kinderleiche gefunden wird, erahnt Kim langsam die Dimension dieser grausigen Mordserie.

Düstere und traurige Stimmung an einem schaurigen Ort

Angela Marsons hat mit Silent Scream einen beachtenswerten Erstlingsroman vorgelegt. Sie vermag ihre Geschichte fesselnd zu erzählen, baut schnell einen guten Spannungsbogen auf, der bis zum Ende nicht abfällt, sondern sogar noch ansteigt. Die Autorin baut – durchaus passend zum traurigen Grundthema des Romans – eine ziemlich düstere Stimmung auf. Dazu trägt der Schauplatz der Geschichte auch einiges bei. Die finstere Ruine des abgebrannten Kinderheims, mitten im Black Country gelegen, die aktuellen Morde, die ausgegrabenen Leichen der jungen Mädchen – das lässt schon einige kalte Schauer den Rücken hinab rieseln.

Besonders motivierte Ermittlerin mit Ecken und Kanten

Detective Kim Stone ist eine Ermittlerin mit vielen Ecken und Kanten. Sie wirkt häufig schroff und unnahbar, aber ihr Charakter und vor allem ihre hohe Motivation bei diesem speziellen Fall sind aus ihrer Vergangenheit zu erklären. Neben ihrer ziemlich bewegten Vorgeschichte spielt aber auch ihre Haltung zu Vorschriften und beruflichen Zwängen eine wichtige Rolle – von beidem hält Kim nämlich herzlich wenig.

Sie hat selbst lange Jahre in staatlichen Heimen und Pflegefamilien verbracht. Deshalb hat sie eine besondere Empathie für die Mädchen, die einst in Crestwood gelebt haben. Und sie will die aktuellen und die lange zurück liegenden Morde unbedingt aufklären. Sie macht sich mit ihrer verbissenen Ermittlungsarbeit keine Freunde, aber das ist ihr wohl herzlich gleichgültig.

Kim ist eine toughe Polizistin, die den Opfern auf jeden Fall zu Gerechtigkeit verhelfen will. Diese Haltung nötigt dem Leser einiges an Respekt ab, auch wenn man Kim nicht unbedingt sympathisch finden mag. Aber Angela Marsons hat diese Roman-Figur nach eigener Aussage bewusst so angelegt – nicht immer sympathisch, aber leidenschaftlich und ehrgeizig.

Neben der Spannung kommt die Psychologie nicht zu kurz

Der Plot um die vergrabenen Leichen und die Morde an ehemaligen Mitarbeitern eines Kinderheims ist deutlich komplexer angelegt, als man es auf den ersten Blick und nach der Lektüre des Klappentextes vermutet. Angela Marsons erzählt ihre Geschichte mit recht vielen Wendungen und Überraschungen, der Leser bekommt in kleinen Häppchen neue Informationen – und eben auch einige falsche Spuren. Kim Stones eigenwilliger Charakter macht die verwickelte Handlung durchaus noch interessanter. Dabei spielen auch die unterhaltsamen und insgesamt authentischen Dialoge eine große Rolle.

Es geht um Missbrauch in einer üblen Form – nämlich an Kindern, die sich aufgrund ihrer speziellen Lage nur schwer wehren können. Es geht aber auch um Persönlichkeitsstörungen, um Rache und Beschützerinstinkt, und um große Gefühle im Allgemeinen. Die Autorin hat hier eine breite Palette in ihren Plot eingebaut, neben der Spannung kommt auch die Psychologie nicht zu kurz.

Angela Marsons ist ein recht anspruchsvoller Plot gelungen

Es gibt einige Wechsel in der Perspektive, und auch ein paar Äußerungen aus Tätersicht – die allerdings nur bedingt erhellend sind. Die Autorin hat ein paar brutale Fakten und auch blutige Einzelheiten eingebaut, aber es wird nicht wirklich unappetitlich. Etwas zu langatmig sind einige Passagen rund um die Ausgrabungsarbeiten der Forensiker geraten – aber das ist durchaus noch im Rahmen.

Insgesamt ist Angela Marsons ein anspruchsvoller Plot gelungen. Durch Überraschungen und falsche Fährten erzeugt sie einiges an Dynamik, macht mit etlichen Aspekten im Hinblick auf die Opfer aber auch nachdenklich. Ein lesenswerter und sehr unterhaltsamer Roman – bei dem allerdings der irreführende Text auf der Buchrückseite für einige Irritation sorgt. Aber dafür kann die Autorin nichts, nur im Verlag sollte man mal über die Gestaltung der Buchrückseiten intensiv nachdenken.

Andreas Kurth, Mai 2016

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Hulda63 zu »Angela Marsons: Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?« 25.07.2017
Bin jetzt ungefähr bei der Hälfte angelangt. Kann den guten Kritiken nicht wirklich zustimmen.
Kim, die ermittelnde Komissarin ist bei aller Empathie und trotz des Vorlebens einfach zu unsympathisch gezeichnet.
Dann immer wieder Sprünge in der Zeit, in der Perspektive, die mir zu oft wechselt.
Das baut in meinen Augen keine Spannung auf, sondern nervt nur.
So langsam werden kleine Anekdoten aus dem so schweren Leben der Komissarin geschildert, die sie in freundlicherem Licht dastehen lassen sollen.
Kann man lesen, muss man nicht.
Anja Pilz zu »Angela Marsons: Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?« 03.07.2016
Das Buch fiel mir in der Bibliothek ins Auge und ich begann ohne große Erwartungen zu lesen. Das Buch hat mich schnell gepackt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Ein spannender Krimi mit Gänsehautfaktor und unerwarteten Wendungen. Heute habe ich es nach nur 5 Tagen ausgelesen und bin nun auf der Suche nach weiteren Werken von Angela Marsons. Ein Name, den ich künftig immer mit aufregendem guten Krimi in Verbindung bringen werde. Ich bin schon gespannt, auf weitere Bücher.
Uwes-Leselounge zu »Angela Marsons: Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?« 08.04.2016
Als auf einem Brachland in der Nähe des ehemaligen Kinderheims Crestwood im Black Country Distrikt von Birmingham ein Messegerät eines forensischen Teams auf die menschlichen Überreste stößt, ahnt Detective Kim Stone schlimmes. Kurz entschlossen gibt Kim den Befehl zur Grabung. Gibt es eine Verbindung zwischen den gefundenen menschlichen Überresten und dem Mord an einer ehemaligen Angestellten des Kinderheims? Auch das Leben der anderen Mitarbeiter scheint in großer Gefahr. Will der Mörder mit aller Macht verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt? Der Fall scheint unlösbar und dabei sieht sich Kim mit ihrer eigenen Kindheit konfrontiert. Kim ahnt nicht, mit wem Sie es zu tun hat... Der Einstieg beginnt in der Vergangenheit und wir beobachten fünf Menschen, die vor einem offenen Grab stehen und einen Eid schwören, das Geschehene niemals zu erzählen. Im nächsten Kapitel lernen wir eine dieser Menschen, nämlich Teresa Wyatt, kennen und müssen erleben, wie sie getötet wird. Hat sie den Eid gebrochen und musste deshalb sterben? Oder steckt vielleicht viel mehr dahinter?

Warum erzähle ich euch das? Nun, weil mir der Einstieg in die Geschichte etwas schwer fiel. Der Schreibstil von Angela Marsons sowie die Charaktere fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, um es mal so auszudrücken. Doch im weiteren Verlauf konnte ich mich damit arrangieren und die Geschichte nahm mich für sich ein. Lasst euch also nicht vom Anfang oder gar den etwas knorrigen Charakteren abschrecken. Gerade die Figur Kim Stone erinnerte mich an Smoky Barrett von Cody McFadyen und ich liebe diesen Charakter und deren Geschichte. Kim hatte keine einfache Kindheit. Durch diesen Fall kommen all diese Geschehnisse wieder in ihr hoch. Kim ist eine Einzelgängerin und Alphatier. Sie lässt neben ihrer Meinung kaum eine andere gelten und verlässt sich lieber nur auf sich selbst. Doch gerade in ihrem Job als leitende Ermittlerin der Mordkommission muss sie mit ihren Untergebenen und Kollegen zusammenarbeiten, um diesen Fall nicht zu verlieren. Ihr Team bestehend aus den Mitgliedern Stacey Wood, Kevin Dawson und Detective Sergeant Bryant, versucht sie Licht in das Dunkle zu bringen. Dies gelingt ihnen zunächst jedoch nicht, da kaum bis keine Spuren an den menschlichen Überresten zu finden sind. Auch die tote Teresa Wyatt gibt hier nicht viel her. Doch als Kim merkt, dass sie sich auf ihr Team verlassen kann und die Zügel etwas lockerer lässt, zeigen sich erste Erfolge. Kim machte für mich im Laufe der Geschichte eine kleine Wandlung durch, die nicht zuletzt dank ihres freundlichen und liebenswerten Kollegen DS Bryant zu verdanken ist.

FAZIT: Insgesamt besticht die Geschichte durch eine gute Grundspannung, die sich gerade zum Ende hin noch etwas steigern konnte. Bis kurz vor Schluss hatte ich zwar eine Vermutung, wer hinter dem Ganzen steckt und als ich gerade dachte, genau so war es, baute Angela Marsons eine für mich unerwartete Wendung ein, was mir gut gefallen hat. Zwar ist die Handlung in gewissem Masse vorhersehbar, doch ich fand gerade die Entwicklung der einzelnen Charaktere im Verlauf der Geschichte gelungen und so störte mich dieser Punkt nicht so sehr. Eine eigenwillige Kommissarin mit gutem Bauchgefühl, die sich festbeißt und nicht mehr los lässt, gepaart mit einer spannenden Geschichte - 4 Nosinggläser.
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